Die Krebsgeschwulst der Energiewirtschaft

Es begann alles mit den Subventionen für Wind- und Sonnenenergie. Manche tiefgläubige Politiker halten die zwangsweise Einspeisung von elektrischer Energie zu staatlich festgelegten und garantierten Preisen immer noch für einen ideologischen Exportschlager. Eher ist es so, daß sich die „EEG-Philosophie“ wie Krebs über Europa ausgebreitet hat. Inzwischen ist man schon bei der Förderung neuer Kernkraftwerke (z. B. Großbritannien) und fossilen Kraftwerken als „Kaltreserve“ (z. B. Deutschland) angekommen. Es ist, wie es immer war und sein wird: Einige Politiker wollen mit ihrem Halbwissen in einen Markt eingreifen, um ihn zu verbessern. Zwangsläufig führen ihre Eingriffe zu Störungen an anderen Stellen, die flugs durch weitere Eingriffe beseitigt werden sollen. Eine Kettenreaktion kommt in Gang, an deren Ende meist der Zusammenbruch des gesamten Systems steht. Es scheint also durchaus sinnvoll, sich mit der unterschiedlichen „Rangehensweise“ in Europa auseinanderzusetzen.

Einer oder besser viele?

Historisch gewachsen ist das Modell „integrierter Konzern mit Gebietsmonopol“. In einem geographisch (was meist mit Ländergrenzen gleichzusetzen ist) begrenztem Gebiet hat eine Gesellschaft die Versorgung aller Kunden übernommen. Diese Gesellschaft hat dafür ein Leitungsnetz aufgebaut und betrieben und sich einen passenden Kraftwerkspark zugelegt. Dies geschah in eigener Regie und Verantwortung. In der guten, alten Zeit beschränkten sich die Politiker auf die Forderungen „sichere Versorgung zu günstigen Preisen“, „anständige Dividende“ und „Einhaltung der Gesetze und Vorschriften“. Entscheidend war, daß diese „Stromkonzerne“ wie Kaufhäuser geführt wurden: Alles unter einem Dach. Am Jahresende zählte nur das Gesamtergebnis. Wieviel, welche Abteilung dazu beigetragen hat, war höchstens Insidern bekannt. In der Tat, eine etwas undurchsichtige Angelegenheit. Allerdings weit aus weniger, als Laien (und Politiker sind fast immer Laien!) vielleicht meinen. Sind die internen Zahlen bekannt, sind sie immer auch vergleichbar mit ähnlichen Bereichen in anderen Branchen. Vorteil einer solchen Konstruktion sind die Optimierungsmöglichkeiten und die gegenseitigen Synergien, sowie die günstige Finanzstruktur. Letztendlich läuft alles immer auf die eine Frage hinaus: Was kostet am Ende der Strom? In diesem Sinne, ist z. B. ein Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich eindeutig: Die französischen Strompreise bewegen sich im unteren Drittel, Deutschland ist auf dem Weg zur absoluten Spitze.

Das vermeintliche Gegenmodell zum „Staatskonzern a la EDF“ ist die deutsche „Strommarktliberalisierung“. Schon dieser Begriff war einer der dreistesten Neusprech-Schöpfungen in der Geschichte.

  • Man zerschlug gnadenlos bestehende Unternehmensstrukturen: Die regionalen Energieversorger BEWAG (Berlin) und HEW (Hamburg) wurden beispielsweise an den sozialdemokratischen, schwedischen Staatskonzern Vattenfall verschachert. Heute rennen die gleichen Rot/Grünen-Strategen durch die Straßen von Berlin und Hamburg und sammeln Unterschriften zur „Rekommunalisierung“. Aus den einst florierenden Aktiengesellschaften im Landesbesitz sollen über den Zwischenschritt „ausländischer Konzern“ Energiekombinate unter der Leitung von Politkommissaren gemacht werden. Elektrische Energie als neue Kopfsteuer und Zwangsabgabe zur Verwirklichung politischer Ziele – vorbei an Parlamenten und ohne lästige Haushaltsdebatten.
  • Man wandelte die Preisfindung einer Marktwirtschaft in eine reine Planwirtschaft um: Durch das „EEG“ werden nicht nur die Erzeugerpreise staatlich vorgeschrieben, sondern auch die Abnahme der Produktion zwangsweise garantiert. Bei dem Einheitsverkaufspreis (EVP) der zusammengebrochenen DDR handelte es sich noch um ein aufwendiges und strikt reglementiertes Kalkulationsverfahren. Schwarz/Gelb hat daraus die Festlegung der „Einspeisevergütung“ als eine Hinterzimmerveranstaltung unter Politikern gemacht. Der Rahmen eines „Fünf-Jahr-Plan“ wurde durch das Korsett des Abnahmezwanges ersetzt. Damit wurde den Kombinatsleitern der Stromwirtschaft sogar noch die Wahl des Produktionsstandortes entzogen. So viel Staatswirtschaft gab es noch nie auf deutschem Boden.
  • Rot/Grün erschufen die „Strombörse“ als Karikatur einer Börse, in der die eine Abteilung eines Konzerns den Strom an die andere Abteilung des gleichen Konzerns „verkauft“. Gerne benutzen Grüne Politstars diese Art der „Preisfindung“ auch noch als Beweis, daß böse Kapitalisten die „ständig sinkenden Preise an der Strombörse für Wind- und Sonnenenergie“ nicht an die Stromverbraucher weitergeben.
  • Man ist stolz darauf, daß man Ein-Mann-Finanzspekulanten (Photovoltaik auf dem Dach) und Bauernkollektive („Bürgerwindparks“) als neue deutsche Energieversorgungsunternehmen in die Schlacht gegen internationale Milliardenkonzerne geschickt hat. Mal abwarten, wie viele Privatinsolvenzen die Energiewende hinterlassen wird. Bisher haben ja nur super schlaue Stadtwerkedirektoren Millionen in spanische „Sonnenfarmen“ versenkt. Macht ja nichts, werden zum Ausgleich eben die Müllgebühren etwas erhöht.
  • Die Krönung der Volksverdummung war die Idee, haftendes (!) Eigenkapital mit einer Verzinsung von bis zu 5% (!) zur Finanzierung von Hochspannungsleitungen ein zu werben. So dämlich ist nicht einmal unser Michel: Er finanziert Hochspannungsmasten vor seinem Fenster, die niemand braucht und die voraussichtlich auch nie benutzt werden. Weil weder die bestehenden Kraftwerke im Süden abgeschaltet werden, noch die Windparks im Meer im geträumten Umfang gebaut werden. Unter Finanzhaien nennt man das skalpieren. Hauptsache, der Vertrieb hat seine Provision kassiert. Die „Hausfrauen-Hausse“ ist längst gestartet: Deutsche Bank und Co haben längst ihre Aktien in Wind und Sonne an Privatanleger mit Gewinn weiterverkauft. Jetzt können die „Zukunftstechnologien“ getrost pleite gehen und die Arbeitnehmer „frei gestellt“ werden. Es soll ja ohnehin Fachkräftemangel herrschen.

Auswirkungen auf Europa

Bisher konnten Deutschland und Dänemark ihren Stromabfall aus Wind und Sonne problemlos in ihren Nachbarländern entsorgen. Wenn auch nur über direkte oder indirekte Subventionen. Der Strompreis wird so weit runter subventioniert, bis er konventionelle Kraftwerke aus dem Markt drückt. Im Grunde genommen, ist dieses Modell ein Abklatsch alter europäischer Agrarsubventionen. Damals (Milchseen, Butterberge etc.) wie heute, führt es solange zu einer Überproduktion, bis die Subventionen über alle Maßen steigen und politisch nicht mehr zu verkaufen sind. Die Betonung liegt dabei auf „politisch ertragbar“, denn die Schmerzgrenze und die entstehenden Schäden sind in unterschiedlichen Ländern verschieden. Als erste, scherten unsere Nachbarn Polen und Tschechien aus: Die volkswirtschaftlichen Schäden durch deutschen Stromabfall nahmen solche Ausmaße an, daß sie nicht mehr durch den vermeintlich günstigen Preis aufgewogen werden. Sie machen die Grenzen dicht. Übrigens mit vollem Recht: Der Verkauf von Produkten unter Gestehungspreis wird gemeinhin als Dumping bezeichnet und verstößt gegen alle internationalen Handelsabkommen. Eine Trumpfkarte, die unsere Nachbarn gegenüber Deutschland weiter in der Hinterhand halten, solange, bis der „EEG-Wahnsinn“ gestoppt wird.

Es gibt aber noch eine Reihe indirekter Wirkungen auf andere Energiemärkte. Eindeutige Untergrenze für die Strompreise an der Europäischen Strombörse ist seit längerem der Brennstoffpreis für Kohle. Kohle und Kernenergie bilden das Rückrat der Stromerzeugung. Die von allen Sonnenmännchen und Flackerströmern heiß geliebten Gaskraftwerke müssen bereits aus dem Markt ausscheiden. Ihre Brennstoffkosten liegen deutlich über den erzielbaren Strompreisen. Dadurch entsteht eine Todesspirale: Durch die immer geringer werdende Ausnutzung (Vollaststunden) explodieren die Fixkosten. Der Zeitpunkt der vollständigen Stilllegung naht. Neuerdings werden sogar Neubauten unmittelbar nach der ersten Inbetriebsetzung gleich wieder eingemottet. Das grüne Märchen von den unflexiblen Kohle- und Kernkraftwerken, hat sich inzwischen längst als schlechte Propaganda enttarnt. Nur die Politkommissare in den nahestehenden Stadtwerken sind dem aufgesessen und haben kräftig in Gaskraftwerke (fehl)investiert. Manch ein Stadtkämmerer wird noch schlaflose Nächte bekommen: Aus den vermeintlich profitablen „Kraft-Wärme-Kopplungs-Projekten“ – gedacht zur Quersubventionierung von städtischen Hallenbädern, Busbetrieben etc. – werden Investitionsruinen werden.

Genau aus dieser Ecke weht der verzweifelte Schrei nach „Kapazitätsmärkten“. Man benötigt dringend Subventionen um seine Fehlinvestitionen zu vertuschen. Da kaum einer etwas mit diesem Begriff anfangen kann, er aber um so bereitwilliger nachgeplappert wird, hier eine Übertragung in die Alltagswelt. Betriebswirtschaftlich ist es das klassische Problem einer Eisdiele. Der Betreiber einer Eisdiele ist extrem vom Wetter abhängig. Er muß praktisch an den wenigen Tagen mit schönem Wetter den wesentlichen Teil seines Jahresumsatzes machen. All sein Bestreben ist darauf ausgerichtet. Er muß den Preis für sein Eis so kalkulieren, daß er die unzähligen flauen Tage überbrücken kann. Gemeinhin nennt man das unternehmerisches Risiko. Hätte er die Idee vom „Kapazitätsmarkt“ schon gekannt, wäre er zur Gemeinde gegangen und hätte sich jeden Monat einen festen Betrag von der Allgemeinheit bezahlen lassen, um seine Kosten für Miete, Personal etc. abdecken zu können. Als Gegenleistung hätte er sich selbstverständlich verpflichtet, seine Eisdiele an warmen und schönen Sommertagen zu öffnen. Absurd? Wieso, er stellt doch die gesellschaftlich wichtige Aufgabe der Eisversorgung an heißen Tagen bereit. Wenn es immer noch keiner merkt, wir sind mit Volldampf in eine Gesellschaft unterwegs, gegen die der Real-Existierende-Sozialismus ein Freiraum für unternehmerische Tätigkeiten war.

Die Zukunft

Solange es kein wesentliches Wachstum im Stromabsatz gibt, kann man sich eine ganze Zeit durchwursteln. Gleichwohl altert der Kraftwerkspark jeden Tag weiter. Hat man einmal mit der Planwirtschaft angefangen, kann man nicht mehr erwarten, daß das unkalkulierbare – weil politische – Risiko von irgendwelchen verantwortungsbewussten Investoren getragen wird. An diesem Punkt ist man heute bereits in Großbritannien angekommen.

Das englische Modell

Im Vereinigten Königreich hat man eine Reihe alter gasgekühlter Kernkraftwerke. Diese werden nach einem festen Fahrplan außer Betrieb gesetzt. Hinzu kommen eine Reihe alter Kohlekraftwerke, die zumindest nachgerüstet werden müßten, um die europäischen Umweltschutzstandards zu erfüllen. Ferner hat man sich auf das kostspielige Abenteuer der Windenergie aus dem Meer eingelassen. Nach jahrelangen Diskussionen ist man zum Ergebnis gekommen, daß man mindestens 18.000 MWe neue Kernkraftwerke bauen muß und das möglichst schnell. Nur, wer soll das finanzieren? Man hat alle britischen Stromversorger längst privatisiert. Die alten Kernkraftwerke werden beispielsweise von der französischen EDF betrieben. Die würde auch gerne neue bauen und betreiben, aber bitte nur mit eingeschränktem Risiko.

Die britische Lösung den Fehler der Subventionierung der Windenergie zu heilen, heißt „CO2 – freier-Strom“. Man dreht den „Ökospieß“ um. Auch Kernenergie ist „CO2.frei“, hat also folglich auch Subventionsansprüche zum Wohle des Klimas zu stellen. Man handelt für jedes Projekt (Wind auf Land, Wind auf Meer, Biomasse, Kernenergie etc.) mit dem Investor einen Mindestpreis für einen bestimmten Zeitraum aus. Der Antrieb der Verhandlungen ist, einen Preis zu finden, mit dem der Betreiber leben kann ohne pleite zu gehen. Kann dieser Preis nicht am Markt erzielt werden, gibt es die Differenz aus einem Fond oben drauf. Wird umgekehrt am Markt ein höherer Preis erzielt, wird aus der positiven Differenz die angehäufte Schuld getilgt. Erst wenn der Fond auf Null gesetzt ist, kann der Kraftwerksbetreiber den vollen Preis einstreichen. Lange Diskussionen werden immer noch über die Frage der Haftung für diese Fonds geführt: Gibt es eine direkte Bürgschaft durch den englischen Staat oder durch das Kollektiv der Stromverbraucher. Diese Frage ist von zentraler Bedeutung, da sie auf den Garantiepreis zurück koppelt. Bürgt der Staat, hat die gesamte Finanzierung des Projektes die Wertigkeit – und damit geringe Zinssätze – einer britischen Staatsanleihe. Tritt lediglich das Kollektiv der Stromverbraucher als Rückversicherer auf, hat die Finanzierung den Stellenwert einer Unternehmensanleihe. An dieser Stelle ergibt sich deshalb ein möglicher Konflikt mit dem EU-Recht wegen (vermeintlich) unerlaubter Subventionen.

Die Lösung des NIMBY-Problems?

Alle Großprojekte der Energietechnik, vom Windpark bis zum Kernkraftwerk, leiden heute am NIMBY („Aber nicht hinter meinem Haus“) Syndrom: Man erkennt die volkswirtschaftliche Notwendigkeit an, ist aber nicht bereit, persönliche Nachteile zu tragen. Die Briten wollen dieses Dilemma nun marktwirtschaftlich lösen. Die Gemeinden, die solche Projekte bei sich gestatten – vielleicht zukünftig sich sogar darum bewerben – bekommen einen hälftigen Anteil an den Unternehmenssteuern. Man geht für ein Kernkraftwerk von mindestens 193 Millionen Pfund in einem Zeitraum von 40 Jahren aus. Wer das (gefühlte) Risiko eines Kernkraftwerkes in seiner Gemeinde auf sich nimmt, wird mit zusätzlichen Freibädern, Kindergärten und was sonst noch alles, „entschädigt“. Es wird interessant sein, wie die Angstindustrie darauf reagieren wird. Greenpeace und Co. zukünftig nicht mehr in der Rolle der guten „Naturschützer“, sondern eher als Verhinderer von besser ausgestatteten Schulen und Kindergärten. Ganz neu ist dieses Erfolgsmodell nicht. Wyoming hat die am besten ausgestatteten öffentlichen Schulen in den USA (jedem Kind ein kostenloser Laptop). Finanziert durch Abgaben der Kohleindustrie. In solchen Gemeinden fällt das Hetzen gegen die als „guter Nachbar“ empfundene Kohlegrube, schwer. Im fernen Washington ist das Schwadronieren über Klimakatastrophen mit Staatsbediensten wesentlich angenehmer.

Es gibt noch einen weiteren Ansatz, der auch für Windparks und Shale Gas (1000 Pfund pro Bohrstelle + 1% vom Umsatz) gelten soll: Die Gemeinde bekommt 1000 Pfund im Jahr pro MW installierter Leistung (Ziel: Je größer das Kraftwerk, je mehr Einnahmen für die Gemeinde) begrenzt bis zum Jahr 2060 (Ziel: Je schneller gebaut wird, um so mehr Einnahmen.)

Die Rolle der EU-Kommission

Man könnte fast Schadenfreude empfinden: Über Jahrzehnte ist der Popanz „Klimakiller CO2.“ von allen möglichen Schlangenölverkäufern und Systemveränderern aufgebaut worden. Nun braucht die Wettbewerbskommission nur noch betonen, daß Kernenergie auch „kohlenstoffarm“ ist und all die schönen „Ausnahmetatbestände“ gelten auch für die Kernenergie. Oder man macht generell Schluß mit den Subventionen in der europäischen Energiewirtschaft – dann aber, ist die Kernenergie als preiswerteste Methode der Stromerzeugung (in der Grundlast) strahlender Sieger. Ein Ausbauprogramm von chinesischem Ausmaß wäre die Folge.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie ein Heulen durch die politischen Parteien und Energiekombinate in Deutschland gehen wird. Hat nicht vor all zu langer Zeit beispielsweise die Kombinatsleitung von E.ON Energie AG in vorauseilendem Gehorsam ihre fertig entwickelten Standorte in England an die Japaner verkauft? Wollte man das erhaltene Geld nicht in die „Zukunftstechnologie Windkraft auf Hoher See“ investieren (versenken)? Mal sehen, wie die Analysten an der Börse reagieren. Das gleiche gilt für Siemens und ein halbes Dutzend Firmen in der zweiten Reihe. Wenn man jemals Manager für Arbeitsplatzvernichtung verantwortlich machen kann, dann sicherlich diese „Energiewender“. Hoffentlich gibt’s noch ne schöne Abfindung.

Niemand wird in der EU Mitleid für „Madame No“ haben, die sich selbst in diese Zwickmühle laviert hat. Ihr überhasteter „Ausstiegsbeschluss“ wird ihr vielleicht in wenigen Wochen eine Koalition mit den Grünen ermöglichen, aber der Machterhalt über Tagespolitik ist erfahrungsgemäß nicht von langer Dauer. Man schaue sich nur Spanien an: Dort sind Milliarden in der spanischen Wüste für Sonnenenergie verbrannt worden. Richtige Konsequenz aus der „Euro-Krise“: Sofortiger Schluß mit dem Unsinn der „Solarförderung“. Entgegen dem Werbeslogan eines bekannten Sozialdemokraten hat die Sonne nun doch brutal eine Rechnung geschrieben. Die politische Frage der nächsten Jahre wird sein, wie lange die (jugendlichen) Arbeitslosen in Europa bereit sind, solche alten Deckel aus der „Grünen Periode“ abzustottern. Wie lange der „Kleinrentner“ über seine Stromrechnung bereit ist, dem Schlangenölverkäufer sein durch „Solarenergie“erworbenes Schloss weiter zu erhalten. Vielleicht wird ja noch ein deutsches Energiemodell zum Exportschlager: Entschädigungslose Enteignung! Es muß ja nicht gleich ein Tsunami in Japan zur Begründung herhalten, vielleicht reicht auch eine umgeblasene Windmühle in der Nordsee.

Obama ruft zum Kreuzzug

Im Juni 2013 stellte das „Executive Office of the President“ seinen 20-seitigen „THE PRESIDENT’S CLIMATE ACTION PLAN“ vor. Medienwirksam hielt der Präsident am 25. Juni einen Vortrag an der Georgetown-Universität in Washington. Alle „Betroffenheitsorganisationen“ von Greenpeace bis WWF waren pflichtschuldigst mit Lob zur Stelle. Das Strommagazin, als Zentralorgan der Sonnenmännchen Deutschlands titelte:

„Die USA machen endlich Ernst beim Klimaschutz. Nach Jahren des Stillstands und der Blockade gibt es endlich ermutigende Signale von der größten Volkswirtschaft der Welt.“

Wieder einmal, war es dem „Ankündigungspräsidenten“ gelungen, der Linken weltweit etwas Zucker zu geben und für sich selbst ein Thema zu finden, mit dem er hofft in positiver Erinnerung zu bleiben.

Situation in den USA

Im letzten Jahr sanken der Kohlendioxid-Ausstoß und die Netto-Ölimporte auf den geringsten Wert in den letzten 20 Jahren und gleichzeitig stiegen die USA zum größten Erdgasförderer der Welt auf. Zahlen, mit denen sich ein Präsident zu schmücken können glaubt. Die Frage wäre allerdings noch, welcher. Wenn schon ein Präsident, dann eher sein Vorgänger Bush, der hier bevorzugt als alkoholkranker, schießwütiger Texaner dargestellt wird. Der war es nämlich, der mit Unterstützung zahlreicher „Rechter Militärs“ die Senkung der Abhängigkeit von Ölimporten zielstrebig einleitete. Ein Abfallprodukt dieser Politik, ist der verringerte CO2.-Ausstoß. Als Texaner war ihm klar, daß zur Senkung der Ölabhängigkeit nur ein Mittel wirksam ist: Bohren, bohren und noch einmal bohren im eigenen Land. Die Früchte werden heute in Form des „Shale-Gas“ und „Shale-Oil“-boom eingefahren – ganz entgegen dem über 60 Jahre andauernden Gefasel von „Peak-Oil“. Deswegen mußte „Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser“ auch sofort anmerken:

…dass Obama aber auch auf „Risikotechnologien“ wie Fracking oder Atomkraft setze, sei ein falsches Signal…“.

Auch der erste Neubau von fünf Kernkraftwerken seit 30 Jahren passt in diese Strategie: Man hatte nicht vergessen, daß bis zur „Ölkrise“ in den 1970er Jahren fast 70% der elektrischen Energie mit Öl erzeugt wurde. Erst durch den massiven Ausbau der Kernenergie gelang die „Freisetzung“ fossiler Energien für andere Anwendungen. Deshalb der immer wehrende Kampf der „Systemveränderer“, gegen neue Fördermethoden bei fossilen Energien und die Kernenergie. Nur, wenn man ein „Marktversagen“ durch politische Eingriffe erzeugen kann, läßt sich dem Zombie „Planwirtschaft“ wieder neues Leben einhauchen.

Die „Shale-Gas Revolution“

Das sogenannte „Fracking“ ist eine seit 80 Jahren bei der Öl- und Gasförderung angewendete Technik. Hinzu kam die Methode „horizontaler Bohrungen“, die in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte technische – und vor allem wirtschaftliche – Entwicklung genommen hat. Heute ist es möglich, schmale öl- oder gashöffige Schichten zu erschließen. Auch diese Vorkommen waren den Geologen seit langem bekannt. Es ist auch kein Zufall, daß diese von eher kleinen Ölfirmen in Angriff genommen wurden. Wie so oft, wurde die anfängliche Nische sehr schnell zu einer breiten Bewegung. So funktioniert nun mal die Marktwirtschaft.

Gasförderung ist noch kapitalintensiver als Ölförderung. Im Prinzip muß jedes einzelne Bohrloch mit dem Verbraucher durch eine feste Rohrleitung verbunden werden. Auch eine Gasverflüssigung (LNG) schafft nur bedingt Abhilfe. Sie lohnt erst ab Entfernungen von etwa 3.000 km. Dies führt zu stark schwankenden Preisen. Die gigantischen Anfangsinvestitionen müssen über Jahrzehnte getilgt werden. Ist erstmal das „Erdgasnetz“ gebaut, fallen nur relativ geringe Betriebskosten an. Der Investor ist gezwungen, praktisch zu jedem noch so geringen Preis (heutige Situation in USA) zu verkaufen, damit er wenigstens seine Kredite bedienen kann. Kann er das nicht mehr, geht er pleite. Sind genug Produzenten verschwunden und keine Ersatzinvestitionen (neue Bohrungen) mehr erfolgt, schießen die Preise wieder in die Höhe: Ein neuer „Schweinezyklus“ beginnt.

Der wichtigste „swinging user“ in diesem Geschäft sind Kraftwerke. Sie sind fest mit dem Erdgasnetz verbunden und können sehr große Leistungen ziehen. Oft sind sie auch noch mit Öl zu betreiben. Ist das Gas entsprechend billig, werden sie hoch gefahren und andere Kraftwerke mit teureren Brennstoffen gedrosselt. Durch diese zusätzliche Abnahme kann bei einem Überangebot an Gas verhindert werden, daß die Preise ins bodenlose fallen. Andersherum werden solche Erdgaskraftwerke (z. B. an kalten Wintertagen) bei übermäßig hohen Gaspreisen vom Netz genommen. Dies geschieht z. B. zur Zeit in Deutschland, weil hier Kohle weitaus günstiger ist. Genau dieser Mechanismus führte in den USA zu dem verringerten CO2.-Ausstoß im vergangenen Jahr: Durch die Konjunkturschwäche war der Verbrauch an Elektroenergie gefallen. Gleichzeitig wurde mehr Erdgas in den Kraftwerken eingesetzt.

Sogar die Energieversorger haben ein Interesse an stabilen Erdgaspreisen. Sie wissen aus leidvoller Erfahrung, daß einem zu niedrigen Preis (nicht mehr akzeptabel für die Erdgasproduzenten) ein steiler Anstieg mit wenigen Jahren Verzögerung folgt. In den USA ist es aber erklärtes Ziel, mit dem billigen Erdgas eine neue Industriealisierung einzuleiten. Die Umstellung in der chemischen Industrie und auf dem Verkehrssektor hat gerade begonnen, dauert aber mehrere Jahre. Es wäre zu dumm, wenn diese Anlagen bei Fertigstellung auf einen zu hohen Gaspreis treffen würden, nur weil die Gasförderer aus Kapitalmangel keine neuen Bohrungen ausgeführt hätten. Es bleibt also nur die Möglichkeit Erdgas als LNG nach Europa und Asien zu exportieren oder massiv in der Stromwirtschaft einzusetzen. Anlagen zur Verflüssigung sind aber extrem teuer und lohnen sich nur, wenn sie über Jahrzehnte betrieben werden können. Gerade in kommenden Jahrzehnten will man aber den Heimvorteil billigen Erdgases nutzen.

Kohle

Die USA werden auch gerne als das Saudi Arabien der Kohle bezeichnet. Kaum ein Land verfügt über so große und leicht zu fördernde Kohlevorkommen. Kohle ist immer noch ein bedeutender Wirtschaftszweig. Für viele Bundesstaaten (Wyoming, Utah, Kentucky etc.) ist es der zentrale Wirtschaftssektor. Genau in dieser wirtschaftlichen Bedeutung liegen die Stolpersteine für Obama: Umweltschutz und Bergbau ist Ländersache. Der Präsident hat auf diesem Gebiet praktisch keinen Einfluß. Er kann nur durch Worte versuchen zu überzeugen. Die Gesetze werden im Parlament und im Senat gemacht oder sogar in den Bundesstaaten. Die Umweltschutzbehörde EPA hat auf die Luftverschmutzung auch nur geringen Einfluß. Sie ist lediglich für die, die Staatsgrenzen überschreitenden Anteile zuständig. Die Aufforderung an die EPA, doch bitte strengere Grenzwerte zu erlassen, hat bereits harsche Kritik von Verfassungsrechtlern provoziert. Energiepolitik fällt in den Aufgabenbereich der Parlamente. Gesundheits- und Umweltschutz muß durch wissenschaftliche Erkenntnisse abgesichert sein. Da die USA nicht nur aus linken, klimagläubigen Wissenschaftlern bestehen, ist schon allein auf diesem Gebiet, noch mit einigen harten Auseinandersetzungen zu rechnen.

Eigentlich niemand hat in den USA ein Interesse, die Kohleförderung wesentlich zu senken. Dies macht auch keinen Sinn, da es sehr teuer und langwierig ist, Bergwerke in Betrieb zu nehmen. Es wird also eine massive, vorübergehende Flucht in den Export geben. Man wird den asiatischen und europäischen Markt mit billiger Kohle überschwemmen. In den letzten fünf Jahren allein, hat sich der Kohleexport der USA von 36 Millionen in 2002 auf 114 Millionen Tonnen in 2012 mehr als verdreifacht. Dies ist sehr hilfreich für die deutsche „Energiewende“. Die Kernenergie kann fast vollständig durch Kohle ersetzt werden. Das Kohlendioxid wird halt nur nicht mehr auf amerikanischem Boden freigesetzt, sondern z. B. von deutschen „Gutmenschen“, die ja (gefühlt) ihrem Präsidenten immer so begeistert zujubeln.

Für die USA ist das alles eine kluge Doppelstrategie: Man baut sich eine komfortable und preiswerte Energieversorgung auf und nutzt die dafür notwendige Zeit, lästige europäische Industriekonkurrenz mit vermeintlich preiswerter Energie einzuschläfern und abzuhängen.

Das ist beileibe nichts neues: Vor einigen Jahren gab es in den USA eine lebhafte Diskussion über folgenden Weg: Man ersetzt die Kohle in der Stromerzeugung durch Kernenergie. Die dadurch freiwerdende Kohle setzt man zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe ein. Ein Großteil des bei der Wasserstoffproduktion anfallenden CO2. wird gleich wieder in alte Gas- und Öllagerstätten versenkt. Man senkt die Ölimporte auf Null (strategische Forderung konservativer Politiker) und spart dabei auch noch enorme Mengen des „Klimakillers“ (als Geschenk an die linke Ökobewegung) bei deutlich steigender industrieller Produktion.

Anmerkung

In den USA entstammen 40% aller CO2 – Emissionen überhaupt, aus Kraftwerken. Will man also werbewirksam den Ausstoß von Kohlendioxid verringern, verspricht dieser Sektor den schnellsten Erfolg. In den USA wurden 4344 Milliarden kWh elektrischer Energie im Jahr 2011 verbraucht. Rund 2/3 entstammen fossilen Energien (43% Kohle, 24% Gas) und 1/3 wurden „CO2 – frei“ (19% Kernenergie, 8% Wasserkraft, 2,8% Wind) produziert.

Eine typisch vollmundige Obama-Formulierung in seinem Bericht lautet:

During the President’s first term, the United States more than doubled generation of electricity from wind, solar, and geothermal sources. To ensure America’s continued leadership position in clean energy, President Obama has set a goal to double renewable electricity generation once again by 2020.

Was soll und das sagen? Weniger als 5% der Stromproduktion wurden auf diese Weise gewonnen. Eine Verdoppelung hört sich gewaltig an, ist Balsam für die Ohren seiner linken Unterstützer, die schon durch seine erfolglose „Guantanamo-Schließung“ auf eine harte Probe gestellt wurden. Wenn nur die fünf in Bau befindlichen Kernkraftwerke (2 x Vogtle, 2 x Summer, 1x Watts Bar) ans Netz gegangen sind, erzeugen sie schon mehr als 1% der gesamten Stromerzeugung „CO2 – frei“.

Brennstoffbank

Die International Atomic Agency (IAEA) hat bereits mehrere Treffen mit Regierungsstellen in Kasachstan zur Einrichtung einer Brennstoffbank abgehalten. Ziel der Verhandlung ist die Einrichtung eines international zugänglichen Lagers für leicht angereichertes Uran (Low Enriched Uran project, LEU-project). Es wurden zwölf technische Aufgabenbereiche zur erforderlichen Klärung festgelegt, von denen einige, wie z. B. Fragen zu Erdbeben, bereits in Bearbeitung sind. Ende Mai hat die IAEA ihre Mitgliedsstaaten über den Fortschritte offiziell informiert.

Ausgestaltung

Eigentümer und Verwalter der Brennstoffbank auf kasachischem Boden wird die IAEA sein. Das Lager soll anfangs Material für die Erstbeladung von zwei bis drei Leichtwasser-Reaktoren enthalten. Alle Mitgliedsstaaten der IAEA, die sich ausdrücklich verpflichten auf eigene Anreicherung und Wiederaufbereitung zu verzichten, können im „Ernstfall“ auf die Lagerbestände zurückgreifen. Sie würden dann aus dem Bestand mit Brennstoff zu aktuellen Weltmarktpreisen versorgt. Anschließend würde die Brennstoffbank wieder unverzüglich ihre Reserven durch Zukäufe am Weltmarkt aufstocken.

Die Brennstoffbank übernimmt also die Funktion einer (politischen) Rückversicherung. Ein Staat ohne eigene Anreicherung, wäre wirtschaftlich und politisch erpressbar, wenn man ihm bei „Nachladebedarf“ eine Belieferung ganz verweigern würde oder nur zu überhöhten Preisen leisten würde. Dies ist die klassische – und leider nicht ganz von der Hand zu weisende – Argumentation z. B. Irans für sein eigenes Zentrifugenprogramm gewesen. Die Versorgungssicherheit hat sogar Deutschland bewogen, eigene Anreicherungsanlagen auf deutschem Boden zu betreiben. Die „politische Glaubwürdigkeit“ ist nur ein schwaches Argument beim Verzicht auf Kernwaffen. Demgegenüber ist der völlige Verzicht auf Anreicherung und Wiederaufbereitung ein eindeutiges und leicht zu kontrollierendes Bekenntnis. Staaten die bereit sind, so konsequent zu handeln (bisher nur die Vereinigten Arabischen Emirate), müssen dafür von der internationalen Gemeinschaft abgesichert werden.

Im Sinne einer Versicherung reichen hierfür recht kleine Mengen aus. Die hohe Energiedichte von Uran erfordert einen Brennelementewechsel nur in großen zeitlichen Abständen (alle 12 bis 24 Monate) und es können leicht (kleinere) Mengen selbst vorgehalten werden. Der Versuch einer Erpressung ist somit durch die garantierte Verfügbarkeit aus der Brennstoffbank von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dieses Konzept lebt mehr von der „Abschreckung“ als von der realen Lieferung. Es steht und fällt allerdings mit der Glaubwürdigkeit der Garantie. Deshalb ist eine strikte internationale Kontrolle und Absicherung nötig. Im Umkehrschluß gilt, daß kein Staat zur zivilen Nutzung der Kernenergie „doppeldeutige“ Anlagen oder Verfahren mehr benötigt.

Entstehung

Das Verfahren geht auf die Nuclear Threat Initiative (NTI) zurück. Eine regierungsunabhängige und gemeinnützige Privatorganisation. Sie wurde 2001 von Ted Turner (Begründer von CNN und WTBS) und Sam Nunn (demokratischer Senator von Georgia 1972–1997) begründet. Sie versteht sich als aktiv handelnde Organisation. Ihre erste spektakuläre Aktion war 2002 die Finanzierung und Organisation eines Transports von fast 50 kg hoch angereichertem Uran aus einem „Forschungsinstitut“ in der Nähe von Belgrad zurück nach Rußland. Dort wurde es mit Natururan verschnitten und anschließend in zivilen Reaktoren zur Stromerzeugung verbraucht. NTI trug maßgeblich zur Gründung und deren Finanzierung des World Institute for Nuclear Security (WINS) bei. WINS hat sich zum Ziel gesetzt, die Sicherheit vor Diebstahl und jedweden Mißbrauch von nuklearem Material durch Terroristen oder Staaten zu verbessern. In dieser Organisation sind neben Behördenvertretern auch private Unternehmen organisiert, die sich gegenseitig unterstützen, austauschen und beraten. Inzwischen haben auch Norwegen und Kanada beträchtliche finanzielle Unterstützung zugesagt.

Diese Organisationen sind ein schönes Beispiel für die Wirksamkeit von privater Initiative. Durch die Mobilisierung von privaten Mitteln (Stiftungen) konnte unmittelbar und mit durchschlagendem Erfolg mit der Arbeit begonnen werden. Der „private Charakter“ ermöglichte die Zusammenkunft und Mitarbeit losgelöst von politischer Blockbildung. Regierungen sind auf solch sensiblen Gebieten handlungsunfähig. Sie können bestenfalls auf erfolgreiche Züge aufspringen. Für grundlegende Veränderungen in festgefahrenen Sektoren sind immer Einzelpersonen notwendig. Politische Parteien etc. müssen auf die vermeintlich geltenden Meinungen Rücksicht nehmen und sind stets ihren Lagern verpflichtet.

Modellcharakter

Seit der ersten Stunde der Nutzung der Kernenergie besteht immer der Konflikt zwischen „friedlich“ und „militärisch“. Die Kernenergie ist leider erst als Massenvernichtungswaffe der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Nutzung als nahezu unerschöpfliche Energiequelle erschien erst nachträglich aufgesetzt. Mehr als 40 Jahre „Kalter Krieg“ mit Lügen und Propaganda wirken bis heute fort. „Angst vor dem Atom“ war und ist ein wesentlicher Stellvertreter in der „Systemfrage“. Hierin liegt aber auch die Chance: Die beiden Blöcke gibt es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr und zahlreiche neue Akteure sind auf der Weltbühne erschienen. Es ist Zeit für ein neues Zeitalter der Aufklärung.

Ohne Übertreibung kann man sagen, daß die Bevölkerungsentwicklung inzwischen für die Menschheit einen mindestens so brisanten Stellenwert, wie die „Atombombe“ besitzt. Entweder die Menschheit ist in der Lage, der Mehrheit einen akzeptablen Lebensstandard zu bieten oder sie wird im Elend versinken. Dabei ist es egal, ob sie in einem atomaren Inferno oder endlosen „Religionskriegen“ oder schlichtweg Umweltkatastrophen versinkt. Eine – nicht die einzige, aber die wesentliche – Herausforderung ist dabei, die ausreichende Versorgung mit preiswerter Energie. An dieser Stelle muß – insbesondere in Deutschland – mal wieder betont werden, daß „ausreichend“, „preiswert“ und „umweltschonend“ absolut gleichrangige Kriterien sind! Die Bevorzugung nur eines Kriteriums, ist für die Menschheit kontraproduktiv und wird entgegen des (hier durchaus unterstellten) guten Willens, geradewegs in die Katastrophe führen. Man kann es in jedem Entwicklungsland studieren: Armut und Umweltzerstörung (z. B. Abholzung von Urwäldern) gehen Hand in Hand, Luftverschmutzung ist und war die Folge „billiger Technik“ (Kohlekraftwerke ohne Filter, Autos ohne Abgasbehandlung).

Energieverbrauch pro Kopf und Wohlstand sind untrennbar miteinander verbunden. Alles Geschwafel von „Energieeffizienz“ ist nur eine Umschreibung für Verzicht. Wer kann und soll in einer Weltordnung verzichten, in der rund zehn Prozent der Menschen den Löwenanteil der Energie verbrauchen? Selbst wenn wir, in den Wohlstandsregionen Europas und USA, auf die Hälfte der Energie verzichten würden, würde diese Umverteilung die Milliarden von „ein Dollar pro Tag Verdienern“ nicht aus ihrem Elend herausführen können. Andererseits würde eine solche „Effizienzsteigerung“ bei uns wahrscheinlich zu Aufständen führen, denn auch hier leben nicht alle Menschen auf der „Sonnenseite“. Davon abgesehen, werden uns Chinesen und Afrikaner immer weniger um unsere Meinung fragen. Sie werden tun, was sie für richtig halten und das ist auch gut so.

Wenn man die Welt realistisch und mal nicht nur durch eine rosarote ökologische Brille betrachtet, bleibt nur die Erkenntnis, daß der Verbrauch von fossilen Energien (insbesondere Kohle) und Kernenergie auf absehbare Zeit noch zunehmen muß und wird. Ja, gerade wenn man den Zuwachs im Verbrauch fossiler Energien eindämmen will, wird man die Kernenergie weiter ausbauen müssen. „Regenerative“ sind bestenfalls ergänzende Energieträger und sind wegen ihrer Unstetigkeit und ihrer geringen Energiedichte und den daraus resultieren Kosten als Ersatz völlig ungeeignet. Es ist zu bezweifeln, ob die Menschheit jemals so reich sein wird, daß sie sich „regenerative Energien“ leisten können wird. In Wahrheit, wird sie sich dann, nahezu auf ihre Anzahl im vorindustriellen Zeitalter zurück schrumpfen müssen. Wer bestimmt, wer ausscheiden muß?

Das Dilemma zwischen friedlicher und militärischer Nutzung bleibt somit weiter bestehen. Man kann weder eine Waffentechnologie der 1940er Jahre dauerhaft geheim halten, noch läßt sich der größere Teil der Menschheit dauerhaft gängeln. China ist ein deutliches Beispiel. Wer glaubt noch ernsthaft daran, China Vorschriften machen zu können, wieviel von welcher Energieform es nutzen darf? Bestenfalls führt es eine Selbstbeschränkung auf 4 Milliarden to Kohle pro Jahr selbst durch. Um dieses Ziel einhalten zu können, muß es Kernkraftwerke in Serie bauen. Es ist zum Erfolg in der Kerntechnik verdammt. Unzählige „Schwellenländer“ blicken mit großen Erwartungen auf diese Entwicklung. Vorbild wird China und nicht das „Wendeland“ Deutschland sein.

Wenn es aber so ist, wie es ist, wird man Wege finden müssen, ein atomares Wettrüsten zu verhindern. Auch Nord Korea und Iran wird seine Nachahmer finden. Wenigstens den gutwilligen Nationen muß man Möglichkeiten bieten, nicht zwangsweise mitmachen zu müssen. Insofern ist der freiwillige Verzicht der Vereinigten Emirate auf ein atomares Wettrüsten mit seinem Nachbarn Iran, ein Hoffnungsschimmer. Es ist auch kein Zufall, daß die Unterstützung dafür von Privat und nicht aus „Regierungskreisen“ kommt. Wahrscheinlich auch nicht, daß eine „junge Nation“ aus dem ehemaligen Sowjetreich begeistert den Vorschlag für eine Brennstoffbank aufgegriffen hat.

Kleinreaktoren

Bei allen Kraftwerken ist eine ausgeprägte Kostendegression mit zunehmender Leistung vorhanden – egal ob der Brennstoff Kohle, Gas, Uran oder sonst irgendetwas ist. Selbst bei Windmühlen gibt es einen Trend zu immer größeren Anlagen. Stark vereinfachend kann man sagen, es ist immer billiger, eine große Turbine als viele kleine zu bauen. Auch im Betrieb ergeben sich klare Vorteile: Meist wird weniger Personal und Wartungsaufwand benötigt und die Physik sorgt für bessere Wirkungsgrade.

Bei heutigen kommerziellen Kernkraftwerken geht die Bandbreite von etwa 1.000 MW (Westinghouse AP-1000) bis über 1.600 MW (Areva EPR) elektrischer Leistung. In Planung sind bereits noch größere Reaktoren. Warum sollte dieser offensichtlich erfolgreiche Trend also unterbrochen oder gar umgekehrt werden?

Marktpotential

Die Gründe sind ganz ähnlich denen in der Luftfahrt: Wenn man immer größere Flugzeuge verkaufen will, muß man auch dauerhaft entsprechend viele Fluggäste haben. Nicht jede Linie ist geeignet und bei mangelnder Auslastung kehrt sich der vermeintliche Kostenvorteil schnell ins Gegenteil um.

Schwellenländer

In der Stromwirtschaft gilt immer noch die Regel, daß der größte Block im Betrieb nicht mehr als zehn Prozent der momentanen Gesamtleistung haben sollte. Dies beschränkt den potentiellen Markt auf große Industrieländer, da sonst schnell des nachts und an Feiertagen die Auslastung nicht mehr gewährleistet wäre. Gerade Schwellenländer sind aber an der Einführung oder dem Ausbau der Kernenergie sehr stark interessiert. Wer in diesen Markt will, muß deshalb auch kleine Reaktoren anbieten.

Portfoliomanagement

Für jedes Energieversorgungsunternehmen bedeutet das Portfolio-Management eine immer größere Herausforderung. Genau so wenig, wie ein verantwortungsbewusster Finanzanleger all sein Vermögen in eine Anlage investiert, kann ein Energieversorger auf nur eine Art der Stromerzeugung setzen. Lediglich staatliche Versorger glauben die nötige Risikoprämie ausblenden zu können, da sie meinen, jederzeit die Steuerzahler in Geiselhaft nehmen zu können. Wenn man nun auch noch berücksichtigt, daß in marktwirtschaftlichen Systemen stets mehr als ein Anbieter vorhanden ist, kann man aus o. g. Gründen nachvollziehen, wie beschränkt die optimale Blockgröße nur sein kann. Selbst wenn große Blöcke vertretbar sind, kann die verringerte Vorfinanzierung durch allmählichen Zubau höchst lukrativ sein. In diesem Sinne ist auch das „modular“ in der Abkürzung SMR (Small Modular Reactor) zu verstehen. Zumindest ein Anbieter geht davon aus, einen „Großreaktor“ durch den sukzessiven Zubau von bis zu acht SMR zu realisieren.

Ersatz alter Kohlekraftwerke

In nächster Zeit ergibt sich ein bedeutendes internationales Marktpotential durch die notwendige Ausserbetriebnahme alter Kohlekraftwerke. Historisch bedingt, bewegen sich diese in der Größenordnung einiger hundert MW pro Standort. Will oder kann man dort keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen, so könnte man doch preisgünstig die vorhandene Infrastruktur mit SMRs weiter nutzen. Wie teuer allein der Netzumbau ist, zeigt sich gerade in Deutschland mit seiner Energiewende. Zumindest in China und USA wird dieses Konzept mit Nachdruck verfolgt. Ziel ist es, die dadurch frei werdenden Kohlenmengen für z. B. die Produktion synthetischer Kraftstoffe nutzbar zu machen. Interessanterweise wird dieses Konzept, von zahlreichen „Umwelt- und Klimaschutzorganisationen“ in den USA massiv unterstützt. In China dürfte eher die Luftverschmutzung und die (gewünscht und geförderte) Motorisierung Pate sein.

Mehr Öl durch SMR

Damit sind wir bei der letzten – und vielleicht am schnellsten realisierten – Anwendung kleiner Reaktoren. Die Förderung von Öl und Gas findet in immer weiter abgelegenen Regionen und mit immer höherem Energieaufwand statt. Der hierbei verbrannte Eigenbedarf setzt die verkaufbare Fördermenge herab. Aus diesem Grunde sind die ersten zwei Kleinreaktoren in Rußland bereits im Bau. Aber auch die Mineralölkonzerne sehen die Kernenergie nicht länger als lästige Konkurrenz, sondern eher zur Abdeckung des Eigenbedarfs.

Kerntechnische Besonderheiten

Aber noch einmal zurück zum Ausgangspunkt. Wenn immer größere Kraftwerke, zu immer geringeren Produktionskosten führen, wie sollen dann SMR konkurrenzfähig sein? In der Presse liest man immer die einfache Antwort: Durch Massenproduktion. Wenn die „Massenproduktion“ so einfach physikalische Gesetze überwinden könnte, hätten wir dann nicht längst Kleinraffinerien, kleine Hüttenwerke usw. an jeder Ecke? Ganz offensichtlich war „small is beautiful“ nichts weiter als ein erfolgreicher Werbeslogan.

Baukosten und Baustellenkosten

Kernkraftwerken geht der Ruf hoher Investitionskosten voraus. Es lohnt sich deshalb, einmal die Ursachen etwas näher zu beleuchten. Von der Entscheidung ein neues Kernkraftwerk zu bauen, bis zur ersten Stromproduktion, vergehen heute in den etablierten Ländern 10 bis 15 Jahre. Das bedeutet nichts anderes, als daß z. B. die Planungskosten über den gesamten Zeitraum vorfinanziert und damit laufend verzinst werden müssen. Selbst bei einem Zinssatz von nur fünf Prozent, haben sie sich nach 15 Jahren bereits verdoppelt. Wer Kosten sparen will, muß also schnell bauen. Wie fatal sich die Bauzeit auf die Stromgestehungskosten auswirkt, kann man heute durch den Vergleich mit China sehen: Baugleiche (!) Reaktoren der Generation III+ (Areva EPR oder AP-1000) werden in China wesentlich schneller fertiggestellt. Menetekel für den Industriestandort Europa sind die Areva-Baustellen eines EPR in Olkiluoto, Finnland und Taishan, China.

Bei beiden Projekten werden die Kernkomponenten (noch) nicht in den Ländern gefertigt, sondern komplett importiert. Ursache für den gewaltigen Preisunterschied sind also die Baustellenkosten. Bei Kernkraftwerken heutiger Bauweise fallen etwa 70 % der Baukosten auf der Baustelle an. Arbeiten auf einer Baustelle sind grundsätzlich teurer als in einer Fabrik. Dies gilt ganz besonders in der Kerntechnik, mit ihrem besonderen Prüf- und Dokumentationsaufwand. Wer also Kosten sparen will, muß möglichst viel, möglichst komplett, vorfertigen und schon in der Fabrik testen.

Wie klein sind SMR?

Als SMRs werden heute Reaktoren mit einer elektrischen Leistung von etwa 45 bis 300 MW bezeichnet. „Klein“ ist also auf diesem Gebiet sehr relativ. Die Definition hat einen anderen Ursprung: Sie sollen geometrisch so klein sein, daß sie sich noch mit der Eisenbahn transportieren lassen. Es wäre damit möglich, sie komplett in einer Fabrik zu fertigen und zu testen und sie nahezu einsatzbereit zu der Baustelle zu transportieren. Hiermit wäre ein Quantensprung in der Bauzeit und damit in den Finanzierungskosten verbunden. Ein Energieversorgungsunternehmen könnte wie eine Fluggesellschaft agieren: Definierter Liefertermin zu garantierten Kosten in akzeptabler Zeit.

Zusätzliche Sicherheit

Wenn man Dampferzeuger, Druckhalter und Umwälzpumpen mit in das Druckgefäß packt, spart man eine Menge Rohrleitungen und Schwachstellen. Dies ist durchaus nichts neues, sondern bei Schiffen seit Jahrzehnten erprobt. Da man wegen der Transportierbarkeit zu einer eher länglichen Bauform kommt, bietet es sich an, das Teil komplett in die Erde zu versenken. Man hat damit gegenüber einer konventionellen Bauweise einen natürlichen Schutz gegen Einwirkungen von außen (Flugzeugabsturz, Terror etc.) Manche Konzepte gehen sogar davon aus, das Containment dauerhaft mit Wasser zu füllen. Man erhält so eine sehr gute Abschirmung gegen Strahlung, eine Filterwirkung bei Störfällen und eine „ewige Kühlung“ zur Abfuhr der Nachzerfallswärme. Alles in allem, kann man von einer um ein bis zwei Größenordnung verringerten Eintrittswahrscheinlichkeit eines schweren Reaktorunfalls ausgehen.

In diesem Zusammenhang ist auch mit geringeren Kosten für die nötigen Versicherungen (Haftpflicht, Betriebsausfall) und einem geringeren Wartungsaufwand zu rechnen. Inhärente Sicherheitssysteme brauchen keine Wiederholungsprüfung. Je mehr Komponenten im Sinne der Kerntechnik nicht mehr sicherheitsrelevant sind, um so mehr kann (wieder) auf konventionelle Produkte und Hersteller zurückgegriffen werden. Es gibt in einem Kernkraftwerk unzählige Bauteile, die mit frei erhältlichen Teilen vollkommen identisch sind, aber einen drei bis viermal so hohen Preis haben. Der berühmt gewordene Dübel ist wahrlich kein Einzelfall. Ursache sind die Kosten für die Zulassung und der sprichwörtliche Dokumentationsaufwand.

Wohin geht die Reise?

Prinzipiell läßt sich jeder Reaktortyp auch klein herstellen. Wegen der erzkonservativen Einstellung der Genehmigungsbehörden – man könnte auch sagen: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht – wird man sich nur wenig von Bekanntem entfernen. Zumindest in den USA sind Leichtwasserreaktoren favorisiert. Damit kennt sich die Genehmigungsbehörde aus und man kann auf langjährige Erfahrungen aus dem Schiffbau zurückgreifen. Schließlich hat allein die US-Marine über hundert Reaktoren in Betrieb. Wer sich für die gerade staatlich geförderten Konzepte von Westinghouse und B&W interessiert, sollte nicht versäumen, sich einmal den Reaktor der deutschen Otto Hahn (Stapellauf 1964) anzuschauen. Der hieß damals Fortschrittlicher Druckwasserreaktor (FDR). Vielleicht war er ja wirklich nur einfach vierzig Jahre zu früh?

Die Russen ticken auch nicht so viel anders. Die erste barge mit zwei Druckwasserreaktoren ist bereits in Bau und soll in Sibirien zur Versorgung der Gasfelder dienen. Die Reaktoren sind eine leichte Abwandlung des Typs, wie er auch bei russischen Eisbrechern verwendet wird. Allerdings arbeiten sie auch noch an einem Schnellen Reaktor mit Blei-Wismuth-Kühlung. Eine Weiterentwicklung eines mit mäßigem Erfolg eingesetzten U-Boot-Reaktors. Allerdings bietet dieses Konstruktionsprinzip schon allein wegen der höheren Temperaturen interessante Vorteile.

Und damit wären wir wieder in China angelangt. Die Chinesen haben gerade den Grundstein für einen mit Helium gekühlten Thorium Hochtemperatur Reaktor gelegt. Jawohl, es ist die Weiterentwicklung des guten, alten THTR aus Deutschland. Er soll Raffinerien und Chemiebetriebe mit Strom und Wärme versorgen. Das Konzept „Kohle und Kernenergie“ war vielleicht doch nicht so abwegig – meinen jedenfalls die Chinesen. Aus dem gleichen Grund – Erzeugung von Hochtemperatur-Wärme – greifen sie auch das amerikanische Konzept der Salzbadreaktoren wieder auf. Ganz neben bei, kann es auch der „Atommüllentsorgung“ dienen, die in China nicht nur ein Problem der Kernkraftwerke, sondern auch der Kohlekraftwerke und der Produktion Seltener Erden ist, die ja so gut für Windmühlen sein sollen.

In diesem Sinne, könnte man fast meinen, daß das Kernenergiezeitalter erst beginnt. Egal ob sich Deutschland nun „energiewendet“ oder nicht.