Gray, Sievert und was sonst noch?

In den Medien wird im Zusammenhang mit Radioaktivität mit Zahlenwerten nur so um sich geschmissen. Kaum einer versteht die Aussagen, aber alle reden davon.

Vorbemerkung

Eine Maßeinheit bezieht sich stets auf einen genau definierten Zustand: So ist das [kg] die Einheit für die Masse und das [N] bzw. früher das [kp] eine Einheit für eine Kraft. Im Alltag kann man zwar oft beide Einheiten gleich setzen, es kann aber auch zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen dadurch kommen. Kraft und Masse sind halt nur im unbewegten Zustand gleichwertig. Dies ist Allgemeinwissen, aber im Zusammenhang mit Strahlung und Radioaktivität werden fröhlich alle Einheiten miteinander vermischt. Leider nicht nur in Massenmedien.

Die Öffentlichkeit interessiert sich meist nur für die biologische Wirkung: Ab wann ist ionisierende Strahlung gefährlich, ab wann bekomme ich Krebs, sind nachfolgende Generationen gefährdet? Alles Fragen der Biologie – oder noch genauer gesagt – der Medizin und schon wird es schwierig. Der Mensch ist halt keine Maschine und läßt sich deshalb nur sehr schlecht vermessen. Aus den physikalischen Meßwerten über Strahlung lassen sich bestenfalls Erwartungswerte für Krankheiten ableiten. Aus einem Unverständnis wird schnell eine Strahlenphobie. Dies betrifft nicht nur die Kernenergie. Röntgenärzte und Nuklearmediziner können ein Lied davon singen. Besonders heikel sind Patienten, die durch Jahrzehnte grüner Indoktrination notwendige Diagnosen und Therapien verweigern.

Am Anfang steht der Zerfall

Der überwiegende Teil der in der Natur vorkommenden Isotope befindet sich in einem angeregten Zustand. Dieser Zustand läßt sich nicht unbegrenzt aufrecht erhalten, das Atom zerfällt und wandelt sich dabei in ein neues Element um. Dies kann mehrfach geschehen (sog. Zerfallsketten oder Mutter-Tochter Beziehungen), bis ein stabiler Zustand erreicht ist. Wir kennen mehr als 3400 radioaktive Isotope, von denen etwa 900 Halbwertszeiten von mehr als einer Stunde haben. Schon sind wir bei zwei grundlegenden Maßeinheiten angekommen: Der Aktivität mit der Maßeinheit Becquerel Bq und der Lebensdauer mit der Halbwertszeit. Wenn ein Atomkern pro Sekunde zerfällt, bedeutet das eine Aktivität von 1Bq. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist noch nichts über die Art der freigesetzten Strahlung ausgesagt oder über deren Energie und damit auch nichts über die biologische Wirksamkeit.

Das Becquerel [Bq] ist eine reine Stückzahl, die ohne die Angabe des Stoffes (z. B. Cäsium oder Jod) und des Ortes des Zerfalls (z. B. im Körper oder außerhalb) keine Aussage über irgendeine Gefährdung zuläßt.

An dieser Stelle ist auch besonders hervorzuheben, daß wir von zerfallenen Atomen pro Sekunde sprechen. Atome sind aber sehr klein, weswegen man zu gewaltig großen Zahlen kommt. Bis 1985 war deshalb die Einheit Curie [Ci] für die Aktivität gebräuchlich. Sie war von einem Gramm Radium-226 abgeleitet und entsprach 37 000 000 000 Zerfällen pro Sekunde. Schon an dieser Stelle wird deutlich, wie überzogen der japanische Grenzwert von 100 Bq/kg für Fisch nach dem Reaktorunglück von Fukushima war. Man hätte auch gleich sagen können, der Fisch enthält praktisch kein Cäsium (1 gr Cs-137 hat eine Aktivität von 3 215 000 000 000 Bq).

Geläufig – wir haben aus Erfahrung ein Gefühl dafür – sind uns die Einheiten kg oder Gramm. Heutige Waagen können (mit erheblichem Aufwand) noch Millionstel Gramm messen. Die Empfindlichkeit bei der Messung von Radioaktivität ist (recht einfach) noch um eine weitere Million empfindlicher. Radioaktive Quellen mit 10 bis 100 Bq sind schnell und einfach meßbar, obwohl es sich dabei um Stoffmengen von um die 0,000 000 000 000 01 Gramm handelt. Für die Angstindustrie ist das natürlich völlig unbrauchbar. Solche kleinen Mengen ergeben einfach keine Horrormeldung.

Die Strahlungsarten

Unter ionisierender Strahlung versteht man elektromagnetische Wellen sehr hoher Frequenz bzw. Teilchenstrahlung. Normalerweise enthalten Atome genau so viele Protonen (positive Ladung) im Kern, wie Elektronen (negative Ladung) in ihrer Hülle und sind somit elektrisch neutral.

Die technische Nutzung von ionisierender Strahlung begann 1895 mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung.

Bei der Strahlung infolge des radioaktiven Zerfalls unterscheidet man im wesentlichen zwischen α- (Heliumkerne), β- (Elektronen) und γ-Strahlen. Die beiden Teilchenstrahlen sind elektrisch positiv bzw. negativ geladen. Insbesondere für die biologische Wirkung ist deren Eindringtiefe maßgebend. Die Heliumkerne der α-Strahlung können in Luft maximal 10 cm zurücklegen und in Wasser (menschliches Gewebe besteht hauptsächlich aus Wasser) wenig mehr als 0,1 mm. Das bedeutet für den Strahlenschutz, daß bereits normale Kleidung zur Abschirmung ausreicht. Umgekehrt gilt aber auch, daß innerhalb des Körpers die gesamte Energie auf kürzester Entfernung freigesetzt wird und lokal einen großen Schaden anrichten kann. Für die β-Strahlung gilt ähnliches. Auch für sie reicht normale Kleidung als Schutz aus.

Die Aufnahme radioaktiver Stoffe in den Körper (Essen, Trinken und Atemluft) ist möglichst zu vermeiden.

Bei der γ-Strahlung verhält sich die Sache etwas anders. Sie durchdringt mühelos den menschlichen Körper. Nur deswegen kann z. B. eine Kontamination im Körper von außen gemessen werden. Für γ-Strahlen verwendet man den Begriff der Halben-Weglänge: Das ist die Materialstärke, bei der die Strahlung nach der Schicht genau halb so groß ist, wie vor der Schicht. Diese halbe Weglänge ist vom Material und der Energie der Strahlung abhängig. Die Abschwächung verläuft exponentiell. Mit anderen Worten: Die Strahlung schwächt sich über den Weg sehr schnell ab, ist aber auch nach dicken Schichten immer noch nachweisbar. Für eine Energie von 0,662 MeV (γ-Strahlung von Cs-137) beträgt die Halbe-Weglänge in Wasser etwa 9 cm. Somit ist nach rund einem halben Meter (entsprechend fünf Halben-Weglängen) die Strahlung um 97% abgeklungen. Dies erklärt, warum das Wasser in einem Brennelementebecken so eine wirksame Abschirmung darstellt. Hat man wenig Platz, verwendet man Blei mit seiner hohen Dichte zur Abschirmung.

Die Energie der Strahlung

Neben der Art der Strahlung ist ihre Energie maßgeblich für die biologische Wirkung. Die Einheit für die Energie ist das Elektronenvolt [eV]. Sie ergibt sich aus der Beschleunigung eines Elektrons in einem Spannungsfeld von einem Volt. Um eine radioaktive Quelle in ihrer biologischen Wirkung zu beurteilen, braucht man folgende physikalischen Parameter:

Die Aktivität, gemessen in Zerfällen pro Sekunde [Bq] und die Halbwertszeit, die Art der ausgesendeten Strahlung (α-, β-, γ-Strahlung) und deren Energien.

Anschaulich werden diese Daten in einem sogenannten Zerfallsschema für jedes Isotop dargestellt. Dabei werden in einer Karte die Energien über den Ordnungszahlen aufgetragen. In der Praxis hat man es immer mit Gemischen von Isotopen zu tun. Dies ergibt sich schon aus den meist vorhandenen Zerfallsketten. Beispielsweise verläuft der Zerfall von Uran-238 in 14 Schritten bis zum stabilen Blei-206.

Wie die Strahlung absorbiert wird

Wenn Röntgenstrahlung oder die Strahlung aus dem radioaktiven Zerfall auf Atome und Moleküle trifft, entstehen Ionen oder angeregte Moleküle. Die Strahlung verliert dabei Energie. Für die biologische Wirkung ist nicht nur die Art und deren Energie der Strahlung von Bedeutung, sondern auch die „Materie“ des Lebewesens. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist eine Röntgenaufnahme: Man erkennt ein Skelett. Die Strahlung ist stark genug (von hoher Energie), um den menschlichen Körper zu durchdringen, sonst wäre gar keine Aufnahme möglich. Die Absorption im Körper ist aber unterschiedlich: Es entsteht ein Schattenbild der Knochen (hohe Absorption wegen hoher Dichte) vor einem hellen Hintergrund (wenig Absorption im Gewebe, weshalb viel Strahlung durchkommt).

Auf ihrem Weg durch Materie reagiert die Strahlung mit den Atomen und Molekülen. In Bezug auf die biologische Wirkung ergeben sich sehr komplexe Zusammenhänge, die letztendlich auch noch über chemische Reaktionen Wirkung zeigen können. Stellvertretend soll hier nur die α-Strahlung etwas näher behandelt werden. Wenn ein Heliumkern – nichts anderes ist α-Strahlung – mit bis zu 11 MeV durch Gewebe schießt, kann er die Atome auf die er trifft ionisieren. Diese können dann selbst wieder Strahlung aussenden. Auf seinem Weg verliert er Energie, die er an die Atome abgegeben hat. Um die Sache noch komplizierter zu machen, geschieht das solange, bis er eine bestimmte Geschwindigkeit unterschreitet. An diesem Punkt angekommen, überträgt er seine gesamte Restenergie auf einen Schlag (Bragg peak). Dies macht man sich z. B. bei der Krebstherapie nutzbar. Man kann quasi gesundes Gewebe mit Ionen durchschießen, ohne großen Schaden anzurichten und setzt erst in der Krebszelle die vernichtende Energie frei.

Die Gamma-Strahlung

Sie ist von zentraler Bedeutung in der Kerntechnik, da sie sich recht einfach messen läßt, den menschlichen Körper auf jeden Fall durchdringt (sonst könnte man eine Inkorporation gar nicht feststellen) und sich nur aufwendig abschirmen läßt.

Die γ-Photonen besitzen Energien von 0,1 bis 3 MeV. Wichtig dabei ist, daß jedes Isotop γ-Photonen mit einer charakteristischen Energie bei seinem Zerfall aussendet. Mißt man die Energiespektren, erhält man die „Fingerabdrücke“ der enthaltenen Isotope. Dies ist Voraussetzung, um die biologische Wirkung und damit die Gefährdung überhaupt ermitteln zu können.

Die γ-Strahlung selbst, wirkt durch drei Effekte: Das γ-Photon überträgt seine Energie auf ein Elektron und ist damit verschwunden (Photoelektrischer Effekt), das γ-Photon schießt ein Elektron aus der Atomhülle und bewegt sich danach mit geringerer Energie in einer anderen Richtung weiter (Compton Effekt) oder es bilden sich zwei neue Teilchen: Elektron und Positron (Paarbildung). Der Photoelektrische Effekt tritt ein, wenn das γ-Photon nur eine eine geringe Energie hat. Dies ist mit maximal 100 keV der bevorzugte Bereich in der Diagnostik. Die Durchdringung dieser „weichen γ-Strahlung“ ist sehr von der Dichte (Knochen oder Kontrastmittel) abhängig. Erst oberhalb einer Energie von 100 keV kann der Compton-Effekt auftreten. Er hat durch die Bildung von Ionen auf jeden Fall eine biologische Wirkung. Für eine Paarbildung muß die Energie den Schwellwert von 1,02 MeV überschreiten.

Die Halbwertszeiten

Gängig ist die Physikalische-Halbwertszeit. Sie beträgt z. B. für Cäsium-137 etwa 30 Jahre. Das bedeutet, nach jeweils 30 Jahren ist nur noch die Hälfte des Startwertes vorhanden. Nach 60 Jahren noch 25%, nach 90 Jahren noch 12,5% usw. Cs-137 ist eine Leitsubstanz bei Reaktorunfällen wie in Tschernobyl und Fukushima. Es ist in relativ großen Mengen – ca. 6% der Kernspaltungen – entstanden, bis zum nächsten Brennelementewechsel entsprechend angesammelt worden und gasförmig und gut wasserlöslich. Es kann sich daher weiträumig ausbreiten und auch in großen Entfernungen punktförmig ausregnen.

Es gibt aber noch eine Biologische Halbwertszeit für jeden Stoff. Jedes Lebewesen nimmt zwar Stoffe mit der Nahrung aus der Umwelt auf, scheidet sie aber auch unterschiedlich schnell wieder aus. Wir trinken Wasser (eventuell tritiumhaltig), aber scheiden auch wieder große Mengen durch Schwitzen, Atmung und Ausscheidung aus. Wenn man keine neuen radioaktiven Stoffe aufnimmt, tritt schnell eine Verdünnung im Körper ein. Beim Menschen beträgt die biologische Halbwertszeit für Cs rund 70 Tage. Sie kann durch Medikamente noch weiter auf etwa 30 Tage gesenkt werden. Bei Schafen beträgt sie etwa zwei bis drei Wochen. Man hat nach Tschernobyl Schafe in Schottland vier Wochen vor der Schlachtung mit „sauberem Futter “ aus anderen Regionen gefüttert und so die Belastung im Fleisch auf unter 25% abgesenkt.

Aus der Summe (der Kehrwerte) der biologischen und physikalischen Halbwertszeiten wird die Effektive-Halbwertszeit gebildet. Zu allem Überdruss gibt es auch noch eine Ökologische-Halbwertszeit. Nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl im April 1986 sind in Teilen von Norwegen durch Regenfälle 130 000 Bq pro Quadratmeter runter gegangen. Bis zum August stieg deshalb in einigen Seen die Belastung bei Forellen auf 7200 Bq/kg an. Sie wird seitdem kontinuierlich überwacht. Im Jahr 2008 war sie bereits wieder auf 150 Bq/kg abgesunken. In den ersten Jahren betrug die Ökologische-Halbwertszeit rund 3,6 Jahre. Sie ist seitdem angestiegen und hat sich inzwischen der physikalischen Halbwertszeit angenähert. So viel zum Thema Rückbesiedelung in den Sperrzonen. Natürlich bleiben die radioaktiven Stoffe nicht einfach liegen und warten auf ihren Zerfall, sondern werden ausgewaschen, dringen in tiefere Bodenschichten ein oder reagieren chemisch zu Verbindungen, die nicht mehr so einfach in die Nahrungskette aufgenommen werden. Andererseits können sie auch wieder aus diesen Depots freigesetzt werden. In einem See oder einer Wiese bildet sich ein Gleichgewichtszustand aus. Selbstverständlich ist Landwirtschaft in den „verseuchten Gebieten“ möglich. Man muß es nur richtig machen. Das Märchen von Für-Jahrtausende-Unbewohnbar ist einfach nur schlecht gemachte Propaganda.

Die Strahlungsdosis

Bisher haben wir uns nur mit der Aktivität in einem Feststoff [Bq/kg], einer Flüssigkeit [Bq/l] oder auch einer Fläche [Bq/m2] beschäftigt. Wie schon weiter oben erklärt, sagt das ohne weitere Kenntnis über die Isotopen und den Ort noch nichts aus. Für den Übergang auf die (biologische) Wirkung ist entscheidend, wieviel der ausgesendeten Energie auch vom Empfänger aufgenommen wird. Diese kann man einfach und direkt messen. Es handelt sich – bisher immer noch – um reine Physik. Die biologische Wirkung kommt später.

Heute verwendet man für die Dosis die Einheit Gray [1 Gy]. Sie ist aus dem SI-Einheitensystem abgeleitet und entspricht der sehr kleinen Energie von einem Joule pro Kilogramm [1J/kg] absorbierter Energie. Wenn man bedenkt, daß zur Erhöhung der Temperatur von einem Kilogramm Wasser um ein Grad, etwa 4200 Joule notwendig sind, wird auch diese Definition wieder zu großen Zahlen führen. Der nächste Scheinriese, der der Angstindustrie hilft.

1953 wurde die Einheit [rad] festgelegt. Sie beruhte noch auf dem damals gebräuchlichen Einheitensystem und wurde zu 100 [erg] pro Gramm festgelegt. Sie ist einfach – und genau – in die moderne Einheit [1 Gy] durch den Faktor 100 umzurechnen: 1 Gy entspricht 100 rad.

Eine Sonderstellung nimmt das Röntgen ein. Es ist über die Bildung von Ladungen in trockener Luft definiert. Ein Röntgen [1R] entspricht etwa 2,54 x 10-4. Coulomb pro kg in Luft erzeugter Ionen. Eine sehr unhandliche Einheit für den Strahlenschutz. Als Anhaltswert kann man sagen, daß ein Röntgen ungefähr 9,3 Milligray [mGy] in menschlichem Gewebe entspricht.

Relative biologische Wirksamkeit unterschiedlicher Strahlung (RBE)

Ab jetzt verlassen wir den sicheren Boden der Physik: Es wird biologisch – man könnte fast sagen, politisch. Es ist unbestritten, daß verschiedene Strahlungsformen auch bei gleicher Energie unterschiedliche biologische Wirkung zeigen. Ein Hauptgrund ist die (heute) beobachtbare Wirkung beim Beschuß von Zellen. Die α-Strahlung hinterläßt einen regelrechten Schußkanal in der Zelle, während die β- und γ-Strahlung eine eher räumlich gleich verteilte Wirkung zeigt. Man kann dieses Problem lösen, indem man für jede Strahlungsform einen Gewichtungsfaktor einführt.

Für die Endstufe von Strahlenschäden, den Zelltod, kann man einfache und reproduzierbare Versuche durchführen. Man bestrahlt eine Zellkultur mit Strahlung von bekannter Energie. Die lebenden Zellen werden vor und nach der Bestrahlung gezählt. Jeder Versuch wird in ein Diagramm mit der Dosis als Abszisse und dem Prozentsatz der überlebenden Zellen als Ordinate eingetragen. Jede Strahlungsart ergibt eine eigene charakteristische Kurve. Für jeden Wert der Ordinate (überlebende Zellen) ergeben sich nun mehrere verschiedene Werte auf der Abszisse (Dosis). Mit anderen Worten: Diese Wirkung der Strahlung (Zelltod) bei gleicher Dosis nimmt mit der Schwere der Ionen zu. Es werden nun RBE-Werte (Relative Biological Effectiveness) als Gewichtungsfaktoren bestimmt. Bezugsgröße ist die Kurve für Röntgenstrahlung.

Für das Verständnis ist wichtig, daß es sich bei den oben beschriebenen Versuchen zum Zelltod um einfach zu reproduzierende Experimente handelt. Eine tote Zelle ist einfach von einer lebenden Zelle zu unterscheiden. Wie sieht es aber mit (angeblichen) Erbschäden und mit Krebs aus? Krebs kann bis zum Ausbruch Jahrzehnte dauern, für Erbschäden müßten gar zig Generationen beobachtet werden. Experimente wären nicht reproduzierbar, weil die Umwelteinflüsse über so lange Zeiträume gar nicht konstant sein können.

Äquivalentdosis

Damit alle denkbaren Effekte erfaßt werden, hat man sich im International Committee on Radiation Protection (ICRP) auf eine Äquivalentdosis mit der Einheit [rem] bzw. Sievert [Sv] geeinigt. Sie wird aus der physikalischen Dosis – gemessen in Gray [Gy] – durch Multiplikation mit dimensionslosen Gewichtungsfaktoren werzeugt. Genau daraus ergibt sich die Gefahr der Verwechslung und Fehlinterpretation:

Die Äquivalentdosis – angegeben in Sievert [Sv ]– ist keine physikalische Größe und kann auch nicht gemessen werden, sondern ist eine rein rechnerische Größe. Sie wird aus der meßbaren Dosis mit ihrer Einheit Gray [Gy] über (politisch) festgelegte Gewichtungsfaktoren wR gebildet. Diese Gewichtungsfaktoren sollen die komplexen biologischen Verhältnisse des Menschen widerspiegeln. Es handelt sich lediglich um „Modellvereinfachungen“, wie sie auch aus anderen Bereichen bekannt sind. Sievert ist ungeeignet, die biologische Wirkung bei anderen Lebewesen zu beschreiben oder umgekehrt. Sie beruht auf der fragwürdigen LNT-Hypothese (kein Schwellwert, linearer Verlauf). Deshalb sind gerade kleine Werte mit großer Skepsis zu betrachten.

Lediglich bei einer reinen γ-Strahlung wäre eine Gleichsetzung von Sv mit Gy möglich, da hier der Gewichtungsfaktor 1 beträgt. Man sollte dies aber tunlichst vermeiden, da in der Praxis immer Isotopengemische mit allen möglichen Strahlungsarten auftreten. Wenn man z. B. wie Tepco, Strahlungswerte im Sicherheitsbehälter von Fukushima in Sievert angibt, ist das etwas irreführend. Man hat natürlich nur die γ-Strahlung in Gray gemessen. Die sicherlich vorhandene α-Strahlung (Gewichtungsfaktor 20) oder gar die vorhandenen Neutronen (energieabhängiger Gewichtungsfaktor 5 bis 20) sind mit Sicherheit nicht mit ihrem Äquivalent korrigiert worden.

Effektive Dosis

In manchen Fällen werden nur einzelne Organe des menschlichen Körpers belastet. Klassiker ist die Belastung der Lunge und Bronchien durch Radon und seine Zerfallsprodukte. Verschiedene Organe und Gewebe haben eine unterschiedliche Empfindlichkeit bezüglich sog. „Verzögerter Effekte“. Krebs ist ein solcher Effekt, der oft viele Jahre braucht, bis er nachweisbar ist. Um dafür das Risiko vergleichbar zu machen, wird eine Effektive Dosis gebildet.

Wenn in einem bestimmten Teil des menschlichen Körpers eine Dosis wirkt, ergibt sich das Risiko einer bestimmten Wirkung (z. B. Lungenkrebs). Wirkt die gleiche Dosis auf ein anderes Körperteil, ergibt sich ein anderes Risiko. Für jedes Organ – oder besser gesagt Gewebetyp – ergibt sich nun ein Gewichtungsfaktor wT. Daraus ergibt sich schließlich die Effektive Dosis, meist kurz als Dosis bezeichnet.

Die in Gy gemessene Energie einer Strahlung die vom Gewebe aufgenommen wird, wird gemäß ihres Typs (z. B. γ- oder α-Strahlung) in eine äquivalente Strahlung mit der Einheit Sv umgerechnet. Die Äquivalentdosis darf nur die Einheit Sv tragen, da sie eine fiktive Größe ist, die die unterschiedliche biologische Wirkung der Strahlungsarten berücksichtigen soll. Nur im Sonderfall (beispielsweise reiner γ-Strahlung) sind die Zahlenwerte von Gy und Sv gleich setzbar, da sie beide – per Definition – den gleichen Gewichtungsfaktor 1 haben. Trotzdem handelt es sich bei der Einheit Gy [J/kg] um eine physikalische Größe und bei der Einheit Sv um eine fiktive Einheit, die biologische Wirkungen beim Menschen charakterisieren soll. Die Effektivdosis erhält man erst, wenn man für jedes belastete Organ eine weitere Gewichtung vornimmt. Unterstellt man weiterhin einen linearen Verlauf, ohne Schwellwert (LNT) der Dosis-Wirkungsbeziehung, kann man diese Einzelwerte einfach addieren und erhält daraus die Ganzköperdosis, die in der Öffentlichkeit gern als die Dosis bezeichnet wird.

Das ICRP hat dafür ein Modell eines Menschen erschaffen, das aus 14 Organen bzw. Gewebetypen und einem „Rest“ besteht. Der „Rest“ dient zur Unterscheidung von Mann und Frau mit Prostata bzw. Gebärmutter. Die Summe aller 15 Gewichtungsfaktoren wT ergibt 100%.

Die Kollektivdosis

Die Kollektivdosis ist die Summe aller individuellen Dosen in einer Gruppe. Meist wird sie als Produkt einer mittleren Dosis und der Anzahl der Personen gebildet. Ihre Einheit ist das Person Sievert [person-Sv] oder Man-Sievert [man-Sv] bzw. in älteren Veröffentlichungen das Man-Rem [man-rem].

Die Kollektivdosis ergibt in Verbindung mit der LNT-Hypothese absurde Ergebnisse. So sollte z. B. das Reaktorunglück von Tschernobyl über 14000 Tote verursachen. Nichts, aber auch rein gar nichts, konnte bis heute – mehr als 30 Jahre später – davon nachgewiesen werden. Genauso wenig, wie die prognostizierten Spätfolgen von Hiroshima und Nagasaki. Das hielt aber die einschlägigen Propagandaabteilungen der Angstindustrie nicht davon ab, ähnlich blödsinnige Vorhersagen für das Reaktorunglück in Fukushima zu treffen.

Zumindest in den letzten 20 Jahren konnte die Forschung zahlreiche Reperaturmechanismen für die DNA nachweisen, den programmierten Zelltod (Apoptose) erklären und die positive Wirkung kleiner Dosen (adaptive response) als Fortschritt in der Strahlentherapie anwenden.

Nachbemerkung

Ein Schelm, wer bei „Menschenmodellen“ an „Klimamodelle“ denkt, bei Sv an „menschengemachtes CO2“ und bei „Reaktorkatastrophen“ an „Erderwärmung“ – auf zehntel Grad genau berechnet, versteht sich.

Allerdings sind Ähnlichkeiten zwischen dem International Committee on Radiation Protection (ICRP) und dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) alles andere als zufällig: Beide Organisationen halten regelmäßig Kongresse mit wunderbaren Dienstreisen ab. Bei beiden sind in Öffentlichkeitsarbeit geschulte Funktionäre tonangebend. Hinter beiden steht eine milliardenschwere Industrie, die gut auf Kosten der Allgemeinheit lebt.

Allerdings glaube ich immer noch an die Kraft der Aufklärung. Mag es auch lange dauern. Die katholische Kirche brauchte immerhin bis 1992, bis sie in der Lage war Galileo Galilei zu rehabilitieren. Möge es Gott geben, daß der Ökosozialismus gar nicht so alt wird. Es wäre schön, wenn dieser Artikel einen kleinen Beitrag dazu leisten könnte. Steter Tropfen höhlt den Stein.

LNT – Drei Buchstaben, die die Welt bestimmen

Diese drei Buchstaben sind die Abkürzung für: linear no-threshold (LNT) model. Wohl die teuerste und verhängnisvollste Buchstabenkombination in der Menschheitsgeschichte. Nun sieht es für einen Augenblick so aus, als könnte sie an den Ort ihrer Erschaffung zurückkehren. Man kann zum Wert von Petitionen stehen wie man will, aber sie sind ein Zeichen für das „nicht vertreten sein“ von Bürgern in der Welt der Gesetze. Ursprünglich ein Ventil im Obrigkeitsstaat, beginnen sie sich im Internetzeitalter zu einem Kampagneninstrument zu wandeln. Letzte Woche tauchte eine Petition bei „We the people, your voice in our government“ (damit kein Mißverständnis aufkommt: Es ist nicht die Seite einer ehemaligen Pionierleiterin, sondern von Barack Obama) zum LNT auf. Sie gipfelt in dem Satz zum Schluss: …es ist notwendig die Vorschriften der (amerikanischen) Umweltschutzbehörde im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bringen… Starker Tobak, ohne Zweifel. Es wäre wünschenswert, daß 100.000 US Bürger innerhalb von 30 Tagen unterzeichnen würden, denn dann gäbe es eine offizielle Stellungnahme. Bei solch einem „Randthema“ eher unwahrscheinlich. Aber, warum kommt plötzlich solch ein spezielles Thema aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaften in die Niederungen der Politik herabgestiegen? Ganz offensichtlich braucht jedes Thema seine Zeit. Es gibt immer einen Anlass, bei dem sich der viel bemühte „Gesunde Menschenverstand“ plötzlich und unerwartet zu Wort meldet. In den USA scheint der Auslöser die Diskussion um die Evakuierungsmaßnahmen infolge der Fukushima-Ereignisse und dem Stopp des Yucca Mountain Projektes gewesen zu sein.

Das Modell

Das LNT-Modell wird allgemein im Strahlenschutz verwendet um die individuelle Strahlenbelastung zu erfassen und praktikable Grenzwerte festlegen zu können. Die Betonung liegt hierbei auf praktikabel – im Sinne von einfach zu handhaben. Wenn man einen linearen Zusammenhang von Dosis und Wirkung unterstellt, kann man einzelne Strahlenbelastungen einfach addieren. Man legt eine Dosis fest, die ein Mitarbeiter in einem Jahr erhalten darf. Der Wert ist so bemessen, daß man mit Sicherheit von keiner Schädigung in einem Berufsleben ausgehen kann. Mit anderen Worten, er ist bewußt sehr niedrig angesetzt, denn für einen effektiven Schutz müssen auch noch die sonstigen Strahlenbelastungen (z. B. Röntgenuntersuchungen, Urlaubsflüge etc.) einbezogen werden. Jetzt rüstet man jeden Mitarbeiter mit einer entsprechenden Meßtechnik aus und registriert täglich, wöchentlich, monatlich usw. die ermittelten Dosiswerte. Ab dem Tag, an dem der vorgeschriebene Grenzwert erreicht ist, ist erst einmal Zwangsurlaub angesagt. So weit, so gut – ganz ohne Ironie. Im Berufsalltag muß eine Sicherheitsvorschrift einfach und eindeutig zugleich sein; so wie: „Auf der Baustelle besteht Helmpflicht“. Ganz egal, an welcher Stelle der Baustelle man sich befindet.

Aber, ist es wirklich egal, ob man unterschiedliche Leistungen einfach zu einer Gesamtenergie aufaddiert? Jeder Lehrer würde wohl schon von Grundschülern nur ein mitleidiges Lächeln ernten, wenn er die Dauer eines Marathonlaufes aus der Zeit für ein Rennen über Hudert Meter durch eifache Addition berechnen wollte. Schon jedem Kind ist aus eigener Erfahrung der Unterschied zwischen einer kurzzeitigen hohen Leistung und einer geringen Dauerleistung klar – jedenfalls spätestens nach dem ersten „Muskelkater“. Man kann mit einer hohen Strahlungsleistung Bakterien im vorbeifahren sicher abtöten und damit z. B. Gewürze haltbar machen. Würde man sie über Monate verteilt in einem Regal der gleichen Strahlungsenergie aussetzen, würden sie munter vor sich hin gammeln. Ja, die gesamte Strahlenmedizin beruht auf diesem Zusammenhang: Eine Krebsgeschwulst muß einer so hohen Energie ausgesetzt werden, daß sie abstirbt. Gleichzeitig darf aber das umliegende gesunde Gewebe nicht (nachhaltig) geschädigt werden. Man erreicht dies, durch eine unterschiedliche Einwirkzeit. Es gibt also ganz offensichtlich einen Zusammenhang zwischen Dosis und Zeitraum. Dieser ist auch biologisch erklärbar, doch dazu später.

Zu ganz abenteuerlichen Ergebnissen gelangt man, wenn man die als linear unterstellte Abhängigkeit von Dosis und Wirkung auf Kollektive, also große Gruppen von Menschen überträgt. Sie besagt nichts anderes, als das die gleiche Strahlungsenergie immer zur gleichen Zahl von Schäden (Krebsfälle) führt. Die Absurdität dieser Aussage offenbart sich schon jedem Laien: Wenn bei einer bestimmten Strahlendosis ein zusätzlicher Krebsfall pro 1000 Untersuchten auftritt, kann man wohl kaum davon ausgehen, daß, wenn man 1 Million Menschen mit einem Tausendstel dieser Dosis bestrahlt, wieder genau ein zusätzlicher Krebsfall auftritt oder gar, wenn man 1 Milliarde Menschen mit einem Millionstel bestrahlt. Genau dieser Unsinn, wird uns aber tagtäglich in den Medien aufgetischt. Nur durch diese Zahlendreherei gelangt man zu den bekannten Studien, die uns z. B. „tausende Tote“ durch Reaktorunglücke wie Fukushima und Tschernobyl vorrechnen wollen.

Die Entstehungsgeschichte

Wenn man sich mit Strahlenschutz beschäftigt, muß man sich vergegenwärtigen, daß es sich um ein relativ junges Fachgebiet handelt. Natürliche Strahlungsquellen gibt es schon immer. Insofern hat die Biologie auch gelernt damit umzugehen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wäre das nicht so, gebe es überhaupt kein Leben auf der Erde. Die technische Nutzung hingegen, begann erst mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung 1895 und der Kernspaltung in den 1930er Jahren. Bereits 1902 erschienen die ersten Veröffentlichungen zum Gesundheitsrisiko durch Röntgenstrahlen. Im Jahr 1927 beobachtete Hermann Joseph Muller die spontane Mutation von Genen und konnte durch Röntgenstrahlen Mutationen bei Taufliegen herbeiführen. Er zeigte, daß energiereiche Strahlung zu einer Veränderung des Erbgutes führen kann. Für diese Entdeckung wurde er 1946 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Bereits 1925 wurde der erste Grenzwert zum Strahlenschutz für Röntgenärzte auf 680 mSv/Jahr festgelegt. Dieser Grenzwert hatte über 30 Jahre bestand. Man war – und ist heute eigentlich noch immer – der Meinung, daß bis zu einem Schwellwert von etwa 700 mSv pro Jahr keine dauerhafte gesundheitliche Schädigung nachweisbar ist. Im Vergleich hierzu gelten heute für beruflich strahlenexponierte Personen 20 mSv/Jahr bzw. 50 mSv/Jahr im Einzelfall. Für Feuerwehrleute gilt pro Einsatz 15mSv, im Lebensrettungsfall 100 mSv und im Katastrophenfall (einmal im Leben) 250 mSv. Der letzte Wert, ist übrigens exakt der Gleiche, den die Japanischen Sicherheitsbehörden nach dem Unfall in Fukushima als Grenzwert für die mit der Schadensbeseitigung beschäftigten Personen angesetzt haben. In Fukushima wurden bisher zwei Elektriker durch radioaktives Wasser im Turbinenraum mit 170 mSv und 30 weitere mit mehr als 100 mSv verstrahlt. So viel zu den (erträumten?) Tartarenmeldungen in deutschen „Qualitätsmedien“ zur „Reaktorkatastrophe in Fukushima“.

Nach dem 2. Weltkrieg und den ersten Atombombenabwürfen wurde ionisierende Strahlung von der Politik zu einem wissenschaftlichen Rätsel ausgebaut. Der kalte Krieg befeuerte die Angst vor einem Atomkrieg und langsam wurde eine Radiophobie erschaffen. Die begleitenden Untersuchungen der Opfer von Hiroshima und Nagasaki zeigten ein eindeutiges und erwartetes Bild: Bei hohen Dosen ergab sich ein linearer Zusammenhang zwischen Dosis und Krebserkrankung. Aber ebenso eindeutig war, daß unterhalb 200 mSv (20 rem) keine erhöhten Raten feststellbar waren. Unterhalb von 100 mSv (10 rem) waren sie sogar kleiner als in den Kontrollgruppen.

Schon damals verlagerte man solche Probleme gerne in die UNO. Das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation, verabschiedete insbesondere auf Betreiben der Sowjetunion, die lineare Dosis-Wirkungsbeziehung ohne Schwellwert (LNT) (UNSCEAR 1958). Die Begründung war so einfach und klar wie der Klassenstandpunkt: Die bei hohen Dosen gemessene Dosis-Wirkungs-Beziehung wird linear hin zu kleinen Dosen extrapoliert. Es gibt keinen Schwellwert, da schon kleinste Mengen ionisierender Strahlung irgendeinen biologischen Effekt auslösen. Besonders der zweite Teil ist so aussagefähig wie: Nachts ist es dunkel. Da man ungern der UNO widerspricht, wurde ein Jahr später das LNT-Modell von der International Commission on Radiation Protection übernommen (ICRP 1959). Bemerkenswert ist nur das „Klein gedruckte“ des Berichts, das deshalb im Original wiedergegeben werden soll [National Council on Radiation Protection and Measurements. Principles and Application of Collective Dose in Radiation Protection. NCRP Report No. 121. Bethesda, MD. NCRP, 1995;45]:

„…essentially no human data, can be said to provide direct support for the concept of collective dose with its implicit uncertainties of nonthreshold, linearity and dose-rate independence with respect to risk. The best that can be said is that most studies do not provide quantitative data that, with statistical significance, contradict the concept of collective dose… Ultimately, confidence in the linear no threshold dose-response relationship at low doses is based on our understanding of the basic mechanisms involved. …[Cancer] could result from the passage of a single charged particle, causing damage to DNA that could be expressed as a mutation or small deletion. It is a result of this type of reasoning that a linear nothreshold dose-response relationship cannot be excluded. It is this presumption, based on biophysical concepts, which provides a basis for the use of collective dose in radiation protection activities“.

Soll wohl heißen, wir wissen selbst, daß das Blödsinn ist was wir hier beschließen, aber wir können (aus politischen Gründen?) nicht anders. Interessant sind die beiden Hauptsätze der Lehre vom Strahlenschutz. Wenn man auf einem weißen Blatt Papier keine Buchstaben erkennen kann, darf man trotzdem nicht ausschließen, daß es sich um eine Tageszeitung handeln könnte. Eine Argumentationsweise, die man sonst nur aus der Homöopathie oder Esoterik gewöhnt ist. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen, es gibt keine Messung, die eine erhöhte Krebsrate infolge kleinster Dosen ionisierender Strahlung nachweist. Eher das Gegenteil ist der Fall (Hormesis)! Alles spricht für einen Schwellwert. Allenfalls die Höhe des Grenzwertes ist strittig. Geschulte „Atomkraftgegner“ wissen um diese Zusammenhänge und weichen solchen Diskussionen schnell aus. Die Meldungen von dubiosen Leukämiefällen in der Nähe von Kernkraftwerken sind ähnlich dem Ungeheuer vom Loch Ness aus der Mode gekommen. Sie taugen nicht einmal mehr fürs Sommerloch. Immer weniger „Atomexperten“ mögen öffentlich an ihre Prophezeiungen über „Millionen von zusätzliche Krebstoten in ganz Europa“ infolge der Reaktorunglücke in Tschernobyl und Fukushima erinnert werden. Zu offensichtlich ist der Unsinn. Jede noch so gruselige Gespenstergeschichte nutzt sich schnell ab, wenn man das Gespenst nicht vorführen kann.

Nicht nur „Atomkraftgener“, sondern auch andere interessierte Kreise beschränken sich deshalb heute auf den zweiten Hauptsatz des Strahlungsschutzes: Jedes einzelne Photon oder radioaktive Partikel kann zu einem Bruch in der Erbsubstanz führen. Dies ist unbestritten der Fall. Nur, führt jede kaputte Zündkerze zum Totalschaden eines Autos? Natürlich nicht. Entscheidend ist, wie schnell man den Schaden erkennt und ihn repariert. Die entscheidende Frage für die Beurteilung des Risikos durch ionisierende Strahlung ist deshalb, wie viele Schäden ohnehin in einer Zelle auftreten und wie die Reparaturmechanismen funktionieren. Mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden kann man die Kopie der Erbsubstanz in lebenden Zellen beobachten. Es ist beileibe kein mechanischer Kopiervorgang, sondern eine „Chemiefabrik“ in aggressiver Umgebung. Ohne auf die Zusammenhänge hier im Einzelnen eingehen zu können, kann man zusammenfassend sagen, die täglich auftretenden Fehler durch Radikale, Temperatur etc. gehen in die Milliarden – in jeder einzelnen Zelle, wohl gemerkt. Wenn also ein einzelner Fehler tatsächlich ausreichen würde, um Krebs auszulösen, wäre längst jedes Leben ausgestorben. Ähnlich kann man heute die Schäden durch die natürliche Hintergrundstrahlung bestimmen. Sie beträgt ungefähre o,oo5 DNA-Fehler pro Zelle oder andersherum: Alle 200 Tage wird jede Zelle durch die natürliche Radioaktivität nachhaltig geschädigt. Selbst von diesen Schäden (Doppelbrüche) ist nur jeder 500ste nicht reparierbar und führt zu Mutationen. Anschließend greift der Mechanismus der Selbstvernichtung: Über 99% der mutierten Zellen werden entfernt. Kennt man diese Zusammenhänge, ist einsichtig, warum es einen entscheidenden Unterschied zwischen einer kurzzeitigen hohen Dosis und einer geringen dauerhaften Belastung gibt. Im ersten Fall hat der Körper einfach zu wenig Gelegenheit für Reparaturmaßnahmen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Anzahl der Mutationen infolge unserer Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme und Atmung millionenfach höher ist, als die durch die natürliche Strahlung hervorgerufenen Mutationen. Wie soll also eine noch geringere zusätzliche Strahlung das Krebsrisiko merklich erhöhen?

Die Yucca Mountain Frage

Yucca Mountain ist das traurige Gegenstück zum Endlagerstandort Gorleben. Im Jahr 2011 wurde das Endlager unter der Regierung von Präsident Obama aufgegeben. Seit dem bricht auch in den USA eine erneute Diskussion zur „Atommüllfrage“ los. Interessant ist hierbei, daß die US-Umweltbehörde 2001 eine maximale Strahlenbelastung von 15 mrem pro Jahr für 10.000 Jahre nach Schließung des Lagers gefordert hatte. Im Jahre 2009 erweiterte sie nach gerichtlichen Auseinandersetzungen den Zeitraum auf 1.000.000 Jahre. Für diesen zusätzlichen Zeitraum wurde eine maximale Belastung von 100 mrem gefordert.

Eine jährliche Strahlenbelastung von 15 mrem entspricht 1/20 der (durchschnittlichen) natürlichen Strahlenbelastung in den USA. Erstmalig wird auch in der Presse die Sinnhaftigkeit solcher Grenzwerte hinterfragt. Es wird der Vergleich mit jemandem gezogen, den man an eine viel befahrene Kreuzung stellt und zur Lärmminderung auffordert, leiser zu Atmen, da man mit einem Stethoskop deutlich seine Atemgeräusche hören könne. Ich finde, treffender kann man es nicht in die durch unsere Sinne unmittelbar erfahrene Alltagswelt übersetzen.

Die mörderische Kraft der Angst

Noch zwei Jahre nach dem Reaktorunglück in Fukushima sind 160.000 Menschen aus der „Schutzzone“ evakuiert und 70.000 Menschen ist die dauerhafte Rückkehr verwehrt. Eine Tatsache, die immer mehr Kritik hervorruft. Nach offiziellen Zahlen sind bereits 1.100 Menschen infolge der Evakuierung gestorben. Die Bandbreite der Todesursachen geht von mangelnder medizinischer Versorgung während der Evakuierung, bis hin zum Suizid infolge der psychischen Belastung durch die „Wohnumstände“. Ein Phänomen, das bereits hinlänglich durch die Evakuierungen in Tschernobyl bekannt war. Lang andauernde Evakuierungen erzeugen die gleichen psychischen Belastungen wie Flucht und Vertreibung.

Es erscheint daher sinnvoll, die Freisetzung mal in bekannte Maßeinheiten zu übersetzen. In Fukushima wurden etwas über 40 Gramm I131 freigesetzt, die überdies bis heute längst wieder zerfallen sind. Ebenso knapp 4 kg Cs137. Ein wegen seiner Halbwertszeit von 30 Jahren relevantes Nuklid. Verstreut und damit verdünnt, über hunderte von Quadratkilometern Land und offenes Meer. Die biologische Halbwertszeit im menschlichen Körper für Cäsium beträgt übrigens nur 70 Tage. Durch gezieltes Essen von „freigemessenen“ Lebensmitteln wäre die Strahlenbelastung damit fast beliebig klein zu halten. Zugegeben, hören sich diese Mengen in „Greenpeace-Sprech“ gleich viel gruseliger an: Es wurden 199.800.000.000.000.000 Bq des Schilddrüsenkrebs auslösenden Jod-131 und 12.950.000.000.000.000 Bq des stark radioaktiven Cäsium-137 bei der Explosion des Katastrophenreaktors ausgestoßen. Wer sich allein durch große Zahlen in Furcht und Schrecken versetzen läßt, sollte zukünftig besser nicht mehr über Voodoo-Zauber oder den Glauben an Hexen lächeln.

ALARA oder AHARS

Risiken sind immer relativ. Jeder Fünfte von uns, wird bis zu seinem 70sten Lebensjahr an Krebs erkrankt sein. Jeder Dritte, eine Herz- Kreislauferkrankung erleiden. Demgegenüber beträgt das Risiko an Krebs zu sterben, nach einer Bestrahlung mit 1 Sv (100 rem) etwa 1:100 oder nach einer Bestrahlung mit 10 mSv (1 rem) weniger als 1:1.000.000.

Was bedeutet es für jemanden, der ein persönliches Risiko von 1:100 hat zu sterben, wenn diesem ohnehin vorhandenem Risiko noch eine Wahrscheinlichkeit von 1:1 Million hinzugefügt wird? Das ist die entscheidende Frage, die gestellt werden muß und die letztlich jeder für sich beantworten muß. Oder noch eindeutiger formuliert: Auf welche Lebensqualität ist jeder einzelne bzw. eine Gesellschaft bereit zu verzichten, um die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben, um (beispielsweise) ein Millionstel zu verringern? Wenn man gewisse Risikosportarten oder Tabak- und Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft betrachtet, kann man gespannt auf die Antwort sein. Wem das zu abstrakt ist, dem mag vielleicht folgende Rechnung etwas mehr sagen: In den letzten 40 Jahren wurden allein in den USA mehr als 150 Milliarden Euro für den Strahlenschutz ausgegeben. Eine Abschätzung nach LNT ergibt, daß dadurch etwa 100 „virtuelle Leben“ gerettet worden sind. In wie vielen Fällen war unsere Gesellschaft bereit, für die Lebensverlängerung eines realen Lebens 1.500 Millionen Euro auszugeben? Wem es jetzt vor Empörung von seinem weichen Sofa, in seiner warmen Stube reist, sollte sich mal anschauen wie viele Kinder immer noch sterben müssen, weil ihnen eine Hand voll Dollar für Medikamente oder Trinkwasser fehlen. Ganz neben bei, erhält er noch die Antwort, warum immer mehr Länder nach „billiger“ Kernenergie streben und Wind- und Sonnenstrom bestenfalls für ein Luxusgut halten. Jemanden, der ohnehin nur eine Lebenserwartung von weniger als 50 Jahren hat, läßt ein theoretisches Krebsrisiko ab 90 ziemlich kalt.

Bisher wurde in der Kerntechnik immer nach dem Prinzip „As Low As Reasonably Achievable (ALARA)“ (so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar) gearbeitet. Ein in sich schlüssiges Prinzip, so lange man davon ausgeht, daß es keinen Schwellwert gibt und alle Dosen additiv wirksam sind. Inzwischen diskutiert man immer mehr einen Übergang zu „As High As Reasonably Safe (AHARS)“ (so hoch, wie sicherheitstechnisch erforderlich). Für die Frage der Evakuierung nach Unfällen, erscheint ein Übergang zu AHARS zwingend erforderlich. Eine Evakuierung kann immer auch tödlich sein. Das Risiko steigt ganz erheblich an, wenn sie überhastet oder mit starker Angst verbunden, erfolgt. Die Ausdehnung auf unnötig große Gebiete oder unnötig lange Zeiträume verstärkt diesen Effekt noch. Beispielsweise zeigen sich bereits heute „soziale Schäden“ bei Kindern und Jugendlichen in Fukushima. Hervorgerufen, durch die zwangsweise Unterbringung in Notunterkünften und erschwerte Ausbildungsbedingungen. Man kann sich teilweise des Eindrucks nicht erwehren, daß dies politisch gewollt ist. Insbesondere, wenn man immer wieder liest, daß der oberste Wunsch bei den „Vertriebenen“, die möglichst schnelle Rückkehr in ihre alte Umgebung ist. Gleiches kennt man auch aus Tschernobyl. Bemerkenswert ist dabei, daß der Gesundheitszustand der illegalen (inzwischen längst geduldeten) Rückkehrer in die Verbotene Zone, deutlich besser als der, der zwangsweise Umgesiedelten ist. Obwohl die Rückwanderer sogar Landwirtschaft zur Eigenversorgung auf dem „verseuchten“ Grund betreiben.

Etwas anders stellt sich das ALARA Prinzip beim Arbeitsschutz dar. Natürlich sollte jede gesundheitliche Belastung am Arbeitsplatz möglichst klein gehalten werden. Man sollte aber nicht so blauäugig sein zu glauben, es ginge nicht auch um wirtschaftliche Interessen. Rund um den Strahlenschutz hat sich eine ganze Industrie etabliert. Auf jeder Messe werden neue Mittelchen vorgestellt, die noch ein paar Promille Verbesserung versprechen. In Behörden sind ganze Kariereplanungen auf eine stetige Ausweitung aufgebaut. Gerade, wenn sich die Anzahl der Objekte durch einen „Ausstieg aus der Kernenergie“ verringert, ist der Stellenkegel nur zu halten, wenn man ständig neue Probleme schafft, die man vorgibt anschließend zu lösen. Ein Schelm, wer hier an die Asse denkt. Trotzdem gilt auch hier, man kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Was man für den Strahlenschutz ausgibt, kann man nicht mehr für andere Zwecke verwenden und jeden dieser Euros müssen wir selbst bezahlen. Dabei ist es gleich, ob aus Steuermitteln oder höheren Energiepreisen. Es lohnt sich also schon, einmal selbst darüber nach zu denken und sich eine eigene Meinung zu bilden.