Robuste Kraftwerke für robuste Netze

Für eine robuste Stromversorgung („Grid Resilience“) unter den erschwerten Bedingungen von Wind- und Sonnenenergie ergeben sich auch besondere Anforderungen an die Kraftwerke. Wind und Sonneneinstrahlung sind Wetterphänomene und damit nicht vom Menschen beeinflußbar. Sie sind mehr (Wind) oder weniger (Sonne) zufällig. Sie widersprechen dadurch allen Anforderungen an eine zivilisierte Gesellschaft. Will man sie aus (ideologischen Gründen) trotzdem zur Erzeugung elektrischer Energie heranziehen, ergeben sich drei Notwendigkeiten:

  1. Der Einspeisevorrang: Die Sonne scheint bei uns nur selten (nachts ist es dunkel, tagsüber oft schlechtes Wetter) und der Wind weht in der überwiegenden Zeit nur schwach. Man kann deshalb nicht auch noch auf den Bedarf Rücksicht nehmen (negative Börsenpreise), sondern muß produzieren wenn es der Wettergott gestattet. Ganz genau so, wie schon der Müller und die Seefahrer im Altertum ihr Leben fristen mußten.
  2. Man muß ein komplettes Backup System für die Zeiten der Dunkelflaute bereithalten. Wirtschaftlich ein absolut absurder Zustand. Es ist ein komplettes System aus Kraftwerken und Stromleitungen vorhanden — man darf es plötzlich nur nicht mehr benutzen! In der Stromwirtschaft sind aber die Kapitalkosten der mit Abstand dickste Brocken. Weit vor den Personalkosten und meist sogar den Brennstoffkosten. Wenn man ausgerechnet die Nutzungsdauer verringert, treibt man damit die spezifischen Energiekosten (€/kWh) in die Höhe. Umgekehrt kann man sagen, der maximal mögliche Wert elektrischer Energie aus „regenerativen Quellen“ kann immer nur den Brennstoffkosten entsprechen.
  3. „Regenerative Energien“ besitzen nur eine sehr geringe Energiedichte und benötigen deshalb riesige Flächen. Diese Flächen sind nicht an den Verbrauchsschwerpunkten (Städte, Industriegebiete) bereitzustellen. Heute muß man bereits auf das offene Meer ausweichen. Es sind deshalb riesige Netze zum Einsammeln der elektrischen Energie und anschließend noch die berüchtigten „Stromautobahnen“ für den Ferntransport nötig. Alles sehr kapitalintensiv, pflegebedürftig und verwundbar. Oft wird auch noch vergessen, daß diese Anlagen selbstverständlich nur die gleiche geringe Auslastung, wie die Windmühlen und Sonnenkollektoren besitzen können.

Das Speicherdrama

Wind und Sonne können nur die Schildbürger speichern. Elektrische Energie ist die verderblichste Ware überhaupt (Kirchhoffsche Gesetze). Wer also von Speichern faselt, meint in Wirklichkeit Speicher für chemische (Batterien, Power to Gas etc.) oder mechanische Energie (Schwungräder, Pump-Speicher usw.). Es ist also immer eine zweifache Umformung — elektrische Energie in das Speichermedium und anschließend wieder das Speichermedium zurück in elektrische Energie — mit den jeweiligen Verlusten erforderlich. Es geht bei diesen Umformungen mindestens 50% des ohnehin sehr teuren Sonnen- bzw. Windstromes unwiederbringlich verloren. Mit anderen Worten, der Strom der aus dem Speicher kommt, ist dadurch schon mal doppelt so teuer, wie der vor dem Speicher. Das wäre aber nicht einmal der Bruchteil der Kosten: Die „Chemieanlagen“ oder „Speicherseen“ müßten gigantisch groß sein. Sie müssen ja schließlich in der kurzen Zeit, in der sie wetterbedingt überhaupt nur produzieren können (<15%), die elektrische Energie für die gesamte Zeit (100%) herstellen können. Betriebswirtschaftlich eine Katastrophe. Niemand wird eine solch absurde Investition tätigen. Die Schlangenölverkäufer setzen auch hier wieder auf den Staat. Das bekannte „Windhundrennen“ setzt ein: Wer pumpt am schnellsten die „Staatsknete“ ab, bis das System unweigerlich in sich zusammenbricht. Selbstverständlich ist auch hier für einige wenige wieder ein Schlösschen drin.

Auch Wasserkraft ist wetterabhängig. Die Trockenphasen wechseln sich mit Hochwassern ab. Fast alle Staudämme sind deshalb zur Flussregulierung gebaut worden. Selbst das gigantische Drei-Schluchten-Projekt in China. Die Vorstellung, man könnte Wasserkraftwerke wie Gasturbinen nach Bedarf an und abstellen, ist absurd. Abgesehen von technischen Restriktionen sprechen Sicherheitsbelange (Schifffahrt, Wassersportler etc.) und der Umweltschutz dagegen. Ein Fluß ist keine technische Batterie, sondern ein sensibles Ökosystem. Genau aus diesen Gründen werden die Speicherkraftwerke in den Alpen — wie alle konventionellen Kraftwerke — durch die Windenergie aus Deutschland in die roten Zahlen getrieben. Man kann eben nicht immer den Stausee in den Stunden negativer Börsenpreise (Entsorgungsgebühren) schlagartig für die Dunkelflaute befüllen. Im Gegenteil, oft muß man gerade dann den eigenen Strom verkaufen. Und noch einmal für alle Milchmädchen: In den wenigen Stunden, in denen der Wind im Überfluß weht, müßte man die gesamte Energie für die überwiegenden Schwachwindzeiten einspeichern — ein betriebswirtschaftlicher Albtraum.

Die Frage des Brennstoffs

Wenn man ein Kraftwerk benutzen will, muß man Brennstoff am Ort zur Verfügung haben. Alles andere als eine triviale Frage. Alte West-Berliner kennen noch die Tanklager und die sich ständig selbst entzündenden Kohlenhalden gegen eine etwaige „Russenblockade“. Jedenfalls sind Tanklager und Halden noch relativ billig anzulegen.

Bei Erdgas stellt sich die Sache schon ganz anders dar. Ein Gaskraftwerk ist auf eine ziemlich dicke Rohrleitung angewiesen. Das gesamte System vom Bohrloch, über die Aufbereitung, bis zum Endkunden ist nicht viel weniger Komplex als die Stromversorgung. In unseren Breiten wird das meiste Erdgas zur Beheizung unserer Gebäude verwendet. Die Winterspitze ist maßgeblich für die Dimensionierung. Zum Ausgleich setzt man unterirdische Speicher ein. Diese sind aber (bezogen auf den Jahresverbrauch) relativ klein. Jeder eingelagerte Kubikmeter Gas ist totes Kapital. Man steuert deshalb den Absatz über den Preis. Im Sommer ist der Großhandelspreis gering — damit die Gaskraftwerke verstärkt produzieren — und im Winter — wenn es kalt ist und die Nachfrage nach Heizgas ansteigt — hoch. Die Gaskraftwerke ziehen sich dann wieder zurück und überlassen den Kohlekraftwerken die Produktion. Dieses Zusammenspiel hat bis zur Energiewende zu aller Zufriedenheit funktioniert. Man konnte im Sommer sehr gut Revisionen bei den Kohle- und Kernkraftwerken durchführen. Bis die Laiendarsteller kamen und etwas von notwendigen flexiblen Gaskraftwerken für die Energiewende geschwafelt haben. Heute kann man die Investitionsruinen an verschiedenen Standorten besichtigen. Man muß es eigentlich nicht besonders erwähnen, daß die grünen Fachpersonen der Stadtwerke (es haftet ja der Steuerzahler) besonders eifrig auf den Leim gekrochen sind. Um ihre Missetaten zu vertuschen, krähen sie heute besonders laut über die „Klimakatastrophe“ und das „klimafreundliche“ Erdgas.

Das Kraftwerk der großen Transformation

Je länger der Wahnsinn der „Energiewende“ anhält, um so mehr wird der Wettergott das Kommando übernehmen. Prinzipiell nimmt in einem technischen System mit der Häufigkeit der Störungen und der Größe einzelner Störungen die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls zu. Will man ein solchermaßen malträtiertes Stromnetz wieder robust machen, stellen sich in diesem Sinne („Grid Resilience“) zwei Anforderungen an die Kraftwerke:

  1. Die Kraftwerke müssen von der Konstruktion (z. B. Brennstoffe) her und bezüglich der Fahrweise (z. B. angedrosselt) robust gebaut und betrieben werden. Beides verursacht erhebliche Kosten, die ohne die „Energiewende“ gar nicht entstanden wären. Hinzugerechnet werden muß noch der Umsatzausfall durch den Einspeisevorrang. Werden diese Zusatzkosten nicht vergütet, müssen die Kraftwerke geschlossen werden. Mit jedem konventionellen Kraftwerk das vom Netz geht, wird das gesamte Stromnetz instabiler, was den Aufwand weiter in die Höhe treibt.
  2. Das Netz muß nach schweren Störungen (Brown oder Black Out) möglichst schnell wieder hochgefahren und in einen neuen stabilen Zustand versetzt werden. Dafür müssen die Kraftwerke technisch (z. B. Schwarzstartfähigkeit) und personell jederzeit in der Lage sein. Die Wiederinbetriebnahme muß nach den Anforderungen der Netzleitzentrale erfolgen. Etwaige Überprüfungen, Wartungen oder gar Reparaturen müssen selbstverständlich vorher erfolgt sein. Dies gilt insbesondere für Schäden, die durch den außergewöhnlichen Netzzustand entstanden sind.

Es ist daher nichts weiter als bösartige und schlechte Propaganda, wenn Scharlatane von dem „Kohlestrom, der die Netze verstopft“ erzählen. Je mehr konventionelle Kraftwerke stillgelegt werden (müssen), desto weniger notwendige Reserven gibt es. Schon jetzt verlassen wir uns auf Kraftwerke im benachbarten Ausland. Man kann nicht erwarten, daß das kostenlos erfolgt. Je mehr wir das System komplizieren und ausweiten, um so mehr koppeln unerwartete Ereignisse auf das Stromnetz zurück: Es gab schon Brände in Erdgasspeichern, die diese für Monate lahmlegten oder Engpässe durch Drosselung in den niederländischen Erdgasfeldern (Mikrobeben) oder Pipelinebrüche. Ganz zu schweigen von der politischen Abhängigkeit gegenüber ausländischen Lieferanten. Kohle und Kernenergie besitzen schon durch ihre einfache Lagerung einen entscheidenden Trumpf.

Das robuste Kernkraftwerk für ein „nervöses Netz“

Kernkraftwerke besitzen eine Reihe von Eigenschaften, die besonders wertvoll für „nervöse Stromnetze“ mit einem hohen Anteil von wetterabhängigen Energien sind. Dies mag „Atomkraftgegner“ erschüttern, aber nur Reaktoren können die extremen Lastschwankungen (z. B. 3. Potenz von der Windgeschwindigkeit) sicher verkraften. Nur sie können extremen Wettersituationen sicher widerstehen. Es waren immer die Kernkraftwerke, die als letzte vom Netz mußten (Tsunami und Erdbeben in Japan, Wirbelstürme in den USA, Eiseskälte in Rußland). Es ist allerdings unverständlich, warum man bei den geringen Urankosten die Kernkraftwerke überhaupt drosseln soll, wenn mal die Sonne scheint oder der Wind in der richtigen Stärke weht…

Für Kernkraftwerke, die in einem „nervösen Netz“ zur Stabilisierung betrieben werden, ergeben sich folgende Anforderungen:

Robuste Lastfolge

Je schneller und erfolgreicher (noch) kleine Störungen ausgeregelt werden, um so besser für das Netz. Heutige Leichtwasserreaktoren haben große Leistungen. Der im Bau befindliche Turbosatz des Kraftwerks Hinkley Point in GB mit 2 x 1770 MWel hat eine gewaltige Schwungmasse, die zur Frequenzstabilisierung mehrerer Windparks dienen kann und soll. Hinzu kommen die gespeicherten Wärmemengen im Wasser-Dampf-Kreislauf. Automatisch greift bei einem Leichtwasserreaktor die Selbstregulierung über den Zusammenhang von Dichte des Kühlwassers und Moderation der Neutronen. Zusammengenommen ergibt das die steilsten Leistungstransienten aller Kraftwerkstypen. Die alte Greenpeace Propaganda von den „viel zu starren Atomkraftwerken“ beruhte bestenfalls auf der Verwechslung von Technik mit Betriebswirtschaft. Mit anderen Worten: Frankreich kann sich ruhig noch ein paar Windmühlen für das bessere Gewissen erlauben, Deutschland hingegen, geht mit der weiteren Abschaltung immer unruhigeren Zeiten entgegen. Fatal wird es in dem Moment, wenn unsere Nachbarn nicht mehr bereit sind, die Kosten für die Stabilisierung unseres nationalen Stromnetzes zu bezahlen.

Abwehr äußerer Einflüsse

Fukushima hat eindrucksvoll gezeigt, wie zerstörerisch Naturgewalten sein können. Eine weltweite Überprüfung aller Kernkraftwerke gegen jegliche Wasserschäden (Starkregen, Überflutungen etc.) war die Folge. Eine Nachrüstung in Richtung „U-Boot“ wurde durchgeführt. Seit dem, haben bereits mehrere Reaktoren einen Betrieb „inmitten von Wasser“ unter Beweis gestellt. Oft waren sie die einzigen noch betriebsbereiten Kraftwerke: Kohlenhalden hatten sich in Schlamm verwandelt, Gaspipelines waren durch die Wassermassen ausgefallen.

Gerade auch Netzstörungen (Sturmschäden, Blitzschlag etc.) wirken oft auf ein Kraftwerk von außen ein. Ein Kraftwerk ohne Netz kann noch so gut funktionieren, aber es kann seine elektrische Energie nicht mehr ausliefern. Oft lösen die Netzstörungen auch Schäden in der Kraftwerksanlage aus. Bei einem Kernkraftwerk sollte keine Schnellabschaltung durch solche Ereignisse ausgelöst werden.

Sicherer Inselbetrieb

Egal was mit dem Netz passiert, das Kernkraftwerk sollte automatisch in den Inselbetrieb übergehen. Nur so kann bei einer schnellen Reparatur die Produktion unverzüglich wieder aufgenommen werden. Dies erfordert, daß wirklich alle elektrischen Verbraucher des Kraftwerks (verschiedene Spannungsebenen) dauerhaft über den eigenen Generator versorgt werden können.

Unendliche Notkühlung

Die Besonderheit eines Kernreaktors ist die anfallende Nachzerfallswärme auch nach vollständiger Abschaltung. Die mangelnde Wärmeabfuhr (Ausfall der Kühlmittelpumpen) war die Ursache für den Totalschaden in den Reaktoren von Fukushima. Neuere Reaktoren mit passiven Notkühlsystemen bieten hierfür einen unschätzbaren Vorteil. Alte Kraftwerke müssen mit ausreichender Eigenstromversorgung (mehrfache Notstromaggregate mit ausreichendem Tanklager) nachgerüstet werden. Die eigenen Schaltanlagen für den Notbetrieb müssen — im Gegensatz zu Fukushima — entsprechend geschützt werden.

Schwarzstartfähigkeit

Ein Kernkraftwerk benötigt für die Inbetriebsetzung eine gewaltige Menge elektrischer Energie. Üblicherweise wird diese dem Netz entnommen. Ist ein Netz im Katastrophenfall schon überlastet, dürfte dies kaum möglich sein. Es müßte also eine Eigenstromversorgung (z. B. Gasturbine) vorhanden sein, wenn ein Schwarzstart für die Robustheit eines Teilnetzes gefordert ist.

Normalerweise ist das Anfahren eines Kernkraftwerkes ein streng reglementierter und langwieriger Vorgang. Unzählige Prüfungen müssen durchgeführt, bestimmte Haltepunkte eingehalten werden. Immer nach dem Grundsatz „Safety First“. Alles andere als ideal für die Wiederherstellung eines Netzes nach einem „Blackout“. Deshalb sollte die Schnellabschaltung unbedingt vermieden werden. Gegebenenfalls ein Schnellverfahren für Notfälle geschaffen werden. Jedenfalls kommt noch eine Menge Arbeit auf die Überwachungs- und Genehmigungsbehörden zu. Aber es ist uns ja nichts zu schwer und zu teuer um wenigstens teilweise wieder ins Mittelalter zurückzukehren.

Die Robustheit eines Stromnetzes

In den USA hat die ideologisch bedingte („Klimakatastrophe“) Subventionierung von Wind- und Sonnenkraftwerken zu ähnlichen Problemen wie in Deutschland geführt: Immer mehr konventionelle Kraftwerke arbeiten mit Verlusten und drohen deshalb mit Schließung. Präsident Trump hat versucht dem mit verschiedenen Erlassen entgegen zu wirken. Inzwischen gibt es in verschiedenen Bundesstaaten ebenfalls konkrete Maßnahmen, insbesondere um die Schließung von Kernkraftwerken zu verhindern. Es hat der bekannte planwirtschaftliche Teufelskreis eingesetzt: Die Verzerrung des Marktes durch Subventionen wird mit weiteren Subventionen an anderer Stelle bekämpft. Das Ergebnis sind allgemein steigende Kosten, die zu überhöhten Preisen und letztendlich zum Schaden der Gesellschaft wirken.

Das neue Modewort „Resilience

Der Begriff „Resilience“ kommt eigentlich aus den Gesellschaftswissenschaften. Man versteht darunter die Fähigkeit eines technischen Systems oder einer Gesellschaft Veränderungen oder zerstörerischen Ereignissen zu widerstehen, indem es die negativen Einflüsse dämpft (absorptive capability), sich selbst verändert und anpasst (adaptive capability) oder letztendlich durch eine Wiederherstellung (restorative capability). Es wird deshalb hier das Wort „Robustheit“ als Übertragung ins Deutsche verwendet.

Um dem ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen, wird gern ein Bild gezeichnet, welches als „System Resilience Curve (SRC)“ bezeichnet wird. Darunter versteht man die bauchige Kurve der „Performance“ über der Zeit. Dem gewöhnlichen Ingenieur sei dringend empfohlen, sich mit diesem neuen Wieselwort vertraut zu machen, da es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis es zum Standardrepertoire eines jeden Dampfplauderers gehört. Es werden üblicherweise vier Phasen definiert:

  1. Zum Zeitpunkt t1 tritt eine Störung auf. Bis zum Zeitpunkt t2 kämpft das System mit dieser Störung. Man bezeichnet diese Phase noch als Normalbetrieb, solange die Auswirkungen auf die „Performance“ noch im Rahmen der Toleranzen bleiben.
  2. Zum Zeitpunkt t2 beginnt der teilweise Zusammenbruch des Systems. Gegenmaßnahmen zur Stabilisierung werden ergriffen und die „Performance“ erreicht zum Zeitpunkt t4 ihren Tiefpunkt.
  3. Ab dem Zeitpunkt t4 beginnt die Wiederherstellung des Systems im Notbetrieb, die zum Zeitpunkt t5 abgeschlossen ist. Die „Performance“ erreicht aber nicht wieder den Wert im Normalbetrieb.
  4. Ab dem Zeitpunkt t4 beginnt die Reparaturphase bis zum Zeitpunkt t5 an dem ein neuer Normalbetrieb erreicht wird.

So theoretisch, so schön und gut. Nur, dem Techniker dürstet es immer nach konkreten Zahlenwerten und genauen Definitionen. Mit Geschwurbel kann man zwar in den Gesellschaftswissenschaften hervorragend Geld und Anerkennung verdienen, aber in der realen Welt bringt man damit keine Maschine zum Laufen — geschweige ein so komplexes System wie ein Stromnetz. Zumal Experimente nur sehr eingeschränkt möglich sind: Es wären Operationen am „offenen Herzen einer Gesellschaft“.

Was bitte, ist die .„Performance“ eines Stromnetzes?

In einer Marktwirtschaft sollte man immer zuerst nach den Anforderungen der Kunden fragen. Der Kunde — das sind wir alle selbst — will zu jedem Zeitpunkt, an jeder Steckdose, seine georderte Leistung haben. Er will selbst und frei entscheiden, wann er das Licht oder seinen Computer einschaltet oder was sonst er mit elektrischer Energie alles machen will. Für uns seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Vielleicht zu selbstverständlich, als das wir die heraufziehenden Gefahren „Der-schönen-neuen-Welt“ des Öko-Sozialismus noch wahrnehmen.

Wir sollen uns an einen Systemwechsel gewöhnen: Zukünftig geht es nicht mehr um die Interessen der Kunden, sondern ausschließlich um die Interessen der Lieferanten. Aus dem Kunden wird ein lästiger „Strom-Bittsteller“, dessen einzige Aufgabe noch darin besteht, mit seiner ständig steigenden Stromrechnung diejenigen zu mästen, die besonders gut und gerne von diesem Land leben — die Sonnen- und Windbarone.

In der guten alten Zeit, in der noch die Energieversorgung im Vordergrund stand, war die Aufgabenstellung einfach und klar definiert: Priorität hatte stets die Stabilität des Netzes. Auch die Verantwortung war über die Gebietsmonopole eindeutig geregelt. Jeder Versorger hatte von der Erzeugung (Kraftwerke) über den Transport (Netz) bis zur Abrechnung (Zähler usw.) alles bereitzustellen. Robustheit war so selbstverständlich, daß niemand darüber reden mußte. Die Bewertung der Performance war einfach: Wie oft und für wie lange ist die Stromversorgung in einem Gebiet ausgefallen?

Alles eine Frage der Verantwortlichkeit

Ein klassisches Energieversorgungs-Unternehmen mußte selbst entscheiden, in welchen Kraftwerkspark (Kohle-, Kernkraft-, Gaskraftwerke etc.) in welcher Zusammensetzung (Optimierung der Erzeugungskosten) es investierte. Welche Kraftwerke es in Betrieb hatte, welche in Reserve, wann Wartungsarbeiten, wann Modernisierungen etc. durchgeführt wurden. In der Praxis oft schwierig zu beantwortende Fragen, aber durch entsprechend große Stäbe an Ingenieuren handhabbar. Ein über alle Kulturkreise und sogar Gesellschaftssysteme erfolgreiches Modell.

Eine alte Volksweisheit besagt: Wenn es dem Esel zu wohl geht, geht er aufs Eis tanzen. Die „Große Transformation“ zurück ins Mittelalter ward erschaffen: Plötzlich wurde die Technik zwangsweise durch die vom Menschen nicht bestimmbare Kraft des Wetters ersetzt. Absurderweise auch noch mit der Begründung, genau diese Naturgewalt dadurch beeinflussen zu können und zu müssen („Klimakatastrophe“). Da kein Energieversorgungsunternehmen so blöd war, sich weiterhin für ein robustes Stromnetz verantwortlich machen zu lassen, aber die Stellhebel ausschließlich dem „Wettergott“ zu überlassen (100% Wind und Sonne), mußte die „Strommarktliberalisierung“ erschaffen werden. Eine herrliche Wortschöpfung um den verbrannten Begriff „Planwirtschaft“ zu vermeiden. Die Vorgehensweise ist und bleibt immer gleich: Zerschlage erstmal das funktionierende System und bilde möglichst viele Einheiten (Energieerzeugung, Netzgesellschaft etc.) mit möglichst gegensätzlichen und unterschiedlichen Interessen — auch als Teile und Herrsche bekannt. Damit die Sache beschleunigt wird, sorge für möglichst viele „Schlangenölverkäufer“ (EE-Gesetz) und Agitprop-Einheiten (Greenpeace, Klimainstitute usw.). [Einschub: Warum fällt mir an dieser Stelle bloß eine Paraderolle mit Mario Adorf ein: Ich sch… dich zu mit Geld.] In diesem Punkt unterscheidet sich der „Öko-Sozialismus“ von seinen eher armen Vorgängern. Man hat in diesem (noch) erfolgreichen System einfach mehr Geld anderer Leute — auch Steuern und Abgaben genannt — zur Verfügung.

Wofür dient die SRC wirklich?

Bisher hat man einfach den Bedarf gedeckt. Störungen für das Stromnetz haben sich aus technischen Fehlern (Kraftwerk, Trafo etc.), aus höherer Gewalt (Bagger) und zum geringeren Maße durch das Wetter (Sturm, Vereisung, Blitzschlag etc.) ergeben. Alles sehr gut beherrschbar, weil man stets selbst die Hoheit über die Produktion und Verteilung besessen hat. Man hat sich fast immer und ausschließlich in der ersten Phase des Normalbetriebes bewegt. Die Öffentlichkeit hat meist nichts von etwaigen Schwierigkeiten mitbekommen. Stromausfällen gab es — wenn überhaupt — nur lokal und kurzfristig.

Nun hat man — nicht aus Not, sondern nur aus ideologischen Gründen — die Erzeugung in die Hand des „Wettergottes“ übergeben. Dort geht aber die Bandbreite der Stromproduktion von nahezu Null (Dunkelflaute) bis zur maximalen installierten Leistung, die manchmal höher als der Gesamtbedarf sein kann. Mit zunehmendem Ausbau in Europa werden die notwendigen Abschaltungen immer weiter zunehmen. Wirtschaftlich eine sich selbst verstärkende Katastrophe. Mit jeder notwendigen Zwangsabschaltung wird die — ohnehin geringe — Arbeitsausnutzung (Strommenge, die die entsprechenden Anlagen pro Jahr produzieren) geringer und die Kosten der erzeugten Kilowattstunden steigen dadurch entsprechend an. Noch einmal in einem kurzen Merksatz zusammengefaßt: Je mehr Windmühlen und Sonnenkollektoren in Betrieb gehen, um so teurer werden die damit erzeugten Kilowattstunden! Ganz im Gegensatz zur geltenden Propaganda, die von immer weiter sinkenden Preisen faselt. Jeder Investor, der sich heute noch mit dem Gedanken trägt in Wind und Sonne zu gehen, sollte diesen Zusammenhang beherzigen. Ist der Redeschwall und die Zahlenakrobatik der Schlangenölverkäufer auch noch so verführerisch.

In diesem Zusammenhang ist die Einbeziehung des Wirtschaftsraumes Europa nicht zu vernachlässigen. Je weiter auch dort der Ausbau von „regenerativen Energien“ fortschreitet, um so mehr werden die Entsorgungsgebühren (negative Strompreise an den Börsen) ansteigen. Die von den Stromkunden in Deutschland bezahlten Entsorgungsgebühren machen die Preise für den Windstrom in unseren Nachbarländern immer weiter kaputt und erhöhen damit die dort fälligen Subventionen. Auch das, eine weitere Todesspirale für die „regenerativen Energien“. Die alte Propagandalüge „irgendwo-weht immer-der Wind“ ist längst als solche enttarnt. Was Meteorologen schon immer wußten, daß Großwetterlagen nicht an den nationalen Grenzen halt machen, ist heute bereits in den Übertragungsnetzen meßbar: Die Produktion von Windenergie in den zentraleuropäischen Staaten verläuft bemerkenswert synchron.

Wenn also der Wettergott die Produktion übernimmt, muß man von tagelangen und großräumigen Flauten ausgehen. Speicher in dieser Größe gibt es nicht. Wenn man zudem in der kurzen Zeit, in der der Wind genug weht und die Sonne scheint (Arbeitsausnutzung <15% in der Summe beider), nicht nur die aktuelle Nachfrage abdecken muß, sondern auch noch die zu speichernde Energie einschließlich der Verluste (mindestens 50%) produzieren muß, benötigt man gigantische installierte Leistungen. Dabei muß man auch noch beachten, daß die Vollbenutzungsstunden der Wandlungsanlagen (Batterien, Power to Gas oder was auch immer) und Übertragungsnetze ebenfalls sehr gering ausfallen müssen (Produktion minus Nachfrage), was bei den ohnehin sehr hohen Investitionskosten für Speicher- und Übertragungssysteme zu gigantischen spezifischen Kapitalkosten (€/kWh) führt.

Die Antwort liegt in Phase 2 der SRC

Jeder Fachmann weiß, daß bei immer weniger konventionellen Kraftwerken am Netz, zukünftig der Punkt 2 der SRC-Kurve immer häufiger zu dem Ergebnis führt, daß Störungen eben nicht mehr ausgeregelt werden können. Störungen sind zukünftig nicht mehr nur technische Fehler im System, sondern vielmehr auch noch die Launen des Wettergottes. Wenn erst einmal kein „Kohlestrom mehr die Netze verstopft“ und die Kernkraftwerke abgeschaltet sind, bleibt nur noch der Abwurf von Verbrauchern. Dieser muß in Sekundenschnelle erfolgen, sonst bricht — gemäß den Kirchhoffschen Regeln — das gesamte Netz großflächig (Europaweit?) zusammen.

Unsere Fachpersonen an den Schaltstellen der großen Transformation haben natürlich auch darauf eine Antwort: Man schwadroniert vom „Smart Grid“ und von „Smart Metering“. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als der elektronische Bezugsschein der Mangelwirtschaft. Auch die fanatischsten „Transformatoren“ sehen durchaus das Problem von großflächigen Stromabschaltungen. Deshalb wollen sie gemäß Dringlichkeit abstellen. Wer im Dunkeln sitzen muß, entscheidet wohl der örtliche Parteisekretär oder schlicht der Geldbeutel. Der dumme Michel wird schon zahlen, wenn er unbedingt die Sportschau sehen will oder sein Gefriergut retten muß. In Afrika überleben die Menschen schließlich auch irgendwie.

Wenn nun der Wind wieder richtig weht und der Tag nach einer langen Winternacht anbricht, kann man langsam in die Phase 3 übergehen. Es ist nämlich gar nicht so einfach ein Netz wieder zu stabilisieren. Man kann dann schrittweise die Notstromaggregate in den Krankenhäusern, Unternehmen usw. abstellen und die Verbraucher wieder aufs Netz schalten. Wie die „Performance“ aussieht, wird sich zeigen. Als letztes kommt dann mit Phase 4 die Beseitigung der entstandenen Schäden im Netz.

Ausblick

Der nächste Artikel wird sich mit den Konsequenzen für die Kernkraftwerke in dieser neuen Welt befassen. Mit Sicherheit wird es noch eine jahrelange Übergangszeit geben, bis man mit dem Spuk der „Regenerativen Energien“ wieder Schluß macht. Es gilt diese Zeit möglichst elegant aus zu sitzen.

Der Wahnsinn geht weiter

Wer immer noch nicht glauben mag, daß Planwirtschaft schneller wuchert als Krebs, hat die Mitteilungen Energie: Bestätigung des Reservekraftwerkbedarfs der Bundesnetzagentur noch nicht gelesen. Inzwischen gibt es eine Verordnung über „Reservekraftwerke“. Immerhin werden hier die „Gebühren“ für zusätzliche Kraftwerke mit bis zu 7800 MWel geregelt, die wir Stromverbraucher zahlen müssen.

Das neu erschaffene Handelsgut der Reservekraftwerke

Irgendwann hat auch jedes Kraftwerk sein Lebensende erreicht: Meist nicht aus technischen Gründen (ein Kraftwerk muß bis zuletzt gewartet werden), oft aus technologischen Gründen, überwiegend aus wirtschaftlichen Erwägungen und neuerdings sogar aus politischen Gründen (Ausstieg aus der Kernenergie). Normalerweise – wie gesagt, bis auf Kernkraftwerke in Deutschland – eine auf betriebswirtschaftliche Daten fußende unternehmerische Entscheidung. Mit einfachen Worten: Wenn die laufenden Kosten, die erzielten Einnahmen übersteigen, wird es stillgelegt. Nun hat man auch früher solche Kraftwerke (eher einzelne Blöcke in einem Großkraftwerk) nicht sofort abgerissen, sondern sie erst einmal in die sogenannte „Kaltreserve“ überführt. Unter „Kaltreserve“ versteht man sorgsam gepflegte Einheiten, die man innerhalb weniger Tage wieder in Betrieb setzen kann. Das kostet natürlich zusätzlich Geld. Quasi eine Versicherungsprämie gegen Ausfälle von Kraftwerken (unerwartete Schäden, Umbau- und Wartungsmaßnahmen etc.). Wieviel und welche Blöcke man in der Kaltreserve belässt, ist wieder eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Weil das so ist, werden stets die Einheiten mit den höchsten Unterhaltungskosten – meist die ältesten – Einheiten endgültig abgerissen. An dieser Stelle muß man verstehen, daß der notwendige Umfang der Kaltreserve ausschließlich in der Verantwortung des jeweiligen Betreibers liegt. Wer seinen Kraftwerkspark optimal betreibt, auf dem Stand der Technik hält und stets gut wartet, kommt mit einer entsprechend kleinen Reserve aus. Wer über den richtigen Brennstoffmix verfügt, braucht unerwartete Preisschwankungen nicht zu fürchten.

Die Politik hat nun durch ihre Vorgaben (Ausstieg aus der Kernenergie, Wunschenergie Wind und Sonne), die vorher beschriebenen Zusammenhänge außer Kraft gesetzt. Damit die Politik nun ihren Willen durchsetzen kann, muß sie die Entscheidung übernehmen, welche Kraftwerke stillgelegt werden dürfen. Da aber Enteignungen in unserem Wirtschaftssystem (noch) schwer durchsetzbar sind, mußte eine Krücke gefunden werden. Will oder muß ein Betreiber ein Kraftwerk abschalten, muß er sich dies genehmigen lassen. Dies stellt für sich schon einen schwerwiegenden Eingriff in das Grundrecht auf Eigentum, Gewerbefreiheit und Vertragsfreiheit dar. Um das durchziehen zu können, muß man zumindest eine akzeptable Entschädigung vorsehen. Das Wirtschaftsgut „Reservekraftwerk“ war geboren. Ein weiteres, von Politikerhand erschaffenes, planwirtschaftliches Monster, welches weitere Monster gebären wird!

Was genau, ist ein Reservekraftwerk?

Wenn der Politik – vertreten durch die Bundesnetzagentur – die endgültige Abschaltung eines Kraftwerks missfällt, wird es zu einem Reservekraftwerk erklärt. Ein Reservekraftwerk darf ausdrücklich nicht mehr von seinem Eigentümer benutzt werden, muß aber stets und in vollem Umfang (Personal, Wartung, Prüfungen etc.) durch ihn unterhalten werden. Lediglich der zuständige Übertragungsnetzbetreiber entscheidet, wann, wie oft, für wie lange, das Kraftwerk betrieben werden soll. Für einen solch schweren Eingriff in das Recht auf Eigentum, muß es natürlich eine Entschädigung geben. Diese Kosten werden auf alle Stromverbraucher über das Netzentgeld umgelegt. Ganz neben bei, ist das eine weitere Verschleierung der tatsächlichen Kosten der Windenergie! Die Festlegung der Entschädigung wird im heute üblichen Neusprech als „Durchführung eines Interessenbekundungsverfahrens “ bezeichnet. Dahinter verbirgt sich folgende Problematik: Die Entschädigung muß ausgehandelt werden. Wenn ein Eigentümer – aus welchen Gründen auch immer – partout kein Reservekraftwerk haben will, kann er sich durch die Nennung eines überhöhten Preises schützen. Deshalb wird schon mal vorsorglich mit der Keule „Gewährleistung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems“ gedroht. Andererseits ist die Bundesnetzagentur in einer eher schwachen Position, da bestimmte Kraftwerke aus bekannten technischen Gründen faktisch eine Monopolstellung besitzen. In der Praxis werden die Verhandlungen eher in größter Harmonie verlaufen. Handelt es sich doch um ein klassisches StGeschäft zu Lasten Dritter: Wir Stromkunden müssen auf jeden Fall zahlen, sitzen aber gar nicht am Verhandlungstisch.

Wozu braucht man überhaupt Reservekraftwerke?

In einem Stromnetz müssen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort Energieverbrauch und Produktion in einem Gleichgewicht sein. Vor dem Zeitalter des Ökologismus hat man deshalb die Kraftwerke so nah wie möglich an den Verbrauchsschwerpunkten gebaut. Teilweise sogar in den Städten (Berlin, Hamburg, München etc.) und hat dabei die Abwärme noch für die Fernheizung verwendet. Insbesondere für die Windenergie wurde zu deren Förderung die Standortwahl freigegeben. Der Strom muß nun irgendwie zum Verbraucher fließen. Die Windparks wurden und werden bevorzugt in Norddeutschland oder sogar im Meer errichtet. Inzwischen hat man dort erhebliche Überkapazitäten. Der Abfallstrom muß auf biegen und brechen (Abnahmezwang) in Süddeutschland und im Ausland entsorgt werden. Genau dieser Abfallstrom ist aber das Hauptproblem! Nicht die Dunkelflaute, von der inzwischen sogar in der breiteren Öffentlichkeit geredet wird ist der Grund für neue Leitungen und Reservekraftwerke. Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, kann der Bedarf problemlos mit dem vorhandenen Stromnetz und den (noch) vorhandenen Kraftwerken abgedeckt werden. Nur wenn der Wind – ausnahmsweise – mal etwas stärker weht, ergibt sich sofort ein Problem für jedes Stromnetz! Selbst ein immer weiter betriebener Netzausbau ist deshalb keine Lösung. Auch wenn man das Stromnetz so erweitert, daß auch Windenergiespitzen immer transportiert werden können, ist das nur an wenigen Stunden im Jahr nötig und damit völlig unwirtschaftlich.

An dieser Stelle scheint ein kleiner Einschub zum Umweltschutz nötig. Niemand kann große Mengen elektrischer Energie ohne Verluste quer durch Deutschland verschieben. Schon heute betragen allein die Verluste im Übertragungsnetz (das ist nur das Hochspannungsnetz!) an „Starkwindtagen“ 1500 MWel.! Wie die Simulationen der Bundesnetzagentur zeigen, werden diese mit dem Ausbau der Windenergie beständig ansteigen.

Ein weiteres Zauberwort: „Redispatch“

Redispatch ist, wenn man bestimmte Kraftwerke im Netz runter regelt, um die Flüsse innerhalb des Netzes zu verändern. Natürlich muß man diese Minderleistung an anderer Stelle zusätzlich einspeisen. Dazu dienen die Reservekraftwerke und deshalb haben auch nur die Übertragungsnetzbetreiber eine Verfügung über sie. Man kann sich das (stark vereinfacht) so vorstellen: Wenn eine Übertragungsleitung an ihre Grenzen zu stoßen droht, kann man die Kraftwerke vor der Leitung etwas abregeln. Natürlich fehlt diese Leistung am anderen Ende, was zumindest dort zu Spannungseinbrüchen und Frequenzschwankungen führen würde. Als Gegenmaßnahme muß das Reservekraftwerk dort, die fehlende Leistung ersetzen. An dieser Stelle sei daran erinnert, daß bereits für den Winter 2015/2016 eine Reserveleistung von geschätzt 6,7 bis 7,8 GWel. eingekauft werden muß. Die Kosten hierfür sind noch nicht bekannt. Immerhin entspricht das rund sieben Kernkraftwerken und eine solche Leistung kauft man auch in Deutschland nicht beim Kaufmann um die Ecke.

Es muß noch einmal ganz deutlich gesagt werden, das Problem ist nicht, wenn der Wind nicht weht (Dunkelflaute), sondern wenn er mal weht! Bereits jetzt haben wir bei Starkwind ein Exportsaldo von 12,1 GW. Bei Dunkelflaute (meist am Wintertag) ergibt sich nur ein Importsaldo von -2,1 GW. Die eigenen Kraftwerke reichen (noch) aus, um Deutschland zu versorgen. Im Gegensatz dazu, muß der Abfallstrom bei stärkerem Wind erst einmal zu den Grenzen transportiert werden, bevor er anschließend im Ausland teuer entsorgt werden kann.

Milchmädchen und der CO2 – freie Windstrom

Bis vor wenigen Jahren, wurde man von den Schlangenölverkäufern der Windindustrie immer brüsk abgeschmettert, wenn man von der Dunkelflaute sprach. Obwohl jedem, der sich mit den meteorologischen Daten auseinandergesetzt hat, vollkommen klar war, daß der Wind eben nicht immer weht. Gerade im Winter, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, treten immer wieder großräumige Hochdruckwetterlagen in Europa auf. Heute sind diese Meßdaten der Windstromproduktion von jedermann im Netz einsehbar.

Wenn man den einschlägigen Umfragen glauben mag, ist die (gut verdienende) Mehrheit in Deutschland gern bereit, höhere Strompreise zu bezahlen, wenn sie dadurch das Weltklima retten darf. So eine Art von Ablasshandel halt. Allerdings werden auch immer mehr Gutmenschen stutzig über einen vermeintlichen Widerspruch: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über neue Rekorde an der Ökostrom-Produktionsfront berichtet wird – nur die CO2 – Produktion sinkt nicht parallel dazu! Nur die Schlangenölverkäufer jubeln noch über jede zusätzliche CO2 – freie Kilowattstunde aus Windstrom.

Windstrom ist nur so lange „CO2 – frei“, wie er den Windpark noch nicht verlassen hat. Selbst hartgesottene „Öko’s“ wissen aber, daß er im Windpark ohne jeden Wert ist. Er muß noch auf einem hunderte Kilometer langen Weg bis zu den Verbrauchsstellen im In- und Ausland gelangen. Ohne konventionelle Kraftwerke, läßt sich aber kein „Zappelstrom“ transportieren. Inzwischen kann man aber auch dies messen! Je höher die Produktion von Windstrom an verbrauchsfernen Standorten ist, um so höher ist die CO2.-Freisetzung um diesen Strom über weite Strecken transportieren zu können. Da kommt auch kein Netzausbau hinterher.

Planwirtschaft gegen Realität

Es ist politisch gewollt, noch mehr Windparks im Meer zu bauen. Gleichzeitig will man aus der Kernenergie aussteigen. Der Ersatz dieser Kraftwerke durch (fossile) Neubauten ist unerwünscht. Es beginnt der Kampf gegen die noch vorhandenen Kohlekraftwerke. All das zusammen genommen, führt zu einem gigantischen Park von Reservekraftwerken mit steigendem CO2.-Ausstoß. Letztendlich zum Zusammenbruch des Strommarktes mit anschließender Verstaatlichung.

Man kann schon heute die Entwicklung in Echtzeit an der Strombörse verfolgen. Jedes mal, wenn der Wind etwas stärker weht, fallen die Strompreise an der Börse synchron. Einziger Grund ist der politisch verursachte Abnahmezwang. Wenn man in einem Markt eine Überversorgung herbeiführt, fallen die Preise so lange, bis genug Marktteilnehmer die Produktion einstellen. Schon heute werden für etliche Stunden sogar negative Preise erzielt. Nichts weiter, als eine Entsorgungsgebühr für die Vernichtung der Überproduktion. Je tiefer die Preise fallen, um so mehr Produzenten können ihre Kosten nicht mehr decken und stellen die Produktion ein. Dies betrifft im derzeitigen System ausschließlich die fossilen Kraftwerke. Denn die Windstromerzeuger erhalten auch weiterhin ihren Garantiepreis für ihre garantiert abgenommene elektrische Energie! Dies haben ausschließlich die Politiker zu verantworten, denn sie haben diesen Irrsinn in Gesetzesform gegossen.

Es gibt offensichtlich noch immer genug schlichte Gemüter, die diesen Zusammenhang gut finden. Sie glauben tatsächlich, daß so immer weniger fossile Energie verbraucht wird, wodurch das „Klima gerettet wird“. Das Gegenteil ist der Fall! Je mehr Windenergie produziert werden soll, um so mehr fossile Energie (bei gleichzeitigem Verzicht auf Kernenergie) muß eingesetzt werden. Nicht nur bei Dunkelflaute muß der Strom in konventionellen Kraftwerken produziert werden, sondern auch bei jeder wetterabhängigen Überproduktion müssen vermehrt fossile Kraftwerke zum Transport des Windstroms zu den Entsorgungsstätten eingesetzt werden. Was heute schon an Sonn- und Feiertagen oder in der Nacht passiert, wird bei weiterem Ausbau bald ständig Realität sein. Es gibt keinen Ausweg aus diesem Dilemma:

  • Regelt man die Windmühlen mit zunehmendem Wind ab, wird deren Auslastung immer schlechter und es erhöhen sich beständig die Stromkosten bei den Verbrauchern. Man zahlt dann nur noch für Windmühlen, die in der Landschaft herumstehen. Wie lange die Wähler so etwas dulden, kann man vielleicht aus der Geschichte lernen. Wer kennt nicht mehr die Bilder von Obst- und Gemüseüberproduktion, die zur Stabilisierung der Preise gleich untergepflügt wurden oder die man gegen Gebühr auf der Müllkippe entsorgt hat.
  • Man versucht die Überschußenergie gleich in den Windparks zu speichern, bis sie auch tatsächlich benötigt werden. Bei dieser Energiewandlung gingen dann gleich rund die Hälfte der Produktion wieder verloren. Der zweite Hauptsatz läßt sich durch Ideologie nicht aushebeln! Abgesehen von den gigantischen Investitionen, die hierfür nötig wären. Die Butterberge und Fleischberge der planwirtschaftlichen europäischen Landwirtschaft waren Nicklichkeiten dagegen.
  • Man versucht wie bisher, die Überschüsse im Ausland zu entsorgen. Für die immer weiter entfernten Abnehmer sind immer mehr Hochspannungsleitungen nötig, auf denen immer mehr elektrische Energie gleich „verbraten“ wird. Trotzdem wird man immer mehr Reservekraftwerke benötigen, um die Netze überhaupt betreiben zu können. Logischerweise werden die Betreiber immer ihre ältesten und umweltverschmutzenden Kraftwerke den Übertragungsnetzbetreibern vermieten.

Es gibt nur eine Möglichkeit diesen Wahnsinn zu stoppen. Man macht sofort Schluß damit. Dies kann aber nur die Politik leisten, weil sie dieses Monster der Planwirtschaft erst erschaffen hat.

Die europaweite Dimension

Die Idee, den Stromabfall gegen Gebühr im Ausland zu entsorgen, war ziemlich dämlich. Polen ist bereits dabei, seine Grenzen dicht zu machen. Man ist es leid, kostenlos Strom über Tschechien nach Bayern und Österreich zu transportieren. Auch die Idee Reservekraftwerke in Polen anzumieten, war ziemlich kurz gedacht. Weder sind die Polen bereit, ihre Souveränität für ein Linsengericht an die Deutschen zu verkaufen, noch die dadurch zusätzlich entstehenden Belastungen in ihrem Netz zu tragen. Einzig Greenpeace hätte sich wahrscheinlich einen Ast gelacht: Die als besonders umweltfreundlich bekannten (abgenutzten alten) Kohlekraftwerke in Polen von Deutschland weiter am Leben gehalten, um den „Grünen Strom“ von der Ostsee nach Österreich und weiter zu verkaufen.

Besonders lustig ist auch, daß ausgerechnet Deutschland nun darüber nachdenkt, den Stromhandel mit Skandinavien und Österreich zu begrenzen. Leider weht auch der Wind in Dänemark, wenn er in Norddeutschland weht. Weil ganz Norddeutschland bereits mit Windstrom verstopft ist, tut jede zusätzlich Kilowattstunde, die Dänemark in Deutschland entsorgen will, besonders weh. Langsam merkt man, daß sich Deutschland zu einem Transitland für elektrische Energie entwickelt. Man findet es inzwischen auch nicht mehr so prickelnd, daß deutsche Stromverbraucher für lukrative Geschäfte zwischen Österreich, Ungarn und Italien bezahlen müssen. Deutscher Stromabfall wird billig von Österreich aufgekauft und gewinnbringend an das alte KuK-Gebiet weiterverscherbelt. Inzwischen fließen bereits 8,5 GW nach Österreich. Tendenz weiter steigend. Alles ein Ergebnis des politisch gewollten „Ein-Zonen- Modells“, in dem die örtliche Entfernung per Ukas außer Kraft gesetzt wurde. Strom soll überall gleich teuer sein. Transportkosten müssen zur Verschleierung aus anderen Töpfen bezahlt werden.

Auch das „Vorangehen“ hat sich als blöde Idee herausgestellt. Frankreich z. B. ist inzwischen auch in das Windgeschäft eingestiegen. Dumm nur, daß dort die geographischen Bedingungen (z. B. Atlantikküste) wesentlich günstiger als in Bayern und im Schwabenland sind, somit die Produktionskosten auch geringer. Warum sollte Frankreich also zusätzlichen Windstrom aus Deutschland importieren? Es sei denn, Michel ist bereit, die Subventionen weiter hoch zu schrauben.

Völlig verschlafen haben unsere Politiker beim „Vorangehen“ den Netzausbau in Ost-West-Richtung. Man war zu sehr von der Idee besessen, die Kernkraftwerke in Süddeutschland abzuschalten und durch Windstrom zu ersetzen. Inzwischen hat man durch die politisch verordnete Überproduktion Strompreise an der Börse erzeugt, die (teilweise) unter den Brennstoffkosten liegen. Daraus ergeben sich erbliche Stromflüsse in Ost-West-Richtung. Ein Netzausbau auch in diese Richtung, ist unvermeidbar! Deutschland wird ein Land der „Stromautobahnen“ und „Reservekraftwerke“. Ist das, das „tolle Europa“, was man uns immer zu verkaufen versucht hat? Gut gemeint, ist noch lange nicht, gut gemacht.

Ein Strommarkt für die Energiewende

Das Diskussionspapier des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie – Grünbuch – ist gerade erschienen und kann kostenlos unter Grünbuch heruntergeladen werden. Warum das Ding nun ausgerechnet Grünbuch heißt, mag der Minister Gabriel wissen: Vielleicht soll es ja Assoziationen zum Grünen Buch eines bereits verjagten sozialistischen Potentaten aus Nordafrika wecken. Zumindest an Komik und Absurdität steht es ihm kaum nach. Es ist ebenfalls der Versuch, eine ideologische Kopfgeburt durch schwülstige Worte rechtfertigen zu wollen.

Das Ziel

In der Einleitung vom Grünbuch werden die Ziele definiert:

Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 und der Primärenergieverbrauch um 20 Prozent gegenüber 2008 sinken. Die erneuerbaren Energien sollen bis 2025 40 bis 45 Prozent und bis 2035 55 bis 60 Prozent zum Stromverbrauch beitragen.

Bis 2020 sind es noch sechs Jahre, das ist im überregulierten Deutschland ein Wimpernschlag für Investitionen. Vielleicht soll ja auch nur die Statistik helfen. Nur mal so als Denkanstoß: Die Energie aus Kernspaltung gilt als Primärenergie. Deshalb wird der in den Kernkraftwerken produzierte Strom für die Statistik mit dem Faktor 3 multipliziert. Elektrische Energie aus Wind und Sonne hergestellt, ist natürlich bereits Primärenergie, weil ja per Definition „gute Energie“. Wenn man jetzt die Kernkraftwerke durch Windmühlen etc. ersetzen könnte… Kann man natürlich nicht und es muß deshalb mehr Strom aus fossilen Kraftwerken her. Die Nummer mit den „Treibhausgasemissionen“ wird folglich voll nach hinten los gehen. Aber auch da könnte die Statistik helfen: Sie unterscheidet nämlich nicht zwischen dem exportierten Abfallstrom aus Wind und Sonne und dem importierten Strom aus französischen Kernkraftwerken, polnischen Steinkohlekraftwerken oder tschechischen Braunkohlekraftwerken. In der Politik braucht man Statistiken gar nicht zu fälschen, man muß sie nur „richtig“ interpretieren können.

Neue erneuerbare Energien-Anlagen müssen dabei dieselbe Verantwortung für das Gesamtsystem übernehmen wie konventionelle Kraftwerke.

Völlig falsch Herr Minister. Verantwortung können immer nur Menschen übernehmen. Wenn es auch bekanntermaßen Deutschen besonders schwer fällt, die bevorzugt „innerlich schon immer dagegen waren“ oder gleich besser „von allem nichts gewusst haben“ wollen. Wie wäre es also, wenn Sie einmal Verantwortung für die „Energiewende“ und ihre absehbaren Folgen übernehmen würden?

Funktionsweise des Strommarktes

In diesem ersten Kapitel wird die Funktion der Strombörse und ihre verschiedenen Handelsprodukte erklärt. Ganz verschämt steht auch hier ein Satz, über den in der Öffentlichkeit kaum diskutiert wird:

Überwiegend schließen Unternehmen aber weiterhin direkte Lieferverträge mit Stromerzeugern ab.

Der Handel mit diesen außerbörslichen Lieferverträgen wird „Over the Counter“ (OTC) genannt. Hier würden einmal konkrete Zahlen gut tun. Wohlgemerkt, über die physikalischen Mengen (nicht wie oft das „Stück Papier“ an der Börse umgeschlagen wird, sondern die physikalische Energie mit der der Kontrakt hinterlegt wird und die letztendlich hergestellt und verbraucht wird), die an der Börse gehandelt werden, im Vergleich zu der gesamten Produktion. Im weiteren Papier wird nämlich immer etwas von „Marktsignalen“ erzählt, die von der Börse ausgehen. Wenn von der Strombörse „Marktsignale“ ausgehen sollen, die über den weiteren Ausbau des Kraftwerksparks bestimmen sollen, müßte aber erstmal ein Zwang für Stromhandel ausschließlich über die Börse erfolgen. Die Signale, die eine Strombörse auf die tatsächlichen Handelspreise aussenden kann, sind prinzipiell gering, wenn nicht irreführend. Der Strommarkt verhält sich gänzlich anders, als die anderen Rohstoffmärkte (Öl, Getreide, Metalle etc.). Elektrische Energie ist weder lagerbar, noch frei transportierbar. Ein Arbitrage-Handel ist damit gar nicht möglich und die Teilmärkte Börse und OTC sind somit nur sehr locker verbunden.

Noch ein schönes Beispiel für die gestelzte Sprache eines Politbüros:

Setzen die Stromnachfrage oder Erzeuger, die ihre Fixkosten einpreisen, den Strommarktpreis, können auch sehr teure Grenzkraftwerke Deckungsbeiträge erzielen. Wenn die Grenzen der verfügbaren Erzeugungskapazitäten erreicht werden, kann der Ausgleich von Angebot und Nachfrage entweder durch Lastmanagement (d. h. Lastreduktion durch flexible Verbraucher) oder die letzte Erzeugungseinheit erfolgen. 

Alles klar? Wenn nicht, hier eine Übersetzung in Alltagssprache: Jedes Unternehmen muß seine vollständigen Kosten am Markt erzielen können, da es sonst pleite geht. Leider ist dies zur Zeit bei vielen Kraftwerken der Fall. Sind erst einmal genügend konventionelle Kraftwerke in die Pleite getrieben worden, kann bei Dunkel-Flaute die Stromversorgung nicht mehr aufrecht erhalten werden. Stromabschaltungen sind die Folge. Kurz vorher explodieren noch die Strompreise. Der Minister hat auch gleich noch einen Tip parat:

Wenn der Preis den Nutzen übersteigt, können Verbraucher ihren Strombezug freiwillig reduzieren. Bereits am Terminmarkt gekaufter Strom könnte in diesem Fall gewinnbringend weiterverkauft werden.

Auf Deutsch: Spekuliere an der Börse, mach deinen Laden dicht und geh hin und genieße die schöne, neue Welt.

Dieser Abschnitt endet mit einem wunderbaren Satz zur Erklärung der zukünftigen Situation an der Strombörse:

In Zeiten von Überkapazitäten ist diese implizite Vergütung von Leistung gering. Sie steigt, je knapper die Kapazitäten am Strommarkt sind.

Wenn erst mal die Mangelwirtschaft durch die Vernichtung konventioneller Kraftwerke vollendet ist, wird zwar weiterhin der Börsenpreis an vielen Tagen durch den Einspeisevorrang im Keller bleiben, aber bei Dunkel-Flaute würde man ein tolles Geschäft machen können, wenn man dann noch ein Kraftwerk hätte.

Herausforderungen

Geschichte kann so gnadenlos und witzig sein:

Der Strommarkt ist liberalisiert. Bis 1998 hatten Stromversorger feste Versorgungsgebiete.

Wer hat das heutige Chaos erfunden? Die SPD hat’s erfunden. Bis zu dem angegebenen Zeitpunkt war die deutsche Stromwirtschaft geradezu dezentral organisiert (Hamburger-, Berliner-, Bremer-EVU, Bayernwerke, Preussenelektra, RWE, Badische Elektrizitätswerke, usw., usw.). Dann kam ein gewisser Wirtschaftsminister Wilhelm Werner Müller (parteilos). Er war der überraschende Joker des Gazprom-Mitarbeiters – und in seinem damaligen Lebensabschnitt Bundeskanzlers – Gerhard Schröder (SPD). Dieser Müller gab die Parole aus, nur schlagkräftige Großkonzerne seien im zukünftigen Europa überlebensfähig. Sein persönliches Streben galt besonders dem Verhökern der gesamten ostdeutschen Stromversorgung, plus Hamburg und Berlin als Dreingabe, an den schwedischen Staatskonzern Vattenfall. Vattenfall war damals – und inzwischen wieder – von den schwedischen Sozialdemokraten beherrscht. Auch hier fällt der SPD ihre eigene Entscheidung wieder auf die Füße. Damals wohl gelitten, als Gegengewicht zu dem „badischen Atomkonzern“, der noch eine wesentliche Beteiligung durch die EDF hatte, während die schwedische Schwesterpartei den „Atomausstieg“ verkündet hatte. Inzwischen hat Schweden längst den Ausstieg vom Ausstieg vollzogen und man erwärmt sich nun im Volksheim für die „Klimakatastrophe“. Nicht weiter schwierig, wenn man seinen Strom nahezu hälftig aus Wasserkraft und Kernenergie herstellt. Schlecht nur für unseren tapferen Sozialdemokraten, in seiner Funktion als „Wendeminister“: Arbeitsplätze gegen fixe Ideen, wie wird er sich wohl entscheiden?

Um diesen Umbau der Energieversorgung möglichst geräuschlos und ohne lästige Öffentlichkeit durchführen zu können, wurde damals dem grünen Koalitionspartner der Bonbon „Atomausstieg“ zugestanden. Damit unsere Schlafmützen der deutschen Industrie nicht aufwachen, wurde die Einführung der Planwirtschaft mit dem Neusprech-Wort „Strommarktliberalisierung“ getarnt. Tatsächlich gingen die Strompreise in den Anfangsjahren auch etwas zurück und das EEG kostete damals wenig mehr als eine Trittinsche Eiskugel. Michel konnte also beruhigt weiterschlafen. Es waren ja die, die für mehr Gerechtigkeit und die, die die Umwelt schützen an der Regierung. Was sollte an deren Plänen schlechtes sein? Die Sonne strahlte zwar, aber schickte immerhin keine Rechnung.

Manche Sätze sind von beängstigender Klarheit:

Derzeit werden zahlreiche Kraftwerke von ihren Betreibern stillgelegt. Dieser erforderliche Marktbereinigungsprozess wird in den kommenden Jahren anhalten.

Man drückt große Mengen Abfallstrom, den keiner braucht, solange in den Markt, bis die Konkurrenz pleite macht. Im Neusprech heißt das „Marktbereinigung“, in der Volkswirtschaftslehre schlicht Dumping (Verkauf von Waren unterhalb der Herstellungskosten). Erst vernichtet man die Arbeitsplätze in den Kraftwerken, anschließend durch überhöhte Strompreise die in der Industrie. Der Morgenthau-Plan war dagegen wirkungslos.

Ganz langsam dämmert dem Wirtschaftsminister, welche Probleme noch in seiner Amtszeit auf ihn zu kommen:

2011 wurden acht Kernkraftwerke mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt rund acht Gigawatt endgültig stillgelegt. … Bis 2022 werden hierdurch weitere Erzeugungskapazitäten in Höhe von rund 12 Gigawatt stillgelegt.

Die damals stillgelegten Kernkraftwerke, waren die „alten und kleinen“. Deshalb wurde im Jahr 2013 in den verbliebenen Kernkraftwerken mit 97,3 TWh immer noch mehr Strom, als mit Wind (53,4 TWh) und Sonne (30,0 TWh) zusammen erzeugt. Er müßte in den nächsten acht Jahren deshalb den Ausbau mehr als verdoppeln, um die Kraftwerke wenigstens energetisch zu ersetzen. Deshalb schreibt er auch gleich im folgenden Absatz:

Hierbei nehmen Windenergie und Photovoltaik die tragende Rolle ein. Wind und Sonne sind die Energiequellen mit den größten Potentialen und den geringsten Kosten.

Na denn, die Partei kann sich nicht irren. Es war ja schließlich ein Sozialdemokrat, der mit dem Slogan „Die Sonne schickt keine Rechnung“ ein bescheidenes Vermögen gemacht hat.

Hier ist es wieder, das übliche ideologische Geschwafel:

Der Gesamtbedarf an fossilen Kraftwerken und insbesondere der Bedarf an Grund- und Mittellastkraftwerken sinkt, während der Bedarf an flexiblen Spitzenlasttechnologien und Lastmanagement steigt.

Speicher gibt es nicht, aus der Kernenergie soll ausgestiegen werden, warum sollte also der Bedarf an fossilen Kraftwerken sinken? Grundlast ist der niedrigste, das ganze Jahr über ständig auftretende Bedarf – also auch nachts. Gabriel glaubt ja viel zu können, aber die Sonne nachts scheinen zu lassen, dürfte ihm nicht gelingen. Mittellast ist der während der Werktage auf die Grundlast aufsattelnde gleichmäßige Energiebedarf. Geht er vielleicht bereits von einer vollständigen Abschaffung der Arbeitswelt aus? Die Spitzenlast ergibt sich zusätzlich an wenigen Stunden pro Tag (z.B. Strombedarf der Bahnen im Berufsverkehr). Vom Bedarf aus betrachtet, ergibt sich also überhaupt keine Veränderung, egal auf welche Art der Strom erzeugt wird. Lediglich durch die Störungen auf der Angebotsseite aus Windmühlen und Photovoltaik ergibt sich ein zusätzlicher und ohne „Erneuerbare“ gar nicht vorhandener Regelungsbedarf.

Man spürt förmlich die Unsicherheit und es wird im nächsten Abschnitt ordentlich weiter geschwurbelt:

Wir bewegen uns von einem Stromsystem, in dem regelbare Kraftwerke der Stromnachfrage folgen, zu einem insgesamt effizienten Stromsystem, in dem flexible Erzeuger, flexible Verbraucher und Speicher zunehmend auf das fluktuierende Dargebot aus Wind und Sonne reagieren.

Da ist sie wieder, die für alle Religionen typische Verheißung des Paradieses in der Zukunft.

Ein wichtiger Grundsatz der Werbung und Propaganda ist die Verbreitung von Halbwahrheiten:

Die derzeit zu beobachtenden niedrigen Großhandelspreise unterstreichen die Tatsache, dass es gegenwärtig erhebliche Überkapazitäten gibt. Die teilweise angekündigten oder bereits realisierten Stilllegungen von Kraftwerken sind ein Zeichen dafür, dass der Strommarkt die richtigen Signale aussendet.

Der Zusammenbruch der Handelspreise an der Börse beruht ausschließlich auf dem Einspeisevorrang der „Erneuerbaren“. Wenn das Angebot von Wind- und Sonnenenergie wegen der Wetterverhältnisse hoch ist und die Nachfrage gering (typisch an Feiertagen), fallen die Handelspreise. In manchen Stunden muß sogar ein negativer Energiepreis (Entsorgungsgebühr) bezahlt werden. Das Marktsignal wäre eindeutig: Sofortige Abschaltung der „Erneuerbaren“. Die Gesetze der Planwirtschaft (Einspeisevorrang und EEG-Vergütung) verbieten dies aber ausdrücklich. Es bleibt nur noch der Ausweg konventionelle Kraftwerke abzuschalten. Teilweise nagelneue, mit den weltweit höchsten Umweltstandards. Gut gemeint, ist halt noch lange nicht gut gemacht.

Alle Theoretiker versuchen immer, ihre Gedanken mit Fällen aus der Praxis zu hinterlegen. Dies gibt ihnen das Gefühl, nicht in einem Elfenbeinturm zu leben. So werden auch im Grünbuch (Seite 14) unter der Überschrift

Kapazitäten sind eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Versorgungssicherheit.,

zwei Beispiele geliefert: Einmal der Februar 2012 in Deutschland – und man ist ja weltmännisch – der 7. Januar 2014 in USA. Sätze wie

… eine große Zahl von Bilanzkreisverantwortlichen hatte zu wenig Strom am Markt beschafft, um den tatsächlichen Verbrauch in ihren Bilanzkreisen zu decken.

lassen – zumindest bei Genossen – sofort das Bild vom profitgierigen Spekulanten an der Börse erscheinen, der versucht die „Energiewende“ zu sabotieren. Die Wahrheit ist viel simpler. Es gibt keine 100% zutreffende Wettervorhersage. Insofern kann man nie die Produktion an „Erneuerbaren“ verlässlich voraussagen. Elektrische Energie ist nicht speicherbar (anders als Öl, Kohle etc.) und deshalb kann eine Strombörse auch keine Signale (Arbitrage) für den Netzbetrieb liefern. Die Regelenergie kommt aber aus einem ganz anderen Topf (Netzentgelte). Insofern handelt jeder Börsenhändler rational und richtig, wenn er stets zu knapp einkauft.

Noch toller ist das Beispiel aus den USA:

Der Grund dafür war, dass diese Anlagen keinen ausreichenden Anreiz hatten, auch einsatzbereit zu sein und tatsächlich eingesetzt zu werden.

So ist das nun mal, wie das Windrad Wind braucht, brauchen die „flexiblen und klimafreundlichen“ Gaskraftwerke ausreichend Erdgas zum Betrieb. Man hat an der gesamten Ostküste verstärkt auf Gaskraftwerke gesetzt. Weniger aus Klimaschutz, viel mehr aus Kostengründen. Im Gebiet des Marcellus Shale (fracking!) ist das Gas noch billiger als US-Kohle. Leider wird auch dort Erdgas in den Metropolen zum Heizen und in der Industrie verwendet. Durch den Kälteeinbruch hatten sich die Erdgaspreise nahezu verzehnfacht. Kraftwerke und Gebäudeheizungen haben das Rohrleitungssystem förmlich leer gesaugt. Im Einvernehmen mit den Kraftwerksbetreibern hat man die Gaskraftwerke vom Netz genommen, um die Preisexplosion zu stoppen. Seit dem, tobt eine höchst interessante Diskussion, wer zusätzliche Leitungskapazität – die nur wenige Stunden im Jahr gebraucht wird – finanzieren soll. Ein Schelm, wer Parallelen zu Stromautobahnen für Windstrom von Nord nach Süd sieht!

In den folgenden Absätzen wird versucht, über die eigentlich erkannten Probleme hinweg zu schwafeln:

Alternativ können flexible Verbraucher ihre Stromnachfrage reduzieren und z.B. bereits eingekauften Strom am Markt gewinnbringend verkaufen.

Welche flexiblen Verbraucher? Bisher hat man ein Fußballländerspiel geguckt, wenn es übertragen wurde und Autos produziert, wenn sie bestellt waren. Nur Banken und Spekulanten – sonst die ärgsten Feinde aufrechter Sozialdemokraten – können Strom gewinnbringend handeln. Und im besten Politikerjargon geht es nahtlos weiter:

Auf diese Weise kann der zu niedrigen Grenzkosten angebotene Strom aus Wind- und Sonnenenergie effizient und sicher in das System integriert werden.

Der dümmliche Werbeslogan „Die Sonne schickt keine Rechnung“ wird auf Ministerebene „zu niedrigen Grenzkosten angebotener Strom aus Wind- und Sonnenenergie“ umgeschrieben und wenn man Abfallstrom gegen Erstattung der Entsorgungskosten ins Ausland verhökert wird er „effizient und sicher in das System integriert“. Mein absoluter Lieblingssatz folgt erst kurz danach:

Mein absoluter Lieblingssatz folgt erst kurz danach:

Der Strommarkt ist damit weit entfernt von einem „Überschuss“ erneuerbarer Energien. 2035 könnte die minimale Residuallast minus 25 Gigawatt betragen.

Auf Deutsch: 2035 könnten wir mehr als 25 GW (das ist mehr als das Doppelte, was zur Zeit noch an Kernkraftwerken am Netz ist) Leistung aus Wind und Sonne erzeugen, als wir überhaupt an Strom verbrauchen. Jedem im Politbüro der „Hauptstadt der DDR“ wären vor Rührung die Tränen gekommen bei einer solchen Übererfüllung des Plansoll. Wie hoch dann wohl die Entsorgungsgebühren sein werden?

Flexibilität als eine Antwort

Neben der zeitweisen Stromabschaltung, werden hier echte technologische Knaller zur Lösung der Überproduktion empfohlen:

Bei geringer Residuallast kann mit Strom auch direkt Wärme erzeugt und damit Heizöl bzw. Gas eingespart werden.

Wenn die Wetterlage mehr Strom produziert als überhaupt gebraucht wird, soll man mit Strom heizen. Zum zehnfachen Preis von Heizöl. Der Tauchsieder als Retter der Schlangenölverkäufer (wird bereits in Bremen erprobt).

Manche Aussagen sind schlicht dummdreist:

Darüber hinaus können bei gekoppelten Märkten auch die unterschiedlich verfügbaren Technologien effizienter genutzt werden (z. B. Wind und Sonne in Deutschland, Wasserkraftspeicher in den Alpen und in Skandinavien).

Vielleicht fragt mal einer im Ministerium bei den Betreibern der alpinen Wasserkraftwerke an. Die gehen sogar von Schließung der bestehenden Anlagen aus, wenn das Dumping mit deutschem Abfallstrom noch länger anhalten sollte. Manchmal weiß man auch nicht, ob man lachen oder weinen soll:

Die Kosten für die Erschließung der notwendigen technischen Potenziale sind umso geringer, je breiter und direkter die Preissignale wirken.

Nur sind die Preissignale durch den Einspeisevorrang und die EEG-Vergütung völlig auf den Kopf gestellt. Oder noch gestelzter:

Bei statischer Betrachtung erhöht sich die EEG-Umlage bei einer Abregelung bei moderat negativen Preisen in einem stärkeren Maße, als bei Abregelung bei einem Preis von Null. Bei dynamischer Betrachtung hingegen erweist sich die Abregelung bei moderaten negativen Preisen als kosteneffizient.

Entsorgungsgebühren fallen immer dann an, wenn es keine wirtschaftliche Verwendung für den Abfall gibt. Einzig sinnvolle Konsequenz ist daher die Müllvermeidung – sprich die Abschaltung der Anlagen bei Überproduktion.

So langsam ahnen die Schlangenölverkäufer, daß die Geschäfte zukünftig nicht mehr so profitabel weiter laufen können:

Insbesondere Biomasseanlagen erbringen zunehmend Regelleistung. Zukünftig sollte die Teilnahme am Markt für (negative) Regelleistung auch für Wind- und Photovoltaikanlagen möglich sein.

Man will sich das Abschalten als „negative Regelleistung“ vergüten lassen – hofft jedenfalls der Ingenieur. Vielleicht will man die Windräder auch als Ventilatoren laufen lassen. Innerhalb eines Windparks dürften sich dann tolle Koppelgeschäfte verwirklichen lassen. Aber, damit ist der Kreativität im Wirtschaftsministerium noch kein Ende gesetzt:

Biomasseanlagen haben mit der Flexibilitätsprämie einen Anreiz, ihre Anlagen flexibel auszulegen und zukünftig vor allem bei hohen Strompreisen einzuspeisen. Auch Wind- und Photovoltaik-Anlagen können z. B. durch Schwachwindturbinen oder Ost-West-Ausrichtung eine gleichmäßigere Einspeisung erzielen und in Zeiten hoher Strompreise die hohe Nachfrage besser decken.

Die Konstrukteure von Biogasanlagen haben selbstverständlich auf eine gleichmäßige Auslastung der Anlagen gesetzt, um die Kapitalkosten gering zu halten. Wer soll die zusätzlichen Speicher, Motoren, Verstärkung der Netzanschlüsse etc. bezahlen, wenn plötzlich „geregelt“ eingespeist werden soll? Der „Biostrom“ würde damit noch teurer. Die „Schwachwindturbinen“ und die Ost-West-Ausrichtung kommentieren sich von selbst.

Marktpreissignale für Erzeuger und Verbraucher stärken

Dem Minister scheint der Einsatz von Windrädern als Ventilatoren so wichtig, daß er noch einmal im nächsten Kapitel ausdrücklich gefordert wird:

Die Präqualifikationsbedingungen sollten so angepasst werden, dass insbesondere Windenergieanlagen in Zukunft negative Regelleistung bereitstellen können.

Der nächste Verbesserungsvorschlag erscheint eher etwas nebulös:

Auch könnte in Zukunft die ausgeschriebene Menge für Regelleistung an die jeweilige Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie angepasst werden.

Soll es vielleicht demnächst ein Forschungsprojekt zum aufblasbaren Kraftwerk geben?

Schön ist, wenn Politiker auch mal erkennen, daß das Fehlverhalten einiger Geschäftemacher die Folge ihrer blödsinnigen Gesetze ist:

Schätzungen gehen davon aus, dass nur 30 – 50 Prozent der Bilanzkreisverantwortlichen ihren Bilanzkreis aktiv am Intradaymarkt bewirtschaften.

Kein Mensch kann das Wetter des nächsten Tages mit hundertprozentiger Sicherheit voraussagen. Im wirklichen Leben ist ein Händler, der etwas verkauft, was er gar nicht besitzt, ein Betrüger. Deshalb hat jeder Händler ein Lager. Anders im Stromgeschäft. Dort gibt es einen Wohltäter, den Übertragungsnetzbetreiber, der jede fehlende Lieferung augenblicklich ersetzt. Da Wohltäter nur im Märchen vorkommen, holt der sich seine (erhöhten) Kosten über die Netzentgelte von uns zurück. Ein klassisches Geschäft zu Lasten Dritter – aber von der Politik ausdrücklich so gewollt.

Stromnetze ausbauen und optimieren

Eine alte Propagandaweisheit besagt, daß es egal ist, ob etwas falsch oder wahr ist, man muß es nur oft genug wiederholen. So steht auch hier wieder:

Überregionaler Stromaustausch gleicht die Schwankungen von Wind, Sonne und Nachfrage aus.

Wer immer noch dieses Märchen glaubt, sollte sich schnellstens mal mit den meteorologischen Datensammlungen bzw. den Einspeiseverläufen der Übertragungsnetzbetreiber beschäftigen.

Mit den ewig selben fadenscheinigen Argumenten werden auch die Nord-Süd „Stromautobahnen“ begründet:

Dies erhöht in zahlreichen Stunden den Transportbedarf von Norden nach Süden.

Keine einzige Windmühle wird je ein konventionelles Kraftwerk ersetzen können. Weht kein Wind, wird auch keine elektrische Energie erzeugt, weht zufällig mal kräftiger Wind, heißt das noch lange nicht, daß diese auch gebraucht wird. Die Nord-Süd-Leitungen dienen nur dem Zweck, die Überproduktion aus Norddeutschland nach Süddeutschland zu entsorgen – hofft man. Dies wird eher an wenigen Stunden, als an zahlreichen geschehen. Eine weitere Fehlinvestition der „Energiewende“, für die wir Bürger zahlen müssen.

Ebenso irrsinnig und rein ideologisch begründet ist die Annahme:

Der Stromhandel unterstellt ein Netz ohne Engpässe.

Die Vernachlässigung der Transportkosten ist ja gerade ein zentraler Geburtsfehler von Strombörse und EEG. Gibt es auch eine staatliche Tankerflotte, die kostenlos billiges Erdgas nach Europa transportiert? Wer von der Preisdifferenz zwischen USA und Europa profitieren möchte, muß sich völlig selbstverständlich Tanker auf eigene Kosten chartern. Woher leitet ein Windmüller daher ab, daß sein billiger Strom aus der Nordsee (Standortvorteil) kostenlos nach Süddeutschland transportiert wird? Wer Produktionsanlagen weit entfernt von Verbrauchern baut, muß auch selbst für den Transport aufkommen.

Ein weiterer Vorschlag aus der Küche des Wirtschaftsministeriums, der die Situation nur verschlimmert:

Um Redispatchpotentiale außerhalb der Netzreserve zu erschließen, könnten beispielsweise bestehende Netzersatzanlagen mit Steuerungstechnik ausgestattet werden.

Wer bezahlt die Umrüstung und den zusätzlichen Verschleiß? Soll noch ein Stück Umweltschutz auf dem Altar des EEG geopfert werden? Netzersatzanlagen haben wesentlich geringere Umweltstandards als konventionelle Kraftwerke – was auch kein Problem ist, da sie nur im Notfall eingesetzt werden sollten. Was hat Vorrang, die Versorgungssicherheit des städtischen Krankenhauses oder die Wolke über der Photovoltaikanlage im Villenviertel?

Schön ist auch, daß das Wirtschaftsministerium zum Ideenwettbewerb aufruft:

Es ist zu klären, inwieweit die bisher aus den rotierenden Massen der Generatoren erbrachte Momentanreserve durch Energiespeicher oder Photovoltaik-Anlagen mit Umrichtern ersetzt werden kann.

Gar nicht. Es sei denn, mit Umrichter sind Motor-Generator-Sätze gemeint. Aber, spätestens wenn alle Kernkraftwerke abgeschaltet sind, bekommen unsere „Energieexperten“ noch eine Nachhilfestunde in Elektrotechnik erteilt.

Einheitliche Preiszone erhalten

Man kann es kaum unverblümter ausdrücken, daß es sich beim Stromhandel nicht um Marktwirtschaft, sondern Planwirtschaft handelt:

Dieses einheitliche Marktgebiet – auch „einheitliche Preiszone“ oder „einheitliche Gebotszone“ genannt –, ist die Grundlage dafür, dass sich deutschlandweit und in Österreich die gleichen Großhandelspreise für Strom bilden.

Transportkosten werden bewußt ausgeklammert. Wenn sonst irgendjemand weit entfernt von einer Autobahn eine Fabrik baut, muß er selbst für den Transport sorgen. Der niedrige Grundstückspreis und ein geringes Lohnniveau als Marktsignal, lassen sich unmittelbar gegen die erhöhten Transportkosten aufrechnen. Anders im Stromhandel. Hier gibt es keine Transportkosten. Die Verbraucher müssen dem cleveren Investor einen Autobahnanschluß bis vor dessen Türe bauen. Im Volksmund würde man so etwas als schmarotzen bezeichnen.

Wenige Absätze später, wird diese zentrale planwirtschaftliche Säule des EEG-Systems deshalb noch einmal ohne wenn und aber bekräftigt:

Die Möglichkeit, den Strom versorgungssicher und effizient im Netz zu transportieren, ist die Voraussetzung für den Erhalt der einheitlichen Preiszone.

Wohlgemerkt, wir reden hier von zwei- bis dreistelligen Milliardenbeträgen, die in die Übertragungs- und Verteilnetze investiert werden müssen, damit die Windmüller und Sonnenstromer ihr Produkt überhaupt zum Verbraucher transportieren können. Eine der gigantischsten Umverteilungen von unten (alle Stromverbraucher) nach oben (wenige Produzenten), die je in dieser Republik statt gefunden haben.

Die europäische Kooperation intensivieren

Ein echter politischer Hammer ist die folgende Aussage:

Wenn Strom in das Ausland exportiert wird, profitieren die ausländischen Stromverbraucher vom günstigen Strom in Deutschland, während deutsche Stromerzeuger zusätzliche Erlöse erzielen und dort teilweise die Konkurrenz verdrängen.

Ist das wirklich das politische Ziel dieser Regierung? Deutsche Kleinrentner etc. machen sich für ausländische Stromkunden krumm, damit deutsche Stromerzeuger – gemeint sind ja wohl eher Windmüller und Sonnenfarmer – reicher werden? Wie lange glaubt man hier, daß sich unsere Nachbarn diesen Angriff auf ihre Arbeitsplätze gefallen lassen?

Geradezu schizophren sind die folgenden Sätze:

Dies gilt auch, weil die Bedeutung dargebotsabhängiger erneuerbarer Energien und damit stochastisch verfügbarer Erzeugung wächst. Durch die großräumigen Ausgleichseffekte bei den Höchstlasten und dem Beitrag der erneuerbaren Energien zur gesicherten Leistung besteht im europäischen Binnenmarkt grundsätzlich ein geringerer Bedarf an Erzeugungskapazität, Lastmanagement und Speichern.

Also die stochastische (zufällige) Erzeugung durch „Erneuerbare“wächst und dadurch nimmt die gesicherte Leistung zu. Das hat etwas von der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria. Nur kommt man mit einem Glaubensbekenntnis bei der Stromerzeugung nicht weiter. Technik ist eben keine Religion!

Unabhängig davon, für welches Strommarktdesign sich Deutschland, seine Nachbarländer oder andere EU-Mitgliedstaaten entscheiden, sollten beispielsweise gemeinsame Regeln geschaffen werden für Situationen, in denen in mehreren gekoppelten Strommärkten gleichzeitig relativ hohe Strompreise im Großhandel beobachtet werden.

Autsch! Kriegt da jemand Angst, daß unsere Nachbarn doch nicht bei Dunkel-Flaute bedingungslos einspringen? Bekommt jemand Bedenken, daß unsere Nachbarn das Gefasel von „Marktsignalen“ wörtlich nehmen und den Preis verlangen, der bezahlt werden muß? Bisher war so etwas ausgeschlossen. Jeder mußte ausreichende Reserven vorhalten. Nur in echten Notfällen – Flaute und Dunkelheit zählen nicht dazu – sind dann die Nachbarn vorübergehend für einander eingesprungen. Aber das ist der Unterschied zwischen Nachbarschaftshilfe und Schmarotzertum.

Netzentwicklungsplan 2015

– die Vollendung der Planwirtschaft?

Die Übertragungsnetzbetreiber haben den Szenariorahmen 2014 als Grundlage für die Netzentwicklungspläne 2015 veröffentlicht. Alle sind zur Diskussion aufgerufen. Nicht ganz unwichtig, da dieser Plan zur ersten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans durch den Bundesgesetzgeber führt.

Wie es sich für eine anständige Planwirtschaft gehört, muß der Deutsche Bundestag alle drei Jahre einen neuen „Bundesbedarfsplan“ verabschieden. Wesentlicher Teil des Bundesbedarfsplans ist eine Liste künftiger Höchstspannungsleitungen. Wer es noch nicht ganz verstanden hat: Es gehört zur ehrenvollen Aufgabe unserer Bundestagsabgeordneten zu entscheiden, wo, welche Höchstspannungsleitung gebaut wird. Da natürlich keiner unserer Abgeordneten so richtig sattelfest in Elektrotechnik sein dürfte, läßt man sich diesen Plan über die Bundesnetzagentur vorlegen. Man braucht dann nur noch mit ja oder nein abstimmen und dafür ist bekanntermaßen keinerlei (Fach)wissen nötig. Nun gibt es aber ein gewisses Restrisiko, in der Form des nächsten Wahltermins. Deshalb bezahlt man eine ganze Scharr von Hofnarren, auf die man gegebenenfalls alles abschieben kann. Die wollen aber natürlich auch nicht ganz allein im Regen stehen und lassen sich deshalb Vorgaben von den Politikern machen. Damit hat man den perfekten Regelkreis der organisierten Verantwortungslosigkeit erschaffen.

Fragt doch mal die Maus!

Nachts ist es dunkel. In Deutschland ist es besonders im Winter ganz schön lange dunkel. Es weht auch oft gar kein Wind – dummerweise gerade auch im Winter, wenn es kalt und dunkel ist. Das hat man immer und immer wieder, so gemessen! Die Natur ist einfach gemein, die will einfach nicht auf die guten Onkel und Tanten mit grüner Gesinnung hören. Weil die Natur nun so ist, wie sie ist, braucht man zu 100 % eine Absicherung durch konventionelle Kraftwerke. Speicher, die den Stromverbrauch von Deutschland für mehrerer Tage speichern könnten, gibt es nicht. Wird es auch wahrscheinlich nie geben. Ganz zu schweigen, von den Kosten und der Umweltbelastung.

Nicht weniger schlimm, ist es aber, wenn der Wind mal kräftig weht und die Sonne scheint. Dann wird plötzlich viel mehr Strom produziert, als wir überhaupt in Deutschland verbrauchen können. Dann müssen wir jedes mal unseren Nachbarn richtig Geld bezahlen, damit sie für uns den Stromabfall entsorgen. Und genau dafür, brauchen wir die vielen neuen Stromleitungen, die so schön in unsere Landschaft passen. Ist doch super, oder? Bezahlen dürfen wir auch gleich doppelt, nicht nur für die vielen Stromleitungen, sondern auch für Produktionskosten an die Windmüller und die schlauen Sonnenmännchen. Unser zuständiger Minister, der „Sigi Pop“ sagt zwar, daß uns unsere Nachbarn für bekloppt halten, aber das kann uns doch egal sein, da stehen wir einfach drüber. So, liebe Abgeordneten, eigentlich wisst ihr jetzt alles, was ihr für die Abstimmung braucht. Seit mal ehrlich, wenn euch das mit dem Euro auch mal einer so einfach erklärt hätte….

Das Verfahren

Die Politik macht eine Vorgabe wieviel elektrische Energie in der Zukunft erzeugt werden soll. Dafür ermitteln die Übertragungsnetzbetreiber ein Leitungssystem, welches diese Vorgabe erfüllen könnte. Abschließend verabschiedet der Bundestag ein Gesetz, in dem diese Höchstspannungsleitungen festgeschrieben werden.

Eigentlich sollte der Unterschied zwischen einer rechnerischen und einer realen Größe jedem Politiker geläufig sein. Addiert man beispielsweise alle Einkommen und teilt diese Summe durch die Anzahl der Einwohner, erhält man den Mittelwert des Pro-Kopf-Einkommens. Das sagt aber nichts darüber aus, wieviel Kleinrentner und Millionäre es gibt! Gibt man nun den prozentualen Anteil an „Erneuerbaren“ vor (konkret 40 bis 45% in 10 und 55 bis 60% in 20 Jahren), ergibt das noch lange keine Einsparung an fossilen Energien. Am anschaulichsten läßt sich dies am Beispiel der Sonnenkollektoren erklären: Nachts ist es dunkel. Will man nun einen bestimmten Anteil des verbrauchten Stroms durch Sonnenenergie gewinnen, müßte man diesen Anteil notgedrungen ausschließlich am Tage produzieren. Rechnerisch erscheint das – zumindest in Grenzen – möglich, real ist es jedoch ohne Speicher physikalisch unmöglich. Wenn man keine Speicher hat, muß man die volle Leistung durch konventionelle Kraftwerke bereit halten. In der Realität ist die Sache aber noch ungünstiger. Der Wind weht relativ selten bzw. überwiegend schwach und die Sonne scheint noch weitaus seltener mit der Leistung auf dem Typenschild. Jedenfalls kann nicht einmal der Mix aus „Erneuerbaren“ mit einer Energieeffizienz von 40 % aufwarten. Die Physik und die Meßwerte (z. B. Energiestatistik von Deutschland) sprechen eine eindeutige Sprache. Warum soll aber diese einfache Erkenntnis eine solche Tragweite haben?

In einem Stromnetz muß zu jedem Zeitpunkt ein Gleichgewicht zwischen erzeugter und verbrauchter Leistung bestehen. Die absolute Obergrenze die man theoretisch einspeisen könnte, ist also die momentan verbrauchte Leistung. Technisch, ist die mögliche Leistung noch wesentlich geringer. Es gibt nur zwei Möglichkeiten mit diesem Problem umzugehen: Entweder man regelt die „Erneuerbaren“ ab, was ihre ohnehin schon geringe Energieeffizienz weiter verschlechtern würde und ihre Kosten in schwindelerregende Höhen treiben würde oder man vergrößert das Netz. Um es noch einmal mit anderen Worten ganz deutlich zu sagen: Der einzige Grund für den geplanten Netzausbau ist, den Abfallstrom aus den Regionen mit Überproduktion abzutransportieren. Nur diesem einzigen Zweck dient der ganze Zirkus. Würde man zu dem alten Grundsatz zurückkehren, Strom dort zu produzieren, wo man ihn auch braucht, würde man auch keine zusätzlichen Höchstspannungstrassen brauchen.

Dem ganzen Ansatz, das Problem von nicht benötigter Leistung durch einen Netzausbau lösen zu wollen, ist ohnehin nur eine kurze Lebensdauer vergönnt. Er wird genau so lange funktionieren, wie unsere Nachbarländer gewillt sind, unseren Stromabfall aufzunehmen. Ein guter Indikator sind die zu entrichtenden Entsorgungsgebühren – auch negative Börsenpreise genannt. Spätestens, wenn die Entsorgungsgebühren höher als die Vergütung (Einspeisevorrang) für die Windmüller und Sonnenmännchen sind, wird man deren Anlagen abregeln. Bin gespannt, wann die ersten (staatlich geförderten) Verschrottungsprämien für Windräder und Sonnenkollektoren eingeführt werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lange bevor ein Anteil von 50% (produzierte Energie, also MWh und nicht nur installierte Leistung MW) Wind und Sonne an der Stromerzeugung erreicht ist.

Die Standortfrage

Einfach eine Stromleitung irgendwo hin zu bauen, nützt auch nichts. Es sollte schon ein Kraftwerk in der Nähe sein. Damit ergeben sich zwei Probleme, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen. Einerseits muß man Voraussagen, wo, welche konventionellen Kraftwerke stehen und andererseits wo die „Erneuerbaren“ gebaut werden. Wenn sich die Standorte nicht decken – was wahrscheinlich ist – braucht man auch noch doppelte Leitungen. Außerdem sind die Leitungen für die „Erneuerbaren“ sehr viel kostspieliger, weil sie wegen deren geringen Effizienz ebenfalls nur schlecht ausgelastet sein können.

Konventionelle Kraftwerke

Es ist politisch gefordert, konventionelle Kraftwerke abzuschalten. Außerdem gibt es auch noch unterschiedlich „politisch korrekte Kraftwerke“: Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle Erdgas usw.

Inzwischen hat es sich rum gesprochen, daß auch ein Kraftwerk mindestens seine Kosten (Kapital, Brennstoff etc.) einnehmen können muß (Strompreise). Spätestens, wenn die Brennstoffkosten die Stromvergütung übersteigt, ist es an der Zeit, das Kraftwerk abzuschalten. Leider, richten sich gerade die Brennstoffpreise nicht nach den Idealen der Politiker. Auch die planwirtschaftlichen Ideen einer „Brennstabsteuer“ und einer „CO2.-Abgabe“ waren bisher nicht besonders hilfreich.

Wie lösen nun unsere „Szenario-Bastler“ das Problem? Jedes Kraftwerk bekommt eine Lebensdauer zugewiesen. Modelltechnisch eine elegante Lösung. Nur bitte, was soll die Lebensdauer eines Kraftwerks sein? Die technische Lebensdauer eines Kraftwerks ist theoretisch unendlich, da man immer wieder reparieren und modernisieren kann. Es gibt nur eine wirtschaftliche Lebensdauer, die freilich viel schwerer zu definieren ist. In ihr schlummert jede Menge politischer Willkür! In des Wortes Bedeutung, kann jede Flutwelle im fernen Asien das politisch erzwungene aus bedeuten. Die „klimafreundlichen“ und „flexiblen“ Gaskraftwerke können in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden, wenn ein Diktator in Moskau mit dem falschen Bein aufsteht. Ausgerechnet Braunkohle und Kernenergie haben den geringsten Brennstoffpreis und bieten die höchste Versorgungssicherheit – oder ist genau das der Grund, warum sie so bekämpft werden?

Also, liebe Politiker, sagt ihr uns Ingenieuren mal, welche Kraftwerke ihr haben wollt. Wir sagen euch dann, was ihr dafür für Mittel in eurem Haushalt bereitstellen müsst. Ein bischen Planwirtschaft geht genauso wenig, wie ein bischen schwanger sein. Eine Regierung, die sich anmaßt über Stromleitungen zu entscheiden, wird doch wohl auch noch sagen können, welche Kraftwerke wohin sollen. Das ging doch in der DDR auch ganz gut und 40 Jahre muß doch keiner von euch mehr im Amt bleiben. Wir bringen auch an jedem Kraftwerk eine Bronzetafel mit euren Namen an.

Die Rolle der Energiekombinate

Aber unsere Energiekombinate sind keinen Deut besser. Anstatt der Öffentlichkeit mal klaren Wein einzuschenken, hängen sie an den Lippen irgendwelcher Politiker und verzapfen lieber dämliche Werbekampagnen. Mit Unternehmertum hat das schon lange nichts mehr zu tun. Vielleicht ist aber auch das bewusstes handeln, um ein Gesellschaftssystem zu diskreditieren und letztendlich zu zerstören. Mein Mitleid für Massenentlassungen und sinkende Dividenden hält sich jedenfalls immer mehr in Grenzen.

Wer das für übertrieben hält, soll mir mal erklären, warum man in der Netzstudie von einem Abnehmen der Kraftwerkskapazität und dem zukünftigen Strombezug aus dem Ausland ausgeht.

Die Rolle Europas

Das wäre nach meinem Verständnis von Demokratie, eine Debatte die ins Parlament gehört: Wollen wir in Deutschland noch elektrische Energie selbstbestimmt produzieren oder zukünftig nur noch abhängig aus dem Ausland beziehen? Bundespolitiker, die ernsthaft über den Verlauf von Stromleitungen abstimmen wollen, sollten vielleicht besser mal über ihr Selbstverständnis als Bundestagsabgeordnete nachdenken. Im Szenario wird ein zunehmender Stromhandel als gewünscht vorausgesetzt. Angeblich hat der nur Vorteile. Was soll ein „europäischer Stromhandel“ eigentlich sein? Selbstverständlich liegen die Verbrauchsschwerpunkte von Antwerpen und Rotterdam nahe am rheinischen Braunkohlerevier und die tschechischen Kernkraftwerke fast in Sichtweite von Bayern. Aber wollen wir wirklich polnischen Kohlenstrom nach Spanien transportieren und griechischen Sonnenstrom nach Dänemark? Wie soll man die putzigen Diagramme über „Simulationen“ von ganz Europa interpretieren? „Referenzzeitpunkt Januar 19.00“: Um 19.00 Uhr (wahrer) Ortszeit ist es in ganz Europa schon ganz schön dunkel im Januar! Gerade im Januar gibt es ausgeprägte Hochdruckwetterlagen, die zur Flaute in ganz Zentraleuropa führen. Müssen dann beispielsweise die französischen Kernkraftwerke Deutschland versorgen oder dürfen sie ihre eigene Bevölkerung bevorzugen? Wäre es nicht fair, wenn die Franzosen als Ausgleich für die „Strahlenbelastung“ weiter arbeiten dürften und abends eine warme Wohnung vorfänden? Die Deutschen könnten sich ja zum warm tanzen um ihre Windmühlen versammeln.

Wer selbst nichts produziert, hat auch nur noch geringen Einfluß auf die Produktionsweise. Wer keine „Chlorhühnchen“ will, muß halt selber Hühner nach seinen Vorstellungen produzieren, sonst muß gegessen werden, was auf den Tisch kommt – oder man verzichtet gleich ganz aufs Essen.

Prognosen des Stromverbrauches

Prognosen sind Vorhersagen, bei denen man Nachfrage und Angebot vorhersagen muß, die sich aber auch noch gegenseitig beeinflussen. Das macht das Funktionieren einer jeden Planwirtschaft prinzipiell unmöglich. Das Szenario macht es sich nun besonders einfach, indem es die Nachfrage in den nächsten zwanzig Jahren als wesentlich konstant annimmt (mit 600 TWh Jahresenergieverbrauch bei 86 GW Spitzenlast). Man geht lediglich von den politischen Vorgaben der jährlichen Ausbauraten an „Erneuerbaren“ aus. Schon der konventionelle Kraftwerkspark soll sich daraus ergeben, wird angenommen.

Das Angebot in Form von Strompreis und Verfügbarkeit bestimmt aber schon mittelfristig ganz entscheidend die Nachfrage: Je mehr die Strompreise steigen, je mehr Betriebe werden in Deutschland keine Ersatz- und Neuinvestitionen mehr tätigen. Der Stromverbrauch der Industrie wird im Rhythmus der Betriebsschließungen sinken. Aber auch die Sektoren Handel und Handwerk sind betroffen. Zwar ist der Verbrauch der Privathaushalte sehr unelastisch – da hilft auch kein Glühbirnenverbot, keine Zwangsabschaltung von Kaffeemaschinen und keine Staubsaugerattrappen – aber der geringer werdende Konsum wirkt indirekt: Den Euro für die Stromrechnung kann man nicht noch einmal zum Becker tragen, der selbst seine Preise ständig wegen der steigenden Energiekosten erhöhen muß. Konsequenz: Man kauft halt weniger Kuchen. Öko-Sozialismus ist eine Abwärtsspirale, die im Moment noch langsam zunimmt, aber immer enger wird.

Fazit

Dieses Verfahren ist eine einzige Farce. Wenn Politiker über Stromleitungen entscheiden wollen, soll man ihnen eine Karte und ein paar Filzstifte geben. Jeder Abgeordnete kann dann „seine Lieblingsleitung“ einzeichnen. Er muß dann allerdings auch die alleinige Verantwortung dafür übernehmen. Einfach populistisch eine – zudem auch noch völlig unrealistische – Bandbreite vorgeben (40 bis 45% Anteil in zehn Jahren), geht nicht. So einfach, kann man sich nicht aus der Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Nation stehlen. Die Kritik trifft aber nicht nur die Politiker allein. Die Übertragungsnetzbetreiber und Energieversorger müssen endlich ihre Verantwortung als Unternehmer übernehmen. Immer nur aus Bequemlichkeit an den Lippen der Politiker kleben und möglichst in vorauseilendem Gehorsam jeden Wunsch erfüllen, ist auf Dauer tödlich. Am Ende ist das Kapital der Aktionäre verbrannt und die Arbeitsplätze der Arbeitnehmer vernichtet. Vielleicht ist aber gerade das, der Zweck der „Energiewende“.

Stromautobahn oder Schmalspurbahn?

Stück für Stück kommt nun auch die Wahrheit über den „Netzausbau“ ans Licht. Die ersten Bürgerproteste und Reaktionen der Lokalpolitiker gehen durch die Presse. Ein neues, aufregendes Kapitel der „Energiewende“ beginnt.

Versorgung oder Entsorgung?

Zuerst sollte man einmal den Sinn und Zweck dieser neuen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) hinterfragen: Dient sie der Versorgung von Süddeutschland mit elektrischer Energie oder vielmehr der Entsorgung norddeutscher Küsten vom Abfallstrom? Durchaus zwei völlig verschiedene Ansätze, die noch zahlreiche Juristen beschäftigen werden. Noch funktioniert die Stromversorgung in Bayern, nicht zuletzt wegen der hohen Eigenerzeugung der lokalen Kernkraftwerke (Isar2, Grafenrheinfeld, Gundremmingen mit zusammen 5.257 MWel.). Jedenfalls ist noch kein Blackout eingetreten. Diese Gefahr soll erst durch deren Abschaltung heraufbeschworen werden, damit die Anhänger der Planwirtschaft richtig zuschlagen können. Apropos Richtung: Selbst, wenn man gegen die vorhandenen Kernkraftwerke ist, könnte man diese durch konventionelle Kraftwerke oder Stromimporte aus dem benachbarten Ausland ersetzen. Will man partout keine eigenen Kraftwerke (Arbeitsplätze und Steuereinnahmen), könnte man sie leicht und schnell „hinter der Grenze“ bauen. Die Lage ist also alles andere als alternativlos – jedenfalls für Bayern.

Schauen wir uns deshalb etwas näher den Anfang dieser Stromtrasse an. Wenn dort der Wind mal richtig weht – das heißt nicht zu schwach und auch wieder nicht zu stark – versinkt Norddeutschland in elektrischer Energie. Selbstverständlich gehört es zur unternehmerischen Freiheit, ein Solarium in der Sahara zu errichten. Nur gehört zum Unternehmer auch das Risiko tragen zu müssen. Eine Tatsache, die bei deutschen Energieversorgern längst verdrängt worden ist. Wenn man nach der Fertigstellung feststellt, daß die Kunden nicht Schlange stehen, weil die Wüste zu gering bevölkert ist, kann man dafür nicht Menschen in einer Entfernung von über tausend Kilometern verantwortlich machen. Fairerweise muß man unseren Kombinatsleitern zubilligen, daß sie die Windmühlen nicht als leuchtende Köder für die zahlreicheren Fische einsetzen wollten. Jedenfalls haben sie sich die erforderliche Bauzeit für die Anschlüsse an die Küste von uns Stromkunden fürstlich vergüten lassen. An der Küste treffen nun diese Windmühlen auf zahlreiche „Windparks“, die dort unter tatkräftiger Förderung lokaler Politiker aus dem Boden gestampft wurden – alles wegen der „grünen Arbeitsplätze“ – denn sonst ist da nicht viel los! Wohin aber nun mit dem Abfallstrom, den man selbst gar nicht verbrauchen kann und den auch sonst keiner haben will, weil einfach viel zu teuer? Ab ins reiche Bayern als eine weitere Variante des Länderausgleich, könnte man meinen.

Kernenergie versus Wind

Die neue Stromtrasse soll bei den Kernkraftwerken enden. Es ist durchaus sinnvoll, die dort vorhandenen Stromleitungen weiter zu nutzen. In erster Linie geht es jedoch darum, den Eindruck zu erwecken, man ersetze den „Atomstrom“ durch „Erneuerbare Energien“. Physikalisch ist das natürlich unmöglich: Man kann konventionelle Kraftwerke nicht durch Windenergie ersetzen, da der Windstrom so zufällig wie das Wetter ist! Wirtschaftlich ist es unsinnig, da man (selbst bei Windparks in der Nordsee) mehr als die vierfache Leistung benötigt, um die gleiche Energie erzeugen zu können. Die bayrischen Kernkraftwerke haben eine Arbeitsverfügbarkeit von durchweg 90 %, während die Windenergie in Ost- und Nordsee auf gerade mal 20 % kommt. Wohlgemerkt, das sind die tatsächlich gemessenen Werte und nicht irgendwelche Phantasiewerte der Schlangenölverkäufer. Da es auch auf hoher See mehrtägige Flauten und Orkane gibt, kommt man nicht umhin, die Kernkraftwerke trotzdem durch fossile Kraftwerke zu ersetzen. An dieser Stelle wird es noch einmal deutlich: Die neuen Stromtrassen können nicht zu einer sicheren und unterbrechungsfreien Stromversorgung von Bayern dienen. Sie dienen lediglich zur Verteilung von Stromabfall aus Norddeutschland. Bisher gibt es nicht einmal „überzählige Kraftwerke“ in Norddeutschland, die die bayrischen Kernkraftwerke ersetzen könnten: Weht kein Wind an der Küste, brauchen die ihre Kohlekraftwerke selber, um die Großräume von Hamburg, Bremen und Berlin ausreichend mit Strom zu versorgen.

Ein Solitaire ist kein Stromnetz

Besonders aberwitzig ist, eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) bauen zu wollen. Gleichstrom und Drehstrom sind physikalisch verschieden und lassen sich nicht einfach mischen! Man muß den erzeugten Drehstrom erst aufwendig in Gleichstrom umwandeln und später wieder zurück wandeln. Beides ist mit Verlusten behaftet und erfordert sehr kapitalintensive Anlagen. Wirtschaftlich lohnt sich das nur, bei sehr großen Entfernungen durch dünn besiedelte Regionen. Man kann nämlich nirgendwo unterwegs Strom abzweigen, um ihn in lokale Netze einzuspeisen. Der Gleichstrom müßte erst wieder in Wechselstrom gewandelt werden. Die Bezeichnung „Stromautobahn“ ist bewußt irreführend. Auf einer Autobahn kann man mit jedem Kraftfahrzeug mit dem man im sonstigen Straßennetz fahren kann, ebenfalls fahren. In Berlin sogar einmal im Jahr mit dem Fahrrad. Die Bezeichnung „Schmalspurtrasse“ wäre treffender. Genauso, wie man mit keinem Normalspurwaggon auf einer Schmalspur fahren kann und erst alles aufwendig (zweimal) umladen muß. Eine solche HGÜ-Trasse bleibt ewig ein Fremdkörper im vorhandenen (europaweiten) Stromnetz.

Wäre das Stromnetz in Deutschland in der Lage, auch ohne die Kernkraftwerke in Süddeutschland die Versorgungssicherheit aufrecht zu halten, bräuchte man keine zusätzlichen Stromleitungen. Andererseits bringt eine einzelne HGÜ-Trasse fast nichts für die Bayrische Versorgungssicherheit. Fällt nämlich diese einzelne Leitung (Eisregen, Sturm, Unfälle, Terrorismus etc.) aus, müßte das vorhandene Netz die Versorgung sicher übernehmen können. Ein Widerspruch in sich! Es ist die alt bekannte Salamitaktik, die hier angewendet werden soll. Erst mal eine Milliarde versprechen, aus denen dann ohnehin drei werden und dann das bereits vergrabene Geld als Begründung für weitere notwendige Kosten nehmen. Michel, wann lernst du endlich dazu!

Die Kosten

Die Kosten sind immens. Um die Regeln für Netzwerke (z. B. N-1) einhalten zu können, wird man noch mehrere HGÜ-Trassen durch Deutschland schlagen müssen. Das ist halt der Preis, den man für eine zentrale Versorgung zahlen muß. Schon unsere Großväter haben aus gutem Grund, viele Kraftwerke möglichst nah am Verbraucher gebaut. Wir können aber gerne die Fehler anderer Kontinente nachmachen.

Interessant wird sich die Finanzierung gestalten. Bei einer Stromtrasse für Windkraft, muß man von einer sehr geringen Auslastung (unter 20%) ausgehen. Dies treibt die Kosten pro transportierter kWh in Schwindel erregende Höhen. Hinzu kommt ein enormes wirtschaftliches Risiko. Bei der einseitigen Ausrichtung auf Windparks in der Nordsee, ist dies kaum zu kalkulieren. Wer kann garantieren, daß dieses tote Pferd von einer uns noch völlig unbekannten Regierung in 10 oder 20 Jahren noch geritten wird? Wer vermag heute voraus zu sagen, in welche Höhen der Strompreis in Deutschland durch die Laiendarsteller und Schlangenölverkäufer noch getrieben wird? Wo liegt die Schmerzgrenze, die zumindest von der Wirtschaft nicht mehr getragen werden kann? Was hätte das für Konsequenzen, da nicht einmal unsere Nachbarn gewillt sind, diesen Irrweg nach zu machen? Was es für eine Volkswirtschaft bedeutet, wenn Milliardenkredite bei Immobilien platzen, zeigen übrigens Spanien und Irland eindrucksvoll (dort war es ein durch die Politik erzeugter Bauboom bei Wohnungen).

Die tolle Idee einer Bürgerbeteiligung dürfte sich schon vor dem Start in Luft aufgelöst haben. Der Bürger hat dank Prokon gelernt, was es bedeutet, wenn das Risiko der Windkraft von Banken als zu hoch eingeschätzt wird. Es war – wie immer – ein sicheres Zeichen für ein totes Geschäftsmodell, aus dem nichts mehr herauszuholen ist.

Ein möglicher Ausweg

Man macht endlich Schluß mit dieser „Energiewende“, an deren Ende nicht nur die Zerstörung unserer Volkswirtschaft und Natur steht, sondern unserer gesamten Gesellschaft. Sind die Lehren aus der „DDR“ schon so schnell vergessen? Diesmal wird es kein Beitrittsgebiet geben. Diesmal, wird die Suppe bis zum letzten Tropfen selbst ausgelöffelt.

Wenn die Bayern ihre Kernkraftwerke nicht mehr mögen, sollten sie sich selbst um Ersatz kümmern. Wer Kernkraftwerke generell ablehnt, muß sich entsprechende Kohlekraftwerke als Ersatz bauen. Wer als Entscheidungsträger nicht durchsetzungsfähig ist, sollte neue Kraftwerke gleich hinter der Grenze bauen. In Polen und Tschechien sind (gut bezahlte) Arbeitsplätze noch heiß begehrt.

Der „Netzausbau“ ist nach den Sonnenkollektoren und den Windparks auf hoher See, die dritte Schnapsidee. Jetzt soll auch noch unser funktionierendes und robustes Stromnetz auf dem Altar der Planwirtschaft geopfert werden. Nach zweimal Sozialismus, sollten wir uns endlich mal eine „Irrtumskultur“ zulegen und diesmal rechtzeitig vor dem Zusammenbruch aufhören, unseren (Alb)Träumen nachzujagen.

Wende der „Energiewende“?

Die „Energiewende“ scheint unwiederbringlich ihren Zenit überschritten zu haben. Um so hektischer und peinlicher werden die Rettungsvorschläge. Immer heftiger wird der „Ausstieg aus dem Ausstieg“ dementiert.

Der dreidimensionale Schraubstock der Strompreise

Langsam dämmert es immer mehr Menschen in Deutschland, daß sie durch die ständig steigenden Strompreise mehrfach ausgequetscht werden:

  1. Jedes mal, wenn die Stromrechnung wieder etwas höher ausgefallen ist, geht ein Stück vom Kuchen des eigenen Einkommens verloren. Den Euro, den man an seinen Energieversorger bezahlt hat, kann man nicht noch einmal ausgeben. Nicht für Urlaub usw. – nein, auch nicht für die Anschaffung eines neuen Kühlschrankes mit Energie-Spar-Aufkleber! Mag das Stück vom Kuchen manchem auch klein erscheinen, so ist das sehr relativ: Bei Rentnern, Studenten, Arbeitslosen etc., ist der Kuchen des Familieneinkommens meist recht klein. Strompreise sind sozialpolitisch die Brotpreise von heute! Last euch das gesagt sein, liebe Genossinnen und Genossen von der SPD!
  2. Jedes Unternehmen benötigt elektrische Energie! Die Ausgaben für „Strom“ sind genau so Kosten, wie Material und Löhne und müssen damit über die Preise an die Kunden weiter gegeben werden. Hier zahlen wir zum zweiten Mal! Selbst „ökologisch wertvolle Betriebe“ sind davon nicht ausgenommen: So macht allein die „EEG-Abgabe“ bei den Berliner Verkehrsbetrieben 20 Millionen Euro pro Jahr – Kosten oder Nicht-Kosten – aus. Wie war das doch noch mal, liebe Grün-Alternativen? Sollten wir nicht mehr mit der Bahn fahren? Wegen „Klima“ und so?
  3. Kosten sind Kosten. Steigen die Energiekosten, müssen andere Ausgaben gesenkt werden. Das werdet ihr spätestens bei den nächsten Tarifverhandlungen noch lernen, liebe Gewerkschaftsfunktionäre. Vielleicht auch nicht mehr, weil eure Betriebe bereits dicht gemacht haben. Die Goldader, die jedes Unternehmen angeblich im Keller hat, von der ihr nur ein größeres Stück abschlagen müsst, war nur ein Märchen. Sonst hättet ihr das ja auch schon längst gemacht, gelle?

Um es noch einmal klar und deutlich in einem Satz zu sagen: Steigende Energiepreise bedeuten höhere Ausgaben bei steigenden Preisen und sinkenden Einkommen. Wer das Gegenteil behauptet, lügt! Mögen die Lügen auch in noch so wohlklingende Worte verpackt sein.

Der klassische Verlauf

Es ist immer der gleiche Ablauf, wenn sich Politiker anmaßen, die Gesellschaft zu verändern. Egal, ob über „Bauherrenmodelle“, „Filmfonds“, „Abschreibungsmodelle für Containerschiffe“ oder eben das „EEG“. Am Anfang steht eine Vision von einem angeblichen Mangel. Flugs nimmt die Politik einen Haufen fremdes Geld – besser gesagt unser aller Geld – in die Hand und verteilt dieses um. Am unbeliebtesten ist dabei der Einsatz von Haushaltsmitteln – schließlich hat man ja noch eine Menge anderer toller Ideen. Früher waren sog. „Sonderabschreibungen“ ein probates Mittel die Gier zu befriedigen. Leider wurde von den Investoren meist übersehen, daß der Staat nur Steuern stundet, nicht aber verschenkt. Das ökosozialistische Ei des Kolumbus war die Schaffung eines Schattenhaushaltes in der Form des „EEG“ durch „Rot/Grün“. Allen Modellen gemeinsam, ist die Gier und Unwissenheit potentieller Investoren.

Aus letzterem Grund ist der zeitliche Ablauf immer gleich: Sobald das Gesetz verabschiedet ist, schlagen die Profis aus den Banken etc. zu. Sie machen tatsächlich Gewinne. Nach einer gewissen Zeit jedoch, sind die besten Grundstücke usw. vergeben. Gleichzeitig steigen durch die erhöhte Nachfrage die Preise der Hersteller. Jetzt schlägt die Stunde des (halbseidenen) Vertriebs. Profis, wie Banken, steigen aus und verscherbeln ihre Investitionen mit Gewinn an die Kleinanleger. Jetzt werden die Laien skalpiert. Selbst diese Phase geht bei Wind, Sonne und Bioenergie langsam zu Ende. Der letzte Akt beginnt.

Unternehmen, die sich die Sache in ihrer Gier bedenkenlos schön gerechnet haben, gehen Pleite. Die Investoren verlieren nicht nur ihr Geld, sondern leiten eine Abwärtsspirale ein: Ihre Objekte kommen nun auf den Markt und erzielen nur noch reale Preise, die meist deutlich unter den Herstellungskosten liegen. Die Verwerter stehen bereit. Wie schnell die Preise bei Zwangsversteigerungen purzeln, kennt man z. B. von den „Bauherrenmodellen“ nach der Wende. Dies betrifft aber nicht nur diese gescheiterten Investoren. Plötzlich machen neue Preise die Runde. Über Nacht ist kein Investor mehr bereit, die überhöhten Preise zu bezahlen. Es entsteht schlagartig ein enormer Kostendruck auf der Herstellerseite. Der größte Teil der Hersteller wird in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden. Ganz so, wie die aufgeblähte Bauindustrie nach der Wende.

Interessant ist, wie die eigentlichen Täter, die Politiker reagieren. Sie schreien unverzüglich: Haltet den Dieb! Nicht etwa die „Energiewende“ ist schuld, sondern es müssen schärfere Kapitalmarktkontrollen zum Schutz der Anleger her. Man erblödet sich nicht, Jahrzehnte alte Finanzinstrumente (Genußscheine) in Verruf zu bringen. Ganz so, als würde sich ein Schnapsfabrikant hinstellen und die Flaschenhersteller dafür verantwortlich machen, daß sie an den bedauernswerten Alkoholikern schuld tragen.

Die Milderung des Anstiegs oder die Quadratur des Kreises

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Entweder man gibt die Menge elektrischer Energie zu einem bestimmten Zeitpunkt vor und kann sich dann die erforderliche Anzahl Apparaturen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel ausrechnen oder man gibt den Zahlungsstrom vor und kann sich ausrechnen, wieviel Strom man dafür erhält. Beides gleichzeitig geht nicht, weil beides streng voneinander abhängt. Soll keiner nachher wieder sagen, man hätte ja nichts davon gewusst oder eigentlich wäre eine „Energiewende“ ja ne tolle Sache gewesen.

Der neuerdings propagierte sanfte Ausbau, hat allerdings seine Logik. Es ist die Logik des Machterhalts. Würde man eingestehen, daß die „Energiewende“ Unsinn ist, würde man die „systemrelevante“ Frage nach der Allwissenheit der Politik stellen. Wenn man einmal zugibt, daß der Kaiser nackend ist, ist die Nomenklatura am Ende. Deshalb muß weiter gelten: Die Partei hat immer recht. Jedenfalls so lange, bis die Mehrheit des Volkes nicht mehr bereit ist, dieses Spiel mit zu spielen. Dann ist wieder einmal „Wendezeit“.

Mancher Politiker bekommt langsam Ohrensausen. Wer noch einen Rest von „Kontakt zum Volk“ hat, merkt den wachsenden Zorn über steigende Strompreise. Wenn jetzt auch noch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hinzukommt, könnte die Sache eng werden.

Der Popanz von den bösen Kapitalisten, die ihren Anteil an der „Ökostromumlage“ nicht zahlen wollen, kann nur bei besonders einfältigen oder gläubigen Menschen verfangen. Menschen, die etwas aus der Geschichte gelernt haben, sehen die Gefahr der „Ulbrichtfalle“ aufziehen: Je mehr Unternehmen ihre Standorte ins Ausland verlagern, um so mehr lukrative Arbeitsplätze gehen verloren. Den Unternehmen werden wieder die Menschen in Richtung Freiheit und Wohlstand folgen. Wie soll der Ökosozialismus reagieren? Mauer und Schießbefehl im Internetzeitalter?

Wie panisch die Reaktion der Politiker wird, zeigt der Plan, auch auf die sog. Eigenstromerzeugung die „EEG-Umlage“ zu erheben. Bisher war doch die Kraft-Wärme-Kopplung ein Bestandteil der „Energiewende“. Unternehmen, die „energieeffizient“ waren, haben sich solche Anlagen gebaut. Oft genug, am Rande der Wirtschaftlichkeit. Jetzt sollen sie mit der „EEG-Umlage“ dafür bestraft werden. Natürlich mit einem etwas geringeren Satz. Hier wird wieder einmal unverhohlen gezeigt, daß es gar nicht um Umweltschutz geht, sondern nur darum, „die Belastbarkeit der Unternehmen zu testen“. Klassenkampf in Reinkultur. Die gleichen Funktionäre, die immer von dem notwendigen Investitionsschutz säuseln (wenn es um die Photovoltaik auf dem Dach der eigenen Klientel geht), gehen mit Eigentumsrechten bei Kraftwerken locker um – egal ob es sich um Kernkraftwerke oder fossile Anlagen handelt. Langsam, aber sicher, entwickelt sich Deutschland in der Eigentumsfrage immer mehr zur Bananenrepublik. Das Kapital ist aber bekanntermaßen scheu und ängstlich. Deshalb verfällt man immer mehr auf eine „Bürgerbeteiligung“. Zu was es führt, wenn sich Banken wegen des unvertretbar hohen Risikos zurückziehen (müssen), sieht man gerade am Fall Prokon.

Die Bedeutung von Leistung und Energie

Leistung (kW) ist leider nicht gleich Energie (kWh). Entscheidend bei der Berechnung der erzeugten Energie aus der Nennleistung einer Anlage (kW) ist die Zeitdauer (h), in der die Leistung des Typenschilds wirksam ist. In Deutschland beträgt diese Zeitspanne bei Photovoltaik deutlich unter 1000 Stunden pro Jahr und bei Windmühlen deutlich unter 3000 Stunden pro Jahr. Will man nun eine bestimmte Menge elektrischer Energie (z. B. 50 % oder gar 100 % des gesamten Stromverbrauches in einem bestimmten Jahr) erzeugen, muß man diesen Wert (kWh/a) durch die „Vollbenutzungsstunden“ (h/a) des entsprechenden Verfahrens teilen. Man erhält die Leistung (kW), die mindestens installiert werden muß. Da z. B. die Sonne nur recht selten scheint (nachts ist es dunkel, an vielen Tagen trübe) erhält man sehr große (rechnerische) Leistungen die installiert werden müssen. Dieser Zusammenhang ist trivial, aber ausschlaggebend für das zwingende Scheitern einer Energieversorgung ausschließlich durch „Erneuerbare Energien“. Die Sache hat nämlich zwei Harken:

  1. Wenn die Natur keine, dem momentanen Bedarf entsprechende Erzeugung (Nacht, Flaute etc.) zuläßt, muß die elektrische Leistung über konventionelle Kraftwerke bereitgestellt werden. Hierzu zählen auch alle großtechnischen Speichersysteme, da dort die Rückwandlung immer über konventionelle Verfahren führen muß (Wasserkraft, Turbinen etc.).
  2. Wenn der Wind mal richtig weht oder ein strahlend blauer Himmel vorhanden ist, ist die erzeugte Leistung sehr schnell und sehr oft größer als die gerade im Netz verbrauchte Leistung. Physikalisch gibt es nur drei Möglichkeiten, dem entgegen zu treten: Man schaltet (teilweise) Windmühlen oder Sonnenkollektoren ab, entsorgt den Überschuß in benachbarte Netze oder erhöht künstlich den Verbrauch (Speicher). Es lohnt sich, diese drei Möglichkeiten etwas näher zu hinterfragen.

Immer, wenn man gezwungen ist, Anlagen wegen Überproduktion abzuschalten, wird das für den Stromkunden sehr teuer. Die entsprechende Anlage produziert noch weniger Strom und muß diesen deshalb noch teurer verkaufen um ihre Investitions- und Betriebskosten abdecken zu können. Deshalb hat die Politik den Abnahmezwang eingeführt. Die Kosten werden bewußt auf die Verbraucher abgewälzt, um die Produzenten zu schonen. Man könnte auch sagen, weil sich die „Vollbenutzungsstunden“ (h/a) verringern, muß man zusätzliche „Schattenanlagen“ errichten, um die angestrebte Energieausbeute zu erreichen. Physikalisch betrachtet funktioniert das nicht einmal, da man zu jedem Zeitpunkt Produktion und Verbrauch im Gleichgewicht halten muß! Aus diesem Grund hat sich die Politik für den zweiten Weg entschieden. Wenn man etwas nicht gebrauchen kann, nennt man es Abfall. Um Abfall zu entsorgen, muß man immer eine Gebühr entrichten. Dies geschieht an der Strombörse: Die gewaltsame Abnahme geschieht über den Preis. Der Strompreis für den „Alternativstrom“ wird stets so niedrig angesetzt, daß er gerade noch einen Käufer findet. Ist die Energie für niemanden mehr etwas wert, muß die Entsorgung sogar bezahlt werden (negative Strompreise an der Börse). Ganz genau so, wie bei der Müllverbrennungsanlage, wo man für die Dienstleistung der Abfallbeseitigung auch eine Gebühr entrichten muß. Der dritte Weg ist uns dadurch bisher erspart geblieben: Man baut zusätzliche Stromverbraucher (z. B. zur Erzeugung von synthetischem Erdgas) und produziert damit sehr teuer ein Produkt, welches ohnehin im Überfluß vorhanden und billig zu kaufen ist. Jedenfalls erheblich billiger, als elektrische Energie! Dieses System verkauft man als „Speichertechnologie“, weil man anschließend dieses Erdgas wiederum unter erheblichen Verlusten in Gaskraftwerken verfeuert, die man dringend für die Zeiten der Flaute und Dunkelheit benötigt. Hat es je in der Menschheitsgeschichte eine einfältigere Idee gegeben? Wenn das jemanden an etwas erinnert; richtig, an die Fleischversorgung durch Kleintierhaltung mittels der Verfütterung von subventioniertem Brot im (realexistierenden) Sozialismus.

Wenn man etwas unter den Gestehungskosten verkauft, nennt man das gemeinhin Dumping. Genau das, geschieht täglich an der Strombörse. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange sich das unsere europäischen Nachbarn noch gefallen lassen. Mit jeder Windmühle und jedem Sonnenkollektor, die zusätzlich in Betrieb gehen, wird dieses Dumping größer. Die Differenz zwischen Erzeugungskosten und erzielbarem Preis nennt man „EEG-Umlage“. Die ungekrönte Königin der Schlangenölverkäufer Frau Professor Claudia Kemfert sieht das natürlich ganz anders. In einem Interview vom 27.1.14 in der Zeitschrift Cicero antwortet sie auf die Frage nach einer Umstellung der Ökostrom-Umlage in ihrem Sinne:

„Die EEG-Umlage hat sich bewährt. Schon jetzt sinken die Erzeugungskosten für erneuerbare Energien. Trotzdem sollte man die Ausnahmen für energieintensive Industrien endlich auf ein vernünftiges Maß vermindern – allerdings nur für Unternehmen, die wirklich energieintensiv sind und im internationalen Wettbewerb stehen. Im Gegenzug sollte man die Umlage an Gegenmaßnahmen koppeln, wie die Verbesserung der Energieeffizienz. Außerdem muss der Börsenpreis stabilisiert werden: Würde nämlich der niedrigere Börsenpreis für die Erneuerbaren an die Verbraucher weitergegeben, könnte der Strompreis schon heute stabil bleiben, wenn nicht sogar sinken. Dazu könnte man überschüssige Stromkapazitäten aus dem Markt nehmen und den CO2-Preis deutlich erhöhen.“

Selten dürfte es einem Professor gelungen sein, soviel Unsinn in nur einem Absatz von sich zu geben. Selbst wenn die Erzeugungskosten (Ausgaben für Kredite, Personal, Wartung, Betriebsmittel etc.) sinken – was sich erst noch zeigen muß – hat das keinen Einfluß auf den Preis. Ein Preis bildet sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Immer, wenn mehr angeboten wird als gebraucht wird, sinkt im Handel der Preis. Wenn man sein verderbliches Gemüse überhaupt nicht an den Mann bringen kann, muß man für die Beseitigung auch noch Entsorgungskosten bezahlen – an der Strombörse „negative Preise“ genannt. Die Differenz zwischen den Gestehungskosten und dem (erzielbaren) Preis am Markt, nennt man Verlust. Die Verluste müssen aber irgendwie abgedeckt werden, da sonst die Windmüller und Sonnensammler in wenigen Wochen pleite wären. Damit genau das nicht passiert, wurde die „EEG-Umlage“ geschaffen: Sie legt diese Verluste auf die Verbraucher um. Die Strombörse ist ein hervorragender Anzeiger für das jeweilige Verhältnis von Stromproduktion zu Stromnachfrage – ausgedrückt in der Einheit Euro pro MWh. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Je weiter der Börsenpreis unter den Erzeugungskosten liegt, um so größer ist das Überangebot zu diesem Zeitpunkt. Es gibt überhaupt nichts weiter zu geben. Das System ist ja gerade für gleiche Strompreise geschaffen worden: Die tatsächlich erzielten Börsenpreise werden durch die „EEG-Umlage“ auf den Cent genau zu den staatlich garantierten Kosten ergänzt. Bisher mußten nur die konventionellen Kraftwerke ihre Verluste selbst tragen. Sie stellen deshalb (einer, nach dem anderen) einen Antrag auf Stilllegung. Die zuständige Behörde stellt dann ihre „Systemrelevanz“ fest (irgendeiner muß ja auch Strom bei Dunkelheit und Flaute liefern) und sie bekommen ihre Verluste ebenfalls durch eine (neue) Umlage für die Stromverbraucher ersetzt. Frau Kemfert wäre aber nicht Frau Kemfert, wenn sie nicht ein Interview mit etwas Klassenkampf aufpeppen würde und für „vernünftige“ Belastungen der Industrie plädieren würde. Ein richtig rausgehängter Klassenstandpunkt konnte in Deutschland schon immer mangelnde Fachkenntnisse kompensieren. Ist die Deutsche Bahn mit ihren ICE nun „wirklich energieintensiv“? Dafür steht sie aber nicht so „im internationalen Wettbewerb“, wie die Friseurmeisterin in Berlin (70 km von der polnischen Grenze, mit regem Busverkehr zum Polenmarkt mit billigen Zigaretten, billigerem Sprit und allerlei sonstigen Dienstleistungen). Dafür könnte die Bahn wieder durch die „Verbesserung der Energieeffizienz“ punkten, sie müßte einfach nur etwas langsamer fahren oder die Zugfolge ausdünnen. Im letzten Satz scheint sie doch noch die Kurve zu kriegen: „könnte man überschüssige Stromkapazitäten aus dem Markt nehmen“. Genau richtig, mit jeder Windmühle und jedem Sonnenkollektor die man verschrottet, senkt man sofort und unmittelbar den Strompreis für die Verbraucher!

Das Märchen von der immer billiger werdenden „Erneuerbaren Energie“

Der Slogan: „Die Sonne schickt keine Rechnung“ war nichts weiter, als ein Werbespruch für besonders schlichte Gemüter. Natürlich schickt die Sonne keine Rechnung. Genau so wenig, wie ein Kohlenflöz oder eine Ölquelle. Aber die Gerätschaften zum Einsammeln und Umformen kosten bei allen Energiearten Geld. Nicht der Wind, sondern die Windmühle verursacht die Kosten. Da aber, jede technische Anlage ständig repariert und einst auch erneuert werden muß, wird auch der Strom aus Wind und Sonne nie umsonst sein.

Weil von Anfang an die Herstellung elektrischer Energie aus Wind und Sonne sehr viel teurer war, hat man den Mythos irgendwelcher Lernkurven gepflegt. Selbstverständlich gibt es Lernkurven. Nur sind die – bei Windmühlen ganz offensichtlich – extrem flach. Windmühlen gibt es nämlich schon seit über 2000 Jahren. Ganz anders, als z. B. Computer.

Blieb noch die Möglichkeit, mit dem stets kleiner werdenden Abstand zu argumentieren, da ja die anderen Energieträger immer teurer würden. Warum sollten die aber immer teuerer werden, wenn es doch Lernkurven gibt? Logisch, weil die doch endlich sind. Ganz neben bei, ist die Lebensdauer unserer Sonne auch endlich. Eine solche Aussage ist also ohne die Angabe einer konkreten Lebensdauer völlig sinnlos. Flugs, ward die Theorie von peakcoal und später peakoil erschaffen. Man setzt einfach die bekannten Vorkommen als einzig und endlich an und kann damit ausrechnen, daß diese schon in „nächster Zeit“ erschöpft sind oder doch wenigstens deren Preise explodieren. Wäre vielleicht so gewesen, wenn es nicht den menschlichen Erfindergeist und den Kapitalismus geben würde. Wir haben heute die größten Vorkommen an Öl, Erdgas, Kohle, Uran usw. in der Menschheitsgeschichte, bei gleichzeitig größtem Verbrauch aller Zeiten. Die Primärenergiepreise (zumindest als Relativpreise) werden deshalb eher wieder sinken als steigen. Jedenfalls haben wir auf der Basis des heutigen Verbrauches und heutiger Relativpreise Vorräte für Jahrtausende.

Den Anhängern der Planwirtschaft blieb nichts anderes übrig, als ein neues „Marktversagen“ zu konstruieren: Die Klimakatastrophe durch die Freisetzung von CO2 war geboren. Gut und schön, man hätte unbestreitbar sehr viele fossile Energieträger, könnte die aber gar nicht nutzen, da man sonst das Klima kaputt machen würde. Es müßte daher – möglichst sofort – eine CO2.-freie Stromerzeugung her und da der Markt so etwas ja gar nicht regeln könne, muß der Staat lenkend eingreifen. Als wenn jemals die Planwirtschaft etwas anderes als Armut und Elend erzeugt hätte!

Es wird aber trotzdem für die Schlangenölverkäufer der Wind- und Sonnenindustrie immer schwieriger, den Leuten das Märchen von den billiger werdenden „Erneuerbaren“ zu verkaufen. Immer mehr Menschen erinnern sich daran, daß es nachts dunkel ist und manchmal tagelang der Wind kaum weht. Es muß also ein komplettes Backupsystem für diese Zeiten her. Egal ob mit Kohle, Erdgas, Kernenergie oder „Biomasse“ betrieben oder als Speicher bezeichnet. Zwei Systeme sind aber immer teurer, als nur ein System. Immer mehr (denkende) Menschen stellen sich daher die Frage, warum man krampfhaft versucht, unserem funktionierenden und (ehemals) kostengünstigen Stromversorgungssystem ein zweites – zu dem mit äußerst zweifelhafter Umweltbilanz – über zu stülpen.

Was hat das alles mit Kernenergie zu tun?

Erinnern wir uns an die Zeit unmittelbar nach dem Unglück in Fukushima. Die Kanzlerin wollte einen neuen Koalitionspartner. Nun, den hat sie inzwischen gefunden. Die FDP wollte die Grünen noch links überholen und warf all ihre Wahlversprechen über Bord. Nun, der Wähler hat das demokratisch gewürdigt und sie aus dem Bundestag gewählt. Alle deutschen „Qualitätsmedien“ haben gierig die Fieberträume der „Atomkraftgegner“ von „Millionen Toten und zehntausende Jahre unbewohnbar“ nachgeplappert. Nun, es hat immer noch keinen einzigen Toten durch die Strahlung gegeben. Die Aufräumarbeiten schreiten zielstrebig voran und die „Vertriebenen“ kehren langsam in ihre alte Wohngegend zurück. Kurz gesagt, das Unglück hat viel von seinem Schrecken verloren, den es für manche tatsächlich gehabt haben mag.

Deutschland ist das einzige Land auf der Welt, das aus der Kernenergie aussteigen will. Inzwischen sind zahlreiche Neubauten beschlossen. Wohlgemerkt nach Fukushima, hat Großbritannien den Neubau einer ganzen Flotte Kernkraftwerke beschlossen. Selbst Schweden – das Ausstiegsvorbild schlechthin – hat vor wenigen Wochen ein über zehn Jahre angelegtes Verfahren zur Bürgerbeteiligung zum Neubau neuer Kernkraftwerke eingeleitet. Nach Deutschland geh voran, wir folgen dir, sieht das alles gar nicht aus.

Wie ist nun die aktuelle Situation in Deutschland? Abgeschaltet wurden die älteren und kleineren Kernkraftwerke. Die Frage der Entschädigung für diese Enteignungen ist noch lange nicht durch. Die Streitsumme wird allgemein auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Einmal Mütterrente, so zu sagen. Mögen sich deutsche Politiker auch auf ihre Kombinatsleiter und deren Stillhaltung verlassen: Vattenfall ist ein schwedischer Konzern und geht von Anfang an den Weg über die internationale Handelsgerichtsbarkeit. Die Konsequenzen einer internationalen Verurteilung wegen einer unrechtmäßigen, entschädigungslosen Enteignung, übersteigt offensichtlich das Vorstellungsvermögen deutscher Provinzpolitiker bei weitem.

Oder, man geht die Sache anders an. Erst in den nächsten Jahren wird der „Atomausstieg“ zu einem echten Problem, wenn nämlich die großen Blöcke in Süddeutschland vom Netz gehen sollen. Dann erst, werden die Strompreise richtig explodieren. Einerseits, weil die immer noch beträchtlichen Mengen „billigen Atomstroms“ aus der Mischkalkulation fallen und andererseits noch sehr kostspielige Maßnahmen für Netz und Regelung nötig sind. Gnade dem Unternehmen in Süddeutschland, dessen Lieferverträge in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Die immer wieder gern propagierten 5,6 bis 6,6 Cent pro kWh für Industriestrom sind nämlich nur die halbe Wahrheit. Hinzu kommt noch der Leistungspreis für die Bereitstellung. Grob gerechnet, ist der Anteil für Leistung und Energie jeweils die Hälfte der Stromrechnung. Die Eigenversorgung soll ja bald auch kein Ausweg mehr sein. Es wird jedenfalls spannend werden, einen SPD-Energieminister zwischen den Stühlen der Gewerkschaftsfunktionäre und dem linken Flügel seiner Partei schwitzen zu sehen.

 

 

Die Krebsgeschwulst der Energiewirtschaft

Es begann alles mit den Subventionen für Wind- und Sonnenenergie. Manche tiefgläubige Politiker halten die zwangsweise Einspeisung von elektrischer Energie zu staatlich festgelegten und garantierten Preisen immer noch für einen ideologischen Exportschlager. Eher ist es so, daß sich die „EEG-Philosophie“ wie Krebs über Europa ausgebreitet hat. Inzwischen ist man schon bei der Förderung neuer Kernkraftwerke (z. B. Großbritannien) und fossilen Kraftwerken als „Kaltreserve“ (z. B. Deutschland) angekommen. Es ist, wie es immer war und sein wird: Einige Politiker wollen mit ihrem Halbwissen in einen Markt eingreifen, um ihn zu verbessern. Zwangsläufig führen ihre Eingriffe zu Störungen an anderen Stellen, die flugs durch weitere Eingriffe beseitigt werden sollen. Eine Kettenreaktion kommt in Gang, an deren Ende meist der Zusammenbruch des gesamten Systems steht. Es scheint also durchaus sinnvoll, sich mit der unterschiedlichen „Rangehensweise“ in Europa auseinanderzusetzen.

Einer oder besser viele?

Historisch gewachsen ist das Modell „integrierter Konzern mit Gebietsmonopol“. In einem geographisch (was meist mit Ländergrenzen gleichzusetzen ist) begrenztem Gebiet hat eine Gesellschaft die Versorgung aller Kunden übernommen. Diese Gesellschaft hat dafür ein Leitungsnetz aufgebaut und betrieben und sich einen passenden Kraftwerkspark zugelegt. Dies geschah in eigener Regie und Verantwortung. In der guten, alten Zeit beschränkten sich die Politiker auf die Forderungen „sichere Versorgung zu günstigen Preisen“, „anständige Dividende“ und „Einhaltung der Gesetze und Vorschriften“. Entscheidend war, daß diese „Stromkonzerne“ wie Kaufhäuser geführt wurden: Alles unter einem Dach. Am Jahresende zählte nur das Gesamtergebnis. Wieviel, welche Abteilung dazu beigetragen hat, war höchstens Insidern bekannt. In der Tat, eine etwas undurchsichtige Angelegenheit. Allerdings weit aus weniger, als Laien (und Politiker sind fast immer Laien!) vielleicht meinen. Sind die internen Zahlen bekannt, sind sie immer auch vergleichbar mit ähnlichen Bereichen in anderen Branchen. Vorteil einer solchen Konstruktion sind die Optimierungsmöglichkeiten und die gegenseitigen Synergien, sowie die günstige Finanzstruktur. Letztendlich läuft alles immer auf die eine Frage hinaus: Was kostet am Ende der Strom? In diesem Sinne, ist z. B. ein Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich eindeutig: Die französischen Strompreise bewegen sich im unteren Drittel, Deutschland ist auf dem Weg zur absoluten Spitze.

Das vermeintliche Gegenmodell zum „Staatskonzern a la EDF“ ist die deutsche „Strommarktliberalisierung“. Schon dieser Begriff war einer der dreistesten Neusprech-Schöpfungen in der Geschichte.

  • Man zerschlug gnadenlos bestehende Unternehmensstrukturen: Die regionalen Energieversorger BEWAG (Berlin) und HEW (Hamburg) wurden beispielsweise an den sozialdemokratischen, schwedischen Staatskonzern Vattenfall verschachert. Heute rennen die gleichen Rot/Grünen-Strategen durch die Straßen von Berlin und Hamburg und sammeln Unterschriften zur „Rekommunalisierung“. Aus den einst florierenden Aktiengesellschaften im Landesbesitz sollen über den Zwischenschritt „ausländischer Konzern“ Energiekombinate unter der Leitung von Politkommissaren gemacht werden. Elektrische Energie als neue Kopfsteuer und Zwangsabgabe zur Verwirklichung politischer Ziele – vorbei an Parlamenten und ohne lästige Haushaltsdebatten.
  • Man wandelte die Preisfindung einer Marktwirtschaft in eine reine Planwirtschaft um: Durch das „EEG“ werden nicht nur die Erzeugerpreise staatlich vorgeschrieben, sondern auch die Abnahme der Produktion zwangsweise garantiert. Bei dem Einheitsverkaufspreis (EVP) der zusammengebrochenen DDR handelte es sich noch um ein aufwendiges und strikt reglementiertes Kalkulationsverfahren. Schwarz/Gelb hat daraus die Festlegung der „Einspeisevergütung“ als eine Hinterzimmerveranstaltung unter Politikern gemacht. Der Rahmen eines „Fünf-Jahr-Plan“ wurde durch das Korsett des Abnahmezwanges ersetzt. Damit wurde den Kombinatsleitern der Stromwirtschaft sogar noch die Wahl des Produktionsstandortes entzogen. So viel Staatswirtschaft gab es noch nie auf deutschem Boden.
  • Rot/Grün erschufen die „Strombörse“ als Karikatur einer Börse, in der die eine Abteilung eines Konzerns den Strom an die andere Abteilung des gleichen Konzerns „verkauft“. Gerne benutzen Grüne Politstars diese Art der „Preisfindung“ auch noch als Beweis, daß böse Kapitalisten die „ständig sinkenden Preise an der Strombörse für Wind- und Sonnenenergie“ nicht an die Stromverbraucher weitergeben.
  • Man ist stolz darauf, daß man Ein-Mann-Finanzspekulanten (Photovoltaik auf dem Dach) und Bauernkollektive („Bürgerwindparks“) als neue deutsche Energieversorgungsunternehmen in die Schlacht gegen internationale Milliardenkonzerne geschickt hat. Mal abwarten, wie viele Privatinsolvenzen die Energiewende hinterlassen wird. Bisher haben ja nur super schlaue Stadtwerkedirektoren Millionen in spanische „Sonnenfarmen“ versenkt. Macht ja nichts, werden zum Ausgleich eben die Müllgebühren etwas erhöht.
  • Die Krönung der Volksverdummung war die Idee, haftendes (!) Eigenkapital mit einer Verzinsung von bis zu 5% (!) zur Finanzierung von Hochspannungsleitungen ein zu werben. So dämlich ist nicht einmal unser Michel: Er finanziert Hochspannungsmasten vor seinem Fenster, die niemand braucht und die voraussichtlich auch nie benutzt werden. Weil weder die bestehenden Kraftwerke im Süden abgeschaltet werden, noch die Windparks im Meer im geträumten Umfang gebaut werden. Unter Finanzhaien nennt man das skalpieren. Hauptsache, der Vertrieb hat seine Provision kassiert. Die „Hausfrauen-Hausse“ ist längst gestartet: Deutsche Bank und Co haben längst ihre Aktien in Wind und Sonne an Privatanleger mit Gewinn weiterverkauft. Jetzt können die „Zukunftstechnologien“ getrost pleite gehen und die Arbeitnehmer „frei gestellt“ werden. Es soll ja ohnehin Fachkräftemangel herrschen.

Auswirkungen auf Europa

Bisher konnten Deutschland und Dänemark ihren Stromabfall aus Wind und Sonne problemlos in ihren Nachbarländern entsorgen. Wenn auch nur über direkte oder indirekte Subventionen. Der Strompreis wird so weit runter subventioniert, bis er konventionelle Kraftwerke aus dem Markt drückt. Im Grunde genommen, ist dieses Modell ein Abklatsch alter europäischer Agrarsubventionen. Damals (Milchseen, Butterberge etc.) wie heute, führt es solange zu einer Überproduktion, bis die Subventionen über alle Maßen steigen und politisch nicht mehr zu verkaufen sind. Die Betonung liegt dabei auf „politisch ertragbar“, denn die Schmerzgrenze und die entstehenden Schäden sind in unterschiedlichen Ländern verschieden. Als erste, scherten unsere Nachbarn Polen und Tschechien aus: Die volkswirtschaftlichen Schäden durch deutschen Stromabfall nahmen solche Ausmaße an, daß sie nicht mehr durch den vermeintlich günstigen Preis aufgewogen werden. Sie machen die Grenzen dicht. Übrigens mit vollem Recht: Der Verkauf von Produkten unter Gestehungspreis wird gemeinhin als Dumping bezeichnet und verstößt gegen alle internationalen Handelsabkommen. Eine Trumpfkarte, die unsere Nachbarn gegenüber Deutschland weiter in der Hinterhand halten, solange, bis der „EEG-Wahnsinn“ gestoppt wird.

Es gibt aber noch eine Reihe indirekter Wirkungen auf andere Energiemärkte. Eindeutige Untergrenze für die Strompreise an der Europäischen Strombörse ist seit längerem der Brennstoffpreis für Kohle. Kohle und Kernenergie bilden das Rückrat der Stromerzeugung. Die von allen Sonnenmännchen und Flackerströmern heiß geliebten Gaskraftwerke müssen bereits aus dem Markt ausscheiden. Ihre Brennstoffkosten liegen deutlich über den erzielbaren Strompreisen. Dadurch entsteht eine Todesspirale: Durch die immer geringer werdende Ausnutzung (Vollaststunden) explodieren die Fixkosten. Der Zeitpunkt der vollständigen Stilllegung naht. Neuerdings werden sogar Neubauten unmittelbar nach der ersten Inbetriebsetzung gleich wieder eingemottet. Das grüne Märchen von den unflexiblen Kohle- und Kernkraftwerken, hat sich inzwischen längst als schlechte Propaganda enttarnt. Nur die Politkommissare in den nahestehenden Stadtwerken sind dem aufgesessen und haben kräftig in Gaskraftwerke (fehl)investiert. Manch ein Stadtkämmerer wird noch schlaflose Nächte bekommen: Aus den vermeintlich profitablen „Kraft-Wärme-Kopplungs-Projekten“ – gedacht zur Quersubventionierung von städtischen Hallenbädern, Busbetrieben etc. – werden Investitionsruinen werden.

Genau aus dieser Ecke weht der verzweifelte Schrei nach „Kapazitätsmärkten“. Man benötigt dringend Subventionen um seine Fehlinvestitionen zu vertuschen. Da kaum einer etwas mit diesem Begriff anfangen kann, er aber um so bereitwilliger nachgeplappert wird, hier eine Übertragung in die Alltagswelt. Betriebswirtschaftlich ist es das klassische Problem einer Eisdiele. Der Betreiber einer Eisdiele ist extrem vom Wetter abhängig. Er muß praktisch an den wenigen Tagen mit schönem Wetter den wesentlichen Teil seines Jahresumsatzes machen. All sein Bestreben ist darauf ausgerichtet. Er muß den Preis für sein Eis so kalkulieren, daß er die unzähligen flauen Tage überbrücken kann. Gemeinhin nennt man das unternehmerisches Risiko. Hätte er die Idee vom „Kapazitätsmarkt“ schon gekannt, wäre er zur Gemeinde gegangen und hätte sich jeden Monat einen festen Betrag von der Allgemeinheit bezahlen lassen, um seine Kosten für Miete, Personal etc. abdecken zu können. Als Gegenleistung hätte er sich selbstverständlich verpflichtet, seine Eisdiele an warmen und schönen Sommertagen zu öffnen. Absurd? Wieso, er stellt doch die gesellschaftlich wichtige Aufgabe der Eisversorgung an heißen Tagen bereit. Wenn es immer noch keiner merkt, wir sind mit Volldampf in eine Gesellschaft unterwegs, gegen die der Real-Existierende-Sozialismus ein Freiraum für unternehmerische Tätigkeiten war.

Die Zukunft

Solange es kein wesentliches Wachstum im Stromabsatz gibt, kann man sich eine ganze Zeit durchwursteln. Gleichwohl altert der Kraftwerkspark jeden Tag weiter. Hat man einmal mit der Planwirtschaft angefangen, kann man nicht mehr erwarten, daß das unkalkulierbare – weil politische – Risiko von irgendwelchen verantwortungsbewussten Investoren getragen wird. An diesem Punkt ist man heute bereits in Großbritannien angekommen.

Das englische Modell

Im Vereinigten Königreich hat man eine Reihe alter gasgekühlter Kernkraftwerke. Diese werden nach einem festen Fahrplan außer Betrieb gesetzt. Hinzu kommen eine Reihe alter Kohlekraftwerke, die zumindest nachgerüstet werden müßten, um die europäischen Umweltschutzstandards zu erfüllen. Ferner hat man sich auf das kostspielige Abenteuer der Windenergie aus dem Meer eingelassen. Nach jahrelangen Diskussionen ist man zum Ergebnis gekommen, daß man mindestens 18.000 MWe neue Kernkraftwerke bauen muß und das möglichst schnell. Nur, wer soll das finanzieren? Man hat alle britischen Stromversorger längst privatisiert. Die alten Kernkraftwerke werden beispielsweise von der französischen EDF betrieben. Die würde auch gerne neue bauen und betreiben, aber bitte nur mit eingeschränktem Risiko.

Die britische Lösung den Fehler der Subventionierung der Windenergie zu heilen, heißt „CO2 – freier-Strom“. Man dreht den „Ökospieß“ um. Auch Kernenergie ist „CO2.frei“, hat also folglich auch Subventionsansprüche zum Wohle des Klimas zu stellen. Man handelt für jedes Projekt (Wind auf Land, Wind auf Meer, Biomasse, Kernenergie etc.) mit dem Investor einen Mindestpreis für einen bestimmten Zeitraum aus. Der Antrieb der Verhandlungen ist, einen Preis zu finden, mit dem der Betreiber leben kann ohne pleite zu gehen. Kann dieser Preis nicht am Markt erzielt werden, gibt es die Differenz aus einem Fond oben drauf. Wird umgekehrt am Markt ein höherer Preis erzielt, wird aus der positiven Differenz die angehäufte Schuld getilgt. Erst wenn der Fond auf Null gesetzt ist, kann der Kraftwerksbetreiber den vollen Preis einstreichen. Lange Diskussionen werden immer noch über die Frage der Haftung für diese Fonds geführt: Gibt es eine direkte Bürgschaft durch den englischen Staat oder durch das Kollektiv der Stromverbraucher. Diese Frage ist von zentraler Bedeutung, da sie auf den Garantiepreis zurück koppelt. Bürgt der Staat, hat die gesamte Finanzierung des Projektes die Wertigkeit – und damit geringe Zinssätze – einer britischen Staatsanleihe. Tritt lediglich das Kollektiv der Stromverbraucher als Rückversicherer auf, hat die Finanzierung den Stellenwert einer Unternehmensanleihe. An dieser Stelle ergibt sich deshalb ein möglicher Konflikt mit dem EU-Recht wegen (vermeintlich) unerlaubter Subventionen.

Die Lösung des NIMBY-Problems?

Alle Großprojekte der Energietechnik, vom Windpark bis zum Kernkraftwerk, leiden heute am NIMBY („Aber nicht hinter meinem Haus“) Syndrom: Man erkennt die volkswirtschaftliche Notwendigkeit an, ist aber nicht bereit, persönliche Nachteile zu tragen. Die Briten wollen dieses Dilemma nun marktwirtschaftlich lösen. Die Gemeinden, die solche Projekte bei sich gestatten – vielleicht zukünftig sich sogar darum bewerben – bekommen einen hälftigen Anteil an den Unternehmenssteuern. Man geht für ein Kernkraftwerk von mindestens 193 Millionen Pfund in einem Zeitraum von 40 Jahren aus. Wer das (gefühlte) Risiko eines Kernkraftwerkes in seiner Gemeinde auf sich nimmt, wird mit zusätzlichen Freibädern, Kindergärten und was sonst noch alles, „entschädigt“. Es wird interessant sein, wie die Angstindustrie darauf reagieren wird. Greenpeace und Co. zukünftig nicht mehr in der Rolle der guten „Naturschützer“, sondern eher als Verhinderer von besser ausgestatteten Schulen und Kindergärten. Ganz neu ist dieses Erfolgsmodell nicht. Wyoming hat die am besten ausgestatteten öffentlichen Schulen in den USA (jedem Kind ein kostenloser Laptop). Finanziert durch Abgaben der Kohleindustrie. In solchen Gemeinden fällt das Hetzen gegen die als „guter Nachbar“ empfundene Kohlegrube, schwer. Im fernen Washington ist das Schwadronieren über Klimakatastrophen mit Staatsbediensten wesentlich angenehmer.

Es gibt noch einen weiteren Ansatz, der auch für Windparks und Shale Gas (1000 Pfund pro Bohrstelle + 1% vom Umsatz) gelten soll: Die Gemeinde bekommt 1000 Pfund im Jahr pro MW installierter Leistung (Ziel: Je größer das Kraftwerk, je mehr Einnahmen für die Gemeinde) begrenzt bis zum Jahr 2060 (Ziel: Je schneller gebaut wird, um so mehr Einnahmen.)

Die Rolle der EU-Kommission

Man könnte fast Schadenfreude empfinden: Über Jahrzehnte ist der Popanz „Klimakiller CO2.“ von allen möglichen Schlangenölverkäufern und Systemveränderern aufgebaut worden. Nun braucht die Wettbewerbskommission nur noch betonen, daß Kernenergie auch „kohlenstoffarm“ ist und all die schönen „Ausnahmetatbestände“ gelten auch für die Kernenergie. Oder man macht generell Schluß mit den Subventionen in der europäischen Energiewirtschaft – dann aber, ist die Kernenergie als preiswerteste Methode der Stromerzeugung (in der Grundlast) strahlender Sieger. Ein Ausbauprogramm von chinesischem Ausmaß wäre die Folge.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie ein Heulen durch die politischen Parteien und Energiekombinate in Deutschland gehen wird. Hat nicht vor all zu langer Zeit beispielsweise die Kombinatsleitung von E.ON Energie AG in vorauseilendem Gehorsam ihre fertig entwickelten Standorte in England an die Japaner verkauft? Wollte man das erhaltene Geld nicht in die „Zukunftstechnologie Windkraft auf Hoher See“ investieren (versenken)? Mal sehen, wie die Analysten an der Börse reagieren. Das gleiche gilt für Siemens und ein halbes Dutzend Firmen in der zweiten Reihe. Wenn man jemals Manager für Arbeitsplatzvernichtung verantwortlich machen kann, dann sicherlich diese „Energiewender“. Hoffentlich gibt’s noch ne schöne Abfindung.

Niemand wird in der EU Mitleid für „Madame No“ haben, die sich selbst in diese Zwickmühle laviert hat. Ihr überhasteter „Ausstiegsbeschluss“ wird ihr vielleicht in wenigen Wochen eine Koalition mit den Grünen ermöglichen, aber der Machterhalt über Tagespolitik ist erfahrungsgemäß nicht von langer Dauer. Man schaue sich nur Spanien an: Dort sind Milliarden in der spanischen Wüste für Sonnenenergie verbrannt worden. Richtige Konsequenz aus der „Euro-Krise“: Sofortiger Schluß mit dem Unsinn der „Solarförderung“. Entgegen dem Werbeslogan eines bekannten Sozialdemokraten hat die Sonne nun doch brutal eine Rechnung geschrieben. Die politische Frage der nächsten Jahre wird sein, wie lange die (jugendlichen) Arbeitslosen in Europa bereit sind, solche alten Deckel aus der „Grünen Periode“ abzustottern. Wie lange der „Kleinrentner“ über seine Stromrechnung bereit ist, dem Schlangenölverkäufer sein durch „Solarenergie“erworbenes Schloss weiter zu erhalten. Vielleicht wird ja noch ein deutsches Energiemodell zum Exportschlager: Entschädigungslose Enteignung! Es muß ja nicht gleich ein Tsunami in Japan zur Begründung herhalten, vielleicht reicht auch eine umgeblasene Windmühle in der Nordsee.