Baubeginn für zweiten Reaktor

Ende März erfolgte der offizielle Baubeginn des zweiten Reaktorblocks für das Kernkraftwerk Barakah in Abu Dhabi in der Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE). Baubeginn für den ersten Block war im July 2012. Die Blöcke 3 und 4 sollen folgen. Alle vier Reaktoren sollen in den Jahren 2017 bis 2020 ans Netz gehen. Im Jahre 2009 wurde der Auftrag für knapp 16 Milliarden Euro an ein koreanisches Konsortium vergeben. Samsung, Hyundai und Doosan Heavy Industries werden dieses Kraftwerk mit 5600 MWe errichten. Bemerkenswert ist der spezifische Preis von deutlich unter 3000 EUR/kW. Der erwartete Strompreis wird mit rund 2 Cent/kWh angegeben. Für diesen Preis kann man heute in Deutschland nicht mal mehr Strom aus Braunkohle produzieren. So viel nur zum „energiegewendeten“ Industriestandort Deutschland im Jahre 2020.

Warum Kernenergie im Ölland?

In allen Golfstaaten hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Industrialisierung statt gefunden: Riesige petrochemische Anlagen, Stahlwerke, Kupfer und Aluminiumhütten etc. Basis ist und bleibt der Reichtum an Öl und Erdgas. Man setzt allerdings konsequent auf den verstärkten Export von veredelten Produkten an der Stelle von Rohstoffen. Verknüpft ist das alles mit einer rasant wachsenden Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand. So verdoppelt sich der Strombedarf in den Emiraten etwa alle zehn Jahre. Hinzu kommt noch ein riesiger Bedarf an Trinkwasser, der ausschließlich über energieintensive Meerwasser-Entsalzungsanlagen gewonnen werden muß.

In allen Golfstaaten begann die Elektrifizierung mit Ölkraftwerken. Schon in den 1970er Jahren ergab sich ein neuer Zielkonflikt: Das Rohöl (in Weltmartktpreisen) wurde immer teurer und gleichzeitig nahmen die Umweltprobleme durch das Abfackeln der Begleitgase immer mehr zu. Folgerichtig wurde eine Umstellung auf Gaskraftwerke betrieben. Man konnte in den Emiraten mit dieser Politik zwei Ziele erreichen: Gewinnung zusätzlicher Ölmengen für den Export und Umweltschutz. Es wurden Kombikraftwerke in Serie gebaut: Mit dem Erdgas werden Gasturbinen betrieben und deren Abgas anschließend in Dampfkesseln zur weiteren Stromerzeugung genutzt. Zusätzlich sind die Dampfturbinen mit Anzapfungen zur Auskoppelung von Niedertemperaturdampf versehen, der in Enstspannungsverdampfern Trinkwasser aus Meerwasser erzeugt. Dieser Verbund auf der Basis (einst) billig vorhandenen Brennstoffs war so günstig, daß in den Emiraten beispielsweise Aluminiumwerke betrieben werden können. Sonst eher eine Domäne billiger Wasserkraft. Inzwischen ist jedoch der Gasverbrauch so stark angestiegen, daß z. B. Erdgas aus dem benachbarten Katar importiert werden muß. Und schon drückt auch hier der Weltmarktpreis für Erdgas auf die Eigenerzeugung. Umfangreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, daß der weiter steigende Strom- und Trinkwasserbedarf sinnvoll nur durch (importierte) Kohle oder Kernkraft gedeckt werden kann.

Man wählte als ersten Schritt den Einstieg in eine erprobte Technik: Die Kernenergie. Im zweiten Schritt ist für Dubai ein Kohlekraftwerk mit CO2-Abscheidung geplant. Auch hier wird ein mehrfacher Nutzen angestrebt: Das abgeschiedene Kohlendioxid soll in „alte“ Ölfelder zur zusätzlichen Ölgewinnung verpreßt werden. Überkritisches Kohlendioxid ist einer der besten Lösungsmittel überhaupt. In Texas wird diese Methode bereits in großem Maßstab angewendet, um vermeintlich „trockene“ Ölfelder weiter zu entölen. Dort ist diese Methode wirtschaftlich, weil man große natürliche Kohlendioxidvorkommen in unmittelbarer Nähe der Ölfelder hat. In Norwegen fördert man stark kohlendioxidhaltiges Erdgas. Das Kohlendioxid wird nach Abscheidung ebenfalls wieder in die Lagerstätte verpreßt um den Lagerstättendruck aufrecht zu erhalten. Was die „unterirdische Lagerung von CO2“ betrifft, handelt es sich also um eine seit langem erprobte Technologie. Bleibt noch die Abscheidung im Kraftwerk: Einst auch eine verfahrenstechnische Domäne Deutschlands – bis „Grüne“ meinten, daß CO2 ganz, ganz böse und gefährlich sei. Mal sehen, welches Land den Auftrag für das Kraftwerk erhält. Aber der Deutsche Michel wird sich trotzdem glücklich schätzen, wenn er für sein Erdgas und Benzin noch ein weiteres „CO2-Zertifikat“ oben drauf kaufen darf, zur Wohlstandsförderung in den Ölstaaten. Er hat es halt nicht besser verdient.

Warum nicht Sonne?

Nun, alle Golfstaaten bauen durchaus „Sonnenkraftwerke“. Nur leider scheint auch in der Wüste nachts keine Sonne. Zwar gibt es ein paar mehr Sonnenstunden dort, aber leider ist es auch bedeutend wärmer und alle Verfahren zur Stromgewinnung knicken mit steigender Temperatur ein. Man kann dort also gar nicht so viel mehr elektrische Energie mit einem Sonnenkollektor gewinnen. Um die gleiche Energie, wie ein Kernkraftwerk mit seiner Arbeitsverfügbarkeit von 90 % zu gewinnen, benötigte man gigantische Flächen, Speicher und riesige Mengen Wasser zur Kühlung und/oder Reinigung. Tatsachen, die gerne von „Sonnenmännchen“ in ihren Werbebroschüren verschwiegen werden. Insofern kann auch in der Golfregion Sonnenenergie nur ergänzend eingesetzt werden. Eine Vollversorgung ist – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen – illusorisch.

Es gibt auch reichlich Wind in der Golfregion. Nur bläst der Wind noch zufälliger und wenn er bläst, ähnelt er mehr einem Sandstrahlgebläse. Außerdem macht es wenig Sinn, seine Küsten zu „verspargeln“, wenn man auch den Tourismus fördern will. Alles in allem, eher schlechte Bedingungen für „Alternativtechnik“.

Die Emirate sind der Musterfall für alle wüstenähnlichen Regionen. Wer glaubte, man könne diese Regionen zur Stromversorgung von Europa nutzen, ist einem Märchen aufgesessen. Die Mittel reichen nicht einmal für eine Selbstversorgung dieser Länder. Es ist daher kein Zufall, daß gerade die aufstrebenden Nationen in Kernkraftwerken ihre einzige Möglichkeit sehen. Hinzu kommt in diesen Ländern die notorische Trinkwasserknappheit. Meerwasserentsalzung ist die einzige Alternative. Wenn all diese Länder hierfür Kohle einsetzen wollten, würde der Weltmarkt aus den Fugen geraten. Die heimischen Gas- und Ölvorkommen (so weit vorhanden) werden als Devisenbringer ohnehin dringend benötigt.

Proliferation

Die UAE sind auch in politischer Hinsicht ein Musterfall: Um gar nicht erst den Verdacht zu erwecken, nach Kernwaffen zu streben, haben sie sich verpflichtet auf Urananreicherung und Wiederaufbereitung zu verzichten. Im Gegenzug garantiert man ihnen die Versorgung mit Brennstoff. Dies ist ein Modell, auf das sich auch andere Länder einlassen können und wahrscheinlich auch müssen, wenn sie die volle Unterstützung der Weltgemeinschaft genießen wollen. Iran ist das krasse Gegenbeispiel.

Zumindest der letzte Punkt ist auch für Deutschland von Vorteil. Die Gespensterdebatte um ein „Atommüll-Endlager“ ist überflüssig geworden, da sich kurz über lang ein internationaler Markt für Wiederaufbereitung herausbilden wird. Wie schnell das geschieht, hängt allein von der Wachstumsgeschwindigkeit der Kernenergie und von den Preisen für Natururan ab. Der Tag wird nicht mehr so fern sein, wo Deutschland seine „Uran- und Plutoniumvorräte“ auf dem Weltmarkt verkaufen kann. Deshalb bauen ähnlich kleine Länder, wie Schweden und Finnland auch „rückholbare Endlager“. Man vergräbt zwar durchaus Schätze, aber stets um sie sicher zu lagern und nicht um sie zu vergessen. Abgenutzte Brennelemente sind Wertstoffe und kein Müll.

Uran-Fracking , Unwort zum Quadrat?

Ein neuer Kampfbegriff geistert bereits durch einschlägige Postillen in den USA: Uran fracking. Seit mehr als 70 Jahren wird bei Ölquellen durch das Aufbrechen von undurchlässigen Gesteinsschichten der Durchfluss verbessert. Niemand hat sich dafür interessiert. Erst als durch Anwendung dieser Technik gewaltige Gaslagerstätten nutzbar gemacht werden konnten, ging die Empörung los. Es war für bestimmte Kreise nur schwer erträglich, daß die fossilen Energieträger nun doch nicht in wenigen Jahren aufgebraucht sind. In gemeinsamer Anstrengung mit Hollywood gelang es in wenigen Monaten diesen technischen Begriff zu einem echten Aufreger zu machen. Nach dem dieses Werk vollbracht war, muß es wohl naheliegend sein, ihn mit einem zweiten Unwort zu kombinieren: Uran-Fracking. Sicherlich können deutsche „Qualitätsmedien“ nicht lange widerstehen. Es scheint mir daher sinnvoll, schon mal etwas näher auf die Zusammenhänge einzugehen.

Eagle Ford Shale

Der Eagle Ford Ölschiefer ist eine fast 100 km breite und 80 m dicke Schicht, die sich in 1200 bis 3700 m Tiefe über 650 km von der Mexikanischen Grenze in den Osten von Texas erstreckt. Neben Erdgas enthält sie schätzungsweise 3 Milliarden Barrel Öl. Inzwischen werden in diesem Gebiet rund 375.000 barrel pro Tag gefördert. Ein ordentlicher Ertrag für die Landbesitzer. Denn nach guter, alter Texas-Sitte, gilt immer noch „a quarter to a third“. Meint, selbst wenn der Landbesitzer nur sein Land zur Verfügung stellt und keinen Cent selbst investiert, bekommt er ¼ der Öleinnahmen. Bei solchen Gesetzen, kann man die Bevölkerung nur schwer aufhetzen, zumal man in Texas schon 100 Jahre mit der Ölförderung lebt – und das, recht gut.

Uranvorkommen

Texas ist aber nicht nur mit fossilen Brennstoffen gesegnet, sondern auch mit Uran. Man besitzt darüber sehr gute Kenntnisse, weil in den Zeiten des Kalten Krieges alle Ölbohrungen auch auf ihren Urangehalt hin untersucht werden mußten. Vor 45 Millionen Jahren haben Vulkane Unmengen von Asche über den Süden der USA ausgestoßen. Aus dieser Asche wurde das Uran langsam ausgewaschen und bildete Lagerstätten. Und nun kommt die Geschichte zusammen: Aufsteigendes Erdgas hat dieses Uran in Jahrmillionen wieder ausgetrieben und oberhalb der Ölschieferschicht in dortige poröse Schichten angereichert. Diese Schichten berühren teilweise die Schichten, aus denen die Rancher ihr Trinkwasser beziehen. Wie sensibel Rancher auf ihre Brunnen reagieren, ist hinlänglich aus Western bekannt. Zumal sie mit Uranbergbau in der Zeit von 1950 bis 1980 keine guten Erfahrungen gemacht haben. Die Minen in Karnes County und Falls City sind in ganz Texas für ihre Umweltsünden bekannt. Sie hinterließen große Teiche, randvoll mit giftigen Schlämmen aus der Produktion. Damals wurde das Erz im Tagebau abgebaut, zu Staub vermahlen und mit Schwefelsäure aufgeschlossen. Die Produktionsrückstände enthalten nicht nur Uran und seine Zerfallsprodukte, sondern auch Kadmium, Kobalt, Nickel, Fluoride usw. Ab 1967 wurde versucht, das Palangana Vorkommen „in situ“ auszubeuten. Dazu bohrte man tausende Löcher bis in die uranhaltige Schicht und leitete Ammoniak ein. Die entstehende Lauge sollte das Uran lösen, um das Uran an die Oberfläche pumpen zu können. Dieses Verfahren erwies sich als nicht sonderlich erfolgreich.

Das Goliad Projekt

In diesem Jahr konnte Uranium Energy (UEC) nach langjährigen juristischen Auseinandersetzungen sein Goliad Projekt in Betrieb nehmen. Gegner gingen durch alle Instanzen, um dieses Projekt zu verhindern. Jedoch ohne Erfolg. Warum dieser erhebliche Widerstand? Wasser ist in Texas ein äußerst kostbares Gut. Ohne Brunnen ist in diesen Gebieten nicht einmal Viehzucht möglich. Die uranführende Schicht liegt an dieser Stelle nur gut 120 m unter der Erde. Diese Schicht ist porös und wasserhaltig. Das Wasser könnte mit darüber liegenden Grundwasserleitern in Kontakt kommen. Tatsächlich ist in diesen Gegenden das Trinkwasser immer uran- und radonhaltig. Geplant ist nur die ohnehin nicht als Trinkwasser geeigneten Wässer abzusaugen und über Ionentauscher zu leiten. Nachdem sich dort das Uran abgelagert hat, soll das Wasser wieder in die Schicht zurückgepumpt werden. Im laufe der Zeit würde sich das Wasser wieder auf natürliche Weise mit Uran anreichern. Um den Prozeß zu beschleunigen, wird das Wasser mit Sauerstoff angereichert. Der Sauerstoff mobilisiert das Uran im Boden und beschleunigt diesen Vorgang. Durch die Anordnung von Förder- und Schluckbrunnen wird gewährleistet, daß immer nur Wasser in Richtung der Förderbrunnen fließt. Dies wird durch Messstellen rund um das Gebiet überwacht. Außerdem darf sich die Zusammensetzung (mit Ausnahme des Urangehaltes natürlich) des zurückgeführten, nicht von dem des geförderten Wassers unterscheiden. Hierdurch soll eine Anreicherung mit Schwermetallen, Selen, Fluor usw. verhindert werden.

Bis zum Ende des Jahrzehnts strebt UEC in Texas eine Förderung von 3 Millionen pound Uranoxid (U3O8, Yello cake) pro Jahr an. Dies entspricht immerhin einem Energieäquivalent von über 100 Millionen barrel Rohöl pro Jahr, wenn man nur das darin enthaltene U235 nutzt, sonst (Brüter) fast 100 mal mehr. Glückliches Texas.