Kapazitätsmärkte – Markt- oder Planwirtschaft?

Ab 2015 soll in Großbritannien ein Kapazitätsmarkt für Kraftwerke starten. Ähnliche Überlegungen gibt es bereits für Belgien, Frankreich und Deutschland. Es ist also höchste Zeit, sich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen.

Das Besondere des Strommarktes

Die Gewinnung und Verteilung elektrischer Energie ist außergewöhnlich kapitalintensiv. Kraftwerke und Stromnetze kosten Milliarden. Sie sind anschließend für Jahrzehnte nutzbar. Nur durch die Verteilung der Kosten auf viele Jahre, ist das Produkt elektrische Energie überhaupt zu geringen Preisen lieferbar. Doch genau darin besteht das außerordentliche betriebswirtschaftliche Risiko: Niemand kann den genauen Bedarf in Jahrzehnten voraussagen.

Zu Beginn der Elektrifizierung ist man deshalb sehr schnell zu staatlich regulierten Monopolen übergegangen. Besonders bei der Verteilung (Leitungsnetze) erscheint es noch heute sinnvoll, an jedem Ort nur ein Netz zu betreiben. Dies ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. In wie weit dieses Gebietsmonopol wirklich natürlich oder eher politisch gewollt ist, sei dahingestellt. So geht z. B. in der Telekommunikation der Trend durchaus zu (zumindest auf Teilstrecken) parallelen Leitungen oder bei Erdgas zu parallelen Systemen (Pipeline und LNG). In der Stromwirtschaft dagegen, wird jede Diversifizierung sofort im Keim erstickt. Jüngstes Beispiel ist die nachträgliche Belastung von Eigenerzeugung mit staatlichen Abgaben.

Seit je her, hat man versucht das Dilemma zwischen hohen Fixkosten und (teilweise) sehr geringen variablen Kosten durch Leistungs- und Energiepreise abzubilden. Einzige Ausnahme waren die Kleinverbraucher (Haushalte), bei denen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis zueinander standen. Der Leistungspreis deckte dabei einen erheblichen Anteil der Fixkosten bei Erzeugung und Verteilung ab. Er genügte folgenden Anforderungen:

  • Als spezifischer Preis – Leistung (kW), die in einem Abrechnungszeitraum bezogen wird – bot er dem Verbraucher einen unmittelbaren Anreiz, seine gezogene Leistung möglichst klein zu halten und zu vergleichmäßigen. Früher nannte man so etwas Spitzenstromoptimierung, heute wird der alte Wein neudeutsch als „smart grid“ verkauft. Wichtig war die unmittelbare Verknüpfung von Leistung mit Kosten: Wer verschwenderisch mit den volkswirtschaftlichen Investitionen fürs Netz umging, mußte unmittelbar entsprechend mehr bezahlen. Eine sehr wirksame Methode, da der Leistungsanteil im Normalfall etwa die Hälfte der Stromrechnung betrug.
  • Das Investitionsrisiko wurde zwischen Kunde und Lieferant aufgeteilt: Wurde nur selten die geforderte Leistung vom Kunden bezogen, stieg der Leistungsanteil an seiner Stromrechnung merklich an. Ein Leben auf Kosten der Allgemeinheit – wie es heute gern von Besitzern von Photovoltaikanlagen propagiert wird – war in diesem System nicht vorgesehen. Wer nur für wenige Stunden seine elektrische Energie aus dem öffentlichen Netz bezieht, muß indirekt über seinen Leistungspreis für seine Kilowattstunden einen Preis von mehreren Euro bezahlen. Die Propaganda von der bald erreichten „Netzparität“ stellt sich als genauso hohler Werbeslogan wie „Die Sonne schickt keine Rechnung“ heraus. Wenn Netzparität, dann aber bitte nur mit Leistungspreis (auch Bereitstellungspreis genant) oder eigener Batterieanlage für Dunkelheit.
  • Der Leistungspreis war bezüglich des Netzes verursachergerecht. Wer nur das Hochspannungsnetz bzw. Mittelspannungsnetz nutzte, hatte auch unterschiedliche Preise zu entrichten. Dafür mußte er die Transformatorenanlage selbst anschaffen und betreiben. Auch diese volkswirtschaftlich sehr sinnvolle Maßnahme wird immer gern für Propaganda missbraucht: Es wird gern von billigem Strom für die Industrie gefaselt, weil man nur die Arbeitspreise (kWh) für Haushalte und „Großverbraucher“ in Relation zueinander setzt.

Wie das Elend begann

In der guten alten Zeit, mußten sich die Energieversorger alle Preise vorher von dem zuständigen Regulierer genehmigen lassen. Dazu war es nötig, alle Kosten für Erzeugung, Vertrieb und Netznutzung offen zu legen. In wie weit so etwas überhaupt möglich ist, sei dahingestellt. Als Gegenwert erhielten sie das jeweilige Monopol.

Mit der Erschaffung der „Marktliberalisierung“ – ironischerweise gerade durch Kräfte, die der Marktwirtschaft eher kritisch gegenüberstehen – mußte das System umgestellt werden. Man glaubte die Erzeugung (Kraftwerke) und das Netz problemlos voneinander trennen zu können. Warner, die vor der Problematik der Frequenzregelung und der Rosinenpickerei bei den Standorten warnten, wurden als Vertreter der „Monopolkräfte“ abgebürstet. Man wollte politisch eine Strombörse durchsetzen. Man glaubte, einen Markt künstlich erschaffen zu können. Zu diesem Zweck erschuf man die Konstruktion von an einer Börse in Leipzig miteinander handelnden Erzeugern (Kraftwerke, Windparks etc.) und „Großverbrauchern“ (industrielle Kunden, Vertriebsfirmen). Alle sonstigen Schwierigkeiten wurden dem „Netzbetreiber“ auferlegt. Dieser sollte staatlich reguliert werden und würde sich als der Hort der Planwirtschaft erweisen. Er ist die Spielwiese der Politiker, das Ausführungsorgan der Planwirtschaft. Anders als im „real existierenden Sozialismus“ konnten sich aber die Architekten der Planwirtschaft stets hinter den „bösen Kräften des Marktes“ verstecken.

Sollte man nur noch Energie (kWh) handeln, mußten zukünftig alle Kosten durch den Energiepreis (€/MWh) abgedeckt werden. Bei der Unterteilung in „Marktanteil“ und „Plananteil“ war das nur über Zuschläge (Netzentgeld, EEG-Umlage etc.) möglich. Eine Systemumstellung mit fatalen Konsequenzen: Durch die faktische Abschaffung des Leistungspreises wurde das Verursacherprinzip bei den Kapitalkosten ausgehebelt. Zu allem Überdruss wurden aber teilweise Leistungspreise weiter erhoben, was zumindest in der Industrie zu völligen Fehlallokationen führt. Man hat – gewollt oder ungewollt – eine gewaltige Spielwiese für Schlangenölverkäufer aus allen gesellschaftlichen Bereichen geschaffen.

Die zwei Geburtsfehler der Strombörse

Eine Börse ist ein Marktplatz. Zwar ist im Internet-Zeitalter keine Präsenz der Händler mehr auf dem Parkett nötig, aber es gibt einen genau definierten Erfüllungsort. Für die Ölkontrakte über WTI (West Texas Intermediate) ist dies nach wie vor Cushing in Oklahoma USA. Egal wer, wo auf der Welt WTI-Kontrakte handelt, weiß, daß er noch die Transportkosten von seinem Verkaufspreis abziehen bzw. seinem Kaufpreis hinzurechnen muß. Natürlich wird keine physische Ware erst von Rotterdam nach Cushing transportiert und von dort wieder nach Frankfurt. Vielmehr zieht der Verkäufer in Rotterdam die Transportkosten vom Cushing-Preis ab und der Abnehmer in Frankfurt rechnet seine Transportkosten hinzu. Üblich ist nun, daß man sich die Differenz teilt und mit den tatsächlichen Transportkosten von Rotterdam nach Frankfurt verrechnet. Hört sich kompliziert an, ist aber in der Praxis hoch effektiv, weil erst dadurch neue Transportwege entdeckt oder geschaffen werden. Als Beispiel mag nur die Verflüssigung von Erdgas als Alternative zum Rohrleitungstransport dienen. Bei der Strombörse meinte man nun mit „virtuellen Handelsräumen“ arbeiten zu können. Inzwischen spricht es sich aber herum, daß auch neue Stromtrassen Milliarden kosten. Es ist eben keinesfalls egal, wann und wo eine Lieferung vollzogen wird. In Deutschland war man aus politischen Gründen ausdrücklich für eine „Briefmarkenlösung“. Es sollte kein Unterschied bei den Transportkosten geben – egal ob der Strom für München aus dem Kernkraftwerk in der Nähe oder aus dem Windpark bei Helgoland stammt. Wo ein politischer Wille ist, soll auch eine Stromtrasse gebaut sein. Die Kosten dafür, zahlt ja die Allgemeinheit über die „Netzumlage“. Jeder Kohlenhändler würde nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn man ihm erzählen wollte, es sei gleich teuer, ob die Kohle aus Ibbenbüren oder Südafrika geliefert wird. Aber darin unterscheiden sich eben reale Märkte von politischen Kopfgeburten.

Der zweite Geburtsfehler war die Zusammenfassung zweier völlig verschiedener Produkte zu einem Handelsprodukt. Konventioneller Strom – egal ob aus Kernkraft-, Kohle oder Gaskraftwerken – ist zu jedem Zeitpunkt ein physikalisch darstellbares Produkt, „Flackerstrom“ aus Wind- und Sonnenenergie hingegen, ist bestenfalls über den Wetterbericht abschätzbar – so, als würde man Schweinehälften mit Roulett zu einem Handelsprodukt vereinen. Die garantierte Lieferbarkeit ist aber die Grundfeste einer jeden Börse. Wie hat man nun das Problem für die Strombörse gelöst? Immer wenn Produktion und Abnahme nicht genau im Gleichgewicht sind, ändert sich die Netzfrequenz. Für die Einhaltung der Frequenz ist aber der Netzbetreiber zuständig. Mit anderen Worten: Jedes mal, wenn ein Verkäufer (Windpark) seine Ware gar nicht liefern kann, muß der Netzbetreiber einspringen. Er muß nun sehr teuer, weil kurzfristig, die fehlende Leistung besorgen. Die Kosten hierfür, darf er über die Netzentgelte auf die Allgemeinheit abwälzen. Wie lange würde wohl eine reale Börse existieren, wenn ständig gar nicht geliefert werden könnte? Entweder würden sich die Handelsteilnehmer frustriert zurückziehen oder die Versicherungsprämien für Lieferausfälle würden jeden Handel ad absurdum führen. Wie weit die Strombörse von realen Börsen entfernt ist, ist schon jedem Laien durch die negativen Preise ersichtlich.

Merit Order

Die Kosten der Erzeugung elektrischer Energie lassen sich als Fixkosten (Kapitalkosten, Personalkosten etc.) und variable Kosten (praktisch nur Brennstoffkosten) darstellen. Trägt man die Brennstoffkosten in einem Diagramm auf, ergibt sich eine Kurve, die im Nullpunkt beginnt (Wind und Sonne), erst sehr flach ansteigt (Kernenergie), dann immer steiler wird (von Braunkohle über Steinkohle), um dann sehr steil (Erdgas) zu enden. Ob ein Kraftwerk nun läuft oder nicht, die Fixkosten (insbesondere sind das die Kapitalkosten) bleiben immer gleich. Ob man es in Betrieb setzt, hängt also vom Verhältnis des momentan erzielbaren Strompreises zu den eigenen Brennstoffkosten ab.

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Beträgt der Strompreis an der Börse 32 €/MWh ergibt sich für ein Gaskraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 50% Grenzkosten bei einem Erdgaspreis von 16 €/MWh. Bei diesem Strompreis und Erdgaspreis könnte es gerade seine Brennstoffkosten wieder einfahren. Ist der erzielbare Strompreis geringer oder der Gaspreis höher, lohnt es sich, das Kraftwerk außer Betrieb zu setzen um weitere Verluste zu vermeiden.

Der erzielbare Strompreis gilt aber nun für alle Kraftwerke. Jedes Kraftwerk muß nun seine Brennstoffkosten ermitteln. Man kann jetzt die Kraftwerke in einer Liste mit steigenden Brennstoffkosten sortieren. Das muß täglich geschehen, da die Brennstoffpreise schwanken. Eine solche Liste bezeichnet man als „merit order“. Alle Kraftwerke, die mit ihren individuellen Brennstoffkosten oberhalb des Grenzwertes (entsprechend dem Börsenpreis für Strom) liegen, würden mit jeder produzierten Kilowattstunde zusätzliche Verluste machen, aber alle Kraftwerke unterhalb des Grenzwertes würden nicht nur ihre Brennstoffkosten voll abdecken, sondern würden auch noch zusätzliche Einnahmen zur Abdeckung ihrer Fixkosten erzielen.

Aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch eindeutig, warum in diesem System mit steigendem Anteil an „Erneuerbaren“ auch ständig der Anteil an Strom aus Braunkohle größer werden wird. Momentan gilt der Einspeisevorrang für „Erneuerbare“. Je nach dem, wie stark der Wind weht und die Sonne scheint, ist damit ein entsprechender Anteil an der insgesamt benötigten Strommenge vergeben. Lediglich der Rest bleibt für die anderen Kraftwerke übrig. Das ist politisch so gewollt. Die Strompreise an der Börse purzeln durch das Überangebot bis hin zu absurden negativen Preisen (Entsorgungsgebühren). Ausgerechnet Kernkraftwerke (die aber aus politischen Gründen abgeschaltet werden sollen) und moderne Braunkohlekraftwerke haben die mit Abstand geringsten Brennstoffkosten. Lange vorher, müssen (heute schon) auch modernste Erdgaskraftwerke und bald auch modernste Steinkohlekraftwerke abstellen.

Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der Faktor Zeit. Jeden Tag, an dem ein Kraftwerk nicht laufen darf, schreibt es dunkelrote Zahlen. Andererseits können die Kraftwerke mit geringen Brennstoffkosten ihre Kredite weiter abbauen. Hat in diesem Sinne schon jemals ein Politiker oder Konzernlenker über die Konsequenzen nachgedacht, wenn demnächst die Brot-und-Butter-Kraftwerke zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Der „Atomausstieg“ wird noch richtig heiter werden.

Interessant sind auch die Auswirkungen auf Neuinvestitionen. Alle reden von einem Boom bei Gaskraftwerken. Sicherlich erfordern Gaskraftwerke die mit Abstand geringsten Investitionen. Insofern erscheint das betriebswirtschaftliche Risiko gering. Allerdings gilt das nur für niedrige Gaspreise (Putin läßt grüßen!) bei gleichzeitig hohen Strompreisen. Wer garantiert aber, daß die Strompreise an der Börse bald stark steigen? Was ist, wenn die Absatzmenge in Deutschland durch eine beschleunigte Deindustrialisierung schneller rückläufig ist, als allgemein erwartet wird? Was, wenn unsere Nachbarn mit billigem Strom – beispielsweise aus Kernkraftwerken – auf den deutschen Markt drängen?

Warum es keine Kapazitätsmärkte gibt

Die Grundvoraussetzung für einen Markt ist das aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage. Wo es gar keine Nachfrage gibt, kann auch kein Markt entstehen. Insofern ist der naturgegebene Markt, der Markt für elektrische Energie. Genauso wie es Märkte und Börsen für Diesel und Benzin gibt, aber keine Börse für Raffinerien. Alle politischen Kopfgeburten leiden an einem systembedingten „Nicht-funktionieren-können“. Der Begriff Markt ist oft nur eine Verballhornung der Planwirtschaft. Typischer Vertreter dieser politischen Kategorie ist der Handel mit CO2.-Zertifikaten“.

Entweder man ist für freie Märkte (nur Energie in €/kWh) oder man entscheidet sich wieder zur Rückkehr zum regulierten Markt (Bereitstellungspreis in €/kW und Energie in €/kWh nach individuellen Umständen). Jedes der beiden Systeme hat Vor- und Nachteile.

Zu Märkten gehören untrennbar Unternehmer und unternehmerisches Risiko. In diesem Sinne kann sich ein Kraftwerk nicht von einer Eisdiele unterscheiden. Mit beiden kann man Geld verdienen. Aber für beide kann die falsche Einschätzung des Wetter-Risikos tödlich sein. Eine Eisdiele muß ihr Geld verdienen, wenn der Kunde Eis essen möchte. Nicht anders, kann es bei einem Kraftwerk sein. Der Spruch: „Man zahlt ja auch nicht nur für die Feuerwehr, wenn es brennt“, ist die Denkweise eines Kombinatsleiters und nicht eines Unternehmers.

Es ist kein Zufall, daß ausgerechnet die „Stadtwerke“, die massiv in Gaskraftwerke investiert haben, nun lautstark „Kapazitätsmärkte“ fordern. Es ist der bekannte Ruf nach Subventionen. Ihr Problem, wenn sie irgendwann angefangen haben, an die eigene Propaganda von den „flexiblen“ und „umweltfreundlichen“ Gaskraftwerken zu glauben. Es ist in diesem Land scheinbar zum Volkssport für gewisse politische Kreise geworden, die Verbraucher immer weiter mit Abgaben zu belasten. Früher war man wenigstens so ehrlich, die eigenen politischen Wünsche aus den öffentlichen Haushalten – und damit über Steuern – abzudecken. Eine weitere „Kapazitätsabgabe“ wird mit Sicherheit die Strompreise nicht senken.

Man sollte dem Markt endlich freien Lauf gewähren und unrentable Kraftwerke pleite gehen lassen. Es wird sich schon ein Käufer finden. Der kann dann anschließend auch billiger anbieten. Die Damen und Herren, die ignoriert haben, daß Kernbrennstoff und Kohle billiger als Erdgas sind, müssen sich halt einen neuen Job suchen. Auch das Warten auf höhere „CO2-Preise“ wird sie nicht mehr retten können. Wenn man CO2. zu einem Schadstoff erklären will, wird man um Grenzwerte nicht umhin kommen. Präsident Obama macht es gerade vor.

„Kapazitätsmärkte“ können die Randbedingungen nicht verändern:

  • Je mehr Wind und Sonne in den Markt gedrückt wird, um so mehr wird Angebot und Nachfrage auseinandergehen. Die unvermeidliche Folge sind immer stärker schwankende Strompreise.
  • Je stärker die Preise schwanken, um so höher muß der Risikoaufschlag werden. Das Niveau der Strompreise (in Deutschland) wird dadurch weiter steigen.
  • Je höher die Preise steigen, um so mehr setzen Ausweichbewegungen ein. Eine massive Abwanderung der Industrie ins Ausland wird stattfinden. Sollte das der heimliche politische Wunsch sein, dann weiter so.
  • Das Ausland wird dem deutschen Vorbild auf keinen Fall folgen. Man wird gerne die Arbeitsplätze übernehmen und wird auch gerne billigen Strom liefern. Schließlich schafft auch der Bau und Betrieb von Kraftwerken Arbeitsplätze.
  • Solange man das Prinzip der Grenzkosten (merit order) beibehält, ist die Schwankung (Volatilität) der Energiepreise immer größer als bei einem regulierten System mit Leistungs- und Energiepreisen. Ein „Kapazitätsmarkt“ kann daran nichts ändern.
  • Ein „Kapazitätsmarkt“, d. h. die Bezahlung für das reine Bereithalten eines Kraftwerks, ist eine Subvention. Es entsteht ein reiner Mitnahmeeffekt, der keine Senkung der Energiepreise zur Folge hat.
  • Eine Lösung ist nur auf europäischer Ebene unter Beachtung europäischen Rechts möglich. Ein weiterer Alleingang Deutschlands wird nicht toleriert werden. Dies gilt um so mehr das Netz durch zusätzliche Grenzkopplungen verstärkt wird.
  • Die Volatilität wird durch den weiteren Ausbau der „Regenerativen“ immer weiter zunehmen. Ein „Kapazitätsmarkt“ kann ohnehin nur einen etwaigen Mangel an Leistung, nicht aber den Überschuß (wenn der Wind mal kräftig weht oder die Sonne großräumig scheint) beeinflussen.
  • Eine Kaltreserve war immer schon üblich. Was geschieht mit dem „Kapazitätsmarkt“, wenn die Gaspreise einmal (relativ) sinken sollten? Werden dann die erhaltenen Subventionen an die Verbraucher zurückgezahlt?
  • Je länger man das Eingeständnis, daß die „Energiewende“ ein Fehler ist, hinauszögert, um so mehr Zwangsabgaben sind nötig: Es begann mit der EEG-Umlage, dann folgte die Netzumlage und jetzt ist eine Kapazitätsabgabe im Gespräch. Planwirtschaft wuchert wie eine Krebsgeschwulst.
  • Nur ein ausgewogener Kraftwerkspark ist die beste Garantie für Preisstabilität. „100% Erneuerbare“ ist eine gefährliche Utopie.

 

Netzentwicklungsplan 2015

– die Vollendung der Planwirtschaft?

Die Übertragungsnetzbetreiber haben den Szenariorahmen 2014 als Grundlage für die Netzentwicklungspläne 2015 veröffentlicht. Alle sind zur Diskussion aufgerufen. Nicht ganz unwichtig, da dieser Plan zur ersten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans durch den Bundesgesetzgeber führt.

Wie es sich für eine anständige Planwirtschaft gehört, muß der Deutsche Bundestag alle drei Jahre einen neuen „Bundesbedarfsplan“ verabschieden. Wesentlicher Teil des Bundesbedarfsplans ist eine Liste künftiger Höchstspannungsleitungen. Wer es noch nicht ganz verstanden hat: Es gehört zur ehrenvollen Aufgabe unserer Bundestagsabgeordneten zu entscheiden, wo, welche Höchstspannungsleitung gebaut wird. Da natürlich keiner unserer Abgeordneten so richtig sattelfest in Elektrotechnik sein dürfte, läßt man sich diesen Plan über die Bundesnetzagentur vorlegen. Man braucht dann nur noch mit ja oder nein abstimmen und dafür ist bekanntermaßen keinerlei (Fach)wissen nötig. Nun gibt es aber ein gewisses Restrisiko, in der Form des nächsten Wahltermins. Deshalb bezahlt man eine ganze Scharr von Hofnarren, auf die man gegebenenfalls alles abschieben kann. Die wollen aber natürlich auch nicht ganz allein im Regen stehen und lassen sich deshalb Vorgaben von den Politikern machen. Damit hat man den perfekten Regelkreis der organisierten Verantwortungslosigkeit erschaffen.

Fragt doch mal die Maus!

Nachts ist es dunkel. In Deutschland ist es besonders im Winter ganz schön lange dunkel. Es weht auch oft gar kein Wind – dummerweise gerade auch im Winter, wenn es kalt und dunkel ist. Das hat man immer und immer wieder, so gemessen! Die Natur ist einfach gemein, die will einfach nicht auf die guten Onkel und Tanten mit grüner Gesinnung hören. Weil die Natur nun so ist, wie sie ist, braucht man zu 100 % eine Absicherung durch konventionelle Kraftwerke. Speicher, die den Stromverbrauch von Deutschland für mehrerer Tage speichern könnten, gibt es nicht. Wird es auch wahrscheinlich nie geben. Ganz zu schweigen, von den Kosten und der Umweltbelastung.

Nicht weniger schlimm, ist es aber, wenn der Wind mal kräftig weht und die Sonne scheint. Dann wird plötzlich viel mehr Strom produziert, als wir überhaupt in Deutschland verbrauchen können. Dann müssen wir jedes mal unseren Nachbarn richtig Geld bezahlen, damit sie für uns den Stromabfall entsorgen. Und genau dafür, brauchen wir die vielen neuen Stromleitungen, die so schön in unsere Landschaft passen. Ist doch super, oder? Bezahlen dürfen wir auch gleich doppelt, nicht nur für die vielen Stromleitungen, sondern auch für Produktionskosten an die Windmüller und die schlauen Sonnenmännchen. Unser zuständiger Minister, der „Sigi Pop“ sagt zwar, daß uns unsere Nachbarn für bekloppt halten, aber das kann uns doch egal sein, da stehen wir einfach drüber. So, liebe Abgeordneten, eigentlich wisst ihr jetzt alles, was ihr für die Abstimmung braucht. Seit mal ehrlich, wenn euch das mit dem Euro auch mal einer so einfach erklärt hätte….

Das Verfahren

Die Politik macht eine Vorgabe wieviel elektrische Energie in der Zukunft erzeugt werden soll. Dafür ermitteln die Übertragungsnetzbetreiber ein Leitungssystem, welches diese Vorgabe erfüllen könnte. Abschließend verabschiedet der Bundestag ein Gesetz, in dem diese Höchstspannungsleitungen festgeschrieben werden.

Eigentlich sollte der Unterschied zwischen einer rechnerischen und einer realen Größe jedem Politiker geläufig sein. Addiert man beispielsweise alle Einkommen und teilt diese Summe durch die Anzahl der Einwohner, erhält man den Mittelwert des Pro-Kopf-Einkommens. Das sagt aber nichts darüber aus, wieviel Kleinrentner und Millionäre es gibt! Gibt man nun den prozentualen Anteil an „Erneuerbaren“ vor (konkret 40 bis 45% in 10 und 55 bis 60% in 20 Jahren), ergibt das noch lange keine Einsparung an fossilen Energien. Am anschaulichsten läßt sich dies am Beispiel der Sonnenkollektoren erklären: Nachts ist es dunkel. Will man nun einen bestimmten Anteil des verbrauchten Stroms durch Sonnenenergie gewinnen, müßte man diesen Anteil notgedrungen ausschließlich am Tage produzieren. Rechnerisch erscheint das – zumindest in Grenzen – möglich, real ist es jedoch ohne Speicher physikalisch unmöglich. Wenn man keine Speicher hat, muß man die volle Leistung durch konventionelle Kraftwerke bereit halten. In der Realität ist die Sache aber noch ungünstiger. Der Wind weht relativ selten bzw. überwiegend schwach und die Sonne scheint noch weitaus seltener mit der Leistung auf dem Typenschild. Jedenfalls kann nicht einmal der Mix aus „Erneuerbaren“ mit einer Energieeffizienz von 40 % aufwarten. Die Physik und die Meßwerte (z. B. Energiestatistik von Deutschland) sprechen eine eindeutige Sprache. Warum soll aber diese einfache Erkenntnis eine solche Tragweite haben?

In einem Stromnetz muß zu jedem Zeitpunkt ein Gleichgewicht zwischen erzeugter und verbrauchter Leistung bestehen. Die absolute Obergrenze die man theoretisch einspeisen könnte, ist also die momentan verbrauchte Leistung. Technisch, ist die mögliche Leistung noch wesentlich geringer. Es gibt nur zwei Möglichkeiten mit diesem Problem umzugehen: Entweder man regelt die „Erneuerbaren“ ab, was ihre ohnehin schon geringe Energieeffizienz weiter verschlechtern würde und ihre Kosten in schwindelerregende Höhen treiben würde oder man vergrößert das Netz. Um es noch einmal mit anderen Worten ganz deutlich zu sagen: Der einzige Grund für den geplanten Netzausbau ist, den Abfallstrom aus den Regionen mit Überproduktion abzutransportieren. Nur diesem einzigen Zweck dient der ganze Zirkus. Würde man zu dem alten Grundsatz zurückkehren, Strom dort zu produzieren, wo man ihn auch braucht, würde man auch keine zusätzlichen Höchstspannungstrassen brauchen.

Dem ganzen Ansatz, das Problem von nicht benötigter Leistung durch einen Netzausbau lösen zu wollen, ist ohnehin nur eine kurze Lebensdauer vergönnt. Er wird genau so lange funktionieren, wie unsere Nachbarländer gewillt sind, unseren Stromabfall aufzunehmen. Ein guter Indikator sind die zu entrichtenden Entsorgungsgebühren – auch negative Börsenpreise genannt. Spätestens, wenn die Entsorgungsgebühren höher als die Vergütung (Einspeisevorrang) für die Windmüller und Sonnenmännchen sind, wird man deren Anlagen abregeln. Bin gespannt, wann die ersten (staatlich geförderten) Verschrottungsprämien für Windräder und Sonnenkollektoren eingeführt werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lange bevor ein Anteil von 50% (produzierte Energie, also MWh und nicht nur installierte Leistung MW) Wind und Sonne an der Stromerzeugung erreicht ist.

Die Standortfrage

Einfach eine Stromleitung irgendwo hin zu bauen, nützt auch nichts. Es sollte schon ein Kraftwerk in der Nähe sein. Damit ergeben sich zwei Probleme, die sich auch noch gegenseitig beeinflussen. Einerseits muß man Voraussagen, wo, welche konventionellen Kraftwerke stehen und andererseits wo die „Erneuerbaren“ gebaut werden. Wenn sich die Standorte nicht decken – was wahrscheinlich ist – braucht man auch noch doppelte Leitungen. Außerdem sind die Leitungen für die „Erneuerbaren“ sehr viel kostspieliger, weil sie wegen deren geringen Effizienz ebenfalls nur schlecht ausgelastet sein können.

Konventionelle Kraftwerke

Es ist politisch gefordert, konventionelle Kraftwerke abzuschalten. Außerdem gibt es auch noch unterschiedlich „politisch korrekte Kraftwerke“: Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle Erdgas usw.

Inzwischen hat es sich rum gesprochen, daß auch ein Kraftwerk mindestens seine Kosten (Kapital, Brennstoff etc.) einnehmen können muß (Strompreise). Spätestens, wenn die Brennstoffkosten die Stromvergütung übersteigt, ist es an der Zeit, das Kraftwerk abzuschalten. Leider, richten sich gerade die Brennstoffpreise nicht nach den Idealen der Politiker. Auch die planwirtschaftlichen Ideen einer „Brennstabsteuer“ und einer „CO2.-Abgabe“ waren bisher nicht besonders hilfreich.

Wie lösen nun unsere „Szenario-Bastler“ das Problem? Jedes Kraftwerk bekommt eine Lebensdauer zugewiesen. Modelltechnisch eine elegante Lösung. Nur bitte, was soll die Lebensdauer eines Kraftwerks sein? Die technische Lebensdauer eines Kraftwerks ist theoretisch unendlich, da man immer wieder reparieren und modernisieren kann. Es gibt nur eine wirtschaftliche Lebensdauer, die freilich viel schwerer zu definieren ist. In ihr schlummert jede Menge politischer Willkür! In des Wortes Bedeutung, kann jede Flutwelle im fernen Asien das politisch erzwungene aus bedeuten. Die „klimafreundlichen“ und „flexiblen“ Gaskraftwerke können in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden, wenn ein Diktator in Moskau mit dem falschen Bein aufsteht. Ausgerechnet Braunkohle und Kernenergie haben den geringsten Brennstoffpreis und bieten die höchste Versorgungssicherheit – oder ist genau das der Grund, warum sie so bekämpft werden?

Also, liebe Politiker, sagt ihr uns Ingenieuren mal, welche Kraftwerke ihr haben wollt. Wir sagen euch dann, was ihr dafür für Mittel in eurem Haushalt bereitstellen müsst. Ein bischen Planwirtschaft geht genauso wenig, wie ein bischen schwanger sein. Eine Regierung, die sich anmaßt über Stromleitungen zu entscheiden, wird doch wohl auch noch sagen können, welche Kraftwerke wohin sollen. Das ging doch in der DDR auch ganz gut und 40 Jahre muß doch keiner von euch mehr im Amt bleiben. Wir bringen auch an jedem Kraftwerk eine Bronzetafel mit euren Namen an.

Die Rolle der Energiekombinate

Aber unsere Energiekombinate sind keinen Deut besser. Anstatt der Öffentlichkeit mal klaren Wein einzuschenken, hängen sie an den Lippen irgendwelcher Politiker und verzapfen lieber dämliche Werbekampagnen. Mit Unternehmertum hat das schon lange nichts mehr zu tun. Vielleicht ist aber auch das bewusstes handeln, um ein Gesellschaftssystem zu diskreditieren und letztendlich zu zerstören. Mein Mitleid für Massenentlassungen und sinkende Dividenden hält sich jedenfalls immer mehr in Grenzen.

Wer das für übertrieben hält, soll mir mal erklären, warum man in der Netzstudie von einem Abnehmen der Kraftwerkskapazität und dem zukünftigen Strombezug aus dem Ausland ausgeht.

Die Rolle Europas

Das wäre nach meinem Verständnis von Demokratie, eine Debatte die ins Parlament gehört: Wollen wir in Deutschland noch elektrische Energie selbstbestimmt produzieren oder zukünftig nur noch abhängig aus dem Ausland beziehen? Bundespolitiker, die ernsthaft über den Verlauf von Stromleitungen abstimmen wollen, sollten vielleicht besser mal über ihr Selbstverständnis als Bundestagsabgeordnete nachdenken. Im Szenario wird ein zunehmender Stromhandel als gewünscht vorausgesetzt. Angeblich hat der nur Vorteile. Was soll ein „europäischer Stromhandel“ eigentlich sein? Selbstverständlich liegen die Verbrauchsschwerpunkte von Antwerpen und Rotterdam nahe am rheinischen Braunkohlerevier und die tschechischen Kernkraftwerke fast in Sichtweite von Bayern. Aber wollen wir wirklich polnischen Kohlenstrom nach Spanien transportieren und griechischen Sonnenstrom nach Dänemark? Wie soll man die putzigen Diagramme über „Simulationen“ von ganz Europa interpretieren? „Referenzzeitpunkt Januar 19.00“: Um 19.00 Uhr (wahrer) Ortszeit ist es in ganz Europa schon ganz schön dunkel im Januar! Gerade im Januar gibt es ausgeprägte Hochdruckwetterlagen, die zur Flaute in ganz Zentraleuropa führen. Müssen dann beispielsweise die französischen Kernkraftwerke Deutschland versorgen oder dürfen sie ihre eigene Bevölkerung bevorzugen? Wäre es nicht fair, wenn die Franzosen als Ausgleich für die „Strahlenbelastung“ weiter arbeiten dürften und abends eine warme Wohnung vorfänden? Die Deutschen könnten sich ja zum warm tanzen um ihre Windmühlen versammeln.

Wer selbst nichts produziert, hat auch nur noch geringen Einfluß auf die Produktionsweise. Wer keine „Chlorhühnchen“ will, muß halt selber Hühner nach seinen Vorstellungen produzieren, sonst muß gegessen werden, was auf den Tisch kommt – oder man verzichtet gleich ganz aufs Essen.

Prognosen des Stromverbrauches

Prognosen sind Vorhersagen, bei denen man Nachfrage und Angebot vorhersagen muß, die sich aber auch noch gegenseitig beeinflussen. Das macht das Funktionieren einer jeden Planwirtschaft prinzipiell unmöglich. Das Szenario macht es sich nun besonders einfach, indem es die Nachfrage in den nächsten zwanzig Jahren als wesentlich konstant annimmt (mit 600 TWh Jahresenergieverbrauch bei 86 GW Spitzenlast). Man geht lediglich von den politischen Vorgaben der jährlichen Ausbauraten an „Erneuerbaren“ aus. Schon der konventionelle Kraftwerkspark soll sich daraus ergeben, wird angenommen.

Das Angebot in Form von Strompreis und Verfügbarkeit bestimmt aber schon mittelfristig ganz entscheidend die Nachfrage: Je mehr die Strompreise steigen, je mehr Betriebe werden in Deutschland keine Ersatz- und Neuinvestitionen mehr tätigen. Der Stromverbrauch der Industrie wird im Rhythmus der Betriebsschließungen sinken. Aber auch die Sektoren Handel und Handwerk sind betroffen. Zwar ist der Verbrauch der Privathaushalte sehr unelastisch – da hilft auch kein Glühbirnenverbot, keine Zwangsabschaltung von Kaffeemaschinen und keine Staubsaugerattrappen – aber der geringer werdende Konsum wirkt indirekt: Den Euro für die Stromrechnung kann man nicht noch einmal zum Becker tragen, der selbst seine Preise ständig wegen der steigenden Energiekosten erhöhen muß. Konsequenz: Man kauft halt weniger Kuchen. Öko-Sozialismus ist eine Abwärtsspirale, die im Moment noch langsam zunimmt, aber immer enger wird.

Fazit

Dieses Verfahren ist eine einzige Farce. Wenn Politiker über Stromleitungen entscheiden wollen, soll man ihnen eine Karte und ein paar Filzstifte geben. Jeder Abgeordnete kann dann „seine Lieblingsleitung“ einzeichnen. Er muß dann allerdings auch die alleinige Verantwortung dafür übernehmen. Einfach populistisch eine – zudem auch noch völlig unrealistische – Bandbreite vorgeben (40 bis 45% Anteil in zehn Jahren), geht nicht. So einfach, kann man sich nicht aus der Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung einer ganzen Nation stehlen. Die Kritik trifft aber nicht nur die Politiker allein. Die Übertragungsnetzbetreiber und Energieversorger müssen endlich ihre Verantwortung als Unternehmer übernehmen. Immer nur aus Bequemlichkeit an den Lippen der Politiker kleben und möglichst in vorauseilendem Gehorsam jeden Wunsch erfüllen, ist auf Dauer tödlich. Am Ende ist das Kapital der Aktionäre verbrannt und die Arbeitsplätze der Arbeitnehmer vernichtet. Vielleicht ist aber gerade das, der Zweck der „Energiewende“.

Wende der „Energiewende“?

Die „Energiewende“ scheint unwiederbringlich ihren Zenit überschritten zu haben. Um so hektischer und peinlicher werden die Rettungsvorschläge. Immer heftiger wird der „Ausstieg aus dem Ausstieg“ dementiert.

Der dreidimensionale Schraubstock der Strompreise

Langsam dämmert es immer mehr Menschen in Deutschland, daß sie durch die ständig steigenden Strompreise mehrfach ausgequetscht werden:

  1. Jedes mal, wenn die Stromrechnung wieder etwas höher ausgefallen ist, geht ein Stück vom Kuchen des eigenen Einkommens verloren. Den Euro, den man an seinen Energieversorger bezahlt hat, kann man nicht noch einmal ausgeben. Nicht für Urlaub usw. – nein, auch nicht für die Anschaffung eines neuen Kühlschrankes mit Energie-Spar-Aufkleber! Mag das Stück vom Kuchen manchem auch klein erscheinen, so ist das sehr relativ: Bei Rentnern, Studenten, Arbeitslosen etc., ist der Kuchen des Familieneinkommens meist recht klein. Strompreise sind sozialpolitisch die Brotpreise von heute! Last euch das gesagt sein, liebe Genossinnen und Genossen von der SPD!
  2. Jedes Unternehmen benötigt elektrische Energie! Die Ausgaben für „Strom“ sind genau so Kosten, wie Material und Löhne und müssen damit über die Preise an die Kunden weiter gegeben werden. Hier zahlen wir zum zweiten Mal! Selbst „ökologisch wertvolle Betriebe“ sind davon nicht ausgenommen: So macht allein die „EEG-Abgabe“ bei den Berliner Verkehrsbetrieben 20 Millionen Euro pro Jahr – Kosten oder Nicht-Kosten – aus. Wie war das doch noch mal, liebe Grün-Alternativen? Sollten wir nicht mehr mit der Bahn fahren? Wegen „Klima“ und so?
  3. Kosten sind Kosten. Steigen die Energiekosten, müssen andere Ausgaben gesenkt werden. Das werdet ihr spätestens bei den nächsten Tarifverhandlungen noch lernen, liebe Gewerkschaftsfunktionäre. Vielleicht auch nicht mehr, weil eure Betriebe bereits dicht gemacht haben. Die Goldader, die jedes Unternehmen angeblich im Keller hat, von der ihr nur ein größeres Stück abschlagen müsst, war nur ein Märchen. Sonst hättet ihr das ja auch schon längst gemacht, gelle?

Um es noch einmal klar und deutlich in einem Satz zu sagen: Steigende Energiepreise bedeuten höhere Ausgaben bei steigenden Preisen und sinkenden Einkommen. Wer das Gegenteil behauptet, lügt! Mögen die Lügen auch in noch so wohlklingende Worte verpackt sein.

Der klassische Verlauf

Es ist immer der gleiche Ablauf, wenn sich Politiker anmaßen, die Gesellschaft zu verändern. Egal, ob über „Bauherrenmodelle“, „Filmfonds“, „Abschreibungsmodelle für Containerschiffe“ oder eben das „EEG“. Am Anfang steht eine Vision von einem angeblichen Mangel. Flugs nimmt die Politik einen Haufen fremdes Geld – besser gesagt unser aller Geld – in die Hand und verteilt dieses um. Am unbeliebtesten ist dabei der Einsatz von Haushaltsmitteln – schließlich hat man ja noch eine Menge anderer toller Ideen. Früher waren sog. „Sonderabschreibungen“ ein probates Mittel die Gier zu befriedigen. Leider wurde von den Investoren meist übersehen, daß der Staat nur Steuern stundet, nicht aber verschenkt. Das ökosozialistische Ei des Kolumbus war die Schaffung eines Schattenhaushaltes in der Form des „EEG“ durch „Rot/Grün“. Allen Modellen gemeinsam, ist die Gier und Unwissenheit potentieller Investoren.

Aus letzterem Grund ist der zeitliche Ablauf immer gleich: Sobald das Gesetz verabschiedet ist, schlagen die Profis aus den Banken etc. zu. Sie machen tatsächlich Gewinne. Nach einer gewissen Zeit jedoch, sind die besten Grundstücke usw. vergeben. Gleichzeitig steigen durch die erhöhte Nachfrage die Preise der Hersteller. Jetzt schlägt die Stunde des (halbseidenen) Vertriebs. Profis, wie Banken, steigen aus und verscherbeln ihre Investitionen mit Gewinn an die Kleinanleger. Jetzt werden die Laien skalpiert. Selbst diese Phase geht bei Wind, Sonne und Bioenergie langsam zu Ende. Der letzte Akt beginnt.

Unternehmen, die sich die Sache in ihrer Gier bedenkenlos schön gerechnet haben, gehen Pleite. Die Investoren verlieren nicht nur ihr Geld, sondern leiten eine Abwärtsspirale ein: Ihre Objekte kommen nun auf den Markt und erzielen nur noch reale Preise, die meist deutlich unter den Herstellungskosten liegen. Die Verwerter stehen bereit. Wie schnell die Preise bei Zwangsversteigerungen purzeln, kennt man z. B. von den „Bauherrenmodellen“ nach der Wende. Dies betrifft aber nicht nur diese gescheiterten Investoren. Plötzlich machen neue Preise die Runde. Über Nacht ist kein Investor mehr bereit, die überhöhten Preise zu bezahlen. Es entsteht schlagartig ein enormer Kostendruck auf der Herstellerseite. Der größte Teil der Hersteller wird in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden. Ganz so, wie die aufgeblähte Bauindustrie nach der Wende.

Interessant ist, wie die eigentlichen Täter, die Politiker reagieren. Sie schreien unverzüglich: Haltet den Dieb! Nicht etwa die „Energiewende“ ist schuld, sondern es müssen schärfere Kapitalmarktkontrollen zum Schutz der Anleger her. Man erblödet sich nicht, Jahrzehnte alte Finanzinstrumente (Genußscheine) in Verruf zu bringen. Ganz so, als würde sich ein Schnapsfabrikant hinstellen und die Flaschenhersteller dafür verantwortlich machen, daß sie an den bedauernswerten Alkoholikern schuld tragen.

Die Milderung des Anstiegs oder die Quadratur des Kreises

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Entweder man gibt die Menge elektrischer Energie zu einem bestimmten Zeitpunkt vor und kann sich dann die erforderliche Anzahl Apparaturen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel ausrechnen oder man gibt den Zahlungsstrom vor und kann sich ausrechnen, wieviel Strom man dafür erhält. Beides gleichzeitig geht nicht, weil beides streng voneinander abhängt. Soll keiner nachher wieder sagen, man hätte ja nichts davon gewusst oder eigentlich wäre eine „Energiewende“ ja ne tolle Sache gewesen.

Der neuerdings propagierte sanfte Ausbau, hat allerdings seine Logik. Es ist die Logik des Machterhalts. Würde man eingestehen, daß die „Energiewende“ Unsinn ist, würde man die „systemrelevante“ Frage nach der Allwissenheit der Politik stellen. Wenn man einmal zugibt, daß der Kaiser nackend ist, ist die Nomenklatura am Ende. Deshalb muß weiter gelten: Die Partei hat immer recht. Jedenfalls so lange, bis die Mehrheit des Volkes nicht mehr bereit ist, dieses Spiel mit zu spielen. Dann ist wieder einmal „Wendezeit“.

Mancher Politiker bekommt langsam Ohrensausen. Wer noch einen Rest von „Kontakt zum Volk“ hat, merkt den wachsenden Zorn über steigende Strompreise. Wenn jetzt auch noch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes hinzukommt, könnte die Sache eng werden.

Der Popanz von den bösen Kapitalisten, die ihren Anteil an der „Ökostromumlage“ nicht zahlen wollen, kann nur bei besonders einfältigen oder gläubigen Menschen verfangen. Menschen, die etwas aus der Geschichte gelernt haben, sehen die Gefahr der „Ulbrichtfalle“ aufziehen: Je mehr Unternehmen ihre Standorte ins Ausland verlagern, um so mehr lukrative Arbeitsplätze gehen verloren. Den Unternehmen werden wieder die Menschen in Richtung Freiheit und Wohlstand folgen. Wie soll der Ökosozialismus reagieren? Mauer und Schießbefehl im Internetzeitalter?

Wie panisch die Reaktion der Politiker wird, zeigt der Plan, auch auf die sog. Eigenstromerzeugung die „EEG-Umlage“ zu erheben. Bisher war doch die Kraft-Wärme-Kopplung ein Bestandteil der „Energiewende“. Unternehmen, die „energieeffizient“ waren, haben sich solche Anlagen gebaut. Oft genug, am Rande der Wirtschaftlichkeit. Jetzt sollen sie mit der „EEG-Umlage“ dafür bestraft werden. Natürlich mit einem etwas geringeren Satz. Hier wird wieder einmal unverhohlen gezeigt, daß es gar nicht um Umweltschutz geht, sondern nur darum, „die Belastbarkeit der Unternehmen zu testen“. Klassenkampf in Reinkultur. Die gleichen Funktionäre, die immer von dem notwendigen Investitionsschutz säuseln (wenn es um die Photovoltaik auf dem Dach der eigenen Klientel geht), gehen mit Eigentumsrechten bei Kraftwerken locker um – egal ob es sich um Kernkraftwerke oder fossile Anlagen handelt. Langsam, aber sicher, entwickelt sich Deutschland in der Eigentumsfrage immer mehr zur Bananenrepublik. Das Kapital ist aber bekanntermaßen scheu und ängstlich. Deshalb verfällt man immer mehr auf eine „Bürgerbeteiligung“. Zu was es führt, wenn sich Banken wegen des unvertretbar hohen Risikos zurückziehen (müssen), sieht man gerade am Fall Prokon.

Die Bedeutung von Leistung und Energie

Leistung (kW) ist leider nicht gleich Energie (kWh). Entscheidend bei der Berechnung der erzeugten Energie aus der Nennleistung einer Anlage (kW) ist die Zeitdauer (h), in der die Leistung des Typenschilds wirksam ist. In Deutschland beträgt diese Zeitspanne bei Photovoltaik deutlich unter 1000 Stunden pro Jahr und bei Windmühlen deutlich unter 3000 Stunden pro Jahr. Will man nun eine bestimmte Menge elektrischer Energie (z. B. 50 % oder gar 100 % des gesamten Stromverbrauches in einem bestimmten Jahr) erzeugen, muß man diesen Wert (kWh/a) durch die „Vollbenutzungsstunden“ (h/a) des entsprechenden Verfahrens teilen. Man erhält die Leistung (kW), die mindestens installiert werden muß. Da z. B. die Sonne nur recht selten scheint (nachts ist es dunkel, an vielen Tagen trübe) erhält man sehr große (rechnerische) Leistungen die installiert werden müssen. Dieser Zusammenhang ist trivial, aber ausschlaggebend für das zwingende Scheitern einer Energieversorgung ausschließlich durch „Erneuerbare Energien“. Die Sache hat nämlich zwei Harken:

  1. Wenn die Natur keine, dem momentanen Bedarf entsprechende Erzeugung (Nacht, Flaute etc.) zuläßt, muß die elektrische Leistung über konventionelle Kraftwerke bereitgestellt werden. Hierzu zählen auch alle großtechnischen Speichersysteme, da dort die Rückwandlung immer über konventionelle Verfahren führen muß (Wasserkraft, Turbinen etc.).
  2. Wenn der Wind mal richtig weht oder ein strahlend blauer Himmel vorhanden ist, ist die erzeugte Leistung sehr schnell und sehr oft größer als die gerade im Netz verbrauchte Leistung. Physikalisch gibt es nur drei Möglichkeiten, dem entgegen zu treten: Man schaltet (teilweise) Windmühlen oder Sonnenkollektoren ab, entsorgt den Überschuß in benachbarte Netze oder erhöht künstlich den Verbrauch (Speicher). Es lohnt sich, diese drei Möglichkeiten etwas näher zu hinterfragen.

Immer, wenn man gezwungen ist, Anlagen wegen Überproduktion abzuschalten, wird das für den Stromkunden sehr teuer. Die entsprechende Anlage produziert noch weniger Strom und muß diesen deshalb noch teurer verkaufen um ihre Investitions- und Betriebskosten abdecken zu können. Deshalb hat die Politik den Abnahmezwang eingeführt. Die Kosten werden bewußt auf die Verbraucher abgewälzt, um die Produzenten zu schonen. Man könnte auch sagen, weil sich die „Vollbenutzungsstunden“ (h/a) verringern, muß man zusätzliche „Schattenanlagen“ errichten, um die angestrebte Energieausbeute zu erreichen. Physikalisch betrachtet funktioniert das nicht einmal, da man zu jedem Zeitpunkt Produktion und Verbrauch im Gleichgewicht halten muß! Aus diesem Grund hat sich die Politik für den zweiten Weg entschieden. Wenn man etwas nicht gebrauchen kann, nennt man es Abfall. Um Abfall zu entsorgen, muß man immer eine Gebühr entrichten. Dies geschieht an der Strombörse: Die gewaltsame Abnahme geschieht über den Preis. Der Strompreis für den „Alternativstrom“ wird stets so niedrig angesetzt, daß er gerade noch einen Käufer findet. Ist die Energie für niemanden mehr etwas wert, muß die Entsorgung sogar bezahlt werden (negative Strompreise an der Börse). Ganz genau so, wie bei der Müllverbrennungsanlage, wo man für die Dienstleistung der Abfallbeseitigung auch eine Gebühr entrichten muß. Der dritte Weg ist uns dadurch bisher erspart geblieben: Man baut zusätzliche Stromverbraucher (z. B. zur Erzeugung von synthetischem Erdgas) und produziert damit sehr teuer ein Produkt, welches ohnehin im Überfluß vorhanden und billig zu kaufen ist. Jedenfalls erheblich billiger, als elektrische Energie! Dieses System verkauft man als „Speichertechnologie“, weil man anschließend dieses Erdgas wiederum unter erheblichen Verlusten in Gaskraftwerken verfeuert, die man dringend für die Zeiten der Flaute und Dunkelheit benötigt. Hat es je in der Menschheitsgeschichte eine einfältigere Idee gegeben? Wenn das jemanden an etwas erinnert; richtig, an die Fleischversorgung durch Kleintierhaltung mittels der Verfütterung von subventioniertem Brot im (realexistierenden) Sozialismus.

Wenn man etwas unter den Gestehungskosten verkauft, nennt man das gemeinhin Dumping. Genau das, geschieht täglich an der Strombörse. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange sich das unsere europäischen Nachbarn noch gefallen lassen. Mit jeder Windmühle und jedem Sonnenkollektor, die zusätzlich in Betrieb gehen, wird dieses Dumping größer. Die Differenz zwischen Erzeugungskosten und erzielbarem Preis nennt man „EEG-Umlage“. Die ungekrönte Königin der Schlangenölverkäufer Frau Professor Claudia Kemfert sieht das natürlich ganz anders. In einem Interview vom 27.1.14 in der Zeitschrift Cicero antwortet sie auf die Frage nach einer Umstellung der Ökostrom-Umlage in ihrem Sinne:

„Die EEG-Umlage hat sich bewährt. Schon jetzt sinken die Erzeugungskosten für erneuerbare Energien. Trotzdem sollte man die Ausnahmen für energieintensive Industrien endlich auf ein vernünftiges Maß vermindern – allerdings nur für Unternehmen, die wirklich energieintensiv sind und im internationalen Wettbewerb stehen. Im Gegenzug sollte man die Umlage an Gegenmaßnahmen koppeln, wie die Verbesserung der Energieeffizienz. Außerdem muss der Börsenpreis stabilisiert werden: Würde nämlich der niedrigere Börsenpreis für die Erneuerbaren an die Verbraucher weitergegeben, könnte der Strompreis schon heute stabil bleiben, wenn nicht sogar sinken. Dazu könnte man überschüssige Stromkapazitäten aus dem Markt nehmen und den CO2-Preis deutlich erhöhen.“

Selten dürfte es einem Professor gelungen sein, soviel Unsinn in nur einem Absatz von sich zu geben. Selbst wenn die Erzeugungskosten (Ausgaben für Kredite, Personal, Wartung, Betriebsmittel etc.) sinken – was sich erst noch zeigen muß – hat das keinen Einfluß auf den Preis. Ein Preis bildet sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Immer, wenn mehr angeboten wird als gebraucht wird, sinkt im Handel der Preis. Wenn man sein verderbliches Gemüse überhaupt nicht an den Mann bringen kann, muß man für die Beseitigung auch noch Entsorgungskosten bezahlen – an der Strombörse „negative Preise“ genannt. Die Differenz zwischen den Gestehungskosten und dem (erzielbaren) Preis am Markt, nennt man Verlust. Die Verluste müssen aber irgendwie abgedeckt werden, da sonst die Windmüller und Sonnensammler in wenigen Wochen pleite wären. Damit genau das nicht passiert, wurde die „EEG-Umlage“ geschaffen: Sie legt diese Verluste auf die Verbraucher um. Die Strombörse ist ein hervorragender Anzeiger für das jeweilige Verhältnis von Stromproduktion zu Stromnachfrage – ausgedrückt in der Einheit Euro pro MWh. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Je weiter der Börsenpreis unter den Erzeugungskosten liegt, um so größer ist das Überangebot zu diesem Zeitpunkt. Es gibt überhaupt nichts weiter zu geben. Das System ist ja gerade für gleiche Strompreise geschaffen worden: Die tatsächlich erzielten Börsenpreise werden durch die „EEG-Umlage“ auf den Cent genau zu den staatlich garantierten Kosten ergänzt. Bisher mußten nur die konventionellen Kraftwerke ihre Verluste selbst tragen. Sie stellen deshalb (einer, nach dem anderen) einen Antrag auf Stilllegung. Die zuständige Behörde stellt dann ihre „Systemrelevanz“ fest (irgendeiner muß ja auch Strom bei Dunkelheit und Flaute liefern) und sie bekommen ihre Verluste ebenfalls durch eine (neue) Umlage für die Stromverbraucher ersetzt. Frau Kemfert wäre aber nicht Frau Kemfert, wenn sie nicht ein Interview mit etwas Klassenkampf aufpeppen würde und für „vernünftige“ Belastungen der Industrie plädieren würde. Ein richtig rausgehängter Klassenstandpunkt konnte in Deutschland schon immer mangelnde Fachkenntnisse kompensieren. Ist die Deutsche Bahn mit ihren ICE nun „wirklich energieintensiv“? Dafür steht sie aber nicht so „im internationalen Wettbewerb“, wie die Friseurmeisterin in Berlin (70 km von der polnischen Grenze, mit regem Busverkehr zum Polenmarkt mit billigen Zigaretten, billigerem Sprit und allerlei sonstigen Dienstleistungen). Dafür könnte die Bahn wieder durch die „Verbesserung der Energieeffizienz“ punkten, sie müßte einfach nur etwas langsamer fahren oder die Zugfolge ausdünnen. Im letzten Satz scheint sie doch noch die Kurve zu kriegen: „könnte man überschüssige Stromkapazitäten aus dem Markt nehmen“. Genau richtig, mit jeder Windmühle und jedem Sonnenkollektor die man verschrottet, senkt man sofort und unmittelbar den Strompreis für die Verbraucher!

Das Märchen von der immer billiger werdenden „Erneuerbaren Energie“

Der Slogan: „Die Sonne schickt keine Rechnung“ war nichts weiter, als ein Werbespruch für besonders schlichte Gemüter. Natürlich schickt die Sonne keine Rechnung. Genau so wenig, wie ein Kohlenflöz oder eine Ölquelle. Aber die Gerätschaften zum Einsammeln und Umformen kosten bei allen Energiearten Geld. Nicht der Wind, sondern die Windmühle verursacht die Kosten. Da aber, jede technische Anlage ständig repariert und einst auch erneuert werden muß, wird auch der Strom aus Wind und Sonne nie umsonst sein.

Weil von Anfang an die Herstellung elektrischer Energie aus Wind und Sonne sehr viel teurer war, hat man den Mythos irgendwelcher Lernkurven gepflegt. Selbstverständlich gibt es Lernkurven. Nur sind die – bei Windmühlen ganz offensichtlich – extrem flach. Windmühlen gibt es nämlich schon seit über 2000 Jahren. Ganz anders, als z. B. Computer.

Blieb noch die Möglichkeit, mit dem stets kleiner werdenden Abstand zu argumentieren, da ja die anderen Energieträger immer teurer würden. Warum sollten die aber immer teuerer werden, wenn es doch Lernkurven gibt? Logisch, weil die doch endlich sind. Ganz neben bei, ist die Lebensdauer unserer Sonne auch endlich. Eine solche Aussage ist also ohne die Angabe einer konkreten Lebensdauer völlig sinnlos. Flugs, ward die Theorie von peakcoal und später peakoil erschaffen. Man setzt einfach die bekannten Vorkommen als einzig und endlich an und kann damit ausrechnen, daß diese schon in „nächster Zeit“ erschöpft sind oder doch wenigstens deren Preise explodieren. Wäre vielleicht so gewesen, wenn es nicht den menschlichen Erfindergeist und den Kapitalismus geben würde. Wir haben heute die größten Vorkommen an Öl, Erdgas, Kohle, Uran usw. in der Menschheitsgeschichte, bei gleichzeitig größtem Verbrauch aller Zeiten. Die Primärenergiepreise (zumindest als Relativpreise) werden deshalb eher wieder sinken als steigen. Jedenfalls haben wir auf der Basis des heutigen Verbrauches und heutiger Relativpreise Vorräte für Jahrtausende.

Den Anhängern der Planwirtschaft blieb nichts anderes übrig, als ein neues „Marktversagen“ zu konstruieren: Die Klimakatastrophe durch die Freisetzung von CO2 war geboren. Gut und schön, man hätte unbestreitbar sehr viele fossile Energieträger, könnte die aber gar nicht nutzen, da man sonst das Klima kaputt machen würde. Es müßte daher – möglichst sofort – eine CO2.-freie Stromerzeugung her und da der Markt so etwas ja gar nicht regeln könne, muß der Staat lenkend eingreifen. Als wenn jemals die Planwirtschaft etwas anderes als Armut und Elend erzeugt hätte!

Es wird aber trotzdem für die Schlangenölverkäufer der Wind- und Sonnenindustrie immer schwieriger, den Leuten das Märchen von den billiger werdenden „Erneuerbaren“ zu verkaufen. Immer mehr Menschen erinnern sich daran, daß es nachts dunkel ist und manchmal tagelang der Wind kaum weht. Es muß also ein komplettes Backupsystem für diese Zeiten her. Egal ob mit Kohle, Erdgas, Kernenergie oder „Biomasse“ betrieben oder als Speicher bezeichnet. Zwei Systeme sind aber immer teurer, als nur ein System. Immer mehr (denkende) Menschen stellen sich daher die Frage, warum man krampfhaft versucht, unserem funktionierenden und (ehemals) kostengünstigen Stromversorgungssystem ein zweites – zu dem mit äußerst zweifelhafter Umweltbilanz – über zu stülpen.

Was hat das alles mit Kernenergie zu tun?

Erinnern wir uns an die Zeit unmittelbar nach dem Unglück in Fukushima. Die Kanzlerin wollte einen neuen Koalitionspartner. Nun, den hat sie inzwischen gefunden. Die FDP wollte die Grünen noch links überholen und warf all ihre Wahlversprechen über Bord. Nun, der Wähler hat das demokratisch gewürdigt und sie aus dem Bundestag gewählt. Alle deutschen „Qualitätsmedien“ haben gierig die Fieberträume der „Atomkraftgegner“ von „Millionen Toten und zehntausende Jahre unbewohnbar“ nachgeplappert. Nun, es hat immer noch keinen einzigen Toten durch die Strahlung gegeben. Die Aufräumarbeiten schreiten zielstrebig voran und die „Vertriebenen“ kehren langsam in ihre alte Wohngegend zurück. Kurz gesagt, das Unglück hat viel von seinem Schrecken verloren, den es für manche tatsächlich gehabt haben mag.

Deutschland ist das einzige Land auf der Welt, das aus der Kernenergie aussteigen will. Inzwischen sind zahlreiche Neubauten beschlossen. Wohlgemerkt nach Fukushima, hat Großbritannien den Neubau einer ganzen Flotte Kernkraftwerke beschlossen. Selbst Schweden – das Ausstiegsvorbild schlechthin – hat vor wenigen Wochen ein über zehn Jahre angelegtes Verfahren zur Bürgerbeteiligung zum Neubau neuer Kernkraftwerke eingeleitet. Nach Deutschland geh voran, wir folgen dir, sieht das alles gar nicht aus.

Wie ist nun die aktuelle Situation in Deutschland? Abgeschaltet wurden die älteren und kleineren Kernkraftwerke. Die Frage der Entschädigung für diese Enteignungen ist noch lange nicht durch. Die Streitsumme wird allgemein auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Einmal Mütterrente, so zu sagen. Mögen sich deutsche Politiker auch auf ihre Kombinatsleiter und deren Stillhaltung verlassen: Vattenfall ist ein schwedischer Konzern und geht von Anfang an den Weg über die internationale Handelsgerichtsbarkeit. Die Konsequenzen einer internationalen Verurteilung wegen einer unrechtmäßigen, entschädigungslosen Enteignung, übersteigt offensichtlich das Vorstellungsvermögen deutscher Provinzpolitiker bei weitem.

Oder, man geht die Sache anders an. Erst in den nächsten Jahren wird der „Atomausstieg“ zu einem echten Problem, wenn nämlich die großen Blöcke in Süddeutschland vom Netz gehen sollen. Dann erst, werden die Strompreise richtig explodieren. Einerseits, weil die immer noch beträchtlichen Mengen „billigen Atomstroms“ aus der Mischkalkulation fallen und andererseits noch sehr kostspielige Maßnahmen für Netz und Regelung nötig sind. Gnade dem Unternehmen in Süddeutschland, dessen Lieferverträge in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Die immer wieder gern propagierten 5,6 bis 6,6 Cent pro kWh für Industriestrom sind nämlich nur die halbe Wahrheit. Hinzu kommt noch der Leistungspreis für die Bereitstellung. Grob gerechnet, ist der Anteil für Leistung und Energie jeweils die Hälfte der Stromrechnung. Die Eigenversorgung soll ja bald auch kein Ausweg mehr sein. Es wird jedenfalls spannend werden, einen SPD-Energieminister zwischen den Stühlen der Gewerkschaftsfunktionäre und dem linken Flügel seiner Partei schwitzen zu sehen.

 

 

Wie man einen Reaktor kaputt repariert

Der amerikanische Energieversorger Southern California Edison’s gab am 7.6.2013 bekannt, sein Kernkraftwerk San Onofre nuclear plants (SONGS) endgültig still zu legen. Ausschlaggebend war die Feststellung der Atomaufsicht (NRC), daß sie mindestens ein Jahr für die endgültige Entscheidung benötigen würde, ob das Kraftwerk mit reduzierter Leistung wieder ans Netz gehen dürfte. Zu den technischen Details später. Wer der NRC einfach nur Unfähigkeit unterstellt, macht sich die Sache zu einfach. Es ist – das auch aus Deutschland hinlänglich bekannte – geschickte Taktieren und Ausnutzen von „Gesetzeslücken“ durch „Atomkraftgegner“. Letztendlich ging es um die juristische Spitzfindigkeit, ob für den Betrieb mit 70% Leistung gegenüber 100% Leistung eine neue Betriebsgenehmigung erforderlich ist. Wenn dies der Fall wäre, müßte ein entsprechendes öffentliches Anhörungsverfahren durchgeführt werden, welches wiederum die Einhaltung von Mindestfristen erforderlich macht. Kein Unternehmen kann eine Entscheidung über mehrere Milliarden Dollar über Jahre in der Schwebe halten. Es tritt daher die alte Kaufmannsregel in Kraft: Ein Ende mit Schrecken, ist besser als ein Schrecken ohne Ende.

Geschichte

Das Kernkraftwerk besteht aus drei Reaktoren. Block 1 hatte eine Leistung von 456 MWe und war 25 Jahre in Betrieb (1968 bis 1992). Er befindet sich im Zustand des „sicheren Einschlusses“ und dient dem restlichen Kraftwerk als atomares Zwischenlager. Die Blöcke 2 und 3 mit einer Nettoleistung von zusammen 2150 MWe gingen im August 1983 und April 1984 in Betrieb. Sie haben eine Betriebserlaubnis bis ins Jahr 2022. Ein entscheidender Punkt in diesem Drama.

SONGS liegt ziemlich genau zwischen San Diego und Los Angeles im südlichen Kalifornien. Eine immer noch wachsende Region mit latentem Mangel an elektrischer Energie und hoher Luftverschmutzung. Ein Ersatz durch ein Kohlekraftwerk scheidet aus. Selbst der Neubau von Gaskraftwerken (z. Zt. extrem billiges Erdgas in USA) wird schwierig werden. Der Bau einer neuen Starkstromleitung wird ebenfalls sehr teuer und befindet sich noch in der Prüfung. Seit der Ausserbetriebnahme der beiden Reaktoren liegt der Strompreis in Südkalifornien bereits permanent rund 5 Dollar pro MWh über dem Preis in Nordkalifornien. Das alles war lange bekannt bzw. absehbar.

Da man sich zu einem rechtzeitigen Neubau eines Kernkraftwerks nicht durchringen wollte, entschloss man sich – wie einst in Deutschland – zu einer „Laufzeitverlängerung“ um weitere 20 Jahre. Dabei war klar, daß für einen wirtschaftlichen Betrieb und eine Betriebsgenehmigung umfangreiche Modernisierungen nötig waren. Dickster Brocken war hierbei die Erneuerung der Dampferzeuger für über 500 Millionen Dollar. Wegen der Abmessungen grundsätzlich ein heikles Unterfangen. Auch der Crystal River Nuclear Plant ist durch einen solchen Umbau zum Totalschaden geworden. Die ursprünglich gedachte Lebensdauer von 30+ Jahren, hat genau in der Schwierigkeit des Austausches der Großkomponenten (Dampferzeuger, Druckgefäß etc.) ihre Begründung. Die „Laufzeitverlängerung“ bei Reaktoren der ersten und zweiten Generation ist wirtschaftlich immer fragwürdig gewesen und bleibt es auch heute. Irgendwann wird die ständige Modernisierung bei jedem Auto und Flugzeug zu einem „Groschengrab“. Ein „Oldtimer“ wird zwangsläufig zu einem Luxusgut. Dies gilt besonders, wenn es den ursprünglichen Hersteller (Combustion Engineering CE) gar nicht mehr gibt und die Konstruktion eher exotisch war. CE baute grundsätzlich nur zwei (sonst 2, 3 oder 4 üblich, je nach Leistung) Dampferzeuger in seine Reaktoren ein. Deshalb waren die Dampferzeuger von SONGS die voluminösesten überhaupt. Eine Tatsache, die der Anbieter Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ganz offensichtlich unterschätzt hat.

Technik der Dampferzeuger

Die Dampferzeuger sind neben dem Reaktordruckbehälter die größten und schwergewichtigsten Komponenten eines Druckwasserreaktors. Sie liegen innerhalb des Sicherheitsbehälters, der bestimmungsgemäß möglichst dicht sein soll. Will man sie austauschen, muß eine entsprechend große Montageöffnung in den Sicherheitsbehälter und die äußere Betonhülle (danach außergewöhnliche Abplatzungen im Spannbeton bei Crystal River) gebrochen werden.

Um die Vorgänge bei SONGS zu verstehen, muß man sich den Aufbau eines solchen Dampferzeugers vor Augen führen. Er ist das Bindeglied zwischen dem Wasserkreislauf des eigentlichen Reaktors und dem Dampfkreislauf der Turbine. Das heiße Wasser aus dem Reaktor strömt innerhalb der U-förmigen Rohre und überträgt dabei seine Wärme an das äußere Wasser des Dampfkreislaufes. Innerhalb der Rohre (primärseitig) sind die Verhältnisse noch einfach zu berechnen. Außerhalb (sekundärseitig) sind die Verhältnisse wegen der Verdampfung sehr kompliziert. Wie in einem Kochtopf bilden sich unzählige Dampfblasen, die sich ausdehnen, aufsteigen und dabei noch Wasser mitreißen. Es kommt dadurch zu erheblichen mechanischen Belastungen für die Rohre und alle Einbauten. Die Rohre sind nur sehr dünn (etwa 2 cm) und mehrere Meter lang. Ohne geeignete Abstützungen würden sie wie Grashalme im Wind hin und her geschlagen und durch permanentes Zusammenschlagen beschädigt. Die Auslegung und Fertigung solcher Abstandsplatten ist recht kompliziert, denn jeder Spalt zwischen Rohr und Abstandshalter bzw. Bodenplatte ist ein Ort der Korrosion. Durch die Korrosion werden die Rohre ebenfalls geschwächt bzw. eingebeult. Man verwendet deshalb recht exotische Legierungen (früher Inconel 600, heute Inconel 690) und eine komplexe Wasserchemie. Schäden lassen sich trotzdem nicht vermeiden. Bei jeder Inspektion werden die Rohre einzeln überprüft. Wenn ihre Wandstärke um ⅓ dünner geworden ist, werden sie durch Pfropfen dauerhaft verschlossen. Damit das überhaupt geschehen kann, sind ursprünglich 10 bis 20 Prozent mehr Rohre vorhanden, als für die Auslegungsleistung benötigt werden. Während des Betriebs gibt es eine Leckageüberwachung.

Bei der Inbetriebnahme der neuen Dampferzeuger traten unerwartete Vibrationen auf. Solche Vibrationen deuten immer auf einen erhöhten Verschleiß hin. Man stellte daher die Reaktoren ab und begann eine mehrmonatige Untersuchung. Das Ergebnis war ein Verschluß bereits geschädigter Rohre und die Entdeckung eines wahrscheinlichen Fehlers in der Konstruktion von MHI (Falsche Berechnung der Strömungszustände sekundärseitig). Wichtigste Erkenntnis war aber, daß die Vibrationen erst oberhalb einer Leistung von 70% auftraten. Es wurde der NRC daher vorgeschlagen, die Reaktoren für sechs Monate mit einer maximalen Leistung von 70% wieder in Betrieb zu nehmen und dann erneut auf Verschleiß zu prüfen. Gleichzeitig wurden Entwicklungsarbeiten für eine Ertüchtigung der Wärmetauscher durch MHI eingeleitet.

Das Ende

Am 13. Mai knickte das Atomic Safety and Licensing Board (ASaLB) Panel vor Friends of the Earth (FoE) ein. Für alle, die nicht so vertraut sind mit der Materie, ein Einschub: FoE ist einer der ältesten und einflussreichsten „Kampfeinheiten der Anti-Atomkraftbewegung“ oder noch treffender formuliert: Der Solarindustrie. Ihr erster Angestellter war Amory Lovins, der Guru aller Sonnenanbeter. Sich in Kalifornien mit dem Sierra Club und FoE anzulegen, ist ungefähr so, wie gegen Putin in Moskau zu demonstrieren. Der Sierra Club kämpft neuerdings nicht nur gegen Kernenergie, sondern auch massiv gegen die Kohlenindustrie. Dafür kommen die größten Spender aus dem Gassektor. Bei dem ASaLB handelt es sich um eine rein juristische Institution. Technik spielt dort keine Rolle. Insofern dürfte der Urteilsspruch nicht überraschen:

  1. Der Antrag auf eine Begrenzung der Leistung auf 70% entspricht nicht der Genehmigung und stellt eine schwerwiegende Änderung dar,
  2. Block 2 kann nicht sicher mit der genehmigten Leistung betrieben werden, deshalb muß die Genehmigung erneuert werden,
  3. Eine Wiederinbetriebnahme dieser Dampferzeuger in ihrem aktuellen Zustand mit nur 70% Leistung ist außerhalb geschichtlicher Erfahrung und der zeitweise Betrieb mit verringerter Leistung entspricht einem Versuch oder Test, für den es einer gesonderten Genehmigung bedarf.

Moral von der Geschichte: Juristen haben sich schlau aus der Schusslinie gebracht, Problem an die NRC delegiert, Kosten zahlen die Stromkunden, Luftverschmutzung nimmt weiter zu, aber Hauptsache die Solar- und Gasindustrie ist zufrieden gestellt.

Ganz neben bei, verlieren auch noch 900 Angestellte von den bisher 1500 Angestellten des Kraftwerks über Nacht ihre Arbeit.

Konsequenzen

Irgendwann ist jedes Kernkraftwerk am Ende seiner wirtschaftlichen Lebensdauer angekommen. Wer nicht den Mut besitzt ein neues zu bauen, begibt sich unter Umständen auf dünnes Eis: Ein massiver Umbau ist mit erheblichen Risiken verbunden. Ein Abriss und Neubau ist oft günstiger. Eine an und für sich Alltagserfahrung.

Fairerweise muß man aber sagen, daß ein Neubau heutzutage ein sehr langwieriges und kostspieliges Unterfangen ist. Das hat überhaupt nichts mit Technik und Betriebswirtschaft zu tun, sondern ist ausschließlich politisch verursacht. Wer das nicht glauben mag, sollte sich einmal die unterschiedlichen Planungs- und Bauzeiten für gleiche Reaktortypen in unterschiedlichen Ländern anschauen. Die teilweise abenteuerlichen Umbauten in USA sind ein Ergebnis für „vorhandene Standort-Genehmigungen“ und die wohlwollende lokale Unterstützung bei bestehenden Reaktoren im Gegensatz zum Risiko einer von „Anti-Atomgruppen“ verängstigten Bevölkerung an neuen Standorten.

Ein neues Phänomen – auch in Deutschland – ist die Mobilisierung von Rücklagen. Entgegen jahrzehntelanger Propaganda, sind die finanziellen Rücklagen für die Beseitigung der „Atomruinen“ so gewaltig bemessen gewesen, daß es verlockend geworden ist, sie zu heben. Im Falle SONGS betragen sie mehr als 2 Milliarden Dollar. Inzwischen steht eine auf „Abbruch“ spezialisierte Industrie weltweit zur Verfügung.

Das größte Hemmnis (nur in einigen Ländern !!) für die Investitionen in Kernkraftwerke ist die zeitliche Unkalkulierbarkeit. Sie muß über Risikozuschläge und zusätzliche Finanzierungskosten bedient werden. SONGS ist ein typisches Beispiel: Es geht beim Umbau etwas technisch schief. Die Konsequenz ist ein Stillstand der Arbeiten von mindestens einem Jahr aus rein juristischen Gründen. Es gibt aber ausdrückliche keine Garantie für diese Frist und das Ergebnis ist offen. Wahrscheinlich sind eher neue Verzögerungen, da sich die erfahrensten „Anti-Atomkraft-Kämpfer“ eingeschaltet haben. Jeder Tag Stillstand kostet aber dem Energieversorger mehr als eine Million Dollar pro Tag!

Der Restwert des Kernkraftwerks betrug rund 1,5 Milliarden Dollar. Die Umbauaktion schlägt mit weiteren 500 Millionen zu Buche. Allerdings beginnen nun juristische Auseinandersetzungen, wieviel davon MHI zu tragen hat und wieviel zusätzlich von Versicherungen übernommen wird. Man kann es aber drehen und wenden wie man will, letztendlich tragen die Stromkunden den Schaden. Das ist auch gut so. Kalifornien ist bereits einmal durch seine völlig verquaste Energiepolitik an den Rand des Staatsbankrott getrieben worden. Der folgende politische Erdrutsch führte zu einem Gouverneur Schwarzenegger.

Baubeginn für zweiten Reaktor

Ende März erfolgte der offizielle Baubeginn des zweiten Reaktorblocks für das Kernkraftwerk Barakah in Abu Dhabi in der Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE). Baubeginn für den ersten Block war im July 2012. Die Blöcke 3 und 4 sollen folgen. Alle vier Reaktoren sollen in den Jahren 2017 bis 2020 ans Netz gehen. Im Jahre 2009 wurde der Auftrag für knapp 16 Milliarden Euro an ein koreanisches Konsortium vergeben. Samsung, Hyundai und Doosan Heavy Industries werden dieses Kraftwerk mit 5600 MWe errichten. Bemerkenswert ist der spezifische Preis von deutlich unter 3000 EUR/kW. Der erwartete Strompreis wird mit rund 2 Cent/kWh angegeben. Für diesen Preis kann man heute in Deutschland nicht mal mehr Strom aus Braunkohle produzieren. So viel nur zum „energiegewendeten“ Industriestandort Deutschland im Jahre 2020.

Warum Kernenergie im Ölland?

In allen Golfstaaten hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Industrialisierung statt gefunden: Riesige petrochemische Anlagen, Stahlwerke, Kupfer und Aluminiumhütten etc. Basis ist und bleibt der Reichtum an Öl und Erdgas. Man setzt allerdings konsequent auf den verstärkten Export von veredelten Produkten an der Stelle von Rohstoffen. Verknüpft ist das alles mit einer rasant wachsenden Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand. So verdoppelt sich der Strombedarf in den Emiraten etwa alle zehn Jahre. Hinzu kommt noch ein riesiger Bedarf an Trinkwasser, der ausschließlich über energieintensive Meerwasser-Entsalzungsanlagen gewonnen werden muß.

In allen Golfstaaten begann die Elektrifizierung mit Ölkraftwerken. Schon in den 1970er Jahren ergab sich ein neuer Zielkonflikt: Das Rohöl (in Weltmartktpreisen) wurde immer teurer und gleichzeitig nahmen die Umweltprobleme durch das Abfackeln der Begleitgase immer mehr zu. Folgerichtig wurde eine Umstellung auf Gaskraftwerke betrieben. Man konnte in den Emiraten mit dieser Politik zwei Ziele erreichen: Gewinnung zusätzlicher Ölmengen für den Export und Umweltschutz. Es wurden Kombikraftwerke in Serie gebaut: Mit dem Erdgas werden Gasturbinen betrieben und deren Abgas anschließend in Dampfkesseln zur weiteren Stromerzeugung genutzt. Zusätzlich sind die Dampfturbinen mit Anzapfungen zur Auskoppelung von Niedertemperaturdampf versehen, der in Enstspannungsverdampfern Trinkwasser aus Meerwasser erzeugt. Dieser Verbund auf der Basis (einst) billig vorhandenen Brennstoffs war so günstig, daß in den Emiraten beispielsweise Aluminiumwerke betrieben werden können. Sonst eher eine Domäne billiger Wasserkraft. Inzwischen ist jedoch der Gasverbrauch so stark angestiegen, daß z. B. Erdgas aus dem benachbarten Katar importiert werden muß. Und schon drückt auch hier der Weltmarktpreis für Erdgas auf die Eigenerzeugung. Umfangreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, daß der weiter steigende Strom- und Trinkwasserbedarf sinnvoll nur durch (importierte) Kohle oder Kernkraft gedeckt werden kann.

Man wählte als ersten Schritt den Einstieg in eine erprobte Technik: Die Kernenergie. Im zweiten Schritt ist für Dubai ein Kohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung geplant. Auch hier wird ein mehrfacher Nutzen angestrebt: Das abgeschiedene Kohlendioxid soll in „alte“ Ölfelder zur zusätzlichen Ölgewinnung verpreßt werden. Überkritisches Kohlendioxid ist einer der besten Lösungsmittel überhaupt. In Texas wird diese Methode bereits in großem Maßstab angewendet, um vermeintlich „trockene“ Ölfelder weiter zu entölen. Dort ist diese Methode wirtschaftlich, weil man große natürliche Kohlendioxidvorkommen in unmittelbarer Nähe der Ölfelder hat. In Norwegen fördert man stark kohlendioxidhaltiges Erdgas. Das Kohlendioxid wird nach Abscheidung ebenfalls wieder in die Lagerstätte verpreßt um den Lagerstättendruck aufrecht zu erhalten. Was die „unterirdische Lagerung von CO2“ betrifft, handelt es sich also um eine seit langem erprobte Technologie. Bleibt noch die Abscheidung im Kraftwerk: Einst auch eine verfahrenstechnische Domäne Deutschlands – bis „Grüne“ meinten, daß CO2 ganz, ganz böse und gefährlich sei. Mal sehen, welches Land den Auftrag für das Kraftwerk erhält. Aber der Deutsche Michel wird sich trotzdem glücklich schätzen, wenn er für sein Erdgas und Benzin noch ein weiteres „CO2-Zertifikat“ oben drauf kaufen darf, zur Wohlstandsförderung in den Ölstaaten. Er hat es halt nicht besser verdient.

Warum nicht Sonne?

Nun, alle Golfstaaten bauen durchaus „Sonnenkraftwerke“. Nur leider scheint auch in der Wüste nachts keine Sonne. Zwar gibt es ein paar mehr Sonnenstunden dort, aber leider ist es auch bedeutend wärmer und alle Verfahren zur Stromgewinnung knicken mit steigender Temperatur ein. Man kann dort also gar nicht so viel mehr elektrische Energie mit einem Sonnenkollektor gewinnen. Um die gleiche Energie, wie ein Kernkraftwerk mit seiner Arbeitsverfügbarkeit von 90 % zu gewinnen, benötigte man gigantische Flächen, Speicher und riesige Mengen Wasser zur Kühlung und/oder Reinigung. Tatsachen, die gerne von „Sonnenmännchen“ in ihren Werbebroschüren verschwiegen werden. Insofern kann auch in der Golfregion Sonnenenergie nur ergänzend eingesetzt werden. Eine Vollversorgung ist – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen – illusorisch.

Es gibt auch reichlich Wind in der Golfregion. Nur bläst der Wind noch zufälliger und wenn er bläst, ähnelt er mehr einem Sandstrahlgebläse. Außerdem macht es wenig Sinn, seine Küsten zu „verspargeln“, wenn man auch den Tourismus fördern will. Alles in allem, eher schlechte Bedingungen für „Alternativtechnik“.

Die Emirate sind der Musterfall für alle wüstenähnlichen Regionen. Wer glaubte, man könne diese Regionen zur Stromversorgung von Europa nutzen, ist einem Märchen aufgesessen. Die Mittel reichen nicht einmal für eine Selbstversorgung dieser Länder. Es ist daher kein Zufall, daß gerade die aufstrebenden Nationen in Kernkraftwerken ihre einzige Möglichkeit sehen. Hinzu kommt in diesen Ländern die notorische Trinkwasserknappheit. Meerwasserentsalzung ist die einzige Alternative. Wenn all diese Länder hierfür Kohle einsetzen wollten, würde der Weltmarkt aus den Fugen geraten. Die heimischen Gas- und Ölvorkommen (so weit vorhanden) werden als Devisenbringer ohnehin dringend benötigt.

Proliferation

Die UAE sind auch in politischer Hinsicht ein Musterfall: Um gar nicht erst den Verdacht zu erwecken, nach Kernwaffen zu streben, haben sie sich verpflichtet auf Urananreicherung und Wiederaufbereitung zu verzichten. Im Gegenzug garantiert man ihnen die Versorgung mit Brennstoff. Dies ist ein Modell, auf das sich auch andere Länder einlassen können und wahrscheinlich auch müssen, wenn sie die volle Unterstützung der Weltgemeinschaft genießen wollen. Iran ist das krasse Gegenbeispiel.

Zumindest der letzte Punkt ist auch für Deutschland von Vorteil. Die Gespensterdebatte um ein „Atommüll-Endlager“ ist überflüssig geworden, da sich kurz über lang ein internationaler Markt für Wiederaufbereitung herausbilden wird. Wie schnell das geschieht, hängt allein von der Wachstumsgeschwindigkeit der Kernenergie und von den Preisen für Natururan ab. Der Tag wird nicht mehr so fern sein, wo Deutschland seine „Uran- und Plutoniumvorräte“ auf dem Weltmarkt verkaufen kann. Deshalb bauen ähnlich kleine Länder, wie Schweden und Finnland auch „rückholbare Endlager“. Man vergräbt zwar durchaus Schätze, aber stets um sie sicher zu lagern und nicht um sie zu vergessen. Abgenutzte Brennelemente sind Wertstoffe und kein Müll.