Neutronen als Spürhund

Neutronen sind schon seltsame Geschöpfe. Sie haben eine recht große Masse und keine elektrische Ladung. Sie sind deshalb in der Lage, viele Materialien nahezu ungehindert zu durchdringen. Ganz im Gegenteil zu den Protonen — ihren Gegenstücken im Kern — die eine positive Ladung besitzen. Sie haben zwar fast die gleiche Masse, werden aber wegen ihrer elektrischen Ladung stark beim Durchtritt durch Materie beeinflußt. Elektronen sind nur leicht und sind elektrisch negativ geladen. Wegen ihrer Ladung sind sie gut zu beschleunigen und auszurichten, dringen aber wegen ihrer geringen Masse nur wenig in Materialien ein. Sie werden deshalb z. B. zum Schweißen verwendet. Ein Partikelstrahl aus Neutronen würde den Stahl einfach durchdringen, ihn aber nicht zum Schmelzen bringen.

Da Neutronen keine Ladung besitzen, lassen sie sich nicht beschleunigen und in ihrer Flugrichtung beeinflussen. Sie lassen sich nur „mechanisch“ durch Zusammenstöße abbremsen. Sinnigerweise nur leicht, wenn sie mit schweren Kernen zusammenstoßen und sehr stark, wenn sie mit möglichst leichten Kernen zusammentreffen. Ihre „Reaktionsfreude“ hängt wiederum von ihrer Energie, d. h. ihrer Geschwindigkeit ab. Aufgrund dieses Zusammenhanges entsann der Mensch die Neutronenwaffe: Schnelle Neutronen sollten nahezu ungehindert Panzer durchdringen und erst mit den darin sitzenden Menschen (tödlich) reagieren.

Neutronen zur Analyse

Wenn Neutronen mit Atomkernen reagieren, entstehen immer irgendwelche charakteristischen γ-Quanten. Diese kann man recht einfach und sehr genau messen. Sprengstoffe bestehen wesentlich aus Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff in bestimmten chemischen Verbindungen. Wird ein solcher Stoff mit Neutronen beschossen, ergibt sich ein eindeutiger „Fingerabdruck“ in der Form des gemessenen γ-Spektrums. Sehr genau und sehr zuverlässig. Man kann nicht nur sagen, daß es Sprengstoff ist, sondern genau die Sorte angeben. Fehlalarme sind nahezu ausgeschlossen — wenn man genug Neutronen hat und über die erforderliche Meßtechnik verfügt.

In der Forschung — und teilweise der Forensik — ein seit Jahrzehnten erfolgreich angewendetes Verfahren. Man kann z. B. noch Gifte in Konzentrationen finden, bei denen chemische Analyseverfahren längst versagen. Solche Untersuchungen finden meist in kerntechnischen Einrichtungen statt, denn man benötigt neben der Meßtechnik Zeit und viele geeignete Neutronen — üblicherweise aus einem Forschungsreaktor.

Während des Irak-Krieges erlitten die Truppen die meisten Verluste durch „Eigenbau-Sprengfallen“ die unmittelbar neben den Straßen gelegt wurden. Wenn eine LKW-Kolonne vorbeifuhr, wurden sie (meist über Funk) ausgelöst. Schutz gegen solche Sprengfallen bieten nur gepanzerte Fahrzeuge. Die größten Verluste hatten deshalb nicht die kämpfenden Truppen an der Front, sondern die Versorgungseinheiten, die in Kolonnen durch endloses Feindesland fahren mußten. Nach amerikanischem Muster wurde deshalb richtig Geld in die Hand genommen, um dieses Problem zu lösen. Eine Lösung ist heute die Neutronenaktivierungsanalyse: Sie wirkt auch gegen versteckte und eingegrabene Sprengkörper aus schwer detektierbaren Materialien wie z. B. Kunststoff und Holz in einer vermüllten Umwelt. Für eine praktische Anwendung ist die sichere und schnelle Erkennung aus einem (langsam) fahrenden Fahrzeug und sicherer Entfernung von etlichen Metern erforderlich. In der Messdauer und der Entfernung liegt aber die Herausforderung.

Die „Neutronenkanone“

Will man größere Mengen Neutronen in einer möglichst kleinen Anlage erzeugen, bleibt praktisch nur die Kernfusion. Man schießt in einem Beschleuniger z. B. H2 – Kerne auf H3 – Kerne, wodurch ein Neutron mit hoher Energie freigesetzt wird. Das Problem solch einer Kernreaktion ist aber, daß die entstandenen Neutronen sich in einer beliebigen Richtung davonmachen. Ganz ähnlich wie die Lichtquanten einer Glühbirne. Es ist gleichmäßig hell im gesamten Raum um die Glühbirne. Diese großräumige Verteilung hat zur Folge, daß die Helligkeit sehr schnell mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Will man eine bestimmte Stelle „ausleuchten“, muß man den Lichtstrahl darauf konzentrieren. Genau dies ist aber bei Neutronen nicht so einfach. Ein Spiegel funktioniert — anders als bei Licht — praktisch nicht. Eine Ablenkung durch Magnetfelder funktioniert wegen der nicht vorhandenen Ladung — anders als bei dem Elektronenstrahl einer Röhre — auch nicht. Eine solch einfache Neutronenquelle hätte nur eine sehr geringe Reichweite und wäre damit unbrauchbar.

Wenn es aber trotzdem gelänge den größten Teil der Neutronen gezielt auf ein Objekt zu lenken anstatt sie sinnlos im Raum zu verteilen, sehe die Sache anders aus. Je mehr Neutronen den Sprengkörper treffen, um so stärker sendet dieser seine charakteristischen γ-Quanten aus und die erforderliche Messdauer verkürzt sich, was dem Suchfahrzeug eine höhere Geschwindigkeit erlaubt. Neutronen sind zwar schwer auf Kurs zu bringen, dafür halten sie aber um so sturer ihren Kurs (große Masse und keine Ladung) und fliegen mit einer Geschwindigkeit von über 40 000 km/s davon.

Neutronen kann man praktisch nicht mehr beeinflussen. Dies ist ein Vorteil und Nachteil zugleich: Positiv ist, daß sie gegenüber allen anderen Partikeln eine außergewöhnliche Reichweite besitzen, da sie durch die Luftmoleküle nahezu unbeeinflußt hindurch fliegen. Neutronen sind gegenüber Atomen winzig klein, sodaß die Atmosphäre für sie ein nahezu leerer Raum ist. Die vielen Elektronen die um die Kerne schwirren, sind für sie kein Hindernis, da sie selbst keine elektrische Ladung besitzen und ihre Masse (Zusammenstoß) gegenüber den Elektronen riesig anmutet. Man muß sie nur einheitlich ausrichten um einen wirksamen Partikelstrahl zu erhalten.

Dies geht jedoch über einen Trick aus der Quantenphysik. Neutronen besitzen einen sog. Spin: Anschaulich gesagt, rotieren sie wie ein Kreisel um ihre Achse. Ein solcher Spin ist eine Erhaltungsgröße, d. h. der Spin eines Atomkerns überträgt sich nach dem Aussenden des Neutrons aus dem fusionierten Kern auf dieses Neutron. Normalerweise sind die Spins der Atomkerne nicht einheitlich. Deshalb schwirren die Neutronen normalerweise in alle Richtungen des Raumes davon. Wenn man jedoch vor der Fusion allen Atomkernen den gleichen Spin aufzwingt und sie wie eine Perlenkette ausrichtet, fliegen auch alle Neutronen wie ein Strahl von der Neutronenquelle davon. Dies alles gelingt inzwischen in so kleinen Gerätschaften, daß man sie einschließlich der nötigen Energieversorgung etc. auf einem Klein-LKW unterbringen kann. Diese „Neutronenkanonen“ erzeugen einen mehr als tausendfachen Neutronenfluß in eine Richtung.

Die Teilchenstrahlungswaffe

Momentan ist die „Neutronenkanone“ so klein und einsatzbereit, daß sie mit allem notwendigen Zubehör auf einen Kleinlastwagen zum Auffinden von Sprengfallen am Straßenrand in den Einsatz geht. Die Entwicklung wird aber massiv in die Richtungen: Kleiner, leistungsfähiger und billiger vorangetrieben. Der nächste Schritt ist ein Gerät, welches sich in ein Flugzeug einbauen läßt.

Vordringlich ist aber ein weiteres Einsatzfeld: Die Analyse von Kernwaffensprengköpfen. Eine einfache Maßnahme gegen die immer erfolgreichere Raketenabwehr ist das Ausstoßen von zusätzlichen Attrappen. Bei den bisherigen Raketenabwehrsystemen muß man sich noch auf das Erreichen des Scheitelpunktes einer ballistischen Rakete beschränken. Erst dann kann man erst sicher die Flugbahn berechnen und das Ziel voraussagen. Eine einfache Abwehrmaßnahme ist der gleichzeitige Ausstoß von mehreren Attrappen. Heute kann man noch nicht Sprengkopf und Attrappen unterscheiden. Man müßte also alle Objekte sicher abschießen, was schnell eine Raketenabwehr — zumindest wirtschaftlich — überfordern würde. Hier kommt wieder die „Neutronenkanone“ ins Spiel. Genau wie eine Sprengfalle könnte man den Sprengkopf sicher identifizieren.

An dieser Stelle drängt sich eine weitere Lösung auf. Ein Sprengkopf ist nicht einfach ein Klumpen aus Plutonium, sondern ist vollgestopft mit Elektronik (Zünder), Sprengstoff und sonstigen Hilfsmitteln. Wenn der Neutronenstrahl stark genug wäre, könnte er den Sprengkopf nicht nur identifizieren sondern sogar unbrauchbar machen.

Neutronen können gerade auf Halbleiter eine verheerende Wirkung haben. In moderne Phasenradargeräten (Raketen- und Flugabwehr) werden Halbleiter aus Galliumnitrid (GaN) verwendet. Ein Beschuß mit Neutronen kann diese Halbleiter schnell zerstören. Dies bezieht sich nicht nur auf das Rausschlagen von Elektronen, sondern Gallium hat auch recht große Einfangquerschnitte, was bedeutet, daß durch Kernumwandlung und Strahlung der Halbleiter dauerhaft zerstört wird.

Peaceful Nuclear Explosives (PNE)

Am Wochenende sind mir wieder einige mehr als zwanzig Jahre alte Veröffentlichungen über die Energieerzeugung durch kontrollierte Kernexplosionen in die Hände gefallen. Sie erscheinen mal wieder erwähnenswert, weil offensichtlich vergessen. Darüber hinaus bieten sie einige Erkenntnisse zu Salzbädern, Brüt- und Hybridkonzepten. Zur Einstimmung einige Fragen: Ist es möglich durch kontrollierte Kernexplosionen – quasi Wasserstoffbomben – elektrische Energie zu erzeugen? Könnte man solch einen „Reaktor“ als Brutreaktor benützen, um Spaltmaterial für konventionelle Reaktoren zu erzeugen? Wäre das „politisch korrekt“? Die ersten beiden Fragen lassen sich ziemlich eindeutig mit ja beantworten, die letzte ebenso eindeutig mit nein – heute jedenfalls noch!

Fusion

Bei der Kernfusion werden zwei leichte Elemente zu einem neuen Element „verschweißt“. Hierfür sind extrem hohe Drücke und/oder Temperaturen nötig. Um diese erstmal zu erzeugen, sind gewaltige Energien nötig. Bisher ist es deshalb noch nicht gelungen, eine Fusionsmaschine zu bauen, die kontinuierlich mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht. Durch die hohen Temperaturen und den hohen Druck ist das Medium sehr stark bestrebt, sich wieder auszudehnen. Bisher gibt es nur das Konzept eines extremen Magnetfelds zum dauerhaften Einschluß. Die zweite Entwicklungsschiene ist der Trägheitseinschluss: Man schießt mit mehreren Laserstrahlen gleichzeitig auf ein Wasserstoffkügelchen. Dieses Verfahren ist aber diskontinuierlich, da man immer nur einen Schuss ausführen kann. Insofern dürfte es sich weniger zur Stromerzeugung als zur Grundlagenforschung eignen.

Gleichwohl, wird bei der Kernfusion Energie erzeugt. Viel versprechend ist die Fusion von Deuterium und Tritium zu Helium. Deuterium kommt als „schweres Wasser“ in der Natur vor. Tritium hingegen, muß wegen seiner geringen Halbwertszeit von rund 12 Jahren vorher erbrütet werden.

Kernspaltung

Schwere Atomkerne können durch Neutronen gespalten werden. Bei der Spaltung werden einige Neutronen frei, wodurch eine Kettenreaktion aufrecht erhalten werden kann. Wenn man zusätzlich noch „Spaltmaterial“ z. B. U233 aus Th232 erbrüten will, muß man neben dem für die nächste Spaltung notwendigen, noch ein weiteres Neutron zur Verfügung haben. Da man aber auch unvermeidliche Verluste hat, ist es gar nicht so einfach, Brutreaktoren zu bauen.

Hybride

Wenn man beispielsweise einen Urankern spaltet, setzt man rund 200 MeV Energie und im Mittel etwa 2,2 Neutronen frei. Wenn man einen Helium-4 Kern durch Fusion erzeugt, gewinnt man nur etwa 14 MeV Energie und ein Neutron. Will man also die gleiche Energie erzeugen, muß man dafür etwa 14 mal so viele Kerne fusionieren und erhält dadurch aber auch etwa 7 mal so viele Neutronen. Mit anderen Worten: Man hat genug zum „Brüten“ übrig.

Kernexplosion

Will man nun eine Kernexplosion einer Fusion einleiten, muß man die zur Zündung erforderliche Leistung durch eine vorausgehende Kernspaltung bereitstellen. Dies ist das klassische Konzept einer „Wasserstoffbombe“. Die Kernspaltung dient dabei nur als Zünder. Sie sollte daher so klein, wie technisch möglich sein. Der gewaltige Neutronenüberschuß kann zum „Erbrüten“ von Tritium aus Lithium und Uran-233 aus Thorium genutzt werden. Beide können in einem geschlossenen Kreislauf für die nächsten Schüsse verwendet werden. Je weniger Material man zur Zündung spalten muß, je weniger Spaltprodukte erzeugt man.

Der Kernexplosions-Reaktor

Wie gesagt, „Wasserstoffbomben“ zu bauen, ist Stand der Technik. Eine Weiterentwicklung müßte nur der Kostensenkung und der Sicherheit gegen Mißbrauch dienen. Beides geht in die gleiche Richtung: In einem Kern-Explosions-Kraftwerk kommt es nur auf das „Brennelement“ an. Aus Sicherheitsgründen sollen ja gerade keine funktionstüchtigen Kernwaffen verwendet werden. Die Einleitung der Kettenreaktion bei der Zündung sollte durch eine stationäre „Maschine“ erfolgen. Insofern würde sich das „Diebstahlsrisiko“ auf das bekannte Risiko des Diebstahls von Spaltmaterial reduzieren.

Um die üblichen 1000 MWe eines konventionellen Kernkraftwerks zu erzeugen, müßte man etwa alle sieben Stunden einen 20 kT „Sprengsatz“ (etwa Atombombe über Nagasaki) zünden oder besser alle 40 Minuten einen 2 kT „Sprengsatz“. Dies mag für manchen Laien verblüffend sein, daß ein 1000 MWe Kraftwerk täglich mehr Energie erzeugt, als drei Nagasaki-Atombomben mit ihrer bekannten zerstörerischen Wirkung: Es ist der Unterschied zwischen Leistung und Energie. Eine Atombombe setzt ihre Energie in Bruchteilen von Sekunden frei. Allein dieser Zeitunterschied führt zu der verheerenden Explosion. Ganz neben bei, auch ein eindringliches Beispiel für den Unsinn, bei Windrädern und Sonnenkollektoren stets Leistung und Energie durcheinander zu rühren. Ein Windrad kann eben nicht x Personen-Haushalte versorgen, weil es den Leistugsbedarf nicht ständig erzeugen kann.

Aber nichts desto trotz, hat eine Kernwaffe eine ganz schöne Sprengkraft. Wie soll es funktionieren, damit ein Kraftwerk zu betreiben? Man fährt unterirdisch eine Kaverne auf. Für ein 1000 MWe Kraftwerk mit 2 kT-Explosionen müßte sie etwa einen Radius von 20 m und eine Höhe von 100 m haben. Um auch über einen Betrieb von geplant 30 Jahren die Stabilität zu erhalten, sollte sie komplett mit einem 1 cm Stahlblech-Containment ausgekleidet sein. Ist das Containment fest anliegend mit dem umliegenden Fels verschraubt, ergibt sich eine sehr standfeste Konstruktion. Der eigentliche Trick ist aber die Verdämmung der Explosionen. Wenn man von dem Kavernendach einen dichten Vorhang Flüssigkeitstropfen (es geht sogar Wasser) herabregnen läßt und die Explosion in diesem Schauer stattfinden läßt, wird der Feuerball regelrecht aufgefressen. Nahezu die gesamte Energie der Explosion führt auf den zahlreichen Oberflächen der Tropfen zu einer schlagartigen Verdampfung. Wählt man eine Salzschmelze mit ihrer extrem hohen Verdampfungstemperatur, wird dadurch die Explosionswelle in wenigen Metern abgebaut. Das Ergebnis ist eine Druckspitze von weniger als 30 bar, die auf die Wände wirkt. Innerhalb kürzester Zeit kondensiert der Dampf wieder und gibt seine Energie an die Salzschmelze ab. Sie ist jetzt erheblich heißer geworden. Die Salzschmelze wird kontinuierlich durch einen Wärmeübertrager gepumpt, in dem sie Dampf erzeugt. Ab dieser Stelle, beginnt ein ganz konventioneller Kraftwerksteil zur Stromerzeugung.

Die Salzschmelze

Als Salz wird das bekannte Eutektikum FLiBe Li2 – BeF4 aus 67% Berylliumfluorid BeF2 und 32,9% Lithiumfluorid LiF mit einem Schmelzpunkt von 363 °C verwendet, sodaß sich eine Arbeitstemperatur um 500 °C einstellt. Es können einige Prozent Thoriumfluorid ThF4 darin gelöst werden. Zusätzlich kann der Sprengkörper mit einer Schicht aus Beryllium als Neutronenmultiplikator und Thorium als Brutstoff umgeben werden. Wird die Salzschmelze reduzierend, das heißt mit einem Fluoridmangel angesetzt, kommt das Tritium als Tritiumgas vor und kann kontinuierlich abgezogen werden. Das erbrütete Uran-233 bildet ebenfalls Uransalz UF4. Es kann recht einfach abgeschieden werden, indem es z. B. in das gasförmige Uranhexafluorid UF6 umgeformt wird.

Bei diesem Reaktor kann der Anteil der Energieproduktion aus Spaltung und Fusion in weiten Grenzen verschoben werden. Bis zu 90 % Energie können theoretisch aus der Fusion gewonnen werden. Dies bedeutet neben einem geringen Anteil von Spaltprodukten eine sehr hohe Brutrate wegen des sehr hohen Neutronenüberschusses. Es ist zu erwarten, daß bereits auf der Basis heutiger Uran- und Strompreise, der wesentliche Erlös aus dem Verkauf von Spaltmaterial kommen würde. Dieses Reaktorkonzept bietet sich daher besonders für den Fall eines „verschlafenen“ Einstiegs in eine Brüterflotte, bei plötzlich steigenden Uranpreisen an.

Sicherheit

Wenn wirklich alles schief geht, hat man einen unterirdischen „Kernwaffentest“. Die Anlage ist dann unwiederbringlich Totalschaden. Aber das war’s auch schon. Allein die USA haben über 800 unterirdische Testexplosionen in Sichtweite von Las Vegas ausgeführt. Im Spitzenjahr 1962 praktisch an jedem dritten Tag eine.

Das Inventar an Spaltprodukten liegt bei diesem Reaktortyp unter einem Prozent gegenüber einem konventionellen Leichtwasserreaktor. Dies liegt einerseits daran, daß ein erheblicher Teil der Energie aus der Fusion mit dem Endprodukt Helium stammt und andererseits durch die Wiederaufbereitung zur Spaltstoffgewinnung auch ständig Spaltprodukte dem Kreislauf entzogen werden. Wie Simulationsrechnungen gezeigt haben, ist auch nach 30 Betriebsjahren und der Berücksichtigung von Aktivierungen durch Neutronenbeschuß von Stahlhülle und umliegenden Gestein, die Radioaktivität so gering, daß man den Rest einfach unter Beton beerdigen könnte. An dieser Stelle sei daran erinnert, daß bei der Verwendung von Thorium praktisch keine langlebigen Aktinoide entstehen.

Das Inventar an Tritium wäre unter 100 Ci, da es ja ständig abgezogen werden muß, um es verbrauchen zu können. Ein vollständiges Entweichen durch einen Unfall wäre kein besonderes Problem.

Proliferation

Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß eine solche Anlage für Terroristen oder „Schurkenstaaten“ ein Objekt der Begierde sein könnte. Die bei diesem Reaktortyp verwendeten Sprengkörper sind als Waffe ziemlich ungeeignet. Sie wären kaum zu transportieren oder zu lagern. Sie müßten wegen ihrer Vergänglichkeit eher vollautomatisch gefertigt und unmittelbar verbraucht werden. Ebenso wird man kaum den Weg der Zündung über chemische Sprengstoffe gehen. Dies wäre viel zu teuer. Man wird eher den Weg über eine stationäre Zündmaschine gehen. Die wird aber so groß werden, daß man sie kaum stehlen könnte.

Nachwort

Manchem mag das alles wie Science Fiction vorkommen. Ist es aber gar nicht. Es gibt kaum etwas, was besser erforscht ist als Kernwaffen. Es gibt auch nach wie vor kaum ein Fachgebiet was besser ausgestattet ist. Wo stehen denn stets die schnellsten Rechner, die besten Labors, die größten Laser etc.? Wenn man wollte, könnte man diesen Reaktortyp innerhalb von zehn Jahren bauen. Es wäre ein sicherer Einstieg in die Kernfusion und es wäre für die einschlägigen „Fachabteilungen“ zumindest in USA und Rußland ein Routineauftrag. Weniger Forschung als Entwicklung.

Es geht hier nicht darum, Werbung für ein exotisches Kraftwerk zu machen. Es sollte nur an einem Beispiel gezeigt werden, wie unendlich breit das Gebiet der Kernenergie ist und welche Möglichkeiten es bieten würde. Eher geht es darum, daß der Blickwinkel – gegenüber unseren Vätern – sehr verengt worden ist. In den 1950er und 1960er Jahren hatte man noch eine Kreativität, wie sie heute vielleicht noch in der IT-Branche vorhanden ist. Technik war noch nicht negativ besetzt.

Es gab auch noch eine Hoffnung auf, und einen Willen zu einer besseren Zukunft. Die Angst- und Neidindustrie war noch gar nicht erschaffen. Der ganze Blödsinn von bald versiegenden Ölquellen, Uranvorkommen, „Treibhauseffekten“, „Ozonlöchern“ etc. konnte die Menschen noch nicht ängstigen. Es ist allerdings kein Zufall, daß sich alle Systemveränderer immer wieder auf die Energietechnik stürzen. Sie haben mehr als andere erkannt, daß Energie die „Master Resource“ ist, ohne die nichts geht, aber mit deren Hilfe, fast alles möglich ist.

Niemand zwingt uns Menschen, mit Wind und Sonne wieder zurück ins Mittelalter zu gehen. Die resultierende Armut und die entgangenen Chancen wären freiwillig gewählt.

Fusion: 100 MW in Serie?

Wer die Entwicklung der Kernfusion beobachtet, hat den Eindruck einer unendlichen Geschichte. Mit Milliardenaufwand werden riesige Maschinen gebaut, die in jeweils etwa 50 Jahren Strom liefern sollen.

Hin und wieder tauchen von irgendwelchen Erfindern ganz neue, revolutionäre Konzepte auf, die sich bei näherem hinsehen, stets eher als Perpetuum Mobile, denn als Idee für ein Kraftwerk entpuppen. Genau das, habe ich gedacht, als ich die Meldung las: Kleine Fusionsanlage, Energie für jedermann. 100 MW Fusions-Reaktor, so groß wie eine konventionelle Gasturbine. Anlage in etwa fünf Jahren produktionsreif.

Normalerweise lese ich an diesem Punkt nicht mehr weiter. Science Fiction ödet mich an. Aber halt, der Vortrag (siehe Link zum Mitschnitt unten) ist von Lockheed Martin’s „Skunk Works“, einem Verein, der alles andere, als aus Aufschneidern besteht. Ich kann mich noch sehr gut an die immer wieder auftauchenden Berichte über die Entwicklung von „Tarnkappenbombern“ in den 1980er Jahren erinnern. Und auf einmal waren sie am Himmel: Die F-117 Nighthawk oder die B2 Spirit. Flugzeuge, schon in ihrer äußeren Form so revolutionär anders, daß man kaum glauben mochte, daß diese Maschinen überhaupt fliegen können.

Deswegen ist mir dieses Video eine Meldung auf der Wiese wert. Die „Stinktiere“ treten jedenfalls nie ohne Grund an die Öffentlichkeit. Irgendetwas brüten sie offensichtlich auf dem Energiesektor aus.