Grundgesetz und Kernenergie

Vor einigen Tagen hat mir ein Leser eine Unterrichtung durch die Bundesregierung mit der Bitte um eine Stellungnahme zum Kapitel Kernenergie zugeschickt. Hierbei handelt es sich um ein Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen: Wege zur 100 % erneuerbaren Stromversorgung vom 18. Februar 2011. Warum nun eine so olle Kammelle aus der Zeit der Koalition von CDU/CSU und FDP? Geschichtlich von Bedeutung ist die Tatsache, daß das Unglück von Fukushima erst am 11. März 2011 stattfand. Also erst einen Monat nach dem Druck dieses Gutachtens. Ganz offensichtlich ein willkommener Anlaß für den schon lange geplanten und gewünschten Ausstieg aus der Kernenergie. Wohlgemerkt, maßgeblich mit geplant und umgesetzt durch die FDP (17. Wahlperiode vom 27.10.09 – 22.10.13).

Es gibt aber noch einen aktuelleren Grund: Immer mehr Bürger fragen sich, ob die Energiewende überhaupt mit dem Artikel 20a unseres Grundgesetzes vereinbar ist:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung„.

Genau darum geht es nämlich in dem Sondergutachten. Es soll die Energiewende als zwingend durch das Grundgesetz vorgeschriebenes Staatsziel legitimieren. Es ist sicherlich kein Zufall, da gerade die FDP eine Partei mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Juristen ist. Man hat dieses „Gutachten“ — nach der immer noch bewährten Methode — bei besonders linientreuen Scharlatanen in Auftrag gegeben. Das Verzeichnis der Personen spricht Bände: Ausgesucht keine einschlägige Berufsausbildung oder fachliche Qualifikation auf dem Gebiet der „Stromversorgung“, dafür aber ideologisch um so gefestigter. Fachkenntnisse — oder gar andere Ansichten — hätten die Auftragsarbeit sicherlich nur behindert und das schon im Titel geforderte Ergebnis vielleicht sogar gefährdet. Politik in Deutschland des 21. Jahrhunderts. Ähnlichkeiten mit Staat und Papsttum des Mittelalters sind sicherlich rein zufällig.

Kurzfassung für Entscheidungsträger

Früher nannte man einen solch zeitsparenden Überblick noch „Minister-Seite“. Heute braucht Politiker*in über fünf Seiten „Fakten“ und bunte Bilder um in einer Talkshow sitzen zu können oder gar den Qualitätsmedien Fachkunde vorspielen zu können. Für das Durchwinken eines Gesetzes ist nicht einmal das nötig, denn da folgt man immer schön dem Beschluss der eigenen Fraktion — damit kann man sicher nichts verkehrt machen. Um die Sache noch einmal für den letzen Hinterbänkler zu verdichten, lautet gleich der erste Satz:

„Die Klimapolitik steht vor der Herausforderung, dass die Treibhausgasemissionen der Industrieländer um 80 bis 95 % reduziert werden müssen, um eine als gefährlich angesehene globale Temperaturerhöhung von über 2°Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu vermeiden“.

Alles klar? Es geht also um die Weltrettung. Dass dieser Satz gleich mehrfach Blödsinn ist — selbst in dieser Studie — erfährt man erst beim vollständigen lesen der fast 400 Seiten. Aber welcher Parlamentarier hat schon so viel Zeit. Da ist es doch besser, man zeigt ihm gleich wo die Mehrheiten sitzen:

„In Deutschland besteht ein weitgehender Konsens, dass eine nachhaltige Entwicklung des Energiebereichs langfristig eine möglichst vollständig auf regenerativen Energieträgern basierende Elektrizitätsversorgung erfordert.“

Das versteht er. Ist zwar auch bloß eine Sprechblase — die zudem auch noch mehr als diskussionswürdig ist — aber Mainstream ist immer gut für die Wiederwahl. Was aber, wenn Volksvertreter*in gerade keine Lesebrille auf hat? Deshalb die alles entscheidende und beruhigende Aussage noch einmal im Fettdruck:

„100 % Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien ist möglich, sicher und bezahlbar.

Basta! Wie ein anderer Bundeskanzler und heutiger Vertreter für Russengas immer zu meckernden Parteimitgliedern zu sagen pflegte. Gleichnamigem Kanzler und seinem „Kellner“, dem Diplom-Sozialwirt Jürgen Trittin, ist übrigens die Besetzung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit solch großen Denkern und Forschern zu verdanken. Vorgänger dieses Ministers war übrigens eine gewisse Angela Merkel. Sage keiner, es gäbe keine Kontinuität in diesem Sachgebiet. Man ist aber fair genug, selbst in dieser Kurzfassung, noch eine Duftmarke seiner politischen Gesinnung zu hinterlassen:

„Die Einsparung von Strom kann als die wichtigste Brückentechnologie auf dem Weg zur regenerativen Vollversorgung betrachtet werden. Die Bundesregierung sollte daher ein absolutes Verbrauchsziel für den Stromverbrauch setzen. Ein geeignetes Instrument zur deutlichen Stärkung der Marktanreize für ein solches Ziel könnte die Einführung von Stromkundenkonten sein.“

Nur zur Erinnerung: Koalitionspartner war die FDP. Der Austausch der Sprache im Orwellschen Sinne findet nicht erst seit heute statt: Hier wird aus „planwirtschaftlichem Bezugssytem der staatlichen Mangelwirtschaft“ flugs „Marktanreize durch Stromkundenkonten“ gemacht. Frau Claudia Kemfert — die unvergleichliche Denkerin des DIW — hätte es nicht besser sagen können. Freilich hätte sie als ausgewiesene Artistin des Denglish lieber vom „Smart Grid“ und „Smart Meter“ geschwärmt.

Nachhaltigkeitsbewertung verschiedener Optionen der Energieerzeugung: Kernenergie

Jetzt ist eine kunstvolle Pirouette gefragt. Sie erinnern sich noch an den ersten Satz der Kurzfassung? Vielleicht sollten sie noch mal das Zitat weiter oben genau lesen, damit sie auch in den vollen Genuß der geistigen Verrenkungen kommen. Es geht um nichts weniger als die Errettung vor dem bösen CO2. Oh Schreck, jetzt taucht auf Seite 46 des Gutachtens eine Tabelle über „Gesamte durchschnittliche Treibhausgas-Emissionen von Stromerzeugungsoptionen“ auf. Ihre Einheit ist „Emissionen in g/kWhel CO2 Äquivalente“. Spitzenreiter sind die bösen Braunkohle-Kraftwerke, die auch noch die Stromnetze verstopfen, mit sagenhaften 1153. Aber selbst die „AKW mit Uran aus Russland“ geben nur 63 her. Nur dreimal so viel wie die ideologisch guten Windparks mit 23 und nur gut die Hälfte von den ebenfalls ideologisch einwandfreien „Solarzelle (multikristallin)“ mit 101. Wohlgemerkt, diese Tabelle ist nicht von der bösen „Atomlobby“ erschaffen, sondern vom Öko-Institut errechnet, der Glaubenskongregation aller „Umweltschützer und Atomkraftgegner“. Auch deshalb muß man an dieser Stelle zu dem glasklaren Schluß kommen:

„Stromerzeugung aus Kernenergie ist weniger schädlich für das globale Klima als die Kohleverstromung; die im Lebenszyklus auftretenden Treibhausgasemissionen pro erzeugter Kilowattstunde liegen in der Größenordnung von denen erneuerbarer Energien. Dennoch ist die Kernenergie aus mehreren Gründen, insbesondere aufgrund der Entsorgungsproblematik und der Risiken beim Betrieb, als nicht nachhaltig einzustufen.“

Wow! So geht also Wissenschaft heute. Wenn die selbst errechneten Zahlen nicht zum eigenen Weltbild passen, werden sie einfach durch „Argumente“ ersetzt. Der Auftritt der Tochter des „Solarpapstes“ Hermann-Scheer (SPD) Dr. Nina Scheer (SPD) im Bundestag war also doch kein Ausreißer.

Es gibt also zwei „Argumente“: „Entsorgungsproblematik“ und „Risiken beim Betrieb“, die die Kernenergie aus dem Kreis der „CO2 armen“ Technologien ausschließen. Dabei muß wieder einmal die Förster-Weisheit von der „Nachhaltigkeit“ herhalten. Dieses Wort besitzt für jeden Gutdenker die gleiche Zauberkraft wie „Neo-Liberal, Kasino-Kapitalismus etc.“. Man weiß sofort, auf welcher Seite man zu stehen hat.

Der geneigte Leser wird jetzt vielleicht ein paar Argumente erwarten, aber weit gefehlt.

Endlagerung

Dieses Unterkapitel nimmt in diesem „Sondergutachten“ weniger als eine halbe Seite ein. Der einzige Inhalt zur Begründung besteht aus dem Satz:

„Starke Radioaktivität, hohe chemische Toxizität, lang anhaltende Wärmeproduktion und die durch Korrosion und mikrobielle Vorgänge hervorgerufene Gasbildung stellen hohe Anforderungen an das Rückhaltevermögen der Barriereelemente.“

Raten sie mal, was als Quelle für den „weltweiten“ Stand der Forschung zu diesem Komplex angegeben wird? Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU 2000). Das ist die Steigerung des Echoraumes, das selbstverliebte Eigenzitat. Von unfreiwilliger Komik ist der sich direkt anschließende Satz:

„Eine Bewertung der langfristigen Sicherheit von Endlagerstandorten muss sich notwendigerweise auf Annahmen und Modellrechnungen stützen. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen sind mit umso größeren Unsicherheiten behaftet, je weiter die betrachteten Zeitpunkte in der Zukunft liegen.“

Hoppla! Wie hieß es noch im ersten Satz der Kurzfassung für Entscheidungsträgerglobale Temperaturerhöhung von über 2°Celsius“. Was auch immer eine „globale Temperaturerhöhung“ sein soll, jedenfalls wird diese ebenfalls durch mit Annahmen gefütterte Modellrechnungen bestimmt. Allerdings mit einem kleinen, aber gewichtigen Unterschied: Kein einziges „Klimamodell“ ist in der Lage, die „Klimaverläufe“ der Vergangenheit auch nur annähernd nachzubilden. Demgegenüber stellen die Rechenprogramme der Geologen ihre Brauchbarkeit nahezu täglich unter Beweis: Sonst hätten wir längst kein Öl und kein Erdgas mehr zur Verfügung.

Die letzten zwei Sätze dieses Kapitels geben in einem Zirkelschluss noch einmal den Auftrag wieder:

„Somit ist nicht auszuschließen, dass die Lebensgrundlagen kommender Generationen durch heute eingelagerten radioaktiven Abfall in katastrophalem Ausmaß beschädigt werden. Die Kernenergie ist damit im Sinne der Generationengerechtigkeit und der Risikovorsorge als nicht nachhaltig einzustufen.“

Wenn man — ich bin ausdrücklich kein Jurist — die vorhergehenden Kapitel über den Artikel 20a GG in diesem Sondergutachten gelesen hat, soll damit wohl suggeriert werden, daß die Kernenergie gegen das Grundgesetz verstößt.

Störfallrisiko

Es ist ja nicht so, daß die Kerntechnik keine Erfahrungen mit Störfällen und Unglücken hätte. Sie ist der am stärksten überwachte und durch Vorschriften reglementierte Industriezweig weltweit. Spätestens nach der Katastrophe von Tschernobyl wissen wir, daß die Propaganda der Angstindustrie „Millionen-Tote, für-zehntausende-Jahre-unbewohnbar“ einfach nur ein Märchen ist. Was bitte, ist denn noch denkbar, als ein Reaktor der explodiert, brennt und fast seine ganze Radioaktivität wie ein Vulkan ausspeit? Selbst mehrere Reaktoren wie in Fukushima stellen kein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Auch an unseren Gutachtern sind diese Tatsachen sicherlich nicht ganz spurlos vorbeigegangen. Sie beschließen dieses Kapitel deshalb lieber etwas schwammig:

„Die Charakterisierung des Risikos mit einer bestimmbaren und niedrigen Eintrittswahrscheinlichkeit sowie einem bestimmbaren und großen Schadensausmaß ist daher nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr sind weder die Eintrittswahrscheinlichkeiten noch die möglichen Schadenswirkungen genau bestimmbar. Das Kernenergierisiko ist außerdem gekennzeichnet durch hohe Persistenz, Ubiquität und Irreversibilität“.

Wieder ist die Quelle dieser Aussage der eigene Echoraum: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU 1998). Aber der Bildungshorizont unserer Gutachter geht natürlich noch viel weiter — man Beachte auch die Quellenangaben in diesem wörtlichen Zitat:

„Das Prinzip der Nachhaltigkeit erfordert Priorität für die Vermeidung solcher Risiken. Wenn die Möglichkeit katastrophaler Auswirkungen existiert, stößt die wissenschaftliche Bewertung der Risiken und Kosten an Grenzen – formale Kosten-Nutzen-Rechnungen sind in einem solchen Fall keine adäquate Grundlage für Abwägungsentscheidungen (vgl. Paul Krugman im New York Times Magazin vom 7. April 2010). Stattdessen muss die Vermeidung von Großrisiken auch bei sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten als Nachhaltigkeitskriterium Vorrang haben (Tz. 27). Für die Stromerzeugung sind demnach Technologien vorzuziehen, die technisch realisierbar, wirtschaftlich vertretbar, aber mit deutlich geringeren Sicherheitsrisiken verbunden sind.“

Welche Technologien wohl damit gemeint sind? Etwa die wetterabhängigen Umweltenergien Wind und Sonne? Wo sind die technisch realisierten Speicher gebaut worden? Wie hoch die Kosten für diesen Unsinn sind, kann jeder selbst aus seiner eigenen Stromrechnung nachvollziehen.

Umwelt- und Gesundheitsbelastungen durch den Uranabbau

Allseits bekannt ist ja, daß Deutschland sich immer sehr um fremde Länder sorgt. Neuerdings wollen wir ja sogar Fluchtursachen beseitigen:

„Viele Uranabbaugebiete liegen in Entwicklungsländern und auf dem Gebiet indigener Völker. Die Einhaltung sozialer und Umweltstandards, etwa ein angemessener Schutz der Minenarbeiter, kann für importierte Uranbrennstoffe nur schwer kontrolliert werden.“

Die Generatoren der Windmühlen und die Photovoltaik benötigen große Mengen exotischer Materialien. Wie hoch war doch noch mal der Mindestlohn im Kongo? Wie sah noch mal der Umweltschutz bei der Gewinnung seltener Erden in China aus? Wo wird der Abfall aus der Produktion beseitigt? Auch Windmühlen und Sonnenkollektoren haben nur eine endliche Lebensdauer. Fragen über Fragen…

Verbrauch nicht-erneuerbarer Ressourcen

Man scheut aber auch in dieser Unterrichtung durch die Bundesregierung nicht vor dreisten und dummen Lügen zurück:

„Kernenergie kann aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen für Kernbrennstoffe bestenfalls als Übergangstechnologie genutzt werden. Die gängigen Schätzungen gehen davon aus, dass die bekannten Uranreserven die weltweite Versorgung noch für einige Jahrzehnte sicherstellen können…. Insgesamt ist angesichts der begrenzten Uranvorkommen auch der Verbrauch dieser nicht-erneuerbaren Ressource ein Kriterium, das bei der Nachhaltigkeitsbewertung dieser Option berücksichtigt werden muss.“

Kernbrennstoffe werden aus Uran, Plutonium und Thorium hergestellt. Auf der Basis der heutigen weltweiten Energienachfrage ist Uran und Thorium in der Erdkruste und den Weltmeeren für mindestens Zehntausende von Jahren vorhanden. Bestenfalls liegt hier der ewige „Peak-Irrtum“ vor. Die gewinnbaren Rohstoffvorkommen hängen immer von den erzielbaren Preisen und der sich ständig weiter entwickelnden Technik ab. Wegen der außerordentlich hohen Energiefreisetzung bei der Kernspaltung ist die Grenze fast beliebig nach oben ausweitbar.

Abgesehen davon, gilt die Försterweisheit von der Nachhaltigkeit nur dann, wenn man auch tatsächlich den Wald erhalten will. Hätten unsere Vorfahren so gehandelt, müßten wir heute noch auf den Bäumen leben. Niemand kann aber die Zukunft vorhersagen. Deshalb ist das Schonen von Ressourcen bestenfalls anmaßend und zeugt von eindimensionalem Denken oder wie weiland ein Ölminister bemerkte: Die Steinzeit ist nicht aus Mangel an Steinen zu ihrem Ende gekommen.

Kosten

Der Schlußsatz des etwa dreiseitigen Kapitels zur Bewertung der Kernenergie lautet:

„Insgesamt besteht bei der Kernenergie große Unsicherheit hinsichtlich der Kostenentwicklung sowie eine große potenzielle Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Kosten und den Kosten für die Betreiber. Dass die Kosten langfristig sinken werden, kann als unwahrscheinlich betrachtet werden.“

Kosten sind Kosten. Immer wenn von „externen Kosten“ oder „gesellschaftlichen Kosten“ die Rede ist, versuchen irgendwelche Vulgärmarxisten ein „Marktversagen“ zu konstruieren um ihre unpopulären gesellschaftlichen Vorstellungen durchzudrücken.

Abschließende Betrachtung

Es ist schon so eine Sache mit unserem Grundgesetz: Es wächst und wächst. Teilweise hat es einen bemerkenswerten Detaillierungsgrad erreicht. So hat sich sogar der Tierschutz mit einem eigenen Paragraphen eingeschlichen. Es war sicherlich einfach, für die „niedlichen Welpen“ eine erforderliche Mehrheit zu finden. Wer möchte schon in seinem Wahlkreis als Tierquäler verdächtigt werden. Die meisten Parlamentarier haben wahrscheinlich gar nicht gemerkt, daß es sich dabei um ein Trojanisches Pferd gehandelt hat. Denn viel bedeutender ist die erste Hälfte des Satzes über die Lebensgrundlagen. Der Duden sagt zur Bedeutung des Wortes: Materielle Grundlage, Voraussetzung des Lebens.

Das Gutachten spricht von „abiotischen Elementen wie Luft, Wasser, Böden und auch das Klima“. Was ist mit Flora und Fauna oder mit etwas eher ästhetischem wie Landschaft oder gar den Menschen und ihrem Naturrecht nach Glück zu streben? Das Gutachten geht noch weiter, man schwadroniert von der Lebensgrundlage kommender Generationen, von Generationengerechtigkeit und Risikovorsorge. Am besten gefällt mir die Generationengerechtigkeit als Staatsziel. Ich dachte bisher, die Parlamentarier hätten sich im Zusammenhang mit der Rentenfrage bereits daran abgearbeitet. Man verzeih mir als einfachem Ingenieur, daß ich mir wenig unter einer „generationengerechten Stromversorgung“ vorstellen kann.

Je länger ich mich mit diesem Machwerk beschäftigt habe, komme ich zu dem Schluß, daß es hier nur um die Durchsetzung einer ganz bestimmten — allenfalls laienhaften — Vorstellung über eine Energieversorgung geht. Wenn nicht sogar um schlimmeres. Vordergründig geht es um den „Atomausstieg“, längerfristig um die „große Transformation“. Wohin eigentlich genau: Bloß in Maos „Großen Sprung“ oder gleich in die steinzeitkommunistischen Utopien des „Bruder Nummer Eins“?

Kapazitätsmärkte – Markt- oder Planwirtschaft?

Ab 2015 soll in Großbritannien ein Kapazitätsmarkt für Kraftwerke starten. Ähnliche Überlegungen gibt es bereits für Belgien, Frankreich und Deutschland. Es ist also höchste Zeit, sich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen.

Das Besondere des Strommarktes

Die Gewinnung und Verteilung elektrischer Energie ist außergewöhnlich kapitalintensiv. Kraftwerke und Stromnetze kosten Milliarden. Sie sind anschließend für Jahrzehnte nutzbar. Nur durch die Verteilung der Kosten auf viele Jahre, ist das Produkt elektrische Energie überhaupt zu geringen Preisen lieferbar. Doch genau darin besteht das außerordentliche betriebswirtschaftliche Risiko: Niemand kann den genauen Bedarf in Jahrzehnten voraussagen.

Zu Beginn der Elektrifizierung ist man deshalb sehr schnell zu staatlich regulierten Monopolen übergegangen. Besonders bei der Verteilung (Leitungsnetze) erscheint es noch heute sinnvoll, an jedem Ort nur ein Netz zu betreiben. Dies ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. In wie weit dieses Gebietsmonopol wirklich natürlich oder eher politisch gewollt ist, sei dahingestellt. So geht z. B. in der Telekommunikation der Trend durchaus zu (zumindest auf Teilstrecken) parallelen Leitungen oder bei Erdgas zu parallelen Systemen (Pipeline und LNG). In der Stromwirtschaft dagegen, wird jede Diversifizierung sofort im Keim erstickt. Jüngstes Beispiel ist die nachträgliche Belastung von Eigenerzeugung mit staatlichen Abgaben.

Seit je her, hat man versucht das Dilemma zwischen hohen Fixkosten und (teilweise) sehr geringen variablen Kosten durch Leistungs- und Energiepreise abzubilden. Einzige Ausnahme waren die Kleinverbraucher (Haushalte), bei denen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis zueinander standen. Der Leistungspreis deckte dabei einen erheblichen Anteil der Fixkosten bei Erzeugung und Verteilung ab. Er genügte folgenden Anforderungen:

  • Als spezifischer Preis – Leistung (kW), die in einem Abrechnungszeitraum bezogen wird – bot er dem Verbraucher einen unmittelbaren Anreiz, seine gezogene Leistung möglichst klein zu halten und zu vergleichmäßigen. Früher nannte man so etwas Spitzenstromoptimierung, heute wird der alte Wein neudeutsch als „smart grid“ verkauft. Wichtig war die unmittelbare Verknüpfung von Leistung mit Kosten: Wer verschwenderisch mit den volkswirtschaftlichen Investitionen fürs Netz umging, mußte unmittelbar entsprechend mehr bezahlen. Eine sehr wirksame Methode, da der Leistungsanteil im Normalfall etwa die Hälfte der Stromrechnung betrug.
  • Das Investitionsrisiko wurde zwischen Kunde und Lieferant aufgeteilt: Wurde nur selten die geforderte Leistung vom Kunden bezogen, stieg der Leistungsanteil an seiner Stromrechnung merklich an. Ein Leben auf Kosten der Allgemeinheit – wie es heute gern von Besitzern von Photovoltaikanlagen propagiert wird – war in diesem System nicht vorgesehen. Wer nur für wenige Stunden seine elektrische Energie aus dem öffentlichen Netz bezieht, muß indirekt über seinen Leistungspreis für seine Kilowattstunden einen Preis von mehreren Euro bezahlen. Die Propaganda von der bald erreichten „Netzparität“ stellt sich als genauso hohler Werbeslogan wie „Die Sonne schickt keine Rechnung“ heraus. Wenn Netzparität, dann aber bitte nur mit Leistungspreis (auch Bereitstellungspreis genant) oder eigener Batterieanlage für Dunkelheit.
  • Der Leistungspreis war bezüglich des Netzes verursachergerecht. Wer nur das Hochspannungsnetz bzw. Mittelspannungsnetz nutzte, hatte auch unterschiedliche Preise zu entrichten. Dafür mußte er die Transformatorenanlage selbst anschaffen und betreiben. Auch diese volkswirtschaftlich sehr sinnvolle Maßnahme wird immer gern für Propaganda missbraucht: Es wird gern von billigem Strom für die Industrie gefaselt, weil man nur die Arbeitspreise (kWh) für Haushalte und „Großverbraucher“ in Relation zueinander setzt.

Wie das Elend begann

In der guten alten Zeit, mußten sich die Energieversorger alle Preise vorher von dem zuständigen Regulierer genehmigen lassen. Dazu war es nötig, alle Kosten für Erzeugung, Vertrieb und Netznutzung offen zu legen. In wie weit so etwas überhaupt möglich ist, sei dahingestellt. Als Gegenwert erhielten sie das jeweilige Monopol.

Mit der Erschaffung der „Marktliberalisierung“ – ironischerweise gerade durch Kräfte, die der Marktwirtschaft eher kritisch gegenüberstehen – mußte das System umgestellt werden. Man glaubte die Erzeugung (Kraftwerke) und das Netz problemlos voneinander trennen zu können. Warner, die vor der Problematik der Frequenzregelung und der Rosinenpickerei bei den Standorten warnten, wurden als Vertreter der „Monopolkräfte“ abgebürstet. Man wollte politisch eine Strombörse durchsetzen. Man glaubte, einen Markt künstlich erschaffen zu können. Zu diesem Zweck erschuf man die Konstruktion von an einer Börse in Leipzig miteinander handelnden Erzeugern (Kraftwerke, Windparks etc.) und „Großverbrauchern“ (industrielle Kunden, Vertriebsfirmen). Alle sonstigen Schwierigkeiten wurden dem „Netzbetreiber“ auferlegt. Dieser sollte staatlich reguliert werden und würde sich als der Hort der Planwirtschaft erweisen. Er ist die Spielwiese der Politiker, das Ausführungsorgan der Planwirtschaft. Anders als im „real existierenden Sozialismus“ konnten sich aber die Architekten der Planwirtschaft stets hinter den „bösen Kräften des Marktes“ verstecken.

Sollte man nur noch Energie (kWh) handeln, mußten zukünftig alle Kosten durch den Energiepreis (€/MWh) abgedeckt werden. Bei der Unterteilung in „Marktanteil“ und „Plananteil“ war das nur über Zuschläge (Netzentgeld, EEG-Umlage etc.) möglich. Eine Systemumstellung mit fatalen Konsequenzen: Durch die faktische Abschaffung des Leistungspreises wurde das Verursacherprinzip bei den Kapitalkosten ausgehebelt. Zu allem Überdruss wurden aber teilweise Leistungspreise weiter erhoben, was zumindest in der Industrie zu völligen Fehlallokationen führt. Man hat – gewollt oder ungewollt – eine gewaltige Spielwiese für Schlangenölverkäufer aus allen gesellschaftlichen Bereichen geschaffen.

Die zwei Geburtsfehler der Strombörse

Eine Börse ist ein Marktplatz. Zwar ist im Internet-Zeitalter keine Präsenz der Händler mehr auf dem Parkett nötig, aber es gibt einen genau definierten Erfüllungsort. Für die Ölkontrakte über WTI (West Texas Intermediate) ist dies nach wie vor Cushing in Oklahoma USA. Egal wer, wo auf der Welt WTI-Kontrakte handelt, weiß, daß er noch die Transportkosten von seinem Verkaufspreis abziehen bzw. seinem Kaufpreis hinzurechnen muß. Natürlich wird keine physische Ware erst von Rotterdam nach Cushing transportiert und von dort wieder nach Frankfurt. Vielmehr zieht der Verkäufer in Rotterdam die Transportkosten vom Cushing-Preis ab und der Abnehmer in Frankfurt rechnet seine Transportkosten hinzu. Üblich ist nun, daß man sich die Differenz teilt und mit den tatsächlichen Transportkosten von Rotterdam nach Frankfurt verrechnet. Hört sich kompliziert an, ist aber in der Praxis hoch effektiv, weil erst dadurch neue Transportwege entdeckt oder geschaffen werden. Als Beispiel mag nur die Verflüssigung von Erdgas als Alternative zum Rohrleitungstransport dienen. Bei der Strombörse meinte man nun mit „virtuellen Handelsräumen“ arbeiten zu können. Inzwischen spricht es sich aber herum, daß auch neue Stromtrassen Milliarden kosten. Es ist eben keinesfalls egal, wann und wo eine Lieferung vollzogen wird. In Deutschland war man aus politischen Gründen ausdrücklich für eine „Briefmarkenlösung“. Es sollte kein Unterschied bei den Transportkosten geben – egal ob der Strom für München aus dem Kernkraftwerk in der Nähe oder aus dem Windpark bei Helgoland stammt. Wo ein politischer Wille ist, soll auch eine Stromtrasse gebaut sein. Die Kosten dafür, zahlt ja die Allgemeinheit über die „Netzumlage“. Jeder Kohlenhändler würde nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn man ihm erzählen wollte, es sei gleich teuer, ob die Kohle aus Ibbenbüren oder Südafrika geliefert wird. Aber darin unterscheiden sich eben reale Märkte von politischen Kopfgeburten.

Der zweite Geburtsfehler war die Zusammenfassung zweier völlig verschiedener Produkte zu einem Handelsprodukt. Konventioneller Strom – egal ob aus Kernkraft-, Kohle oder Gaskraftwerken – ist zu jedem Zeitpunkt ein physikalisch darstellbares Produkt, „Flackerstrom“ aus Wind- und Sonnenenergie hingegen, ist bestenfalls über den Wetterbericht abschätzbar – so, als würde man Schweinehälften mit Roulett zu einem Handelsprodukt vereinen. Die garantierte Lieferbarkeit ist aber die Grundfeste einer jeden Börse. Wie hat man nun das Problem für die Strombörse gelöst? Immer wenn Produktion und Abnahme nicht genau im Gleichgewicht sind, ändert sich die Netzfrequenz. Für die Einhaltung der Frequenz ist aber der Netzbetreiber zuständig. Mit anderen Worten: Jedes mal, wenn ein Verkäufer (Windpark) seine Ware gar nicht liefern kann, muß der Netzbetreiber einspringen. Er muß nun sehr teuer, weil kurzfristig, die fehlende Leistung besorgen. Die Kosten hierfür, darf er über die Netzentgelte auf die Allgemeinheit abwälzen. Wie lange würde wohl eine reale Börse existieren, wenn ständig gar nicht geliefert werden könnte? Entweder würden sich die Handelsteilnehmer frustriert zurückziehen oder die Versicherungsprämien für Lieferausfälle würden jeden Handel ad absurdum führen. Wie weit die Strombörse von realen Börsen entfernt ist, ist schon jedem Laien durch die negativen Preise ersichtlich.

Merit Order

Die Kosten der Erzeugung elektrischer Energie lassen sich als Fixkosten (Kapitalkosten, Personalkosten etc.) und variable Kosten (praktisch nur Brennstoffkosten) darstellen. Trägt man die Brennstoffkosten in einem Diagramm auf, ergibt sich eine Kurve, die im Nullpunkt beginnt (Wind und Sonne), erst sehr flach ansteigt (Kernenergie), dann immer steiler wird (von Braunkohle über Steinkohle), um dann sehr steil (Erdgas) zu enden. Ob ein Kraftwerk nun läuft oder nicht, die Fixkosten (insbesondere sind das die Kapitalkosten) bleiben immer gleich. Ob man es in Betrieb setzt, hängt also vom Verhältnis des momentan erzielbaren Strompreises zu den eigenen Brennstoffkosten ab.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Beträgt der Strompreis an der Börse 32 €/MWh ergibt sich für ein Gaskraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 50% Grenzkosten bei einem Erdgaspreis von 16 €/MWh. Bei diesem Strompreis und Erdgaspreis könnte es gerade seine Brennstoffkosten wieder einfahren. Ist der erzielbare Strompreis geringer oder der Gaspreis höher, lohnt es sich, das Kraftwerk außer Betrieb zu setzen um weitere Verluste zu vermeiden.

Der erzielbare Strompreis gilt aber nun für alle Kraftwerke. Jedes Kraftwerk muß nun seine Brennstoffkosten ermitteln. Man kann jetzt die Kraftwerke in einer Liste mit steigenden Brennstoffkosten sortieren. Das muß täglich geschehen, da die Brennstoffpreise schwanken. Eine solche Liste bezeichnet man als „merit order“. Alle Kraftwerke, die mit ihren individuellen Brennstoffkosten oberhalb des Grenzwertes (entsprechend dem Börsenpreis für Strom) liegen, würden mit jeder produzierten Kilowattstunde zusätzliche Verluste machen, aber alle Kraftwerke unterhalb des Grenzwertes würden nicht nur ihre Brennstoffkosten voll abdecken, sondern würden auch noch zusätzliche Einnahmen zur Abdeckung ihrer Fixkosten erzielen.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch eindeutig, warum in diesem System mit steigendem Anteil an „Erneuerbaren“ auch ständig der Anteil an Strom aus Braunkohle größer werden wird. Momentan gilt der Einspeisevorrang für „Erneuerbare“. Je nach dem, wie stark der Wind weht und die Sonne scheint, ist damit ein entsprechender Anteil an der insgesamt benötigten Strommenge vergeben. Lediglich der Rest bleibt für die anderen Kraftwerke übrig. Das ist politisch so gewollt. Die Strompreise an der Börse purzeln durch das Überangebot bis hin zu absurden negativen Preisen (Entsorgungsgebühren). Ausgerechnet Kernkraftwerke (die aber aus politischen Gründen abgeschaltet werden sollen) und moderne Braunkohlekraftwerke haben die mit Abstand geringsten Brennstoffkosten. Lange vorher, müssen (heute schon) auch modernste Erdgaskraftwerke und bald auch modernste Steinkohlekraftwerke abstellen.

Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der Faktor Zeit. Jeden Tag, an dem ein Kraftwerk nicht laufen darf, schreibt es dunkelrote Zahlen. Andererseits können die Kraftwerke mit geringen Brennstoffkosten ihre Kredite weiter abbauen. Hat in diesem Sinne schon jemals ein Politiker oder Konzernlenker über die Konsequenzen nachgedacht, wenn demnächst die Brot-und-Butter-Kraftwerke zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Der „Atomausstieg“ wird noch richtig heiter werden.

Interessant sind auch die Auswirkungen auf Neuinvestitionen. Alle reden von einem Boom bei Gaskraftwerken. Sicherlich erfordern Gaskraftwerke die mit Abstand geringsten Investitionen. Insofern erscheint das betriebswirtschaftliche Risiko gering. Allerdings gilt das nur für niedrige Gaspreise (Putin läßt grüßen!) bei gleichzeitig hohen Strompreisen. Wer garantiert aber, daß die Strompreise an der Börse bald stark steigen? Was ist, wenn die Absatzmenge in Deutschland durch eine beschleunigte Deindustrialisierung schneller rückläufig ist, als allgemein erwartet wird? Was, wenn unsere Nachbarn mit billigem Strom – beispielsweise aus Kernkraftwerken – auf den deutschen Markt drängen?

Warum es keine Kapazitätsmärkte gibt

Die Grundvoraussetzung für einen Markt ist das aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage. Wo es gar keine Nachfrage gibt, kann auch kein Markt entstehen. Insofern ist der naturgegebene Markt, der Markt für elektrische Energie. Genauso wie es Märkte und Börsen für Diesel und Benzin gibt, aber keine Börse für Raffinerien. Alle politischen Kopfgeburten leiden an einem systembedingten „Nicht-funktionieren-können“. Der Begriff Markt ist oft nur eine Verballhornung der Planwirtschaft. Typischer Vertreter dieser politischen Kategorie ist der Handel mit CO2.-Zertifikaten“.

Entweder man ist für freie Märkte (nur Energie in €/kWh) oder man entscheidet sich wieder zur Rückkehr zum regulierten Markt (Bereitstellungspreis in €/kW und Energie in €/kWh nach individuellen Umständen). Jedes der beiden Systeme hat Vor- und Nachteile.

Zu Märkten gehören untrennbar Unternehmer und unternehmerisches Risiko. In diesem Sinne kann sich ein Kraftwerk nicht von einer Eisdiele unterscheiden. Mit beiden kann man Geld verdienen. Aber für beide kann die falsche Einschätzung des Wetter-Risikos tödlich sein. Eine Eisdiele muß ihr Geld verdienen, wenn der Kunde Eis essen möchte. Nicht anders, kann es bei einem Kraftwerk sein. Der Spruch: „Man zahlt ja auch nicht nur für die Feuerwehr, wenn es brennt“, ist die Denkweise eines Kombinatsleiters und nicht eines Unternehmers.

Es ist kein Zufall, daß ausgerechnet die „Stadtwerke“, die massiv in Gaskraftwerke investiert haben, nun lautstark „Kapazitätsmärkte“ fordern. Es ist der bekannte Ruf nach Subventionen. Ihr Problem, wenn sie irgendwann angefangen haben, an die eigene Propaganda von den „flexiblen“ und „umweltfreundlichen“ Gaskraftwerken zu glauben. Es ist in diesem Land scheinbar zum Volkssport für gewisse politische Kreise geworden, die Verbraucher immer weiter mit Abgaben zu belasten. Früher war man wenigstens so ehrlich, die eigenen politischen Wünsche aus den öffentlichen Haushalten – und damit über Steuern – abzudecken. Eine weitere „Kapazitätsabgabe“ wird mit Sicherheit die Strompreise nicht senken.

Man sollte dem Markt endlich freien Lauf gewähren und unrentable Kraftwerke pleite gehen lassen. Es wird sich schon ein Käufer finden. Der kann dann anschließend auch billiger anbieten. Die Damen und Herren, die ignoriert haben, daß Kernbrennstoff und Kohle billiger als Erdgas sind, müssen sich halt einen neuen Job suchen. Auch das Warten auf höhere „CO2-Preise“ wird sie nicht mehr retten können. Wenn man CO2. zu einem Schadstoff erklären will, wird man um Grenzwerte nicht umhin kommen. Präsident Obama macht es gerade vor.

„Kapazitätsmärkte“ können die Randbedingungen nicht verändern:

  • Je mehr Wind und Sonne in den Markt gedrückt wird, um so mehr wird Angebot und Nachfrage auseinandergehen. Die unvermeidliche Folge sind immer stärker schwankende Strompreise.
  • Je stärker die Preise schwanken, um so höher muß der Risikoaufschlag werden. Das Niveau der Strompreise (in Deutschland) wird dadurch weiter steigen.
  • Je höher die Preise steigen, um so mehr setzen Ausweichbewegungen ein. Eine massive Abwanderung der Industrie ins Ausland wird stattfinden. Sollte das der heimliche politische Wunsch sein, dann weiter so.
  • Das Ausland wird dem deutschen Vorbild auf keinen Fall folgen. Man wird gerne die Arbeitsplätze übernehmen und wird auch gerne billigen Strom liefern. Schließlich schafft auch der Bau und Betrieb von Kraftwerken Arbeitsplätze.
  • Solange man das Prinzip der Grenzkosten (merit order) beibehält, ist die Schwankung (Volatilität) der Energiepreise immer größer als bei einem regulierten System mit Leistungs- und Energiepreisen. Ein „Kapazitätsmarkt“ kann daran nichts ändern.
  • Ein „Kapazitätsmarkt“, d. h. die Bezahlung für das reine Bereithalten eines Kraftwerks, ist eine Subvention. Es entsteht ein reiner Mitnahmeeffekt, der keine Senkung der Energiepreise zur Folge hat.
  • Eine Lösung ist nur auf europäischer Ebene unter Beachtung europäischen Rechts möglich. Ein weiterer Alleingang Deutschlands wird nicht toleriert werden. Dies gilt um so mehr das Netz durch zusätzliche Grenzkopplungen verstärkt wird.
  • Die Volatilität wird durch den weiteren Ausbau der „Regenerativen“ immer weiter zunehmen. Ein „Kapazitätsmarkt“ kann ohnehin nur einen etwaigen Mangel an Leistung, nicht aber den Überschuß (wenn der Wind mal kräftig weht oder die Sonne großräumig scheint) beeinflussen.
  • Eine Kaltreserve war immer schon üblich. Was geschieht mit dem „Kapazitätsmarkt“, wenn die Gaspreise einmal (relativ) sinken sollten? Werden dann die erhaltenen Subventionen an die Verbraucher zurückgezahlt?
  • Je länger man das Eingeständnis, daß die „Energiewende“ ein Fehler ist, hinauszögert, um so mehr Zwangsabgaben sind nötig: Es begann mit der EEG-Umlage, dann folgte die Netzumlage und jetzt ist eine Kapazitätsabgabe im Gespräch. Planwirtschaft wuchert wie eine Krebsgeschwulst.
  • Nur ein ausgewogener Kraftwerkspark ist die beste Garantie für Preisstabilität. „100% Erneuerbare“ ist eine gefährliche Utopie.

 

Netzentwicklungsplan 2015

– die Vollendung der Planwirtschaft?

Die Übertragungsnetzbetreiber haben den Szenariorahmen 2014 als Grundlage für die Netzentwicklungspläne 2015 veröffentlicht. Alle sind zur Diskussion aufgerufen. Nicht ganz unwichtig, da dieser Plan zur ersten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans durch den Bundesgesetzgeber führt.

Wie es sich für eine anständige Planwirtschaft gehört, muß der Deutsche Bundestag alle drei Jahre einen neuen „Bundesbedarfsplan“ verabschieden. Wesentlicher Teil des Bundesbedarfsplans ist eine Liste künftiger Höchstspannungsleitungen. Wer es noch nicht ganz verstanden hat: Es gehört zur ehrenvollen Aufgabe unserer Bundestagsabgeordneten zu entscheiden, wo, welche Höchstspannungsleitung gebaut wird. Da natürlich keiner unserer Abgeordneten so richtig sattelfest in Elektrotechnik sein dürfte, läßt man sich diesen Plan über die Bundesnetzagentur vorlegen. Man braucht dann nur noch mit ja oder nein abstimmen und dafür ist bekanntermaßen keinerlei (Fach)wissen nötig. Nun gibt es aber ein gewisses Restrisiko, in der Form des nächsten Wahltermins. Deshalb bezahlt man eine ganze Scharr von Hofnarren, auf die man gegebenenfalls alles abschieben kann. Die wollen aber natürlich auch nicht ganz allein im Regen stehen und lassen sich deshalb Vorgaben von den Politikern machen. Damit hat man den perfekten Regelkreis der organisierten Verantwortungslosigkeit erschaffen.

Fragt doch mal die Maus!

Nachts ist es dunkel. In Deutschland ist es besonders im Winter ganz schön lange dunkel. Es weht auch oft gar kein Wind – dummerweise gerade auch im Winter, wenn es kalt und dunkel ist. Das hat man immer und immer wieder, so gemessen! Die Natur ist einfach gemein, die will einfach nicht auf die guten Onkel und Tanten mit grüner Gesinnung hören. Weil die Natur nun so ist, wie sie ist, braucht man zu 100 % eine Absicherung durch konventionelle Kraftwerke. Speicher, die den Stromverbrauch von Deutschland für mehrerer Tage speichern könnten, gibt es nicht. Wird es auch wahrscheinlich nie geben. Ganz zu schweigen, von den Kosten und der Umweltbelastung.

Nicht weniger schlimm, ist es aber, wenn der Wind mal kräftig weht und die Sonne scheint. Dann wird plötzlich viel mehr Strom produziert, als wir überhaupt in Deutschland verbrauchen können. Dann müssen wir jedes mal unseren Nachbarn richtig Geld bezahlen, damit sie für uns den Stromabfall entsorgen. Und genau dafür, brauchen wir die vielen neuen Stromleitungen, die so schön in unsere Landschaft passen. Ist doch super, oder? Bezahlen dürfen wir auch gleich doppelt, nicht nur für die vielen Stromleitungen, sondern auch für Produktionskosten an die Windmüller und die schlauen Sonnenmännchen. Unser zuständiger Minister, der „Sigi Pop“ sagt zwar, daß uns unsere Nachbarn für bekloppt halten, aber das kann uns doch egal sein, da stehen wir einfach drüber. So, liebe Abgeordneten, eigentlich wisst ihr jetzt alles, was ihr für die Abstimmung braucht. Seit mal ehrlich, wenn euch das mit dem Euro auch mal einer so einfach erklärt hätte….

Das Verfahren

Die Politik macht eine Vorgabe wieviel elektrische Energie in der Zukunft erzeugt werden soll. Dafür ermitteln die Übertragungsnetzbetreiber ein Leitungssystem, welches diese Vorgabe erfüllen könnte. Abschließend verabschiedet der Bundestag ein Gesetz, in dem diese Höchstspannungsleitungen festgeschrieben werden.

Eigentlich sollte der Unterschied zwischen einer rechnerischen und einer realen Größe jedem Politiker geläufig sein. Addiert man beispielsweise alle Einkommen und teilt diese Summe durch die Anzahl der Einwohner, erhält man den Mittelwert des Pro-Kopf-Einkommens. Das sagt aber nichts darüber aus, wieviel Kleinrentner und Millionäre es gibt! Gibt man nun den prozentualen Anteil an „Erneuerbaren“ vor (konkret 40 bis 45% in 10 und 55 bis 60% in 20 Jahren), ergibt das noch lange keine Einsparung an fossilen Energien. Am anschaulichsten läßt sich dies am Beispiel der Sonnenkollektoren erklären: Nachts ist es dunkel. Will man nun einen bestimmten Anteil des verbrauchten Stroms durch Sonnenenergie gewinnen, müßte man diesen Anteil notgedrungen ausschließlich am Tage produzieren. Rechnerisch erscheint das – zumindest in Grenzen – möglich, real ist es jedoch ohne Speicher physikalisch unmöglich. Wenn man keine Speicher hat, muß man die volle Leistung durch konventionelle Kraftwerke bereit halten. In der Realität ist die Sache aber noch ungünstiger. Der Wind weht relativ selten bzw. überwiegend schwach und die Sonne scheint noch weitaus seltener mit der Leistung auf dem Typenschild. Jedenfalls kann nicht einmal der Mix aus „Erneuerbaren“ mit einer Energieeffizienz von 40 % aufwarten. Die Physik und die Meßwerte (z. B. Energiestatistik von Deutschland) sprechen eine eindeutige Sprache. Warum soll aber diese einfache Erkenntnis eine solche Tragweite haben?

In einem Stromnetz muß zu jedem Zeitpunkt ein Gleichgewicht zwischen erzeugter und verbrauchter Leistung bestehen. Die absolute Obergrenze die man theoretisch einspeisen könnte, ist also die momentan verbrauchte Leistung. Technisch, ist die mögliche Leistung noch wesentlich geringer. Es gibt nur zwei Möglichkeiten mit diesem Problem umzugehen: Entweder man regelt die „Erneuerbaren“ ab, was ihre ohnehin schon geringe Energieeffizienz weiter verschlechtern würde und ihre Kosten in schwindelerregende Höhen treiben würde oder man vergrößert das Netz. Um es noch einmal mit anderen Worten ganz deutlich zu sagen: Der einzige Grund für den geplanten Netzausbau ist, den Abfallstrom aus den Regionen mit Überproduktion abzutransportieren. Nur diesem einzigen Zweck dient der ganze Zirkus. Würde man zu dem alten Grundsatz zurückkehren, Strom dort zu produzieren, wo man ihn auch braucht, würde man auch keine zusätzlichen Höchstspannungstrassen brauchen.

Dem ganzen Ansatz, das Problem von nicht benötigter Leistung durch einen Netzausbau lösen zu wollen, ist ohnehin nur eine kurze Lebensdauer vergönnt. Er wird genau so lange funktionieren, wie unsere Nachbarländer gewillt sind, unseren Stromabfall aufzunehmen. Ein guter Indikator sind die zu entrichtenden Entsorgungsgebühren – auch negative Börsenpreise genannt. Spätestens, wenn die Entsorgungsgebühren höher als die Vergütung (Einspeisevorrang) für die Windmüller und Sonnenmännchen sind, wird man deren Anlagen abregeln. Bin gespannt, wann die ersten (staatlich geförderten) Verschrottungsprämien für Windräder und Sonnenkollektoren eingeführt werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lange bevor ein Anteil von 50% (produzierte Energie, also MWh und nicht nur installierte Leistung MW) Wind und Sonne an der Stromerzeugung erreicht ist.

Die Standortfrage

Einfach eine Stromleitung irgendwo hin zu bauen, nützt auch nichts. Es sollte schon ein Kraftwerk in der Nähe sein. Damit ergeben sich zwei Probleme, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen. Einerseits muß man Voraussagen, wo, welche konventionellen Kraftwerke stehen und andererseits wo die „Erneuerbaren“ gebaut werden. Wenn sich die Standorte nicht decken – was wahrscheinlich ist – braucht man auch noch doppelte Leitungen. Außerdem sind die Leitungen für die „Erneuerbaren“ sehr viel kostspieliger, weil sie wegen deren geringen Effizienz ebenfalls nur schlecht ausgelastet sein können.

Konventionelle Kraftwerke

Es ist politisch gefordert, konventionelle Kraftwerke abzuschalten. Außerdem gibt es auch noch unterschiedlich „politisch korrekte Kraftwerke“: Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle Erdgas usw.

Inzwischen hat es sich rum gesprochen, daß auch ein Kraftwerk mindestens seine Kosten (Kapital, Brennstoff etc.) einnehmen können muß (Strompreise). Spätestens, wenn die Brennstoffkosten die Stromvergütung übersteigt, ist es an der Zeit, das Kraftwerk abzuschalten. Leider, richten sich gerade die Brennstoffpreise nicht nach den Idealen der Politiker. Auch die planwirtschaftlichen Ideen einer „Brennstabsteuer“ und einer „CO2.-Abgabe“ waren bisher nicht besonders hilfreich.

Wie lösen nun unsere „Szenario-Bastler“ das Problem? Jedes Kraftwerk bekommt eine Lebensdauer zugewiesen. Modelltechnisch eine elegante Lösung. Nur bitte, was soll die Lebensdauer eines Kraftwerks sein? Die technische Lebensdauer eines Kraftwerks ist theoretisch unendlich, da man immer wieder reparieren und modernisieren kann. Es gibt nur eine wirtschaftliche Lebensdauer, die freilich viel schwerer zu definieren ist. In ihr schlummert jede Menge politischer Willkür! In des Wortes Bedeutung, kann jede Flutwelle im fernen Asien das politisch erzwungene aus bedeuten. Die „klimafreundlichen“ und „flexiblen“ Gaskraftwerke können in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden, wenn ein Diktator in Moskau mit dem falschen Bein aufsteht. Ausgerechnet Braunkohle und Kernenergie haben den geringsten Brennstoffpreis und bieten die höchste Versorgungssicherheit – oder ist genau das der Grund, warum sie so bekämpft werden?

Also, liebe Politiker, sagt ihr uns Ingenieuren mal, welche Kraftwerke ihr haben wollt. Wir sagen euch dann, was ihr dafür für Mittel in eurem Haushalt bereitstellen müsst. Ein bischen Planwirtschaft geht genauso wenig, wie ein bischen schwanger sein. Eine Regierung, die sich anmaßt über Stromleitungen zu entscheiden, wird doch wohl auch noch sagen können, welche Kraftwerke wohin sollen. Das ging doch in der DDR auch ganz gut und 40 Jahre muß doch keiner von euch mehr im Amt bleiben. Wir bringen auch an jedem Kraftwerk eine Bronzetafel mit euren Namen an.

Die Rolle der Energiekombinate

Aber unsere Energiekombinate sind keinen Deut besser. Anstatt der Öffentlichkeit mal klaren Wein einzuschenken, hängen sie an den Lippen irgendwelcher Politiker und verzapfen lieber dämliche Werbekampagnen. Mit Unternehmertum hat das schon lange nichts mehr zu tun. Vielleicht ist aber auch das bewusstes handeln, um ein Gesellschaftssystem zu diskreditieren und letztendlich zu zerstören. Mein Mitleid für Massenentlassungen und sinkende Dividenden hält sich jedenfalls immer mehr in Grenzen.

Wer das für übertrieben hält, soll mir mal erklären, warum man in der Netzstudie von einem Abnehmen der Kraftwerkskapazität und dem zukünftigen Strombezug aus dem Ausland ausgeht.

Die Rolle Europas

Das wäre nach meinem Verständnis von Demokratie, eine Debatte die ins Parlament gehört: Wollen wir in Deutschland noch elektrische Energie selbstbestimmt produzieren oder zukünftig nur noch abhängig aus dem Ausland beziehen? Bundespolitiker, die ernsthaft über den Verlauf von Stromleitungen abstimmen wollen, sollten vielleicht besser mal über ihr Selbstverständnis als Bundestagsabgeordnete nachdenken. Im Szenario wird ein zunehmender Stromhandel als gewünscht vorausgesetzt. Angeblich hat der nur Vorteile. Was soll ein „europäischer Stromhandel“ eigentlich sein? Selbstverständlich liegen die Verbrauchsschwerpunkte von Antwerpen und Rotterdam nahe am rheinischen Braunkohlerevier und die tschechischen Kernkraftwerke fast in Sichtweite von Bayern. Aber wollen wir wirklich polnischen Kohlenstrom nach Spanien transportieren und griechischen Sonnenstrom nach Dänemark? Wie soll man die putzigen Diagramme über „Simulationen“ von ganz Europa interpretieren? „Referenzzeitpunkt Januar 19.00“: Um 19.00 Uhr (wahrer) Ortszeit ist es in ganz Europa schon ganz schön dunkel im Januar! Gerade im Januar gibt es ausgeprägte Hochdruckwetterlagen, die zur Flaute in ganz Zentraleuropa führen. Müssen dann beispielsweise die französischen Kernkraftwerke Deutschland versorgen oder dürfen sie ihre eigene Bevölkerung bevorzugen? Wäre es nicht fair, wenn die Franzosen als Ausgleich für die „Strahlenbelastung“ weiter arbeiten dürften und abends eine warme Wohnung vorfänden? Die Deutschen könnten sich ja zum warm tanzen um ihre Windmühlen versammeln.

Wer selbst nichts produziert, hat auch nur noch geringen Einfluß auf die Produktionsweise. Wer keine „Chlorhühnchen“ will, muß halt selber Hühner nach seinen Vorstellungen produzieren, sonst muß gegessen werden, was auf den Tisch kommt – oder man verzichtet gleich ganz aufs Essen.

Prognosen des Stromverbrauches

Prognosen sind Vorhersagen, bei denen man Nachfrage und Angebot vorhersagen muß, die sich aber auch noch gegenseitig beeinflussen. Das macht das Funktionieren einer jeden Planwirtschaft prinzipiell unmöglich. Das Szenario macht es sich nun besonders einfach, indem es die Nachfrage in den nächsten zwanzig Jahren als wesentlich konstant annimmt (mit 600 TWh Jahresenergieverbrauch bei 86 GW Spitzenlast). Man geht lediglich von den politischen Vorgaben der jährlichen Ausbauraten an „Erneuerbaren“ aus. Schon der konventionelle Kraftwerkspark soll sich daraus ergeben, wird angenommen.

Das Angebot in Form von Strompreis und Verfügbarkeit bestimmt aber schon mittelfristig ganz entscheidend die Nachfrage: Je mehr die Strompreise steigen, je mehr Betriebe werden in Deutschland keine Ersatz- und Neuinvestitionen mehr tätigen. Der Stromverbrauch der Industrie wird im Rhythmus der Betriebsschließungen sinken. Aber auch die Sektoren Handel und Handwerk sind betroffen. Zwar ist der Verbrauch der Privathaushalte sehr unelastisch – da hilft auch kein Glühbirnenverbot, keine Zwangsabschaltung von Kaffeemaschinen und keine Staubsaugerattrappen – aber der geringer werdende Konsum wirkt indirekt: Den Euro für die Stromrechnung kann man nicht noch einmal zum Becker tragen, der selbst seine Preise ständig wegen der steigenden Energiekosten erhöhen muß. Konsequenz: Man kauft halt weniger Kuchen. Öko-Sozialismus ist eine Abwärtsspirale, die im Moment noch langsam zunimmt, aber immer enger wird.

Fazit

Dieses Verfahren ist eine einzige Farce. Wenn Politiker über Stromleitungen entscheiden wollen, soll man ihnen eine Karte und ein paar Filzstifte geben. Jeder Abgeordnete kann dann „seine Lieblingsleitung“ einzeichnen. Er muß dann allerdings auch die alleinige Verantwortung dafür übernehmen. Einfach populistisch eine – zudem auch noch völlig unrealistische – Bandbreite vorgeben (40 bis 45% Anteil in zehn Jahren), geht nicht. So einfach, kann man sich nicht aus der Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Nation stehlen. Die Kritik trifft aber nicht nur die Politiker allein. Die Übertragungsnetzbetreiber und Energieversorger müssen endlich ihre Verantwortung als Unternehmer übernehmen. Immer nur aus Bequemlichkeit an den Lippen der Politiker kleben und möglichst in vorauseilendem Gehorsam jeden Wunsch erfüllen, ist auf Dauer tödlich. Am Ende ist das Kapital der Aktionäre verbrannt und die Arbeitsplätze der Arbeitnehmer vernichtet. Vielleicht ist aber gerade das, der Zweck der „Energiewende“.