Indien, das schwarze Loch der Energie?

Indien ist (noch) das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um 15 Millionen. Will man die Energieproblematik verstehen, muß man sich diese Zahl in aller Deutlichkeit anschaulich machen: Etwa alle fünf Jahre kommt einmal Deutschland hinzu! Selbst wenn man diese Menschen nur mit dem Existenzminimum (Nahrung, Kleidung, Wohnen) versorgen will, ergibt das mehr, als wir mit Wind und Sonne erzeugen. Das übliche Geschwurbel vom „Energiesparen“ hilft auch nicht weiter, wenn man bereits am Existenzminimum lebt. Viel eher sollte man sich vielleicht mal der eigenen Geschichte erinnern: Nach dem Krieg war eine Schule in einer Baracke besser als gar keine Schule, in den 1960er Jahren eine Turnhalle mit Einfachverglasung ein riesiger Fortschritt und das Gesamtschulzentrum mit Asbest das „Bildungsideal“ des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Die Inder, Chinesen und Afrikaner sollen demgegenüber doch bitte gleich mit „Erneuerbaren“ starten, schließlich geht es doch um unser aller Klima! Die können doch glücklich sein, daß sie unsere „Fehler“ nicht noch einmal machen müssen und gleich die Welt retten dürfen. Es ist schon putzig, wenn man die Töchter der Generation Gesamtschule vom „smart grid“ schwärmen hört, mit dem man doch die Waschmaschine nur bei Wind laufen lassen könnte. In den Ohren einer Inderin aus der (indischen) Mittelschicht, die sich über ihren neuen Kohleherd freut und von heißem Wasser aus der Wand zur Unterstützung der Handwäsche träumt, wahrlich märchenhafte Dinge. Interessant wird nur sein, ob die indischen Frauen nach der Befreiung durch elektrische Haushaltsgeräte auch ihre gewonnene Zeit in irgendwelchen „grün/alternativen“ Seminaren vergeuden werden.

Manch einer mag sich an dieser Stelle fragen, was dies alles mit Kernenergie zu tun hat. Nun, die Antwort findet man sowohl in der eigenen Geschichte („Der Himmel über der Ruhr muß wieder blau werden“, Wahlkampfslogan der SPD aus deren „Kohle und Kernenergie“ Phase) als auch im aktuellen China:

  • Wohlstand und Pro-Kopf-Energieverbrauch sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille.
  • Jede Form der Energieumwandlung (auch Wind, Sonne, Biomasse etc.) erzeugt Belastungen für die Umwelt. Man kann diese Belastungen durch den Einsatz von Technik und Kapital sehr stark mildern – niemals aber völlig ausschließen.
  • Durch die Nutzung verschiedener Energieträger kann man deren jeweilige Belastung unterhalb von akzeptablen Grenzwerten halten.
  • Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben! Den Gewinn aus „billiger Energie“ kann man für andere Zwecke einsetzen. Umgekehrt gilt aber auch, daß man die Beträge, die man für (vermeintlich) umweltfreundlichere Energieformen aufwendet, nicht noch einmal ausgeben kann. Hier ist eine eigene politische Abwägung in jeder Gesellschaft erforderlich.

Die Rolle der Kohle

Mit dem letzten Punkt, sind wir unmittelbar bei der bevorzugten Nutzung von Kohle in Indien und vergleichbaren Ländern angekommen. Kohle ist relativ gleich verteilt. Anders als Öl und Gas. So gibt es auf dem gesamten indischen Subkontinent reiche Kohlevorkommen in unterschiedlicher Qualität. Sie reichen von Kokskohle im (nordöstlichen) Bundesstaat Jharkhand bis zu Braunkohle im pakistanischen Thar-Gebiet. Alles riesige Vorkommen, relativ dicht unter der Oberfläche. Einerseits ein Vorteil, andererseits ein Fluch für die Umwelt. Kohle läßt sich einfach lagern und transportieren – notfalls auf dem Esel. Sie wird deshalb nicht nur in Kraftwerken verfeuert, sondern überall in Industrie und Haushalt. Gerade diese unzähligen Kleinfeuerstätten verpesten die Luft in unerträglichem Maße. Ganz ähnlich, wie im London der 1950er Jahre. Noch ist in Indien der Entwicklungsstand – in China beginnt diese Phase gerade – nicht erreicht, große Gasnetze aufzubauen und systematisch die Kohleherde aus den Städten zu vertreiben. Die knappen Mittel müssen halt auch für Abwasser- und Trinkwassernetze etc. herhalten!

Bergbau in Indien

Indien liegt nach China und den USA bei der Förderung auf Platz drei. Gleichzeitig aber bei den Importen schon auf Platz vier. Schon diese Tatsache deutet auf einige Probleme hin. Die Probleme der indischen Kohlewirtschaft lassen sich bestens durch die drei Begriffe: Armut, Sozialismus und kriminelle Energie umschreiben. Stellvertretend steht die Entwicklung im Gebiet um Jharia. Einst ein Naturparadies, gleicht es heute eher Dantes Hölle. Hier lagern Milliarden Tonnen leicht abbaubarer Kokskohle (beste Qualität). Seit 1896 wird sie abgebaut. Das Elend begann mit der Verstaatlichung 1971. Ab 1973 begann die Bharat Coking Coal Limited (BCCL) mit einem Raubbau durch großangelegte Tagebaue. Seitdem brennt die Landschaft. Die angeschnittenen Kohlenflöze haben sich entzündet und brennen unterirdisch weiter. (siehe z. B.: http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-india-23422068 oder http://www.youtube.com/watch?v=kYNLerVxUiA) Ganze Dörfer, Eisenbahnlinien und Straßen sind inzwischen eingestürzt. Nicht unwillkommen für die Minengesellschaft, da es sich entweder um Staatsbesitz (Eisenbahn) oder ungesicherte Eigentumsverhältnisse (Ureinwohner) handelt. Nach Vertreibung kann man billig baggern. Zusätzlich graben tausende entwurzelter Menschen in dickem Qualm illegal nach Kohle. Diese „dem Staat geklaute“ Kohle wird anschließend von (teilweise staatlichen) Firmen für wenige Cent aufgekauft. Alles unter den Augen und dem Mitverdienst von lokalen Politikern.

Inzwischen sind die Zustände in ganz Indien unhaltbar geworden. Es gibt einen stetig steigenden Bedarf an Kohle zur Stromerzeugung. Der Energieverbrauch pro Kopf ist in Indien einer der geringsten weltweit. Weniger als 60% der Haushalte sind überhaupt an das Stromnetz angeschlossen. Wollte man den pro Kopf Verbrauch in Indien nur auf die Hälfte des Wertes der industrialisierten Ländern anheben, müßte man die Stromproduktion versechsfachen!

Die Rolle der Kernenergie

Die Annahme eines halb so hohen Energieverbrauches, wie in den Industrieländern ist ein realistisches Ziel. Indien wäre dann etwa auf dem heutigen Niveau von seinem Nachbarn China angekommen. Es erscheint kaum vorstellbar, daß die Entwicklung des Wohlstandes in Indien wesentlich hinter dem von China zurückbleiben kann. Eine soziale Explosion wäre die wahrscheinliche Folge. Jede indische Regierung ist gezwungen – wenn sie politisch überleben will – die vorgelebte Entwicklung nachzuvollziehen.

Wenn aber Entwicklung sein muß, woher kann die dafür notwendige Energie kommen? Öl- und Gasvorkommen sind (jedenfalls bis jetzt) kaum vorhanden. Als Hauptenergieträger wird weiterhin die Kohle bleiben. Sie ist durchaus vorhanden, kann aber nur bedingt zur Verstromung eingesetzt werden. Genau, wie vor einem halben Jahrhundert in Europa und heute in China, setzt der Umweltschutz klare Grenzen. Einfache Kohlekraftwerke sind extreme Luftverschmutzer. Baut man sie hingegen auf dem Standard deutscher Kraftwerksneubauten (Rauchgaswäsche, Entstickung, Ascheverwertung, Abwasseraufbereitung, etc.) bewegt man sich mit den Investitionskosten rasch in die Nähe von (indischen) Kernkraftwerken, bei wesentlich höheren Betriebskosten. Entscheidend ist jedoch, daß man die Kohle, die man in Kraftwerken verbrennt, nicht noch einmal in der Industrie verwenden kann. Dies mag sich trivial anhören, ist aber die Haupttriebfeder für das chinesische Ausbauprogramm. So ist in China beispielsweise der gesamte Transportsektor durch die Energietransporte ständig überlastet. Kernkraftwerke können an den Verbrauchsschwerpunkten gebaut werden und benötigen praktisch keine Transportkapazitäten. Die „freiwerdende“ Kohle soll nahe der Gruben vergast werden und das Gas über Pipelines in die Industriegebiete verteilt werden. Auch Indien wird kaum ein anderer Weg bleiben.

Bisher hat Indien 20 Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von 4385 MWe in Betrieb (Produktion in 2012 rund 30 TWh) und sieben weitere mit 4890 MWe in Bau. Geplant ist ein Ausbau auf 60 GWe bis 2032.

Das Uranproblem

Indien verfügt (bisher) nur über geringe Uranvorkommen. Es setzt daher konsequent auf die Entwicklung schneller Brüter. Die Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Rußland.

Indien besitzt aber gigantische Vorkommen an Thorium. Diese sind teilweise sehr leicht abbaubar (Monazidsande). Es setzt daher in den letzten Jahren auch auf Entwicklungen zur Verwendung von Thorium als Brennstoff. Indien besitzt große Erfahrungen mit Schwerwasserreaktoren. Ursprünglich in Lizenz gebaut, gibt es inzwischen eine eigene Weiterentwicklung. Man beschreitet daher konsequenterweise eine weltweit einzigartige Entwicklungsschiene: Die Nutzung von Thorium in Schwerwasserreaktoren.

Man sollte die Fähigkeiten Indiens auf dem Gebiet der Kerntechnik nicht unterschätzen. Schließlich hat es ein umfangreiches nukleares Rüstungsprogramm, von der Bombe bis zum Atom-U-Boot. Wegen seiner Rüstungspolitik, war es bisher als internationaler Partner nicht besonders geschätzt. Dies scheint sich aber in den letzten Jahren massiv zu verändern. Die Ausbauprogramme sind einfach zu verlockend. Das Beispiel China hat gezeigt, wie schnell sich Lizenzgeber, Lieferanten und Kooperationspartner aus aller Welt finden lassen. Wenn überhaupt, dürfte eher der Kapitalbedarf ein Problem darstellen.

Brennstoffbank

Die International Atomic Agency (IAEA) hat bereits mehrere Treffen mit Regierungsstellen in Kasachstan zur Einrichtung einer Brennstoffbank abgehalten. Ziel der Verhandlung ist die Einrichtung eines international zugänglichen Lagers für leicht angereichertes Uran (Low Enriched Uran project, LEU-project). Es wurden zwölf technische Aufgabenbereiche zur erforderlichen Klärung festgelegt, von denen einige, wie z. B. Fragen zu Erdbeben, bereits in Bearbeitung sind. Ende Mai hat die IAEA ihre Mitgliedsstaaten über den Fortschritte offiziell informiert.

Ausgestaltung

Eigentümer und Verwalter der Brennstoffbank auf kasachischem Boden wird die IAEA sein. Das Lager soll anfangs Material für die Erstbeladung von zwei bis drei Leichtwasser-Reaktoren enthalten. Alle Mitgliedsstaaten der IAEA, die sich ausdrücklich verpflichten auf eigene Anreicherung und Wiederaufbereitung zu verzichten, können im „Ernstfall“ auf die Lagerbestände zurückgreifen. Sie würden dann aus dem Bestand mit Brennstoff zu aktuellen Weltmarktpreisen versorgt. Anschließend würde die Brennstoffbank wieder unverzüglich ihre Reserven durch Zukäufe am Weltmarkt aufstocken.

Die Brennstoffbank übernimmt also die Funktion einer (politischen) Rückversicherung. Ein Staat ohne eigene Anreicherung, wäre wirtschaftlich und politisch erpressbar, wenn man ihm bei „Nachladebedarf“ eine Belieferung ganz verweigern würde oder nur zu überhöhten Preisen leisten würde. Dies ist die klassische – und leider nicht ganz von der Hand zu weisende – Argumentation z. B. Irans für sein eigenes Zentrifugenprogramm gewesen. Die Versorgungssicherheit hat sogar Deutschland bewogen, eigene Anreicherungsanlagen auf deutschem Boden zu betreiben. Die „politische Glaubwürdigkeit“ ist nur ein schwaches Argument beim Verzicht auf Kernwaffen. Demgegenüber ist der völlige Verzicht auf Anreicherung und Wiederaufbereitung ein eindeutiges und leicht zu kontrollierendes Bekenntnis. Staaten die bereit sind, so konsequent zu handeln (bisher nur die Vereinigten Arabischen Emirate), müssen dafür von der internationalen Gemeinschaft abgesichert werden.

Im Sinne einer Versicherung reichen hierfür recht kleine Mengen aus. Die hohe Energiedichte von Uran erfordert einen Brennelementewechsel nur in großen zeitlichen Abständen (alle 12 bis 24 Monate) und es können leicht (kleinere) Mengen selbst vorgehalten werden. Der Versuch einer Erpressung ist somit durch die garantierte Verfügbarkeit aus der Brennstoffbank von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dieses Konzept lebt mehr von der „Abschreckung“ als von der realen Lieferung. Es steht und fällt allerdings mit der Glaubwürdigkeit der Garantie. Deshalb ist eine strikte internationale Kontrolle und Absicherung nötig. Im Umkehrschluß gilt, daß kein Staat zur zivilen Nutzung der Kernenergie „doppeldeutige“ Anlagen oder Verfahren mehr benötigt.

Entstehung

Das Verfahren geht auf die Nuclear Threat Initiative (NTI) zurück. Eine regierungsunabhängige und gemeinnützige Privatorganisation. Sie wurde 2001 von Ted Turner (Begründer von CNN und WTBS) und Sam Nunn (demokratischer Senator von Georgia 1972–1997) begründet. Sie versteht sich als aktiv handelnde Organisation. Ihre erste spektakuläre Aktion war 2002 die Finanzierung und Organisation eines Transports von fast 50 kg hoch angereichertem Uran aus einem „Forschungsinstitut“ in der Nähe von Belgrad zurück nach Rußland. Dort wurde es mit Natururan verschnitten und anschließend in zivilen Reaktoren zur Stromerzeugung verbraucht. NTI trug maßgeblich zur Gründung und deren Finanzierung des World Institute for Nuclear Security (WINS) bei. WINS hat sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheit vor Diebstahl und jedweden Mißbrauch von nuklearem Material durch Terroristen oder Staaten zu verbessern. In dieser Organisation sind neben Behördenvertretern auch private Unternehmen organisiert, die sich gegenseitig unterstützen, austauschen und beraten. Inzwischen haben auch Norwegen und Kanada beträchtliche finanzielle Unterstützung zugesagt.

Diese Organisationen sind ein schönes Beispiel für die Wirksamkeit von privater Initiative. Durch die Mobilisierung von privaten Mitteln (Stiftungen) konnte unmittelbar und mit durchschlagendem Erfolg mit der Arbeit begonnen werden. Der „private Charakter“ ermöglichte die Zusammenkunft und Mitarbeit losgelöst von politischer Blockbildung. Regierungen sind auf solch sensiblen Gebieten handlungsunfähig. Sie können bestenfalls auf erfolgreiche Züge aufspringen. Für grundlegende Veränderungen in festgefahrenen Sektoren sind immer Einzelpersonen notwendig. Politische Parteien etc. müssen auf die vermeintlich geltenden Meinungen Rücksicht nehmen und sind stets ihren Lagern verpflichtet.

Modellcharakter

Seit der ersten Stunde der Nutzung der Kernenergie besteht immer der Konflikt zwischen „friedlich“ und „militärisch“. Die Kernenergie ist leider erst als Massenvernichtungswaffe der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Nutzung als nahezu unerschöpfliche Energiequelle erschien erst nachträglich aufgesetzt. Mehr als 40 Jahre „Kalter Krieg“ mit Lügen und Propaganda wirken bis heute fort. „Angst vor dem Atom“ war und ist ein wesentlicher Stellvertreter in der „Systemfrage“. Hierin liegt aber auch die Chance: Die beiden Blöcke gibt es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr und zahlreiche neue Akteure sind auf der Weltbühne erschienen. Es ist Zeit für ein neues Zeitalter der Aufklärung.

Ohne Übertreibung kann man sagen, daß die Bevölkerungsentwicklung inzwischen für die Menschheit einen mindestens so brisanten Stellenwert, wie die „Atombombe“ besitzt. Entweder die Menschheit ist in der Lage, der Mehrheit einen akzeptablen Lebensstandard zu bieten oder sie wird im Elend versinken. Dabei ist es egal, ob sie in einem atomaren Inferno oder endlosen „Religionskriegen“ oder schlichtweg Umweltkatastrophen versinkt. Eine – nicht die einzige, aber die wesentliche – Herausforderung ist dabei, die ausreichende Versorgung mit preiswerter Energie. An dieser Stelle muß – insbesondere in Deutschland – mal wieder betont werden, daß „ausreichend“, „preiswert“ und „umweltschonend“ absolut gleichrangige Kriterien sind! Die Bevorzugung nur eines Kriteriums, ist für die Menschheit kontraproduktiv und wird entgegen des (hier durchaus unterstellten) guten Willens, geradewegs in die Katastrophe führen. Man kann es in jedem Entwicklungsland studieren: Armut und Umweltzerstörung (z. B. Abholzung von Urwäldern) gehen Hand in Hand, Luftverschmutzung ist und war die Folge „billiger Technik“ (Kohlekraftwerke ohne Filter, Autos ohne Abgasbehandlung).

Energieverbrauch pro Kopf und Wohlstand sind untrennbar miteinander verbunden. Alles Geschwafel von „Energieeffizienz“ ist nur eine Umschreibung für Verzicht. Wer kann und soll in einer Weltordnung verzichten, in der rund zehn Prozent der Menschen den Löwenanteil der Energie verbrauchen? Selbst wenn wir, in den Wohlstandsregionen Europas und USA, auf die Hälfte der Energie verzichten würden, würde diese Umverteilung die Milliarden von „ein Dollar pro Tag Verdienern“ nicht aus ihrem Elend herausführen können. Andererseits würde eine solche „Effizienzsteigerung“ bei uns wahrscheinlich zu Aufständen führen, denn auch hier leben nicht alle Menschen auf der „Sonnenseite“. Davon abgesehen, werden uns Chinesen und Afrikaner immer weniger um unsere Meinung fragen. Sie werden tun, was sie für richtig halten und das ist auch gut so.

Wenn man die Welt realistisch und mal nicht nur durch eine rosarote ökologische Brille betrachtet, bleibt nur die Erkenntnis, daß der Verbrauch von fossilen Energien (insbesondere Kohle) und Kernenergie auf absehbare Zeit noch zunehmen muß und wird. Ja, gerade wenn man den Zuwachs im Verbrauch fossiler Energien eindämmen will, wird man die Kernenergie weiter ausbauen müssen. „Regenerative“ sind bestenfalls ergänzende Energieträger und sind wegen ihrer Unstetigkeit und ihrer geringen Energiedichte und den daraus resultieren Kosten als Ersatz völlig ungeeignet. Es ist zu bezweifeln, ob die Menschheit jemals so reich sein wird, daß sie sich „regenerative Energien“ leisten können wird. In Wahrheit, wird sie sich dann, nahezu auf ihre Anzahl im vorindustriellen Zeitalter zurück schrumpfen müssen. Wer bestimmt, wer ausscheiden muß?

Das Dilemma zwischen friedlicher und militärischer Nutzung bleibt somit weiter bestehen. Man kann weder eine Waffentechnologie der 1940er Jahre dauerhaft geheim halten, noch läßt sich der größere Teil der Menschheit dauerhaft gängeln. China ist ein deutliches Beispiel. Wer glaubt noch ernsthaft daran, China Vorschriften machen zu können, wieviel von welcher Energieform es nutzen darf? Bestenfalls führt es eine Selbstbeschränkung auf 4 Milliarden to Kohle pro Jahr selbst durch. Um dieses Ziel einhalten zu können, muß es Kernkraftwerke in Serie bauen. Es ist zum Erfolg in der Kerntechnik verdammt. Unzählige „Schwellenländer“ blicken mit großen Erwartungen auf diese Entwicklung. Vorbild wird China und nicht das „Wendeland“ Deutschland sein.

Wenn es aber so ist, wie es ist, wird man Wege finden müssen, ein atomares Wettrüsten zu verhindern. Auch Nord Korea und Iran wird seine Nachahmer finden. Wenigstens den gutwilligen Nationen muß man Möglichkeiten bieten, nicht zwangsweise mitmachen zu müssen. Insofern ist der freiwillige Verzicht der Vereinigten Emirate auf ein atomares Wettrüsten mit seinem Nachbarn Iran, ein Hoffnungsschimmer. Es ist auch kein Zufall, daß die Unterstützung dafür von Privat und nicht aus „Regierungskreisen“ kommt. Wahrscheinlich auch nicht, daß eine „junge Nation“ aus dem ehemaligen Sowjetreich begeistert den Vorschlag für eine Brennstoffbank aufgegriffen hat.